Krankenschwester Manuela Badura mit Mundschutz (Quelle: rbb/Oliver Noffke)
Bild: rbb/Oliver Noffke

#Wiegehtesuns | Die Krankenschwester - "Dass man erwachsene Menschen erziehen muss, finde ich anstrengend"

Der Umgang mit Corona-Patienten ist für Krankenschwester Manuela Badura Teil des Alltags geworden. Zu sehen, welche Folgen diese Krankheit haben kann, erschreckt sie. Ebenso wie die Gedankenlosigkeit, die sie bei vielen Mitmenschen beobachtet. Ein Gesprächsprotokoll.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als viele andere Ereignisse zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Manuela Badura ist Krankenschwester in einer Berliner Klinik. Täglich wird sie mit den Auswirkungen der Krankheit Covid-19 konfrontiert. So geht es Schwester Badura.

Die Eltern meines Partners sind beide über 80. Wir haben in den vergangenen Monaten große Anstrengungen unternommen, um ihnen Wege abzunehmen, damit sie seltener das Haus verlassen müssen und sicher sind. Wir haben sie auch seltener persönlich getroffen. Das ist uns allen nicht leicht gefallen.

In meiner Arbeit muss ich vielen Patienten sehr nah kommen. Anders geht das nicht. Einmal hatte ich den Fall, dass jemand mit Symptomen kam, die recht eindeutig auf eine andere Krankheit hingewiesen hatten. Dann stellte sich jedoch heraus, dass er doch mit Corona infiziert war. Meine Kollegen und ich mussten uns alle testen lassen. Was wir sowieso regelmäßig tun. Zum Glück war ich nicht infiziert.

Eine Oberärztin auf der Station hatte bereits Covid-19. Sie sagt, sie wusste zwei Wochen lang nicht wo hinten und vorne war. So lange hatte sie hohes Fieber.

Wenn ich einen ganz schlimm anstrengenden Arbeitstag hatte, in der S-Bahn sitze und beobachte, wie die Menschen trotz Durchsagen weder Mund noch Nase bedecken, wie sie ihre Masken so halb runterhängen lassen, dann macht mich das oft richtig wütend. Ich verstehe nicht, wie man so gedankenlos mit dem Leben anderer Menschen spielen kann. Etwas anderes ist das im Endeffekt nicht. Ich zumindest möchte nicht dazu beitragen, dass diese Krankheit an eine schwächere Person weitergereicht wird.

In der Bahn fixiere ich dann diese Leute und versuche, sie so zu einer Reaktion zu bewegen. Direkt ansprechen tue ich aber niemanden mehr. Ich musste auch schon übergriffige Situationen miterleben. Wie kann man dieser einfachen Verpflichtung nicht nachkommen, die zu unser aller Schutz da ist? Ich muss auch immer einen Führerschein dabei haben, wenn ich Auto fahre. Genauso sollte das mit der Mund-Nasen-Bedeckung bei den Leuten in Fleisch und Blut übergehen. Dass man stattdessen erwachsene Menschen erziehen muss, finde ich anstrengend.

Es würden helfen, wenn die Mitarbeiter der Bahn das stärker kontrollieren würden. Oder die Polizei. Ich habe mehrfach erlebt, wie Ordnungskräfte bei Verstößen untätig geblieben sind, wie ihnen das egal zu sein schien. Ich habe auch bei der Deutschen Bahn nachgefragt, wieso da nicht besser kontrolliert wird und auch bei der Bundespolizei. Aber die Antworten, die ich bekam, klangen wie leere Hülsen, wie Ausreden.

Einigen, der Corona-Patienten, die wir behandeln, geht es richtig schlecht. Die liegen wochenlang auf der Intensivstation. Ich bekomme Angst, wenn ich das sehe und weiß, nicht nur bei uns in Deutschland passiert das gerade; sondern dass wir eine Pandemie erleben, dass die Krankheit sich weltweit ausbreitet.

Ich habe jeden Tag mit infizierten Patienten zu tun. Dabei muss ich schauen, dass ich mich nicht selber infiziere, um Freunde und meine Familie nicht zu gefährden.

Wir haben im Krankenhaus auch fensterlose Räume, in denen es keine Frischluftzufuhr gibt, was wiederum heißt, dass ich den ganzen Tag einen Mundschutz trage. Meine Kollegen und ich achten noch mehr auf die Hygienevorschriften. Wir sind ständig dabei, unsere Hände zu desinfizieren und müssen stets Schutzkleidung tragen.

Die Zahl unserer stationären Patienten hat sich unterdessen nicht verändert. Hinzu kommen nun also noch diejenigen, die mit Corona infiziert sind. Der Arbeitsaufwand wird eher mehr als weniger.

Geändert hat sich auch, dass wir - die Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte - uns nicht mehr so frei im Krankenhaus bewegen können. In den vergangenen Monaten habe ich mich manchmal eine Spur weit überwacht gefühlt. Eine zeitlang war direkt am Eingang der Sicherheitsdienst positioniert. An sämtlichen Ausgängen stand jemand und hat uns kontrolliert. Das war vorher nicht notwendig gewesen.

Krankenschwester Manuela Badura (Quelle: rbb/Oliver Noffke)
Bild: rbb/Oliver Noffke

Hinzu kommen Schwierigkeiten, die ich seit dem Ende der DDR nicht mehr für möglich gehalten habe. Wir hatten oft Situationen, in denen uns Apotheken kein Desinfektionsmittel mehr liefern konnten und wir mit dem haushalten mussten, was wir hatten. Wenn wir welches geliefert bekamen, wussten wir nicht, wie lange es vorrätig sein würde, also haben wir zu bunkern angefangen. Oftmals haben wir tagelang den gleichen Mundschutz getragen, obwohl man den eigentlich täglich wechseln muss, weil wir da auch reinschwitzen.

Momentan haben wir wieder ein Level, das der Normalität nah kommt. Aber wird das lange anhalten? Wenn uns noch einmal das Material ausgeht, sind wir aufgeschmissen. Dann können wir keine Hygienevorschriften einhalten und neue Infektionen sind vorprogrammiert.

Gesprächsprotokoll: Oliver Noffke

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Was Sie jetzt wissen müssen

83 Kommentare

  1. 83.

    Sehr geehrte Manuela Badura, ich möchte Ihnen und Ihren viiieeelen Kolleg*nnen Dank sagen und versichern, dass es neben einigen rücksichtslosen und egomanischen Zeitgenossen eine satte Mehrheit gibt, die stolz auf "ihre" Klink- und Praxismitarbeiter*nnen am Corona-Puls sind und Ihnen allen die Daumen drücken, dass Sie gesund und schaffenskräftig bleiben. Diese Mehrheit hält mit dem Einhalten der Hygienevorschriften nicht zuletzt auch zu Ihnen. Nicht verzweifeln ob einiger Ignoranten und Besserwisser, seien Sie stolz auf Ihre Arbeit, auf Ihre Leistung – auch wenn's manchmal schwerfällt. Ich jedenfalls bin bei Ihnen!

    D.M.

  2. 82.

    Die Überschrift finde ich journalistisch unglücklich gewählt.
    Meine Gedanken waren beim lesen des Artikels, dass sich die Überschrift auf das Betätigungsfeld der Krankenschwester unmittelbar in ihrem Berufsfeld bezieht. Stattdessen wird Bezug im Artikel zu privaten Aktivitäten genommen.
    Es wird alles kunterbunt im Bericht gemixt, von der privaten Bahnfahrt bis hin zur Arbeitsstelle.
    Das ganze Leben ist für Erwachsene ein Lernprozess. Da kann man keinen mehr erziehen. Das gleiche würde dann auch gelten für eine Resozialisierung eines Straftäters, den kann man letztendlich genauso wenig nicht mehr erziehen.

  3. 81.

    Die Angstproduktion läuft wie gewohnt auf Hochtouren ...

  4. 80.

    Und das heisst was?
    Da ich morgens meine Hosen nicht mit dem Kran anziehe, greife ich mal kurz vor: Krankenschwestern dürfen sich nicht zu Corona äussern wegen der multiresistenten Keime.
    Aha. Davon abgesehen, dass das keine sehr kluge Behauptung ist, ist es auch reichlich unverschämt, Klinikpersonal pauschal ein Desinteresse am Wohl der Patienten n zu unterstellen. Sie übersehen nebenbei, dass auch Klinikpersonal multiresistenten Keimen ausgesetzt ist.

  5. 79.

    Liebe Schwester Manuela, ich möchten Ihnen stellvertretend erst einmal danken für das was sie jeden Tag leisten. Ich habe größten Respekt für ihre Tätigkeit. Sie haben viel erlebt, was ich ihnen glaube. Wer einen Verwandten hat, der selber schon mal dauerhaft an einer Beatmungsmaschine hing (gibt es auch ohne Corona), der weiß was diese Menschen durchmachen, auch an Spätfolgen und der möchte so etwas nicht nochmal.
    Sie beanstanden die Sorglosigkeit und Ignoranz vieler Menschen, wir auch. Ursachen liegen aber auch in der Politik. Solange wie angezeigte schwerwiegende Verstöße (Vorsatz mit billigender Inkaufnahme einer Infektion anderer Menschen) platt gemacht werden statt sie zu verfolgen und wenn das Brandenburger MSGIV (Frau Nonnemacher konkret) keinen Handlungsbedarf sieht wird sich aber daran nichts ändern.

  6. 78.

    Torsten ist doch in#14 auf den Artikel eingegangen! Also nach meinem bescheidenen Verständnis zweifelsfrei.

  7. 77.

    Dazu muss mensch aber auch zu 100% sicher sein, dass eine Sars Cov2 Infektion NICHT vorliegt.
    Es gibt inzwischen genug Fälle von infizierten , die keinerlei Symptome aufgewiesen haben. Genau diese Personen geben ohne die Mund-Nasen-Bedeckungen den Virus möglicherweise weiter.
    Und mir reicht die Möglichkeit aus, auf Abstand und MNB zu achten und ggf. andere darum zu bitten, diese Regeln einzuhalten.

  8. 76.

    Na ganz einfach: von einem "human being" erwarte ich, dass es auf geschriebene Texte eingehen kann und sich dann dazu artikuliert, wenn es die vorher verstanden hat.....gell!

  9. 75.

    Sie vergleichen Äpfel mit Nägeln. Im Wald rauchen oder Auto fahren ist grundsätzlich gefährlich, vor allem für andere. Als Nichtinfizierter sich ohne Abstand und MNS zu bewegen, ist hingegen vollkommen ungefährlich - vor allem für andere.

  10. 74.

    Nach vielen Gesprächen mit Menschen in meinem Umfeld bin ich zum Schluss gekommen, dass sie erst Einsicht zeigen könnten, wenn die Situation außer Kontrolle gerät. Vorher wird gnadenlos runtergespielt.

  11. 73.

    Ja, aber das sind ja immer wieder "nur" einfache Masken. Ich schütze damit mein Gegenüber, aber nicht mich. Das geht nur mit FFP2 oder FFP3. Und das ist teuer. Für jeden. Viele haben dieses Geld nicht. Ich auch nicht, obwohl ich erwerbstätig bin. Dennoch, sich wenn sich jeder IRGENDWAS (Tuch z.B.) vor Mund UND Nase binden würde, wo er eng mit anderen zusammensteht/-sitzt/-kommt (s. oben die Erfahrungen von Fr. Badura in der Bahn), wäre breiterer Schutz ohne weiteres möglich.
    Leute, seid doch anständig! Abstand, Händewaschen mit Seife (im Herbst auch nach dem Schneuzen!), Alltagsmaske (korrekt getragen.) Benutzte Taschentücher nicht in den offenen Papierkorb im Büro. Usw. Ist nicht schwer, aber wirksam. Nur so kann es gehen derzeit. Danke an alle, die es so machen.

  12. 72.

    Also dieses Gejammer ist total überzogen...ich kriege auch als alleinerziehende Mama hartz4. Ich habe im Internet mehrere Unternehmen gefunden die umsonst MNS als Spende ausgeben. Und das schon seit Monaten.Eine Firma davon ist Jungfeld... das ist lächerlich worüber sie sich beschweren. Wer möchte der kann auch

  13. 71.

    Ja ich kann sie vollkommen verstehen....danke für diesen Beitrag. Ich kenne selber jemanden im Freundeskreis die es bekommen hat. Jung vorher gesund...das ist nun 3 Monate her und die Folgen sind echt schlimm, das schlimme ist sie wird damit alleine gelassen weil die Ärzte auch ihr nicht helfen können... also auch junge Menschen leiden danach sehr. Corona ist rcht nicht ohne

  14. 70.

    Was ich so gar nicht mag, ist das Framing - also das Verwenden von Begriffen, die von entsprechenden Agenturen entworfen werden, um wessen Kommunikation auch immer zu beschönigen. Alltagsmasken, Neue Normalität oder AHA-Regel gehören zu diesen Begriffen. Aber wer mag, soll sie natürlich benutzen.
    Kann ja sein, dass der MNS, korrekt getragen und behandelt, vor der Übertragung von Viren schützt. Wird vielleicht irgendwann mal geklärt (eher nicht zu erwarten, Wissenschaft ist eigentlich nie einstimmig). So, wie diese Dinger überall getragen und behandelt werden, aber ganz bestimmt nicht. Damit wären wir aber bei einer Frage, die andere Kommentatoren hier in der Vergangenheit bereits gestellt haben und die nie beantwortet wurde: woraus ergibt sich logisch, dass so ein Mund-Nasenschutz nur in einer Richtung wirkt? Also was in deren Aufbau (und da gibt es ja x Varianten) führt dazu, dass die Viren vom Mund aus nicht durch die Maske nach außen kommen, aber von außen durch den MNS zum Mund?

  15. 68.

    Liebe Kommentatoren,
    wir möchten noch einmal an unsere Netiquette erinnern. Bitte diskutieren Sie zu den Themen, die in dem Beitrag aufgegriffen werden und bleiben Sie im Ton sachlich.
    MfG
    https://www.rbb24.de/hilfe/hilfe___kommentarfunktion.html

  16. 67.

    Der Vergleich Rauch Unfall usw.... bezog sich allein auf das was sie im Krankenhaus sieht....es war kein Vergleich mit Corona.

  17. 66.

    Woher nehmen SIE denn den 5€-Preis? Warum drei Masken? Und das wäre nur mal so gesehen eine einmalige Anschaffung. Im Übrigen werden Masken immer noch KOSTENLOS verteilt. Man muss eventuell mal zu den Verteilzeiten sich hinbewegen.

  18. 65.

    Wen meinen Sie mit den "Systemtreuen"? Ja vermutlich die Anmelder der 5000 Demos , die sich alle auf das GG beziehen.
    Des Weiteren gibt es mit Sicherheit weit mehr studierte Mediziner, die das Tragen des MNS befürworten. Und Kant heisst mit Vorname Immanuel......dies nur zum schneller finden auf den Informationskanälen derjenigen, die in der Schule nicht aufgepasst hatten.
    @57 : das ist auch meine Ansicht

  19. 64.

    Weiter unten wurde allerdings der Kostenfaktor qualifizierter Masken aufgeworfen, der für einkommensschwache Familien nicht zu stemmen ist. Übrigens: Auch für Normalverdiener gehen sie ins Geld, denn korrekt angewendet sind das Einmal-Wegwerfartikel. Da wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten leben und viele erstmal wieder finanziell auf die Beine kommen müssen, für die das vorher leistbar gewesen wäre, muss dieser Punkt Beachtung finden.
    Also werden Alltagsmasken getragen, wasch- und wiederverwendbar. Diese wiederum schützen nur andere, aber einen selbst nicht. Und deswegen ist man darauf, dass die anderen ihre Masken ordentlich tragen, selbstverständlich durchaus angewiesen!! - Eine Bekannte von mir hat mal im Supermarkt, als es erst nur um Abstand und noch nicht um die Masken ging, Jugendliche, die an der Kasse von hinten drängelten, beherzt: "Abstand!" angeherrscht- es zeigte Wirkung. Ich bin gegen Denunziantentum, aber für Zivilcourage.

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