#Wiegehtesuns? | Jung-Schauspieler - "Es reicht jetzt auch einfach mit Corona"

Fr 29.01.21 | 08:04 Uhr
  14
Jakob D'Aprile, Schauspieler (Quelle: privat)
Audio: Inforadio | 28.01.2021 | Magdalena Bienert | Bild: Privat

Frisch von einer der besten Schauspielschulen sollte einem doch die ganze Welt offenstehen. Aber was, wenn Corona alles ausbremst, bevor es begonnen hat? Jakob D'Aprile aus Berlin schwebt derzeit zwischen Online-Proben und Unstrukturiertheit.

Corona stellt noch immer unser Leben auf den Kopf. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Der 24-jährige Schauspieler Jakob D'Aprile hat schon beim Jugendensemble der Volksbühne gespielt und wurde mit 20 Jahren am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien angenommen. Nach seinem Abschluss war er voller Hoffnungen. So geht es Jakob:

Im Oktober 2020 habe ich meinen Abschluss am Max-Reinhardt-Seminar in Wien gemacht und vorher schon als Gast am Schauspielhaus Wien gearbeitet. Wir haben en suite gespielt, also jeden Tag. Nach zehn Vorstellungen, es war so Mitte März 2020, machte erst das Burgtheater zu und Corona legte ziemlich schnell in Österreich alles lahm. Wir waren noch eines der letzten Theater, die gespielt haben, weil das ein privates Theater ist und die extrem abhängig sind von dem Kartenverkauf. Aber irgendwann war klar, dass das jetzt die letzte Vorstellung ist und dann bin ich ganz schnell nach Berlin geflohen, weil ich Angst hatte, nicht mehr aus Wien rauszukommen.

Jetzt würde ich eigentlich gerade in Berlin proben - eine Diplom-Inszenierung an der Ernst-Busch-Schauspielschule. Wir wollten Anfang März 2021 die Premiere machen, aber das ist ja sehr unrealistisch. Die Regisseurin hatte sehr viel Zeit in Kontakte investiert, damit auch Leute kommen. Aber wenn die Situation so ist, dann kommt auch niemand angereist, um sich was anzugucken. Es macht also gerade alles wenig Sinn. Zum Glück gibt es trotzdem ein wenig Geld für uns von der Ernst-Busch.

Wir wollen uns jetzt zwei Mal die Woche online treffen und an den Texten arbeiten, aber ob das klappt - keine Ahnung. Und wenn ich mir vorstelle, dass es dann erst nächstes Jahr aufgeführt wird, muss man sich wieder von vorne damit beschäftigen. Es ist auch die Frage, ob die Gruppe dann in dieser Konstellation wieder zusammenkommen kann. Wir werden also sehen, wie lange wir Lust haben.

Aber das ist ja auch nicht das erste, was verschoben wurde. Ich fühle mich schon ganz schön ausgebremst. Ich weiß einfach überhaupt nicht, wie mein Jahr aussehen wird. Und auch alles, was ich so versucht habe, wie zum Beispiel in der Synchron-Branche, im Hörspiel, Fuß zu fassen, ist so schwer durch diese Umstände. Weil die auch alle sagen: Wir können gerade keine neuen Leute ins Studio einladen.

Hinzu kommt, dass ich natürlich gerade auch in einem schwierigen Alter für Rollen generell bin. Ich bin zu alt, um den Schüler zu spielen und zu jung, um jetzt so Typen, wie den jungen Lehrer oder den Familienvater, zu spielen. Deswegen gibt es da jetzt einfach nicht so viel. Während meiner Ausbildung hatte ich viel mehr Castings. Und von zehn Castings klappt eh im Schnitt nur eins.

Heute habe ich lange geschlafen. Ich finde, es ist extrem schwer, den Tag zu strukturieren. Dass ist es wahrscheinlich sowieso, wenn man frisch aus einer Uni kommt und dann freischaffend ist. Ich muss mir wirklich jetzt überlegen, was ich noch machen kann. Vielleicht einen Führerschein oder so.

Was einem natürlich auch immer hilft, ist der Gedanke, dass es allen so geht. Also, dass alle Theaterschaffende das Gleiche durchmachen, und dass man da jetzt nicht so alleine dasteht.

Ich hatte noch ein Vorsprechen an einem Berliner Theater für einen Ensemble-Platz. Da steht die Entscheidung noch aus. Im Kopf macht man davon soviel abhängig, das ist auch nicht gut. Und eigentlich wollte ich gar nicht gleich fest ans Theater, andererseits können Theater gerade auch keine Gäste engagieren, und wenn es wieder losgeht, gibt es eigentlich einen totalen Premierenstau.

Meine Wunschvorstellung fürs nächste Jahr wäre, dass ich an dem Theater, an dem ich gerade vorgesprochen habe, vor ausverkauftem Haus Premieren habe. Eigentlich kein so großer Wunsch - und nein, es muss kein großer Spielfilm sein. Theater macht mir mehr Spaß und man bekommt irgendwie mehr zurück als beim Film.

Es reicht jetzt auch einfach mit Corona. Beim ersten Lockdown haben wir noch selber ein Hörspiel gemacht und aufgenommen und hatten noch total den Elan, aber so langsam hört das auch auf. Man verliert einfach die Motivation.

Ich hab zu Kochen angefangen, das ist gut. Ältere Kollegen und Freunde von mir raten, eine Sprache zu lernen, einfach fürs Repertoire. Bis jetzt habe ich aber noch nicht angefangen. Aber ich lese viel. Ich habe auch schon überlegt, ob ich nicht irgendwie in einer Impfstation helfen kann, oder bei einem Sorgentelefon. Mal sehen.

Gesprächsprotokoll: Magdalena Bienert

Sendung: Inforadio, 28.01.2021, 09:55 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

14 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 13.

    "Nur blöd, ick liebe Berlin." ... Tja, dit hätteste ma besser Deene Eltern jesacht, Kleener! ;-)
    Im Ernst: wer nach 40 Jahren "ick" richtich schreibt, für den ha'm wa ja ooch Toleranzen...

  2. 12.

    Selten wieder mal soooo gelacht. Rausschmeißen alle die keine Geburtsurkunde für Berlin nachweisen können. OK, dann ziehe ich eben sofort wieder zurück ins fast Coronafreie Münster;-) Nach über 40 Jahren Berlinaufenthalt. Nur blöd, ick liebe Berlin. Nee, jetzt im Ernst, ich verstehe gut was Sie damit sagen wollen.

  3. 11.

    Also eigentlich möchte dieser“Neuling“ so wie Sie ihn bezeichnen gerne ans Theater um sein Können unter Beweis stellen zu dürfen. Obendrein hat es die gesamte Theaterbranche erwischt. Ist leider so.

  4. 10.

    Kochen ist gut, besser alle Dauertouristen und Spätkäufer kochen, dann können noch mehr Covidherde geschlossen werden.
    Man kann es kaum glauben, aber in den längst von Berlinern und Kiez gesäuberten "Kiezen" wohnen Unmengen an verwöhnten Leuten, die sich bedienen lassen und für die mitten in der Krise neue Läden aufmachen (können!). Oft haben sie noch ihre Erstwohnung in Wessi- oder Ossiland - da fragt man sich echt, ob es nicht Vormietrecht für berliner Geburtsurkunden geben müßte - und jetzt belegen sie auch noch die berliner Krankenbetten, obwohl die Krankenhäuser zuhause so viel besser sind, unglaublich.
    Berlin fragt sich, was die ganzen Kartoffeln überhaupt in ihrer Stadt wollen, hier ist nicht nur keine Lebensqualität, weil kein Mittelmeer zum Rinnhopsen, sondern noch nicht mal ein Kartoffelacker.

  5. 9.

    Also, eigentlich geht es um einen Neuling. Verloren hat er noch nix. Er will nur eine sinnvolle Beschäftigung. Die sucht er sich gerade. Der Fall ist nicht geeignet, um nun gleich wieder über die gesamte Branche zu diskutieren. Der Spruch „es reicht“ ist natürlich etwas unglücklich. Corona ist nicht abschaltbar.

  6. 8.

    Fakt ist: Dem Virus sind Sie egal! Nur dann nicht, wenn Sie die Regeln missachten, dann siend Sie ein leichteres Opfer infolge einer Infektion. Gegenüber denen, die die Regeln einhalten, haben Sie dann die A****-Karte

  7. 7.

    Follower wäre vielleicht zu viel gesagt. Aber ich finde Ihre Beiträge oft interessant. Ob nun positiv oder negativ ist ja auch egal... Bleiben Sie dran!

  8. 6.

    Aber,aber. Empfinden Sie nicht ebenso? Mir jedenfalls geht es genauso.
    Also ich kann den jungen Mann durchaus verstehen. Ebenso all die vielen anderen Theaterschauspieler*innen, denen die komplette Grundlage für ihr Können jetzt fehlt. Da ist echte Creativität gefragt. Aber auch hier sind leider momentan klare Grenzen gesetzt. Ich wünsche ihm jedenfalls alles erdenklich Gute für sein weiteren Weg. Wie sagt man auf der Bühne: Toi,Toi,Toi.

  9. 3.

    Nach Ihrem Kommentar hab ich mir das Interview durchgelesen. Hätte ich sonst nicht gemacht. Danke!

  10. 2.

    Äußerst interessanter Kommentar! Das wird sicher viele Leser*innen interessieren, ob Sie das Interview lesen oder nicht!

  11. 1.

    "Es reicht jetzt auch einfach mit Corona"
    Bei dem Titel erspare ich mir das Lesen des Interviews.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren