Rita Szymanowski DRK-Blutspendedienst Nord-Ost (Quelle: privat)
Bild: privat

#Wiegehtesuns? | Der Blutspendedienst - "Wir können nur appellieren: Kommt Blutspenden"

Während des Lockdowns hat sich Rita Szymanowski gewundert und gefreut, wie viele Menschen zur Blutspende gekommen sind. Jetzt ist wieder etwas Normalität eingekehrt, und die Spenden gehen zurück. Dabei werden sie dringend gebraucht. Ein Protokoll.

Corona betrifft uns alle –  nicht nur in Berlin und Brandenburg. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Rita Szymanowski ist leitende Schwester in der "Entnahme" in Berlin und Potsdam beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. Sie hat zwei Kinder und drei Enkelkinder. So geht es Rita:

Ich wollte schon immer Krankenschwester werden. Das war von Kind an mein Herzenswunsch. Seit 15 Jahren arbeite ich beim DRK-Blutspendedienst. Es ist eine schöne Arbeit: Blut ist das, was man von Mensch zu Mensch geben kann.

In Berlin und Brandenburg haben wir stationäre Blutabnahme-Stationen, aber wir sind überwiegend mobil unterwegs. Wir haben einen LKW, darin ist unser Equipment: Materialien, Blutbeutel, Blutröhrchen, Notfallausrüstung, alles, was wir brauchen. Wir fahren an unterschiedliche Orte innerhalb Berlins und im gesamten Land Brandenburg. Dort können wir geeignete Räume in Bezirksämtern, in Schulen oder in Betrieben nutzen. Wir bauen alles auf, und wenn wir damit fertig sind, kann es losgehen.

Corona ist schon eine Herausforderung für unsere Arbeit. Wir müssen auf viele Sachen Rücksicht nehmen: Händewaschen, desinfizieren, Mundnasenschutz tragen, Abstand halten – das gilt für uns wie für die Spender. Es war für alle eine Umstellung, aber alle Kolleginnen und Kollegen sind positiv motiviert.

Wer Blut spenden will, muss sich vorher im Internet anmelden. Wir machen vor Ort eine Einlasskontrolle mit einer kleinen Anamnese. Wir messen die Körpertemperatur, fragen nach, ob jemand mit Erkrankten in Kontakt war. Das ist schon der erste Schutz, damit niemand mit Symptomen in unsere Räume kommt. Durch die Abstandsregelungen kommt es natürlich zu Wartezeiten. Unsere Arbeit ist aufwendiger geworden, aber wir bleiben freundlich, denn die Spender sollen sich auch in dieser Situation wohlfühlen. Wir wollen sie natürlich gerne regelmäßig wiedersehen. Das sind engagierte Leute, die anderen helfen möchten.

Angst, mich anzustecken, hatte ich nie. Blutspenden werden übrigens nicht auf SARS-CoV-2 untersucht, da eine Übertragung durch Blut derzeit nicht anzunehmen ist.

Was uns gewundert und gefreut hat: Während des Lockdowns gab es keinen Rückgang an Spendern – im Gegenteil. Es kamen viele Spender und Spenderinnen, viele auch zum ersten Mal. Sie wollten etwas Gutes tun und uns helfen. Die Resonanz war sehr groß.

Doch seit der Lockdown vorbei ist, kommen weniger Leute zum Blutspenden. Die Normalität kehrt etwas zurück, viele kehren aus dem Home Office an ihren Arbeitsplatz zurück, Geschäfte sind geöffnet. Aber unser Bedarf an Blutspenden steigt gerade jetzt, denn die Krankenhäuser operieren wieder mehr.

Blutprodukte sind nur begrenzt haltbar, deswegen können nicht langfristig Vorräte angelegen. Wir brauchen alles frisch. Wenn wir die Versorgungslage stabil halten wollen, brauchen wir unsere Blutspender umso mehr.

Uns wird Corona noch lange begleiten und wir können nur appellieren: kommt Blutspenden. Es wird lange keine wirkliche Normalität geben.

Wie geht es Ihnen? Wie sieht Ihr Alltag gerade aus? Erzählen Sie rbb|24 Ihre Geschichte in Zeiten von Corona! Einfach eine Mail schicken an internet@rbb-online.de. Wir melden uns bei Ihnen.

Gesprächsprotokoll: Ula Brunner

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Antwort auf [Der unerwünschte schwule Nichtspender] vom 24.05.2020 um 12:41
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12 Kommentare

  1. 12.

    Durch corona kein Krafttraining mehr. Muskelrückgang. 2 Kilo abgenommen. Und schwupps darf ich nicht mehr spenden, da das DRK unabhängig vom Gewicht immer 500ml Blut abnimmt. Also nie die abzunehmende Blutmenge dem Gewicht des Spenders anpasst. Tut mir leid, aber nur fürs Blutspenden esse ich nun nicht mehr als ich muss oder ungesünder und lege ungesunde Fettpolster an.

  2. 10.

    Ich lasse mich alle 3 Monate auf HIV und anderes Kram testen und auch wenn ich mit Test käme, wäre ich ausgeschlossen. Also die Artikelüberschrift stimmt nicht ganz...

  3. 9.

    Lach. Bei Sex ohne feste Partnerschaft können Sie es nachvollziehen? Was ist, wenn man in einer festen Partnerschaft lebt und einer davon geht fremd, ohne dass der andere, als potentieller Blutspender, dies weiß? Diese Regelung ist einfach nur blödsinnig.

  4. 8.

    Das betrifft auch Leute mit bestimmten Vorerkrankingen, nicht nur die von Ihnen beschriebene Klientel.
    Was den Sex ohne feste Partnerschaft betrifft, kann ich es nachvollziehen. Denn dann muss man erst einen aktuellen HIV Test beibringen. Also geht das in Ordnung. Oder wie wollen Sie das Verhüten nachweisen? Habe grad ganz komisches Kopfkino......

  5. 7.

    Bedauerlich nur, dass immer mehr Menschen davon pauschal ausgeschlossen werden: Homo- oder Bisexuelle, seit Neustem auch heterosexuelle Menschen, die in den letzten 4 Monaten Sex außerhalb einer sog. "festen Partnerschaft" hatten - unabhängig davon, ob verhütet wurde oder nicht (Deswegen durfte ich, als jahrelange Blutspenderin, dieses Jahr nicht mehr an der Charité spenden, betrifft sicherlich viele)

  6. 6.

    Mit Maske spenden? Und dann auch noch ein pappiges Brötchen als "Dank" bekommen. Klar, warum nicht ...

  7. 5.

    >> Blutspenden werden übrigens nicht auf SARS-CoV-2 untersucht, da eine Übertragung durch Blut derzeit nicht anzunehmen ist.<< Ich wüsste gerne, ob das (auch jetzt noch)so richtig ist. Denn ich frage mich, wie, wenn nicht über die Blutbahnen gelangt das Virus in die anderen Organe und Körperteile (Gefäße, Herz, Nieren und sogar den Hirnstamm...).?

    Wie viele Menschen werden ggf. - gerade schon IN einem Notfall - gefährdet, wenn man die guten Gaben von Menschen NICHT auf das SARS-CoV-2 testet?

    Und auch ist die Unwissenheit vieler Menschen, OB sie mit einem Infizierten in Kontakt waren, leicht vorschnell mit einem NEIN beantwortet ... dabei kann man sich - nach derzeitigen Regelungen und derer Nichteinhaltung oder sogar bei deren Einhaltung - unwissentlich leicht anstecken.

  8. 4.

    Mich will man zum Blutspenden nicht mehr. Dann nicht.

  9. 3.

    Ja, guter Hinweis mit dem HIV! Man stelle sich vor, eine Ansteckung auf diesem Wege wäre möglich! Es wäre notwendig, das gespendete Blut auf Covid-19 zu testen und auch auf Antikörper Dann hätte man Sicherheit für den Emofänger und der Spender und die Statistik hätte(n) mehr Testergebnis(se). Also, wenn es möglich wäre, die Infektion über Blut zu testen, das weiß ich leider nicht. Der Antikörper-Test funktioniert ja über Blut. Vielleicht gibt es dann umgehend viel mehr Spender, da viele Bürger sich gern testen lassen würden, es jedoch nicht können.

  10. 2.

    Ich war früher öfter, nun hab ich leider keine Zeit mehr, wie viele Millionen Eltern auch nicht.
    Job, Kindererziehung, homeschooling

    Wenn Bildung und Betreuung mal wieder gesichert ist, dann ..

  11. 1.

    Bei HIV hatte man das damals auch nicht angenommen. Ist immer gut noch ein paar mehr Leute in der Statistik zu haben. ;)

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