#Wiegehtesuns?: Berliner Weihnachtsmann Stephan B. Antczack (Quelle: Blatt-Usia)
Bild: Susanne Blatt-Usia

#Wiegehtesuns? | Weihnachtsmann - "Sorry, ich beschere dieses Jahr nur draußen!"

Seit 18 Jahren beschert Stephan als Weihnachtsmann Familien, Heime und Feiern. Corona erschwert ihm nicht nur die Arbeit, es hat ihm auch die Mutter genommen. Doch seinen Stammkunden hält er die Treue. Ein Gesprächsprotokoll.

Corona stellt noch immer unser Leben auf den Kopf. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Stephan B. Antczack ist seit 18 Jahren als Weihnachtsmann in Berlin unterwegs. Viele Weihnachtsmänner des Berliner Studentenwerks sind durch seine Schule gegangen. Der Theaterpädagoge, Bezugsbegleiter und Künstler muss in diesem Jahr auch den Tod seiner Mutter verkraften, die an Covid-19 verstorben ist. So geht es Stephan:

Als Weihnachtsmann, der auf Bestellung zu den Leuten geht, bin ich natürlich auch von Corona betroffen. Es ist komplett anders als sonst. Es gibt weniger Buchungen, es gibt weniger Weihnachtsmänner, die antreten, aber diesmal gibt es auch Weihnachtsmänner, die weniger Kunden haben.

Wir – mein Engel "Sternchen", der mich manchmal begleitet, und meine Wenigkeit – haben gesagt: "Wir machen es dieses Jahr nicht so fett, wir beglücken nur unsere Stammkunden". Also die Menschen, die wir von jeher bescheren, die uns gerne haben möchten, denen wir wichtig sind.

Es ist ja auch eine Frage, was rechtlich möglich ist. Das muss der Weihnachtsmann ja mitstudieren. Ich will mich nicht an Heiligabend verhaften lassen. Vier Erwachsene plus drei Kinder, das geht. Wir sind ausgesprochen vorsichtig und haben uns das gut überlegt.

Das Wichtigste ist, dass man Abstand halten kann. Dazu habe ich den ganzen Sommer mit meiner Theatergruppe ein Distanztraining gemacht. Deshalb halte ich mich als Weihnachtsmann am liebsten an der frischen Luft auf. Ich habe klar gesagt, dass ich in diesem Jahr durch keinen Kamin in Innenräume klettere. Sorry, ich beschere dieses Jahr nur draußen! Aber ich komme gerne in den Garten oder auf den Hof.

Ich beginne wie immer mit "HOHO fröhliche Weihnachten!". Und bevor ich einführende Worte spreche, werde ich – wie es sich geziemt – meinen Mund-Nasen-Schutz (mit aufgemaltem Bart und roter Knollennase) aufsetzen. Das ist eigentlich eher pädagogisch gedacht.

Ich werde meinen Knecht Ruprecht aufsagen, mein Eingangsstatement, mit dem ich die Leute begrüße. Und dann möchte ich gerne mit ihnen zusammen singen. Damit das gefahrlos geschieht, werde ich sie auffordern, dass sie sich in einen Kreis stellen mit zwei Meter Abstand mindestens, und sich dann um die eigene Achse drehen, sodass sie nach außen singen.

Ehrlich gesagt, ist die Feier im ganz engen Familienkreis während des Lockdowns eine ideale Herausforderung für die Beziehungsentwicklung innerhalb der Familie. Die Eltern haben die Chance, Kontakt mit ihren Kindern zu halten. Sie können ihren Kindern Geschichten vorlesen, sie könnten sich einfach mal darauf einlassen, mit ihnen zu spielen. Für eine Wohneinheit im Kinderhaus-Brandenburg-Berlin haben wir auch eine Videoaufnahme produziert, die wird dann vorgespielt. Da habe ich natürlich meine Notizen im goldenen Buch und geh auf die einzelnen Kinder ein.

Im Moment trauere ich um meine Mutter. Sie ist vor einer Woche mit 76 Jahren an Covid-19 verstorben. Meine Mutter hätte sich jetzt gefreut über den Lockdown, weil ich endlich mal am Ersten Weihnachtstag bei ihr hätte sein können. Aber sie war auch immer sehr stolz auf mich, wenn ich als Weihnachtsmann unterwegs war.

Gesprächsprotokoll: Cosima Jagow-Duda

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10 Kommentare

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  1. 10.

    Was schreiben Sie für ein Blödsinn. Haben Sie schon mal einen geliebten Menschen verloren, und das kurz vor Weihnachten??? Ich habe es vor 2 Jahren und dieses Jahr erlebt, es ist einfach nur traurig wenn plötzlich ein Familien Mitglied nicht mehr da ist.

  2. 9.

    Was soll der Hinweis auf die Vorerkrankung?
    Ohne Corona würde die Mutter noch leben!
    Es fehlt jemand an Weihnachten.
    Mein Beileid an den Weihnachtsmann.
    Und Danke, dass Sie , also der Weihnachtsmann weiter machen, alles Gute für Sie

  3. 8.

    "und dass die Mutter schwere Vorerkrankungen hatte, wurde auch unterschlagen?"
    Woher wissen Sie das denn so genau? Kannten Sie sie persönlich?
    Einfach unerträglich, welchen Schw....sinn manche hier verbreiten.
    Dem Weihnachtsmann Stephan wünsche ich viel Kraft in dieser schweren Zeit.







  4. 7.

    Alles Gute für Herrn Antczak und viel Kraftund Energie für die Feiertage.

  5. 6.

    Es ist ein Gesprächsprotokoll.. was verstehen Sie daran nicht? Wenn Stephan das so sieht, soll der RBB es zensieren? Menschen ticken unterschiedlich. Ich finde seine Worte über die „Chance“ des Kontaktes Eltern/Kind auch etwas merkwürdig, weil auch außerhalb der Weihnachtszeit dafür genug Zeit sein muss, aber wenn er das so sieht...

  6. 5.

    Hier geht es um Herrn Antczak und seine Situation. Was er denkt, erlebt und wahrnimmt.

    Danke für diese Einsichten und danke lieber Herr Antczak, dass sie auch in diesen schweren Zeiten versuchen den Kindern ein Leuchten in die Augen zu zaubern. Mein Beileid zu Ihrem Verlust. Wenn ein geliebter Mensch verstirbt, ist es in der Regel egal, wie vorerkrankt er war. Spielt das dann noch eine Rolle? Bleiben Sie gesund.

    Und an Heike gerichtet: Einige scheinen empathie-technisch auf dem Level eines Stasigefängnisses angekommen zu sein.

  7. 4.

    "Sind wir jetzt medientechnisch echt wieder in DDR-Zeiten gelandet?"
    Davon sind wir glücklicherweise sehr weit entfernt. Überlegen sie mal, sie dürfen Stuss schreiben und laufen immer noch frei rum. Fühlt sich doch gut an - oder?

    @Weihnachtsmann
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft, machen sie weiter so und bleiben sie gesund.
    Frohe Weihnachten

  8. 3.

    So wie ich das beobachtet hab, sind die fettgedruckten Teile im Text eher sowas wie Zwischenüberschriften, jedenfalls etwas was gliedern soll und nicht die persönliche Meinung vom rbb.
    Fröhliche Weihnachten Ihnen ;)

  9. 2.

    Ganz liebe Grüße an diesen tapferen Weihnachtsmann. Möge es ihm gelingen viele Kinderaugen heute zum Leuchten zu bringen.

  10. 1.

    "Ehrlich gesagt, ist die Feier im ganz engen Familienkreis während des Lockdowns eine ideale Herausforderung für die Beziehungsentwicklung innerhalb der Familie."
    Ernsthaft RBB, geht's vielleicht noch eine Spur offensichtlicher mit dem Framing.
    Also bei solchen Aussagen müssen sich viele verklappst fühlen.
    Sind wir jetzt medientechnisch echt wieder in DDR-Zeiten gelandet?
    Und dass die Mutter schwere Vorerkrankungen hatte, wurde auch unterschlagen?

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