Die Studentin Alina Kuhlmann spricht über ihr Studienbeginn unter Corona-Bedingungen. (Bild: rbb)
Video: Abendschau | 02.11.2020 | Marek Walde | Studiogespräch mit Daniel Kubiak | Bild: rbb

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Neue Leute kennenlernen, im Hörsaal etwas lernen und Party machen – so hatte sich Alina Kuhlmann ihren Studienstart in Berlin eigentlich vorgestellt. Jetzt ist sie neu in der Stadt und hat nicht wirklich die Möglichkeit, neue Freundschaften zu knüpfen. Ein Gesprächsprotokoll.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als viele andere Ereignisse zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Alina Kuhlmann ist 19 Jahre alt, kommt aus einer Kleinstadt aus der Nähe von Münster in Nordrhein-Westfalen und startet jetzt ihr Studium in Berlin. So geht es ihr:

Ich wache irgendwann morgens auf, so gegen acht oder neun Uhr, setze mich an meinen Schreibtisch, fahre meinen Laptop hoch und check meine E-Mails, um zu gucken, ob die Uni irgendwas geschrieben hat. Ab dieser Woche geht es dann los mit den Vorlesungen und den Seminaren, das ist aber alles online, also am Schreibtisch mit meiner Kaffeetasse neben mir.

Meine Gefühle aktuell sind gemischt, es ist auf jeden Fall anders, als man sich das Unileben vorstellt. Es ist natürlich auch so, dass ich verstehen kann, warum das so ist. Ich nehme die Situation sehr ernst und finde es natürlich schade, dass ich keine Freunde und neuen Leute kennenlernen kann. So ist es halt sehr schwierig, das ist ein bisschen blöd.

Ich habe mich besonders darauf gefreut, neue Leute kennenzulernen und vor allem einfach das Leben in Berlin zu leben. Ich komme aus einer Kleinstadt und da hat man hier halt einfach viel, viel mehr Möglichkeiten etwas zu unternehmen – normalerweise.

Neue Menschen lerne ich vor allem dadurch kennen, dass ich auf Instagram mit Leuten schreibe und frage: „Hey, wer studiert auch jetzt in Berlin“. Auch von der Fachschaft von der Uni wurde eine Telegram-Gruppe mit allen aus dem Studiengang eröffnet und dadurch kann man dann schonmal ein paar erste Kontakte knüpfen. Aber es ist nicht dasselbe. Man kann durch das Online-Kennenlernen keine Freundschaft aufbauen. Ich denke, dass es ganz gut ist, wenn man Sachen von der Uni nicht versteht, dass man da nochmal Kontakte hat zum Nachfragen, aber wirklich Freunde finden ist es dann eher nicht.

Ich wollte unbedingt nach Berlin, weil ich eben gedacht habe, hier kann man voll viel erleben und hier ist voll viel los und hier gibt es viel mehr coole Restaurants, Bars und Clubs. Ich wusste halt noch nicht, dass das mit Corona alles zugemacht wird und ich dann nur am Schreibtisch sitze, dafür hätte ich nicht nach Berlin kommen müssen.

Vom Studienstoff her schaffe ich das glaube ich schon alles online, das Einzige ist halt so zu vereinsamen, das ist denke ich, womit jeder zu kämpfen hat, wenn man den ganzen Tag allein ist. Ich habe das Glück, dass ich jetzt in einer WG lebe, ich bin also nicht komplett allein und hab noch ein paar Menschen um mich herum. Trotzdem habe ich da ein bisschen Angst vor.

Ich glaube schon, dass ich in der aktuellen Situation hier etwas vereinsamen könnte. Ich weiß nicht, wie realistisch das ist, aber einfach dadurch, dass meine ganzen Kontakte, meine ganze Familie und meine Freunde sehr, sehr weit weg sind, ist es schwierig.

Das Kurioseste für mich momentan ist, dass ich quasi im Pyjama zur Uni gehen kann. Ich glaube, man muss schon sehr diszipliniert sein dafür. Was ganz wichtig ist, ist, dass man trotzdem aufsteht und nicht im Bett liegen bleibt. Aber ich denke schon, dass ich das hinkriege.

Es gab von der Fachschaft die Möglichkeit, in eine Telegram-Gruppe zu gehen um neue Leute kennen zu lernen, aber sonst gab es nicht wirklich Angebote von der Uni. Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Online-Angebote gegeben hätte, vor allem, weil Corona jetzt ja nicht erst seit gestern da ist. Ich finde, da hätte man sich ja vielleicht etwas mehr Gedanken machen können. Ich habe auch gesehen, dass ein paar Fachschaften auch ganz coole Sachen gemacht haben, also so Online-Spieleabende, das war bei mir jetzt aber nicht so.

Meine größte Sorge ist, dass meine Disziplin nicht ausreicht und ich mir dann denke: Ach, ist ja eh alles online, ist nicht so schlimm, wenn ich da heute nicht vorm Rechner sitze. Ich hoffe gleichzeitig, dass das alles zum nächsten Sommer- oder Wintersemester wieder lockerer wird und dass es vielleicht trotzdem, oder gerade deswegen, eine schöne und einzigartige Zeit wird. Sowas hatte man ja vorher noch nie.

Gesprächsprotokoll: Marek Walde

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3 Kommentare

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  1. 3.

    Ich frage mich, was das für ein Studium ist. Ich habe Anfang der siebziger Jahre in Leipzig Chemie studiert. Ich wollte von meinen Eltern weg. Wir hatten einen großen Zusammenhalt in der Seminargruppe. Im Studentenwohnheim gab es reichlich Kontakte. Unser Studium war mit Stoff so vollgepackt, dass ich keine Angst haben musste, dass meine Disziplin nicht reicht, denn ohne hätte ich das Studium nicht geschafft. Außerdem hatte ich so wenig Geld, dass an große Unternehmungen nicht zu denken war. So habe ich immer davon geträumt, mal in ein bestimmtes Café ("Am Ring")zu gehen. Als ich mir das nach dem Studium hätte leisten können, war das Café geschlossen. Meine Motivation war die ganze Zeit "Anstrengen, damit es mir später gut geht." Dafür war ich nach dem Studium immer finanziell unabhängig und ich kann jetzt gut von meiner Rente leben.
    Ich wünsche Alina für ihr Studium alles Gutes und gebe ihr den Tipp, sich jetzt auf das Wesentliche (Wissenserwerb)zu konzentrieren.

  2. 2.

    Genau deshalb sieht die Coronaverdnung ja eigentlich für Erstsemester weiterhin Einführungsveranstaltungen vor (jedenfalls in der Form, die bis gestern galt und die müssten ja dann auch stattgefunden haben), damit man sich also persönlich auch mal sieht, ist natürlich jetzt doof für die Alina. Das Problem mit dem Sich Aufraffen verstehe ich, denn man macht ja nicht umsonst ein Präsenz- und kein Fernstudium. Das ist vielleicht ein wenig wie mit z.B. zum Sport gehen, einige (Ich auch^^) brauchen einfach diesen Tapetenwechsel, um sich zu entfalten, und auch die direkte Ansprache. -- Dennoch, das Mädel soll den Kopf nicht hängen lassen. Das mit der Gesellschaft in der WG ist doch erstmal schon gut. Die alten Kontakte nach NRW gibt es ja sicher auch noch. Halten, Pflegen. Weihnachten nach Hause fahren. Wünsche ihr viel Mut und Kraft, obwohl ich "nur nach Berlin wollen wegen Ausgehen und Nachtleben" als Standortkriterium nicht begrüße. Hätte es Köln da nicht auch schon getan? Warum Berlin??

  3. 1.

    Stimmt, warum bleibt sie nicht in ihrer Kleinstadt bei ihren Verwandten. Neues Studienmodell: ich kann mich in jede beliebige Uni einschreiben. Ich muss ja eh von zu Hause aus studieren. Ich muss nicht noch in die Stadt umziehen in der die Uni steht.... Ach ne, Fernstudium gab es ja schon immer... *Ironie off"

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