Ostersonntag in Berlin - Unbekannte stören Online-Gottesdienst von Gemeinde

Archivbild: Evangelische Kirche Alt-Schöneberg, in der Hauptstraße, Berlin Schöneberg. (Quelle: dpa/Schoening)
Bild: dpa/Schoening

Der Online-Gottesdienst einer Berliner Kirchengemeinde ist am Ostersonntag durch Unbekannte massiv gestört worden. Wie die Evangelische Gemeinde Alt-Schöneberg am Mittwoch mitteilte, musste der Gottesdienst abgebrochen werden. Bei einer sogenannten Zoom-Bombing-Attacke seien anstößige Symbole wie Hakenkreuze und Geschlechtsteile gezeichnet, störende Musik und "Anti-Merkel"-Videos abgespielt worden, hieß es. Zudem hätten Störer unartikuliert ins Mikrofon gebrüllt. Der Gottesdienst war als allen Interessierten offenstehende Zoom-Konferenz ausgerichtet worden.

Auch Regenbogen-Banner zerstört

Auch sei ein neu aufgehängtes Regenbogen-Banner mit der Aufschrift "Segen" vor den beiden Kirchen der Gemeinde in der Nacht zu Dienstag zerschnitten aufgefunden worden, teilte die Gemeinde weiter mit und verurteilte die Angriffe. In beiden Fällen sei Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen bestehe, sei noch unklar.

Die Gemeinde an der Schöneberger Hauptstraße stehe für Offenheit und Toleranz, sagte die Gemeindekirchenratsvorsitzende Susanne Grünberg. Mit dem Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg werde geprüft, "wie wir unsere Online-Gottesdienste technisch sicherer gestalten können, ohne die Offenheit dieses Formates aufgeben zu müssen".

Sendung: Abendschau, 07.04.2021, 19:30 Uhr

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11 Kommentare

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  1. 11.

    "Keine Ahnung, woher diese Einstellungen kommen, wahrscheinlich aus enstehen sie vor lauter Hingabe der zoomwelt!?"

    Sie kommen offenbar aus einer Welt, in der Diejenigen, die ihre Wohnungstüren nicht mit zwei Schlössern plus Kette vor der Tür sichern, sich eine ungenügende Sicherung vorwerfen lassen müssen. Sie kommen aus einer Welt, in der jenseits von Feuerwällen nichts existiert und abseits eines Rundumschutzes von Naivität gesprochen werden muss.

    Nicht umsonst hat der Begriff "Sichern" Hochkonjunktur. Nicht nur im Internet, auch beim Erster-Sein von allem Möglichem, was einem natürlich ansonsten entgeht. Ich bin überzeugt, dass es auch dieser "Preis" ist, der psychologisch eine Rolle spielt beim Hochfahren von Sicherheitsmaßnahmen.

  2. 10.

    Und Frau Anja Zeltner, Sie haben natürlich recht, das dieser Hinweis auf die Fahrlässigkeit der EDV-Verantwortlichen trotz alledem (siehe vorherigen Beitrag) keine Rechtfertigung für die erfolgte Störung ist.

  3. 9.

    Jetzt unabhängig von den geschmacklosen Störungen, sehe ich die Grundproblematik auch eher in der geradezu blauäuigen Vorstellung der Verantwortlichen einen offenen Raum ohne redaktionelle Kontrolle im Internet bereitzustellen. Diese Problematik haben doch alle digitalen sozialen Kanäle, seien es nun Foren (wie auch dieses hier) oder "soziale" Medien wie Twitter, Facebook usw.
    Wie auch von Frau Deborah Weber-Wulff erwähnt, wäre es ein leichtes gewesen einen Warteraum vorzuschalten um eine Art Einlasskontrolle zu gewährleisten. Redaktionelle Betreuung von Online-Angeboten ist Pflicht, denn leider wird die Anonymität des Internets immer Trolle hervorrufen.
    Davon auszugehen, das man im Internet respektvoll behandelt wird, ist leider mehr als naiv. Aber eventuell lernen die EDV-Verantwortlichen daraus und machen es in Zukunft besser.

  4. 8.

    Das sehen anscheinend immer mehr "user" anders: kommt man zu Schaden oder bemängelt Datenlecks etc. heisst es hier schnell, man müsse halt besser aufpassen, was man online so macht.
    Oder darauf verzichten, wenn man ganz sicher und geschützt sein möchte.
    Keine Ahnung, woher diese Einstellungen kommen, wahrscheinlich aus enstehen sie vor lauter Hingabe der zoomwelt!?

  5. 7.

    @Neo, danke für ihren Kommentar!

  6. 6.

    Als Mitverfasserin der Pressemitteilung und Älteste im Gemeindekirchenrat der betroffenen Gemeinde bin ich sehr froh, dass darüber berichtet wird, unabhängig davon, ob unsere Pressemitteilung teilweise übernommen wird. Tatsächlich ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt, ob es sich um eine Fehlbedienung des Programms handelte, dies sollte man den Ermittelnden überlassen. Ich sehe es ähnlich wie die anderen Kommentatoren: Selbst wenn dies so wäre, würde dies nicht das Zeigen von verfassungswidrigen Symbolen und die Störung des Rechts auf freie Religionsausübung rechtfertigen.

  7. 5.

    Ich finde es problematisch, dass Sie, liebe Frau Weber-Wulff, ohne nachzufragen WIE es zu so eine Störung gekommen ist, von der EDV-Inkompetenz "der Gemeinde" (so pauschal) und einer "Fehlbedienung" von Zoom ausgehen.

  8. 4.

    Ist das irgendeine Rechtfertigung für Respektlosigkeit? Nein. Auch wenn ich nicht in diesem Sinne gläubig bin, habe ich verdammt nochmal die Religionsausübung auch online zu respektieren und nicht zu stören.

  9. 3.

    All zu sehr haben sich scheinbar Viele daran gewöhnt, dass Mögliches auch gemacht werden könne, gleich, wie destruktiv es auch im Einzelfall werden kann und soll. Nicht die entsprechende Kirchengemeinde muss sich Vorwürfe gefallen lassen ob mangelhafter Sicherheit, Vorwürfe müssen sich diejenigen gefallen lassen, die ganz massiv das Ansinnen der Gemeinde in das glatte Gegenteil verkehrten.

  10. 2.

    Wenn der Gottesdienst jedoch nicht als "Frotalunterricht" sondern interaktiv gestaltet ist, dann bringt der genannte Lösungsvorschlag nichts. Ich habe an diesem nicht teilgenommen und kann es daher nicht beurteilen. Jedoch habe ich schon an einen interaktiven MeetUp teilgenommen, dass durch Zoombombing völlig zerstört wurde. Trotz mehrerer Moderatoren, die die Software beherrschten.

  11. 1.

    Ich finde es problematisch, dass Sie die Berichterstattung so direkt von der betroffene Kirche übernehmen, ohne nachzufragen WIE es zu so eine Störung kommen kann. Wenn die Gemeinde die Bedienung von Zoom nicht versteht, dann liegt es auch an sie. Keine muss erlauben, dass alle Teilnehmenden ihren Bildschirm teilen kann. Es ist mit einfacher Klick möglich, Teilnehmenden ruhig zu stellen, den Video auszuschalten, oder einfach auszuschließen aus dem Raum. Es gibt auch weitere Möglichkeiten wie einen Warteraum einzurichten, oder die Tür "abzuschließen". Eine Fehlbedienung von Software ist eigentlich keine Nachricht wert, egal wie aufgebracht die Gemeinde gewesen ist. Ja, es sind neue Techniken, die gelernt werden müssen. Aber die Technologie zu verteufeln heißt es, das Kind mit dem Badewasser auszukippen.
    Daß der Banner zerschnitten wurde ist eine andere Sache, das ist klar Sachbeschädigung.

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