Bastian Kurka - #Wie geht es uns? (Quelle: privat)
Bild: privat

#Wiegehtesuns | Arbeitsloser Veranstaltungstechniker - "Da wird man Vater und hat kein Einkommen mehr"

Andere ins richtige Licht setzen kann Bastian Kurka gut. Nur gibt es seit Corona kaum Arbeit mehr für Veranstaltungstechniker wie ihn. Das bringt ihn in eine verzweifelt Lage - auch wenn er privat eigentlich gerade sehr glücklich ist. Ein Gesprächsprotokoll.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als viele andere Ereignisse zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Bastian Kurka ist 44 Jahre alt, frischgebackener Vater einer Tochter und Veranstaltungstechniker im Bereich Lichttechnik. So geht es ihm:

Mein Job ist, vielmehr war es, auf Veranstaltungen Lampen aufzuhängen, sie zu verkabeln und einzuleuchten. Seit zehn Jahren bin ich selbstständig und habe an langen Tagen viele Stunden schwitzend dafür gearbeitet, dass andere Leute feiern können. Von Messen über Raves bis hin zu hochrangigen Firmenfeiern.

Angestellte und große Betriebsausgaben habe ich nicht. Als Soloselbstständiger bin ich dennoch gut über die Runden gekommen und der Umsatz hat sich jedes Jahr leicht gesteigert. Rücklagen oder Altersvorsorgen habe ich nicht. Betriebshaftpflicht und Krankenversicherung sind in meinem Job sehr viel wichtiger. Wenn während einer Veranstaltung eine Lampe aus dem Dach fällt, hat man im schlimmsten Fall ohne Versicherungsschutz schnell eine Millionenklage am Hals.

Ich kann mich gut an meinen letzten Job im Februar erinnern. Wir waren mehrere Dutzend Techniker auf der Messe Berlin und haben uns darüber unterhalten, dass aufgrund des Coronavirus die Messe in Barcelona abgesagt wurde und einige Kollegen trotz geleisteter Arbeit keine Rechnung mehr bezahlt bekommen. Niemand von uns hätte sich zu dem Zeitpunkt träumen lassen, dass dieser Job im Februar der letzte für viele von uns in diesem Jahr sein sollte. Die ITB, die Travel Messe, die Republica nach und nach wurden alle Aufträge wegen der Pandemie abgesagt. Ich habe seit Ende Februar keinen neuen Auftrag erhalten.

Ende März wurde dann unsere erste Tochter geboren. Sie kam drei Wochen zu früh und obwohl wir einen Geburtshaus-Termin hatten, mussten wir nachts in ein Krankenhaus fahren. Damals, während des Lockdowns, dachten wir noch das Krankenhaus ist das Schlimmste, was uns passieren könnte.

Die ersten drei Monate hatte ich oft Albträume. Da wird man Vater und hat schlagartig kein Einkommen mehr.

Ende Mai kam dann recht unkompliziert die 5.000 Euro Soforthilfe vom Land Berlin. Das Geld war schnell aufgebraucht.

Ende Juli kündigte dann die private Krankenversicherung meinen Vertrag, da ich zwei Monate keine Beiträge gezahlt hatte. Ich kämpfe heute noch um Arztrechnungen von Anfang des Jahres, die nicht beglichen wurden.

Solo-Selbstständigen in Deutschland wird der Gang zum Jobcenter empfohlen, der vereinfachte Antrag und die umgehende Hilfe für uns wurde fast schwärmerisch von der Politik gelobt. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Ich musste zwanzig gestückelte Emails an das Jobcenter verschicken, die die Datenmenge fast 100 MB an Dokumenten von mir und meiner Frau beinhalteten. Jetzt habe ich einen Bescheid. Mir sind zehn Cent für den kompletten Monat Juli ausgerechnet worden, da meine Frau, die gerade Elterngeld bekommt, anscheinend noch zu viel verdient. Babywindeln oder eine Krankenversicherung kann ich mir davon nicht kaufen.

Aber grundsätzlich finde ich den Umgang der Bundesregierung mit der Pandemie richtig. Niemand möchte ein überlastetes Krankensystem und auch ich bin gerne bereit, meinen Beitrag zu leisten.

Ich versuche jetzt der Situation etwas Gutes abzugewinnen und genieße jeden Tag mit meiner kleinen Tochter. Manchmal ist es schwer, gute Laune zu behalten, wenn man täglich in den Nachrichten von den großartigen Subventionspaketen hört. Auto-, Gastro-, Hotel-, Reisebranche und der BER bekommen Millionen. Mir und meinen Kollegen würde ein Bruchteil davon reichen. Wir haben auch keine Mitarbeiter, die wir entlassen könnten oder Aktionäre, an die wir das Geld weiterreichen.

Ab Dezember bekomme ich dann für fünf Monate Elterngeld. Der Bescheid basiert auf meinem Einkommen von vor der Krise. Damit werde ich bis Ende Mai 2021 erstmal über die Runden kommen. Ob es dann die Pandemie oder meine Auftraggeber noch geben wird und ich dann jemals wieder einen Auftrag bekomme, steht in den Sternen. Ich habe dann knapp 1,5 Jahre nicht mehr in meiner Branche gearbeitet.

Gesprächsprotokoll: Sabine Priess

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17 Kommentare

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  1. 17.

    Genau so ist es. Die Meisten hier behaupten von sich, politisch links zu sein, äußern sich aber so extrem neoliberal, wie es fieser nicht mehr geht. Ich finde, wenn der Staat zu unser aller Schutz bestimmte Tätigkeiten verbietet, dann muss er auch die Folgen auffangen und die Betroffenen außerhalb des Hartz IV Systems versorgen.
    Das weitgehend vollständige Aufbrauchen der Altersvorsorge halte ich für den schlimmsten Fehler an Hartz IV, verschiebt es doch lediglich die Armut und Hilfsbedürftigkeit in die Zukunft und verstetigt sie. Das ist höchst ungerecht und unsozial, weil es Vorsorge und Eibenabsicherung massiv bestraft.

  2. 16.

    Als Selbständiger hat man gefälligst für alle eventualitäten vorzusorgen.... Pandemien Vulkanausbrüche und Klimakatastrophen....
    wer das nicht macht ist ganz einfach selber schuld .....
    Aber bestimmt werden alle die hier immer so tun als wären sie die besten Menschen unter der Sonne auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten um die anderen zu unterstützen ..... oder etwa nicht .... dann einfach mal nicht das verurteilen von dem man keine Ahnung hat..... auch ich bin selbständig..... nur meine Branche betrifft es erst wenn noch mehr kleine Firmen durch die Maßnahmen der Regierung pleite gehen.

  3. 15.

    Ja, man müsste bei der BVG arbeiten..

  4. 14.

    Endlich mal jemand, der es begreifen, was es heißt, selbstständig zu sein. Diejenigen, die das nicht kennen, sollen froh sein, dass ihr Chef, DER AUCH SELBSTSTÄNDIG IST, soviel erwirtschaftet, dass er seine Angestellten finanzieren kann.

    Und wer rechnet in seiner Planung schon mit einer Pandemie. Denn hier helfen weder Kalkulationen noch Businesspläne.

    Und ehe man Geld vom Jobcenter bekommt, soll man seine Altersversorgung auflösen....

  5. 13.

    Schon mal mitbekommen, was es für Regale auffüllen und Klo putzen gibt?

    Mindestlohn. Also quasi Hartz IV satz, nur je nach wohnsituation gern mal wesentlich weniger.

    Warum soll sich irgendwer was antun? Dass sich Rentner und Beamte im Fernsehsessel den Bauch reiben und auch noch herablassend dümmliche gequackel ablassen zu müssen setzt dem ganzen noch die Krone auf. Erinnert irgendwie so an die gutsituierten Alten, die Frher den Jungen erzählt haben, wie privilegiert sie doch seien, nun im Schtzengraben sterben zu dürfen während man sichs zuhause gemütlich macht.

    Auf dieses Gefasel der Marke "Für die Volkgsgemsinchaft opfern" verzichte Ich gerne, davon gab es vor 80 Jahren wahrhaft genug für die nächsten Tausend.

    Euch gehts allen weitaus zu gut! Hoffe, das ändert sich bald.

  6. 12.

    Ich wünsche Hr. Kurka alles Gute, seiner Tochter viel Gesundheit und Glück!

    Ich bin ehrlich erschüttert ob der vielen hochmütig und kaltherzig klingenden Kommentare angesichts seines Schicksals und seiner Sorgen.

  7. 11.

    Auch wer in HartzIV gerät, muss mitunter seine Altersversorgung auflösen. Das ist eine schlimme Sache und m.E. auch ungerecht. Das Wort "Vorsorge" bedeutet vorzusorgen. Wird das vernachlässigt, so wird es halt eng. Geld von der Allgemeinheit und damit vom Steuerzahler gibt es im Moment sogar für Leute, die nichts eingezahlt haben. Und dennoch wird hier gejammert. Gut, dass ein Haushaltseinkommen herangezogen wird, bevor meine Steuergelder eingesetzt werden.
    Hört mit dieser Jammerei auf, kriegt Euren A... hoch und geht Regale auffüllen, Klo putzen oder sonst was.

    So so, der böse Staat und die böse Regierung sind schuld. Selten so einen Bullshit gelesen. Schon mal mitbekommen, dass wir eine Pandemie haben und man versucht, diese in den Griff zu kriegen?

  8. 10.

    Leider scheint der Herr keinerlei Motivation zu haben sich für die Zwischenzeit umzuorientieren um so sein Einkommen selbst zu erwirtschaften.

    Ständig liest man es sollen mehr Hartz IV Leistungen bezahlt werden, da nicht ausreichend. Merkwürdigerweise ist in unserer Firma noch keiner zum Probearbeitstag erschienen, der uns vom Jobcenter vorgeschlagen wurde. Das einzige Interesse galt dem Stempel das man sich vorgestellt hat. Und unsere Mitarbeiter können sich durchaus Auto, Urlaub etc. leisten und sind sogar dafür bereit um 6 Uhr auf der Arbeit zu erscheinen.

  9. 9.

    Hochmut kommt vor dem Fall.
    Ich hoffe sie haben jemanden der sie auffängt.

    Mein Partner, vorher Haupternährer würde 211€ Alg2 erhalten. Damit kann er nicht mal seine KV bezahlen.
    Und nein man hat nicht immer Rücklagen.
    Wir hatten gerade ein weiteres Geschäft eröffnet, das erste lief super....wir haben kein Fehler gemacht unsere Läden wurden von der Regierung geschlossen.

    Natürlich gibt es mal schlechte Monate oder aber eine Baustelle vorm Laden, dies alles kann man Prozentual einplanen, aber eine komplette Schliessung plant kein Selbstständiger ein, eher schleift er auch auf Arbeit.

  10. 8.

    Ich könnte jetzt so viel schreiben,aber es reicht,wenn ich dir mitteile,dass du keine Ahnung hast. Er wird keine Grundsicherung bekommen,wenn seine Frau Geld verdient.

    Der Staat zwingt ihn praktisch zu einem Berufsverbot und dann wird ihm hier sogar noch die Schuld daran gegeben,dass er das nicht eingeplant hat.
    Dann wird auch noch die eventuelle Altersvorsorge ins Spiel gebracht,die,wie der Name schon sagt,für das Alter gedacht wäre. Unglaublich weltfremde Schreiberlinge hier.

  11. 7.

    "Solo-Selbstständigen in Deutschland wird der Gang zum Jobcenter empfohlen,"
    Hat sich bei den krisenfesten Jobs anscheinend noch nicht herum gesprochen: die Arbeitsämter/agenturen sind geschlossen.
    Alles wird nur noch Online abgewickelt. Es werden auch keine Termine vergeben.
    Erhält man eine Email, steht in der drin: antworten Sie nicht auf diese Mail. Dann muss man sich wieder mühselig "anstellen"und eine neue Mail über die Webseite schreiben. Diese bedankt sich dann, dass man Antwort erhält. Und man wartet wieder mehrere Wochen,
    Telefonisch ist es das gleiche Chaos, wenn man dort versucht anzurufen, hat man jedes mal einen anderen an der Leitung.
    Mich wundert dass das Chaos in den Medien noch nicht aufgegriffen wurde.

  12. 6.

    Ein Selbstständiger, der eine Familie plant/geplant hat, aber dies ohne jedwede Rücklage tut. Das nenne ich mal russisches Roulette und das ist nun zum Problem geworden.
    Veranstaltungstechniker verdienen recht gut. Da hätte es in den 10 Jahren der Selbstständigkeit sicher auch für Rücklagen gereicht. Auch eine Altersvorsorge gibt es nicht. Naja, der Staat fängt auch solche Menschen auf. Selbst wenn sie nie etwas zum Allgemeinwohl eingezahlt haben.
    Sorry, aber mein Mitleid hält sich etwas in Grenzen.
    Dennoch wünsche ich dem Herrn, dass er bald wieder ein Einkommen hat und dass er dann vernünftiger seine finanzielle Zukunft plant.

  13. 5.

    Dem stimme ich zu. Jemand der sich freiwillig aussuchen kann ob er Selbstständig ist oder nicht, lebt in einer Scheinwelt. Er kennt doch vorher schon das Risiko, wenn was passiert, dann ist man Pleite. Dann muss er eben in den sauren Apfel beißen und sich Gesetzlich Versichern. Es gibt hunderte, die unfreiwillig in die "Freiwillige Versicherung" drin sind. Die haben wirklich einen Grund zum heulen.

  14. 4.

    Seine Einlassungen zum Thema SGB II Leistungen sind schlicht falsch und, wie üblich, sehr polemisch.

    Meine Kollegen erhalten täglich problemlos Mails mit vergleichbaren Datenmengen bei Neuanträgen. Es bedeutet für uns nur unfassbar viel Arbeit ein Konvolut an Dokumenten sauber zu trennen und zu beschriften.
    Ebenso ist seine Aussage zur KV falsch. Für die zeit des Leistungsbezugs ist er über das JC krankenversichert, unerheblich ob selbstständig, angestellt, gesetzlich oder privat.
    Außerdem scheint der damit überfordert zu sein, dass das Einkommen seiner Frau auf seine Leistung angerechnet wird. Tja, das nennt sich Verantwortungs- und Einstehensgemeinschaft. Als erstes sorgt einer für den anderen und dann erst tritt Vater Staat auf den Plan.

    Aber sich zu beschweren und dann noch dreist zu schreiben er hätte keine Rücklagen/Altersvorsoge, ist schlicht eine Frechheit.

  15. 3.

    Ich hoffe, Sie denken daran, wenn Ihr Chef Sie entlassen muss, weil er Sie nicht mehr bezahlen kann. Denn Ihr Chef ist auch Selbstständiger, der seine laufenden Kosten, darunter auch IHRE Lohnkosten, Arbeitgeberanteile zu IHREN Sozialversicherungsbeiträgen...

    Das ist nämlich genau das, was diejenigen, die in einem Angestelltenverhältnis arbeiten, vergessen.

    Hinzu kommt, dass viele Geiz für geil halten und nicht bereit sind die Preise, die von den Leistungserbringern aufgerufen werden (aus gutem Grund wie bereits beschrieben), zu bezahlen, weil sie nur das Ergebnis sehen, aber die Arbeit dahinter nicht.

    Wie soll da jemand Rücklagen bilden können, wenn die Kunden einen nichts verdienen lassen?

  16. 2.

    Wie das Jobcenter immer so schön sagt, muss man sich beruflich halt anders bzw.-neu orientieren, er ist ja noch jung, aber auch bei über 50jährigen Soloselbständigen die sich einfach mal als Raumpfleger oder Lokführer eine neue Ausbildung zutrauen finde ich das toll...

  17. 1.

    Hab jetzt nicht so viel Mitleid. Er kann Grundsicherung bekommen und hätte selbst vorsorgen können. Das muss jedes Unternehmen auch. Arbeitslosenversicherung, Altersvorsorge ect. Hat er sich halt gespart und nun wird geheult.
    Und warum nicht jetzt woanders anpacken? Logistik, Lebensmittelhandel, Lieferdienste, Pflege, Reinigung, Transportwesen ect. Die suchen alle.

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