Auswirkungen der Corona-Pandemie - DLRG Brandenburg warnt vor Nichtschwimmer-Jahrgängen

Die Temperaturanzeige im Freibad Kiebitzberge zeigt neben dem Sportbecken eine Wassertemperatur von 18,2 Grad Celsius an. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Inforadio | 23.05.2021.| Robin Marienfeld | Bild: dpa/Soeren Stache

Nach Einschätzung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Brandenburg haben die Einschränkungen der Pandemie für mehr Nichtschwimmer gesorgt.

Schwimm- und Freibäder waren lange geschlossen, eine Ausbildung oder Schwimmunterricht habe nicht stattfinden können, sagte DLRG-Sprecher Daniel Keip. "Wir schieben eine Welle von Nichtschwimmern vor uns her. Jetzt, wo das Wetter besser wird, machen wir uns Sorgen, dass wir mehrere Jahrgänge nicht richtig ausgebildet haben."

Schwimmausbildung nur für 30 Prozent der Nichtschwimmer

Im Jahr 2019 waren Keip zufolge noch 1.417 Erstschwimmer angeleitet worden. Im vergangenen Jahr waren es demnach nur noch 422 - ein Rückgang um 70 Prozent. Auch die Zahl der Einsatzstunden ging demnach erheblich zurück. Etwa 18.800 ehrenamtliche Stunden leisteten die Helfer 2020. Im Jahr davor waren es noch über 33.000 Stunden. Trotzdem halfen die ehrenamtlichen Lebensretter im vergangenen Jahr 1.046 mal.

In der Pandemie sei die Gefahr von Badeunfällen nicht geringer geworden, weil die Menschen sich wegen geschlossener Freibäder und Schwimmbäder andere Gelegenheiten gesucht hätten, baden zu gehen, berichtete Keip. In Brandenburg sind im vergangenen Jahr nach Angaben der DLRG 24 Menschen ertrunken - das sind zehn Todesfälle weniger als im Jahr 2019.

Weniger Schwimmausbildung und weniger Retter

Der DLRG-Sprecher sieht noch ein anderes Problem: Wegen der Pandemie sind im vergangenen Jahr weniger Lebensretter ausgebildet worden. Sehr viel Einsatz und Ausbildung sei durch geschlossene Schwimmbäder weggebrochen. Dort findet die Ausbildung normalerweise statt. Die Zahl von ausgebildeten Rettungsschwimmern, die an den vielen Badestränden für Sicherheit sorgen, ging demnach von 740 im Jahr 2019 auf 315 im vergangenen Jahr zurück. Seit dem 12. Mai ist die Ausbildung nach den Corona-Bestimmungen des Landes wieder möglich.

Für diesen Sommer versucht die DLRG in Brandenburg nach eigenen Angaben, möglichst viel Schwimmausbildung für Anfänger anzubieten. Aber auch die Schulen seien jetzt gefragt. Und die öffentlichen Schwimmbäder in den Kommunen müssten Kapazitäten für Schwimmunterricht schaffen. Vor allem aber sollten Eltern eine besondere Verantwortung dafür tragen, dass Kinder ein Schwimmabzeichen machen, sagte Keip. Kein Binnenland sei so wasserreich wie Brandenburg. Jeden ziehe es im Sommer an die Badeseen. "Kinder ertrinken leise", so Keip. Sie sollten deshalb nicht allein ins Wasser gelassen werden.

Sendung: Inforadio, 23.05.2021, 9 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    "Es gibt Menschen, die sind anders als wir. Die wohnen in Mitte. Und so. "
    Schön gesagt.

  2. 5.

    Ja, ich habe schwimmen auch an der Adria gelernt :-) aber gehen wir Mal vom Stadtmensch aus, der kennt nur das Freibad und hat Angst vor Fischen und Männer auch vor Haubentauchern ;-) und der steht jetzt knietief in der Havel...*don'tpanic*

    Es gibt Menschen, die sind anders als wir. Die wohnen in Mitte. Und so.

    Es gibt aber auch Gegenden in Deutschland, da ist gar kein See oder Fluss... Die kaufen jetzt alle nen Gartenpool..

  3. 4.

    Was bitte hat das Beibringen des Schwimmens mit "Test, Maske, Luca, Online-Slot, Paypal " zu tun? Ich habe das Schwimmen und Tauchen im Freiwasser von meinen Eltern und Großeltern gelernt. Ich habe es an meine Kinder und Enkel so weitergegeben. Es sind gute "Wasserratten" geworden. Die Aufsicht waren immer die, die es gelehrt haben - auch bei Regen (is' doch eh schon nass). Das ist eine hohe Verantwortung, die Ihnen auch keine Aufsicht abnehmen kann - nirgends - auch in einer Chlorbadewanne nicht.

  4. 3.

    Ja, Eltern bringen den Kindern gerne Schwimmen bei - aber nicht mit Test, Maske, Luca, Online-Slot, Paypal und dann gebucht im Regen! Also gehen wir an den See. Dort ist keine Aufsicht. Und nicht jeder hat echte Fähigkeiten beim Schwimmen, auch andere (junge)Erwachsene nicht. Ein Wadenkrampf streckt auch gute Schwimmer - also: Augen auf! Jeder, der am See steht, kann helfen. Aufmerksam sein, die eigenen Kinder eh beaufsichtigen, aber auch auf andere achten. Ertrinken erfolgt leise! JEDER kann retten - und sei es durch lautes Hilfe rufen!

    Wir müssen Dank der Unfähigkeit der BBB (keine Automatenkassen wie im Parkhaus, keine Zählsystem wie im Parkhaus, keine Registrierung ohne Smartphone) leider damit rechnen, dass alle am See dümpeln - achtet auf eure Mitmenschen!

    Vielleicht schaut man sich nochmal die Grundregeln des DLRG zur Rettung von SChwimmern an, wie man jemanden greift, zieht und so...

    Danke, BBB, dass wir jetzt die Verantwortung tragen müssen... danke für nix...

  5. 2.

    Eigentlich sollten die Eltern den Kindern das Schwimmen wie auch das Radfahren beibringen,

  6. 1.

    Zuerst mal: ich habe große Hochachtung vor der Arbeit der DLRG-Kameraden. Aber das ich ein Kind, das nicht schwimmen kann, nicht allein ans Wasser lasse, sollte doch eigentlich allen Eltern und Großeltern klar sein? Meine Kinder habe ich seit dem Säuglingsalter mit an die Badeseen genommen und dort nie ohne Aufsicht gelassen, von Beginn an mit ihnen auch im Wasser geplanscht und Schritt für Schritt auch ans tiefere Wasser gewöhnt. Noch bevor sie in die Schule kamen, konnten beide schwimmen. Wieso trauen sich so viele Eltern nicht zu, ihren Kindern das lebensrettende Schwimmen beizubringen?

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