Die Charité (französisch für Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Karitas) ist das älteste Krankenhaus von Berlin und mit über 3000 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. (Quelle: dpa/Christoph Hardt)
Audio: Inforadio | 07.01.2021 | Raphael Knop | Bild: dpa/Christoph Hardt

Notfall-Programm verlängert - Berliner Charité verhängt neues Besuchsverbot

Eine Trendwende sei nicht erkennbar: Zu diesem Schluss kommt die Leitung der Charité. Das Personal ist überlastet, die Intensivbetten werden wegen der steigenden Zahl von Covid-Patienten knapper. Deshalb gilt ab Donnerstag ein strenges Besuchsverbot in den Kliniken.

Die Berliner Charité hat von Donnerstag an ein striktes Besuchsverbot verhängt. Es solle bis Ende Januar gelten, sagte ein Sprecher der Kliniken am Mittwoch. Ausgenommen seien ab dem 7. Januar allein Besuche bei Kindern unter 16 Jahren und Schwerstkranken.

Bereits im vergangenen Frühjahr gab es ein solches Besuchsverbot. Bei der anhaltend angespannten Situation müssten mögliche Infektionswege von außen in die Kliniken verhindert werden, sagte der Sprecher.

Laut der Charité-Verantwortlichen erlebe man derzeit "eine nie gekannte Belastung von Ärzten und Pflegepersonal". Bei der Versorgung von Covid-Patienten sei keine Trendwende erkennbar. Deshalb habe der Vorstand das Notfall-Programm, das seit 17. Dezember gilt, vorerst bis zum 22. Januar verlängert. Das bedeutet, dass neben Covid-Erkrankungen nur noch Notfälle, Härtefälle und Tumorpatienten behandelt werden können, andere planbare Operationen werden verschoben.

Insbesondere die hohe Anzahl von Intensivpatienten zwinge zu diesem Schritt, sagte Martin Kreis, der Charité-Vorstand für die Krankenversorgung. Am gleichen Tag registrierte die Charité einen neuen Höchststand bei der Bettenauslastung. Die Kapazität werde dort bald erschöpft sein.

Mehr als ein Drittel der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt

Nach dem Corona-Lagebericht des Berliner Senats vom Mittwoch sind insgesamt 35,2 Prozent aller Berliner Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Der Grenzwert der Corona-Ampel ist in diesem Bereich auf 25 Prozent festgelegt - sie steht seit Wochen auf Rot. Das Hauptproblem sind hierbei nicht die fehlende Zahl von Intensivbetten, sondern der Mangel an qualifiziertem Personal, das Patienten in diesen Intensivbetten auch betreuen kann.

Am Mittwoch meldeten die Gesundheitsämter in Berlin 1.306 neue Ansteckungen, am Vortag waren es 1.235. Inzwischen sind fast ein Fünftel (18,7 Prozent) der PCR-Tests auf das Virus positiv. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Allerdings werden auch nur noch Menschen mit schweren Symptomen getestet.

Der kommunale Klinikkonzern Vivantes hat bereits seit Mitte Oktober ein ähnliches Besuchsverbot für alle seine Krankenhäuser verhängt. Die Charité verhängte eine solche Regelung zuletzt zu Beginn der Pandemie im Frühjahr. In der Zwischenzeit waren Besuche manchmal nur eingeschränkt möglich, aber nicht strikt verboten.

Sendung: Inforadio, 06.01.21, 18:30 Uhr

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19 Kommentare

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  1. 19.

    Die Krankenhausfinanzierung ist sicherlich ein Problem. Ob man mit Gesundheit Profit erzielen sollte, natürlich auch. Aber Kommunen können Krankenhäuser z.T. nicht wirtschaftlich führen und müssen sie abgeben. Ziel sollte m. E. die fachlich optimale Behandlung sein.

  2. 18.

    Oh je, bei solchen Kommentaren mach ich mir immer Sorgen, dass so wenig von dem verstanden wird, was in unserem System abläuft. Vielleicht einfach in Stichworten: Krankenhäuser privatisiert, Gewinn/Profit (z.B. Fallpauschalen)stehen über Mensch/Gesundheit. Betten werden abgebaut, Personal auch und schlecht bezahlt. Und dann kommt eine Pandemie. Falls Sie noch ein wenig mehr und ausführlicher informiert werden möchten, gibt es interessante Lektüren darüber.

  3. 17.

    Sorry, ist aber völlig falsch. Und , nahe Angehörige inkl. Ehepartner erhalten Infos. Übrigens, auf Intensiv zB ist ein Besuch nie möglich. Klagen Sie mal dagegen. Aber bitte, immer schön egoistisch. Ist ja egal, ob das Personal überlastet ist. Hauptsache ich darf Omma besuchen.

  4. 16.

    Wie soll das Personal die Pflege der Schwerkranken sicherstellen?
    Viele viele Angehörige übernehmen diese Arbeiten, weil es das Stammpersonal nicht schafft ... schon vor Corona!

    Wer gibt den Patienten vernünftiges gesundes Essen? Wer füttert Patienten, die körperlich dazu nicht in der Lage sind?
    Wer sorgt dafür, dass genug getrunken wird?
    Wer wechselt Inkontinenzmaterial? Wer wäscht die Patienten? Wer spendet Trost und klärt Missverständnisse und Missstände auf?
    Wer macht sauber?

  5. 15.

    Im Waldkrankenhaus Spandau ist seit Wochen Besuchsverbot, was spricht dagegen?

    Es ist sehr ärgerlich, dass man privat vereinsamt, aber auf Arbeit/im Büro jeden Tag viele und neue Kontakte hat....

  6. 14.

    Also wenn meine Angehörigen im Krankenhaus liegen würde, würde ich das Besuchsrecht einklagen. Ein Besuchsverbot ist kein Schutz, sondern Isolation. Und Isolation verstößt gegen die Menschenrechte. Ich würde ja sonst nicht mal erfahren, wie es meinen Angehörigen geht, weil das Klinikpersonal sich dann auf den Datenschutz beruft. Und daß man etwas über den Gesundheitszustand erfahren möchte, kann ja wohl jeder nachvollziehen. Und es sind bestimmt nicht nur die Besucher, die Corona, sondern eher das Personal.

  7. 13.

    Gesundheitssytem runtergewirtschaftet? Zu welcher Zeit hätten Sie ich denn am liebsten mit einer Virus-Pneumonie in einem deutschen Krankenhaus behandeln lassen? 1930? 1950? 1990? oder doch lieber heutzutage?

  8. 11.

    Die Pflegekräfte und Ärzte SIND Besucher, und sie werden NICHT jeden Dienstbeginn getestet! Selbiges könnte ich bei Besuchern ja verstehen, aber Zutrittsverbot? Sollen die Kranken und Angehörigen alle am Ende in die Klapse?

  9. 10.

    Versagt haben in den letzten Jahrzehnten diejenigen, die die Gesundheitssysteme runtergewirtschaftet haben, weil sie dem Diktat des Marktes unterworfen wurden, die die Lohnkosten auf dem Gesundheitsmarkt gedrückt haben, um zu sparen. Krankenhäuser sind zu Verwaltungsstätten geworden. Patienten werden verwaltet. Der Mensch ist mehr als sein Befund.

  10. 9.

    Da haben wir wieder die Theorie.... Kontakte vermeiden und schon wird alles gut.... in dann schaut man sich die Realität an und stellt fest .... besuchsverbot in Pflegeheimen ... und trotzdem infizieren sich dort permanent die Menschen.
    Aber wir haben mal wieder einen neuen schick klingen Namen ... Stay at Home !

  11. 8.

    Der Einfluss sozialer Kontakte wirkt sich maßgeblich auf das Wohlbefinden aus. Sie stärken das Immunsystem und schützen vor Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. Außerdem verbessern sie den Umgang mit Stress und dadurch stärken sie gleichzeitig Herz und Kreislauf. 
    Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass soziale Kontakte großen Einfluss auf unser seelisches Wohlbefinden haben. Einsamkeit und Mangel an sozialen Bindungen können krank machen. Nachweislich ist diese Isolation vergleichbar mit der körperlichen Schädigung. Menschen brauchen Zuneigung, Trost und vor allem Verständnis und Mitgefühl besonders wenn sie krank sind. Der Mensch ist ein soziales Wesen und Einsamkeit belastet ihn. Es macht ihn auch körperlich krank.
    Damit Menschen gesund werden und gesund bleiben, ist mehr nötig als eine erfolgreiche Behandlung durch einen Arzt.
    Worum geht es eigentlich. Ein möglichst langes Leben zu führen oder ein Leben zu führen, wo man das Gefühl hat, lebendig zu sein.

  12. 7.

    OK, da ginge ich im Ernstfall nicht hin, weil mein Kind, mein einziger Angehöriger hier weit und breit, mich dort nicht besuchen könnte. Nicht nur ich verbliebe einsam in meiner Katastrophe, sondern auch mein Kind! Allein gelassen, ohne Kontakt zum einzigen Verwandten, ich mag gar nicht dran denken! Jetzt bloß nix schlimmes kriegen, was im Waldfriede nicht mehr behandelbar wäre....


    Übrigens, die shit Schnelltests kann im Prinzip jeder selber machen, der sich traut, tieeef in der Nase zu stochern. Ist ein kleines bisschen unangenehm, aber nur kurz. Ein geübter Anwender schafft das Extrempulen und in Flüssigkeit tauchen, beträufeln und - der nächste bitte - innerhalb von 3-4 min. In 15 bis 30 min ist das Ergebnis sicher ablesbar, bei Zweifeln dann PCR Test oder erneuter SChnelltest, anderes Nasenloch. Wenn das im Kitkat-club oder im Kino klappt, warum dann nicht in einer Klinik? Jaja, keine Arbeitskräfte - Leihkräfte gibts aber genug freie am Markt!

  13. 6.

    Ich Finde richtig das man wenn man krank ist un das dann in einer PAdemie besuchverbot ist. selbst ich habe wo ich im Krankenhaus gelegen hatte keinen besuch bekommen man kann auch sagen das die Pflegekräfte und Ärzte Besucher sind.

  14. 5.

    Wenn man im Krankenhaus ist, ist man doch froh wenn mal Besuch kommt. Wir sind nun mal soziale Wesen und niemand will ständig allein sein.

  15. 4.

    Ganz ehrlich, kann man nicht einfach mal jede unnötige Belastung des Personals sein lassen? Einige Wochen keine Besuche machen? Einfach mal nickt ständig in der Gegend unterwegs sein? Kontakte vermeiden? Muss man immer nach Auswegen suchen, warum man unterwegs sein muss?

  16. 2.

    Ein Schnelltest dauert bis zum ERgebnis um die 10 min, 7-10 Euro Materialkosten, eine Personen für Abstrich und Testung schafft allein 6-8 (evt 10) Teste pro Stunde.
    Sollten in der Charite nur 500 Besucher pro Tag kommen, macht dies schon mittlere 60-70 Arbeitsstunden aus. Da wären wieder drei Personen beschäftigt, die an anderer Stelle fehlen.
    Besuch also nur in gaaaaan selten Ausnahmefällen, wie bei sterbenden Patienten.
    In junge Mutter kann ihr Babyglück sicher später präsentieren.

  17. 1.

    Ich frage mich wie es sein kann das Infektionen in die Kliniken kommen können wird denn dort nicht getestet bei den Besuchern. Wenn nicht sollte dieses schnellsten eingeführt werden.

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