Video | Dr. Julia Fischer erklärt - So ist der Stand bei Impfungen für Kinder und Jugendliche

Mi 19.05.21 | 20:54 Uhr
rbb-Gesundheitsexpertin Dr. Julia Fischer
rbb
Video: rbb24 | 19.05.2021 | Material: Abendschau | Bild: rbb

Für Kinder und Jugendliche ist die Corona-Pandemie besonders unfair. Ihr Risiko für einen schweren Verlauf ist gering - und trotzdem werden sie seit Monaten heftig in ihrem Alltag beschnitten: Schule auf, Schule zu, kaum Freunde treffen, nicht zum Sport. Das ist belastend.

Deswegen wird diskutiert, ob sie zeitnah gegen Corona geimpft werden sollten. Dass es für Kinder mit Vorerkrankungen sinnvoll ist, steht außer Frage. Aber bei Kindern ohne Risikofaktoren? Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft aktuell einen Impfstoff von Biontech/Pfizer für 12- bis 15-Jährige, er könnte schon in wenigen Wochen verfügbar sein.

Das spricht für und das gegen eine Impfung von Kindern und Jugendlichen

Für ein möglichst schnelles Ende der Pandemie wäre die Impfung von Kindern und Jugendlichen sinnvoll, enn für eine Herdenimmunität müssten mehr als 80 Prozent der deutschen Bevölkerung immun sein. Kinder und Jugendliche machen etwa 16 Prozent davon aus. Ohne die wird es also knapp, selbst wenn sich alle Erwachsenen impfen lassen.

Mindestens so wichtig wie die Herdenimmunität ist aber, dass der Nutzen der Impfung die Risiken überwiegt. Klar ist: Kinder mit Vorerkrankungen brauchen die Impfung. Für die anderen ist die Abwägung komplexer. Ihr Risiko für einen schweren Covid19-Verlauf ist gering. aber: Es ist nicht Null, denn auch Kinder können schwer erkranken. Erst recht, wenn sich das Virus nach Lockerungen mehr unter ihnen verbreitet.

Außerdem gibt es Komplikationen bei Kindern: "PIMS", das "Multi-Organ-Entzündungssyndrom" und Long-Covid: Langzeitfolgen. Beides ist selten, aber möglich. Die Impfung könnte das verhindern.

Risiken in der Diskussion

Birgt die Impfung Risiken? Das wird aktuell diskutiert. In der Studie mit 2.000 12- bis 15-Jährigen erwies sich der Impfstoff von Biontech als 100 Prozent wirksam. Impfreaktionen wie Fieber und Kopfschmerzen waren vergleichbar mit denen von Erwachsenen und die Antikörperproduktion war sogar 1,5 mal höher. Das spricht für einen effektiven Schutz.

Was ist mit seltenen Nebenwirkungen? "Unwahrscheinlich" sagen die einen - denn bei Millionen Erwachsenen erweist sich der Impfstoff ja bereits als sicher. Andere bemängeln: Die Datenlage sei noch zu dünn. Ein weiterer, triftiger Grund für die Impfung von Kindern und Jugendlichen ist, dass sie endlich wieder Normalität brauchen. Präsenzunterricht, Freunde und Sport.

Befindet die EMA den Impfstoff für Kinder und Jugendliche als sicher und wirksam, wäre das endlich auch für sie der mehr als verdiente Ausweg aus der Pandemie.

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