Thomas Franz von "Früchte Franz" (Quelle: rbb)
Audio: rbb 88.8 | 03.08.2020 | Interview mit Thomas Franz | Bild: rbb

#Wiegehtesuns? | Der Großhändler - "Uns bleiben noch drei bis vier Monate, dann ist das Geld alle"

Für Thomas Franz tickt die Zeit. Der Großhändler aus Berlin beliefert Kantinen, Behörden und Unternehmen mit Obst und Gemüse. Doch das Geschäft läuft wegen Corona auf Sparflamme. Und die Finanzdecke wird immer dünner. Ein Gesprächsprotokoll.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als viele andere Ereignisse zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Seit Anfang der 1980er Jahre betreibt Thomas Franz das 1949 gegründete Familienunternehmen "Früchte Franz". Bis zum Lockdown lieferten die Berliner Obst, Gemüse und Kräuter für Kantinen, Kitas, Behörden, Gastronomie, das Studentenwerk und große Unternehmen.

Seit April schlafe ich schlecht. Ich wache nachts auf, sorge mich um die Mitarbeiter. Durch den Lockdown sind uns innerhalb kürzester Zeit nach und nach alle Kunden weggebrochen. In der Hochphase der Krise sind uns nur ein paar Senioren- und Pflegeheime geblieben, die weitergemacht haben, weil natürlich die Insassen dort weiter betreut werden mussten.

Wir haben zwar diesen Schnellkredit bekommen, dafür bin ich auch dankbar, denn sonst wäre wir gar nicht mehr in der Lage, zu arbeiten. Aber das Geld schmilzt langsam ab. Wir müssen es irgendwann zurückzahlen. Und wir sind noch zu weit von irgendwelchen Zahlen entfernt, die uns, sagen wir mal, einen Monat wenigstens mit plus minus Null abschneiden lassen würden.

Jetzt haben wir ziemlich genau 50 Prozent der Einnahmen, die wir vor dem Lockdown hatten. Das bedeutet, dass die Individualgastronomie, die wir auch beliefern, eigentlich wieder ganz gut funktioniert. Da bin ich sogar angenehm überrascht, dass fast alle unsere Kunden wieder da sind. Aber eben alles, was in Richtung Behörden, öffentliche Institutionen geht, da bewegt sich ganz wenig. Die Schulen hatten bis jetzt noch zu, die Universitäten haben zu, Kitas, Ämter, viele Kantinen sind immer noch komplett zu. Das ist einfach unser Problem. Und das haben wir nun gar nicht an der Hand.

Ich sehe mit Sorge die Verluste, die jeden Monat dazu kommen. Das sind mehrere 10.000 Euro monatlich. Und wenn der Kredit abgeschöpft ist, wissen wir nicht, wie es weitergeht, und ob wir dann schon in der Situation sind, dass wir wieder Geld verdienen.

Ich bin keiner, der grundsätzlich an einer Pandemie zweifelt und an deren Gefährlichkeit. Und natürlich habe ich Angst um ältere Angehörige und alte Menschen. Aber ansonsten würde ich das als einen Albtraum bezeichnen. Ich gehe manchmal abends ins Bett und hoffe, morgen früh ist das zu Ende. Aber das passiert halt nicht.

Mir ist natürlich selbst klar, dass auch die Politik die Pandemie nicht genau einschätzen kann. Aber uns würde helfen, wenn man planen könnte. Als Kaufmann weiß man die Summe, die man noch zur Verfügung hat, und die Verluste, die man monatlich macht. Und überhaupt nichts zu wissen, das macht einen verrückt. Also mich zumindest, weil ich als Unternehmer immer gewohnt war zu agieren. Und das geht im Moment nicht.

Es liegt nicht daran, dass wir ideenlos sind. Wir haben halt alles schon abgearbeitet. Wir haben alles eingekürzt, was man einkürzen kann. Wir haben niemand entlassen, aber wir hatten natürlich ein paar personelle Abgänge. Es gab Zeitverträge. Es gab Leute, die jetzt in Rente gegangen sind. Nächsten Monat geht noch einer in Rente, da ist man heutzutage richtig glücklich darüber, dass das so ist. Früher hat man um Mitarbeiter gekämpft. Aber wir versuchen natürlich, keinen aktiv zu entlassen.

Die Mitarbeiter sprechen mich regelmäßig an - immer auf eine sehr angenehme Art und Weise. Die meistgestellte Frage ist:" Wann wird denn das vorbei sein?" Und da sind wir aber genau an diesem Punkt, über den ich gerade gesprochen habe. Niemand kann es sagen. Wir hoffen natürlich alle. Aber das Prinzip Hoffnung ist eine schwierige Geschichte.

Ich würde mal sagen: Uns bleiben noch drei bis vier Monate, dann ist das Geld alle. Und dann kommt ein Punkt, wo ich sage, dann macht es keinen Sinn mehr, weil der Schaden wird. Dann irgendwann so groß, dass man das nicht mehr deckeln kann.

Wir sind eine e.K.-Unternehmensform, "eingetragener Kaufmann", das heißt ich hafte mit Mann und Maus. Man kann das ganz klar aussprechen: Wenn ich mein Unternehmen schließen muss, bin ich Sozialhilfeempfänger, und das nach 37 Jahren Selbstständigkeit.

Protokoll eines Gesprächs auf rbb 88,8

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10 Kommentare

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  1. 9.

    Na Sie haben ja echt ulkige Idee. Preiserhöhungen zu Zeiten von Chorona, wo jeder Selbstständige ums Überleben kämpft und ein Preiskampf existiert.
    Keine Bank gibt in so einer Situation noch Kredite. Betriebswirtschaftlich sind Ihre Ratschläge für die Tonne.
    Und dann werden Ihre Ratschläge sogar kriminell! Ich weiß nicht, in welchen Kreisen Sie sich bewegen, aber meine Umgebung kämpft mit fairen Mitteln und versucht nicht noch zu bescheißen.

    "Wir sind am Anfang eines Finanzkrieges, da gewinnt man nur bewaffnet. " ---------- Ich schreibe jetzt mal nicht, was ich von dieser Aussage halte. Denn das würde der RBB sicher nicht veröffentlichen.

  2. 8.

    Sie müssen sofort ihre Preise drastisch erhöhen! Klappt oder klappt nicht. Wenn diese Erhöhung der Markt nicht annimmt, - sofort zumachen, nicht erst in 4 Monaten. Ruhig noch einen Kredit aufnehmen und Geld für sich zur Seite legen, im Ausland anonym Edelmetalle kaufen. Seien Sie sicher: Das machen derzeit viele, weil wir alle sehen was auf uns zurollt. Wir sind am Anfang eines Finanzkrieges, da gewinnt man nur bewaffnet.
    P.S. Solch einen Text werden Sie nie von offizieller Seite aus lesen.

  3. 7.

    Falls Sie mir die Frage erlauben: Wo gehen Sie denn einkaufen? Ich habe seit Monaten keine Probleme mehr damit alles das zu bekommen, was ich haben möchte - egal, zu welcher Tageszeit ich einkaufen gehe.

  4. 6.

    Ich frage mich dann allerdings, warum im Einzelhandel so manche Ware nicht mehr vorrätig ist, wenn man nach der Arbeit einkaufen will. Der Händler sagt mir dann, er wird vom Großhändler nicht ausreichend beliefert.

  5. 5.

    Auch wir sind betroffen.
    Man grübelt und grübelt, die Frau weint, ich fühle mich schlecht. Auch an den Kindern geht das nicht spurlos vorbei

    Wenn nicht irgendwas passiert, verlieren wir alles.
    ALG2 kann man beantragen.... vom Hauptverdiener zum nichtsverdiener. Wohnungskosten werden übernommen, nur Pech wenn man ein Hauskredit hat. Ewig stunden kann man nicht und dann muss man das natürlich auch später bezahlen....das ganze Geschäft noch nicht mal dabei.
    Soforthilfe haben sich wir nicht erhalten....nichts einfach nichts.

    Ich ahne nichts gutes für Oktober....Insolvenzen, Arbeitslose, depressive Selbstständige

  6. 4.

    Hut ab, ich bin Busfahrer bei der BVG und unsere Kantinen sind alle offen. Vielleicht kann er ja diese beliefern. Da müßte man mal Rücksprache mit der BVG nehmen.
    Ansonsten vielleicht einen Aufruf starten. Wer weiß vielleicht sucht ja jemand noch einen guten Großhändler für Obst und Gemüse.

  7. 3.

    Das Geld ist doch jetzt schon alle.
    Aber sollen sie das Geld zum Fenster rauswerfen.
    Aber je weniger sie haben, müssen sie die Reichen zur Kasse bitten.

  8. 2.

    So geht es vielen Selbständigen.....vor allem was mit Veranstaltung und Künstler zu tun hat.
    Da werden viele leise untergehen.
    Trotz aller Hilfen ....irgendwann ist das Geld alle....also das Geld das der Staat gibt.
    Wie bei der MwSt Senkung .... man hat keinen Plan B.

  9. 1.

    Das klingt wirklich dramatisch. Ich kann nur allen Unternehmern, die jetzt unverschuldet in so eine Krise gerutscht sind, alles Gute wünschen. Ich fürchte, es muss weitere Hilfen geben, besonders für solche wichtigen Firmen wie Großhändler im Lebensmittelbereich.

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