Eine Frau wird am 26.02.2021 im Impfzentrum Schoenefeld geimpft (Bild: imago images/Jochen Eckel)
Bild: imago images/Jochen Eckel

Angebot an den Senat - Berliner Amtsärzte wollen beim Impfen mitmachen

In dieser Woche haben Hausärzte in ihren Praxen mit den Corona-Impfungen begonnen, und schon läuft das Impftempo an. Nun wollen sich auch Amtsärzte beteiligen. Das könnte dem Land Geld sparen und die Immunisierung vulnerabler Gruppen schneller voranbringen.

Die Berliner Amtsärzte haben sich beim Senat dafür stark gemacht, auch den öffentlichen Gesundheitsdienst in der Pandemie mitimpfen zu lassen. Bisher sei das nicht vorgesehen, dabei sei es für das Land auch wirtschaftlicher und schneller, sagte der Neuköllner Amtsarzt Nicolai Savaskan der Deutschen Presse-Agentur. Die zwölf Amtsärzte seien sich einig, dass diese Zusatzaufgabe für die Ämter zu schaffen sei. Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid bestätigte dem rbb am Freitag, dass ein solches Schreiben an den Senat geschickt worden sei.

Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Kinder- und Jugendmediziner, Psychiater und Allgemeinärzte sowie weitere Disziplinen innerhalb der Gesundheitsämter seien gut in der Lage, Impfungen gegen Covid-19 zu geben, betonte Savaskan. Im Vergleich zu den 120 Euro pro Stunde, die Mediziner in den Impfzentren als Vergütung erhielten, spare eine Beteiligung der Gesundheitsämter dem Land Kosten. Denn hier fiele dann kein Extra-Honorar für Impfungen gegen Covid-19 an.

Neukölln Amtsarzt: Wir müssen uns beeilen

Vor allem aber könnten die Gesundheitsämter laut Savaskan die Immunisierung zum Beispiel bei vulnerablen Gruppen wie Krebs- oder HIV-Patienten schneller voranbringen. Auch für Behinderte oder psychisch kranke Menschen sei der Service denkbar. Denn durch die
Beratungsstellen in den Bezirken gebe es ohnehin bereits viele Kontakte zu diesen Bevölkerungsgruppen.

Mit der wachsenden Zahl an zugelassenen Impfstoffen und größeren Lieferungen sollten neben den Impfzentren und Praxisärzten deshalb alle impfen, die das gut könnten, sagte der Neuköllner Mediziner. "Wir müssen uns beeilen." Es sei logistisch überhaupt kein Problem, neben einem Testzentrum in einem Gesundheitsamt auch eine Impfstelle aufzumachen oder Impfbedürftige mobil aufzusuchen.

Gesundheitsämter könnten ergänzend impfen

Bereits vor der Pandemie hätten Gesundheitsämter aktiv Schutzimpfungen für unversicherte Menschen, Sexarbeiterinnen ohne klaren Aufenthaltsstatus oder Versicherungsstatus angeboten - in Ergänzung zum übrigen Gesundheitssystem, argumentierte auch der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid. "Wir haben angeboten, dass wir das einfach übernehmen. Impfungen gehören ja ohnehin zu unserem Portfolio", sagte Larscheid am Freitag dem rbb.

Vorausschauend könnte es zum Beispiel Aufgabe der Gesundheitsämter werden, Kinder- und Jugendliche gegen Covid-19 zu immunisieren, sobald Impfstoffe auch für sie zugelassen würden. Ein Hersteller rechnet nach Studien bereits für das nächste Schuljahr damit, wenn die Prüfbehörden auf EU-Ebene grünes Licht geben. Die Anträge würden demnächst eingereicht.

Sendung: Inforadio, 09.04.2021, 7 Uhr

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20 Kommentare

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  1. 20.

    Also externe Ingenieurskosten plane ich mit ca. 10.000 pro Mannmonat. Das ist dann aber noch kein Senior.
    So wurde meine Arbeitskraft vor 10 Jahren im Ingenieurbüro angeboten. Das dürfte inzwischen deutlich höher liegen.
    Ein Arzt für 20.000/Monat finde ich jetzt nicht so heftig. Die bekommen die Lohnnebenkosten auch nicht geschenkt.
    Versicherungen aller möglichen Art. Einnahmeausfall für die eigene Praxis etc. Da bleibt sicher etwas übrig für den Arzt, aber das sollte es uns wert sein.
    Volkswirtschaftlicher Nutzen einer Corona Impfung 1.500€ hab ich mal gelesen.

  2. 19.

    120€ pro Stunde.... abzgl. der Einkommensteuer, privaten KV und private Altersvorsorge... dann relativiert sich der stundensatz. Rechnet man noch die Kosten für die Praxis, die ja nicht einfach so wegfallen, runter ist der stundensatz mehr als angemessen.

  3. 18.

    Angesichts der Tatsache, dass der h4 satz bei 400 Euro liegt und viele ihre Existenz verloren haben sowie der Bundesrechnungshof dringend zu radikalen Ausgabenkürzungen drängt, da sie Sozialsysteme letztes Jahr 190 Milliarden ins minus gerutscht sind, erscheint mir ein Tagesverdienst von knapp 1.000 Euro entsprechend wären dies 20.000 Euro im Monat und 240.000 Euro im Jahr exorbitant!

  4. 17.

    120 Euronen / Std. - naja, es gibt Job's die eine bessere Möglichkeit bieten. Von daher, darf ich allen Ärzten, die annähernd ehrenamtlich dort Tätig sind herzlich danken. (Ich bin mir ganz sicher, dass neben der eigentlichen Impfung, die Aufklärung dazu auch viel Patientengeschwurbel inbegriffen ist - und alle sind ja so wichtig)

    Meister, dieses Neidgelalle ist zum ...........

  5. 16.

    20EUR/Impfung zahlt die KVBB. Material dürfte kaum dabei sein.
    https://www.kvbb.de/coronavirus/covid-19-impfungen/arztpraxen/abrechnung-und-dokumentation/
    Privatärzte kann ich nix zu sagen.
    Betriebsärzte dürften effizient sein, wenn man die Priorisierung außer acht lässt. Die meisten gesunden Arbeitnehmer sind ja wegen des Alters überhaupt noch nicht an der Reihe. Und die Kranken sind bei ihrem Hausarzt besser aufgehoben.
    Das würde einen Aufschrei wenn VW mal schnell ein paar Millionen rausrückt und für seine Arbeiter auf eigene Rechnung den Stoff beschafft und durchimpft. Für solche Unternehmen könnte sich das sogar lohnen.

  6. 15.

    Das ist ja bekannt. Es ging um die anderen von mir aufgezählten? Hoffen die wie die Apotheker damals auf einen zusätzlichen Geldregen? Umsonst regen die sich doch nicht auf.

  7. 14.

    Elende Neiddebatte. Impfstoff im Überfluss? Warum auf einmal die Eile. Und ein paar Tage später werden Impfzentren geschlossen.

  8. 13.

    Die Impfaerzte in den Impfzentren bekommen
    120€ pro Stunde. Noch Fragen?

  9. 12.

    Die Impfaerzte in den Impfzentren bekommen
    120€ pro Stunde. Noch Fragen?

  10. 11.

    120 Euro die Stunde?!? Das sind bei 8 Stunden 960 Euro. Ich glaube mein Schwein pfeift!

  11. 10.

    Joar. Dafür berichtet mir heute mein Nachbar, 27, kerngesund, arbeitet im homeoffice, dass er einen Impfcode erhalten hat. Nur, weil er mal vor Jahren nach einem Todesfall Antidepressiva genommen hat. Denen hat man wohl schon Codes geschickt. Ich arbeite in der Verwaltung eines Krankenhauses und teste nebenbei Besucher. Eigentlich prio 2. Mein Arbeitgeber bekommt es aber irgendwie nicht hin, uns Codes zu besorgen und der Senat meldet sich trotz x facher Anfrage nicht. Langsam wird es echt absurd und wenn nicht zügig so ein Impfcode kommt werde ich keine besucher mehr testen und mich einem Risiko aussetzen!

  12. 9.

    So lange nicht genügend Impfstoff vorhanden
    ist, brauchen wir keine weiteren Impfaerzte.
    Aber es geht wohl wieder ums liebe Geld.

  13. 8.

    @Ralf: HIV positive sind in der Prioritätsgruppe 3, momentan ist immer noch die Prioritätsgruppe 2 dran, also kein Wunder, dass Sie noch keinen Impfcode erhalten haben.
    Melden Sie sich bei Ihrem Schwerpunktarzt, dort könnte es u.Um schneller gehen als im Impfzentrum

  14. 7.

    "..... starg gemacht", ja, deutsche Sprache, schwere Sprache

  15. 6.

    Und ich dachte immer, die Gesundheitsämter wären mit Kontaktnachverfolgungen und Schuleingangsuntersuchungen überlastet.

  16. 5.

    Bei T-Online habe ich gelesen, dass sich die Vereinigung der Privatärzte und die Betriebsärtzte beschweren, dass sie nicht ipfen dürfen. Jetzt also auch die Amtsärzte. Was zahlt Spahn für eine Spritze? Die FFP2-Masken wurden mit 6,- entlohnt, was für viele Apotheken ein lohnenswertes Geschäft war.

  17. 4.

    Zur Information bin HiVpostiv und Niereninsuffizienz und Gesetzlich krankenversichert.
    Schwerbehinderte.
    Ich habe keine Impfcode erhalten!!!
    So werden wird geschützt!

  18. 3.

    Erkrankte werden immer noch zu spät behandelt, meist bleiben sie völlig auf sich gestellt in der Häuslichkeit, werden zu spät wahrgenommen und bekommen zu spät ärztliche Aufmerksamkeit und fast nie eine frühzeitige Behandlung. Intensivbetten und Beatmungsgeräte sind nicht die einzige Lösung, auch nicht die Impfung. Eine gezielte Behandlung und Unterstützung könnte hilfreich sein, stattdessen wird suggeriert, sie sollen daheim abwarten, vielleicht ist es ja nur eine Erkältung oder wird schon nicht so schlimm. So funktioniert es aber auch schon lange, dieses Gesundheitssystem. Gesundheitsämter gehören reformiert.

  19. 2.

    Erkrankte werden immer noch zu spät behandelt, meist bleiben sie völlig auf sich gestellt in der Häuslichkeit, werden zu spät wahrgenommen und bekommen zu spät ärztliche Aufmerksamkeit und fast nie eine frühzeitige Behandlung. Intensivbetten und Beatmungsgeräte sind nicht die einzige Lösung, auch nicht die Impfung. Eine gezielte Behandlung und Unterstützung könnte hilfreich sein, stattdessen wird suggeriert, sie sollen daheim abwarten, vielleicht ist es ja nur eine Erkältung oder wird schon nicht so schlimm. So funktioniert es aber auch schon lange, dieses Gesundheitssystem. Gesundheitsämter gehören reformiert.

  20. 1.

    Wenn die Gesundheitsämter noch Freiwillige suchen die Unversicherte und Gefährdete, wie z.B. Sexarbeiterinnen, Menschen ohne Aufenthaltstitel, etc. impfen, dann gibt es genug Ärztinnen und Ärzte die an ihrem freien Tag da unterstützen würden.

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