Kein Schwimmunterricht in Brandenburg - Tausende Kinder können wegen Corona-Krise nicht schwimmen

Kinder erhalten Schwimmunterricht (Quelle: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.06.2021 | Amelie Ernst | Bild: dpa

Gerade mit Blick auf die Sommerzeit ist das besorgniserregend: Bis zu 6.000 Schüler in Brandenburg können nicht schwimmen - weil die Corona-Pandemie ein entsprechendes Lernangebot verhindert hat. Der Landesportbund nimmt die Politik in die Pflicht.

Wegen der Corona-Pandemie haben Tausende Schülerinnen und Schüler in Brandenburg noch nicht Schwimmen gelernt. Die Sportjugend Brandenburg geht von 6.000 Drittklässlern aus, wie Robert Busch von der Sportjugend Brandenburg am Donnerstag im zuständigen Ausschuss des Landtags sagte. Ein ganzer Jahrgang habe wegen der Corona-Einschränkungen keinen Schwimmunterricht erhalten, beklagte er.

DLRG und Sportjugend planen Angebote in den Ferien

Mit Blick auf den Sommer habe man deshalb mit der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) und dem Landesschwimmverband ein Konzept entwickelt, um Kindern innerhalb von zwei Wochen das Schwimmen beizubringen. "Ob in einem Schwimmbad, Hallenbad oder draußen am See - die Kapazitäten sind begrenzt und deswegen müssen wir schauen, wie wir diesen zwei Jahrgängen, die nun anstehen, das Schwimmen beibringen", sagte Busch.

In den Ferien wolle die Sportjugend mit diesem Programm 3.000 Kinder erreichen, kündigte er an. Das Land unterstützt das Projekt finanziell. Darüber hinaus wolle man auch 4.500 Hortkinder in den Sommerferien erreichen, um mit ihnen für das Sportabzeichen zu üben, so Busch.

Sportvereinen geht der Nachwuchs aus

Wegen der Corona-Pandemie haben Brandenburger Sportvereine mittlerweile weniger Mitglieder. Besonders im Kinder- und Jugendbereich seien zu wenige Interessierte nachgekommen. Bei den Unter-Sechsjährigen betrage der Rückgang zwölf Prozent, bei den sieben- bis 14-jährigen gut vier Prozent. Busch bezeichnete diese Entwicklung als besorgniserregend.

Andreas Gerlach vom Landessportbund Brandenburg befürchtet, dass es nach dem Abklingen der Pandemie weniger Ehrenamtliche im Vereinssport geben könnte: "Wir wissen nicht, wie viele Übungsleiterinnen und -leiter tatsächlich zum Start wieder da sein werden." Um einen erfolgreichen Neuanfang im Sportbereich zu schaffen, müsse das Land für Kinder bis 14 Jahre den Vereinsbeitrag übernehmen, forderte Gerlach.

Eine repräsentative Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks hatte Ende Mai ergeben, dass 86 Prozent der Kinder so ein Angebot sicher oder wahrscheinlich annehmen würden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 3.6.21, 19:30 Uhr

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22 Kommentare

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  1. 22.

    Und warum wurden diese Maßnahmen ergriffen? Wegen Corona. Ohne Corona keine Maßnahmen. Ergo liegt Höhere Macht vor. Oder wäre es Ihnen lieber gewesen, die Politiker hätten gar nichts gegen die Seuche unternommen, um in aller Ruhe zu schauen, wie sich das Ganze so entwickelt?

  2. 21.

    Solange man nicht gerade Rettungs- oder Leistungsschwimmer werden oder einen sonstigen wasseraffinen Beruf ergreifen möchte, ist Schwimmen ohnehin buchstäblich überflüssig. Gibt Schlimmeres. Außerdem kann man es jederzeit lernen, wenn man es unbedingt will.

  3. 19.

    Ihren Kommentar empfinde ich als sehr zynisch. Als Vater eines 7 Jährigen Kindes welches das Glück hatte, noch einen letzten Schwimmkurs 2020 zu ergattern: Wie hätten Eltern Ihren Kindern bei geschlossenen Schwimmhallen denn Schwimmen beibringen sollen? Mal abgesehen davon, ob dies von Eltern wirklich einfach so leistbar wäre. Mit der gleichen Argumentation könnten wir auch auf die Grundschule verzichten: sollen doch die Eltern ihren Kindern lesen und schreiben und rechnen beibringen.

  4. 18.

    Na sie sind ja lustig, aber wehe jemand geht ihnen an den Friseur oder die Fußpflege. Weil Sie keinen Bedarf haben oder früher sowieso ALLES besser gemacht haben, ist es grundlegend nicht nötig....

    Schwimmen lernen und sich über Wasser halten, sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

    Und wie soll ich meinen Kind beibringen, sich über Wasser zu halten, wenn alle Schwimmhallen ewig dicht waren. Hinzu kommt, dass schwimmen zum Sportunterricht gehört und der rückstau lässt sich nicht mehr aufholen.

    Die Situation ist fatal. Hier im Osten haben wir wenigstens noch ein paar schwimmhallen mehr, aber in der Region Spandau/ Charlottenburg ist ohnehin zu wenig Raum zum schwimmen lernen und jetzt diese Verzögerung

  5. 17.

    Ich hätte meinen Kindern gern schwimmen beigebracht, wenn ich seit November irgendwann ins Schwimmbad gedurft hätte.
    Sehr einfach jetzt jedes Problem auf die Eltern zu schieben.
    Und abgesehen davon ist es beim Schwimmen genauso wie beim Radfahren eben so, dass nicht alle Kinder das zu Hause (sicher) lernen, insofern gibt es dafür nicht ohne Grund einen Platz im Rahmenlehrplan. Mit dem Argument könnten wir auch sagen: Haben die Kinder keine Eltern, die ihnen das Lesen beibringen können? Oder das Wurzelziehen? Oder eine Gedichtinterpretation? Oder Französisch? Meinetwegen, lassen Sie uns die Schule abschaffen, das können wir Eltern ja machen. Für mich wäre das ok, sofern das dann finanziell auch für alle machbar wäre, also man es sich leisten könnte, wenn nur ein Elternteil arbeitet. Ich bin da offen für Vorschläge.

  6. 16.

    Man kann natürlich aus jeder Sache eine Wissenschaft machen .... „richtige Körperhaltung beim schwimmen, Lehrer korrigiert die ggf.“.... ist der Kopf unter Wasser macht man was falsch. Das laufen und rennen schaffen die meisten auch ohne das die Körperhaltung korrigiert werden muss.
    Viele Fähigkeiten erlernt man einfach durch machen.... aber das hat die Generation gemacht, die nicht erst einmal ein Tutorial studieren wie man einen Nagel in durchwandert schlägt. :D

  7. 15.

    Der Schwimmunterricht war schon vor Corina ein Problem. Schwimmen nur als Vestandteil des Sportunterrichts ist zu wenig. In DER DDR war Schwimmen von der 2. bis 4. Klasse ein EIGENSTÄNDIGES SCHULFACH. Das heißt, dass die Klasse einmal in der Woche geschlossen in die Schwimmhalle gegangen ist, wo dann ein Sportlehrer mit Zusatzausbildung als Scheimmlehrer unterrichtet hat.

    Hinzu kommt, dass nicht überall entsprechende Schwimmbäder zur Verfügung stehen. Schwimmen in einem See zu unterrichten ist zu gefährlich.

    Und sie Eltern hier in die Pflicht zu nehmen geht mal gar nicht, weil Schwimmkenntnisse durchaus über Leben und Tod entscheiden können und Eltern es den Kindern möglicherweise (UNBEWUSST) falsch beibringen.

    Nicht ohne Grund gibt es Lehrer und die haben genau das studiert, was sie machen. Und das betrifft nicht nur Schwimmen, sondern ALLE Fächer.

  8. 14.

    Wo,ist das Problem, lernen es die Kinder eben dieses Jahr.
    Hatten diese Kinder eigentlich keine Eltern, die ihnen schwimmen hätten beibringen können?
    Sehr einfach, jetzt jedes Problem auf Corona zu schieben.

  9. 13.

    Doch Christoph ,nahezu fast jeder Badesee eignet sich zum Schwimmenlernen .

  10. 12.

    Dieses und letztes Jahr ist komplett abgeschrieben. WEr es bei diesem Maßnahmen-Gehudel in ein Bad schafft, nach Feierabend, zeitgleich mit den eigenen Kindern, ist glaube ich ein echter Held und hat mehr Glück als beim Lotto. Denn vorher muss man
    - online einen Slot für alle nach Feierabend gleichzeitig buchen, Wetter an dem Tag unbekannt,
    - online zahlen mit Paypal oder Kreditkarte, was, nicht vorhanden? Keen schwimmen.
    - Luca App auf dem Handy muss vorhanden sein, wie, kein Smartphone, oder nicht mitnehmen ins Freibad??
    - negativer Test für alle, wie, dauert und wo ist nähe Bad eine Teststelle, wo nicht schon alle anderen stehen?
    - Bus finden zum Bad
    - rechtzeitig ankommen, sonst verfällt der Slot

    Ja, also, wer DAS schafft, schafft auch das Abitur ohne die Oberstufe besucht zu haben, oder den Führerschein ohne Fahrstunden.

    Und da sollen die ELTERN den Kindern schwimmen beibringen? Logisch, is klar, der Tag hat 24 Stunden, und dann hat man ja noch die Nacht dazu...

  11. 11.

    Liebe Heidi, liebe Svenja, Schwimmunterricht heißt nicht ohne Grund so. Da wird den Kindern mehr beigebracht, als nur über Wasser zu bleiben. Schwimmlehrer schauen auch auf die Körperhaltung während des Schwimmens und korrigieren das nötigenfalls. Das kann ich als Elternteil gar nicht leisten. Ich kann zwar lesen, kann mein Kind aber auch nicht das Lesen beibringen. Und dafür gibt es ausgebildete/studierte Fachkräfte. Das hat nichts damit zu tun, Kinder „abzuschieben“ oder nichts mit ihnen unternehmen zu wollen. Aber bleibt ruhig in eurer „die Eltern können auch was leisten“-Blase.

  12. 10.

    ähhhh - Svenja, wer vor der Pandemie 3 war, musste doch nicht schwimmen können, oder? Seit Sommer 2019 ist es vorbei mit Schwimmen - erst war Winter, dann Pandemie. Jetzt sind genau diese Kinder 5, stehen vor der Einschulung - da lernt man als Bestandteil des Sportunterrichts schwimmen, wenn man vorher keine Gelegenheit dazu hatte - und Stadtkinder haben das oft nicht. Und das wird so weiter gehen - man kommt nur mit Smartphone, online-Ticket, Paypal und Luca App in die Bäder. Wieviele Kinder berufstätiger Eltern haben sowas? Wer soll mit denen gehen, wenn sie am Mittwoch gegen 11 einen Slot ergattern konnten?

    Es ist und bleibt eine Katastrophe, was da läuft, oder eben auch nicht!

  13. 9.

    Dann lernt man eben etwas später schwimmen. Jeder wie er will, der eine im Schulunterricht, der andere privat. Probleme kann man auch künstlich erzeugen, aber das gehört zur allgemeinen Hysterie dazu.

  14. 8.

    Seit März 2020 hat uns die Pandemie im Griff. Was haben die Eltern aber davor getan damit ihre Kinder schwimmen lernen? Man kann doch nicht alles auf die Schule schieben. Eltern sind doch auch in der Pflicht sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Kinder schon vor der dritten Klasse in einen Schwimmkurs geben. Ihr Kind in einem Sportverein anmelden. Mit seinen Kindern an den freien Tagen etwas unternehmen. Mit seinen Kindern Brettspiele spielen. Mit ihren Kindern lesen, usw……

  15. 7.

    Warum müssen die Kinder zum Schwimmunterricht ? Wieso wird das Schwimmenlernen der Kinder anderen überlassen ?
    Ich hab’s von meinen Eltern gelernt und auch meine Kinder haben es von uns gelernt .

  16. 6.

    Sehr geehrter Prenzlauer,
    haben Sie denen, vor allem im Winterhalbjahr, mit Sondergenehmigung eine Schwimmhalle zur Verfügung gestellt? Hier in Berlin sind das sog. Mutter-Baby-Schwimmen, Rehaschwimmen etc. ausgefallen weil NICHTS geöffnet war. Und letztes Jahr im Sommer nur mit Terminbuchung und eine begrenzte Anzahl an Leuten. Da war kein Schwimmunterricht möglich.
    Mit freundl. Grüßen

  17. 5.

    Ich kenne das Problem ebenfalls bei meinen Enkeln und für Familien mit Kindern ist es im Augenblick bei vielem problematisch.
    Aber nur alles immer auf den Staat zu schieben geht gar nicht. Allein so ein Schwimmkurs mit Abschluß Seepferdchen reicht gar nicht um richtig schwimmen zu können. Da muß mehr und längerfristig etwas getan werden, auch von seiten der Eltern.

  18. 4.

    Genau so ist es. Weder bei meiner Tochter in der Schule, noch bei meinem Sohn in der Kita war es möglich. Die Hallenbäder waren auch geschlossen. Und nicht jeder Badesee eignet sich zum Schwimmenlernen. Schon gar nicht abseits des Sommers. Also nein, nicht wegen Corona. Wegen der Maßnahmen!!

  19. 3.

    Richtig und wichtig das darauf hingewiesen wird. Und diese Kinder müssen schwimmen lernen. Hinzu kommen aber auch die jetzigen Viertklässler, die bereits im vergangenen Schuljahr schon nicht zum Zuge kamen. Glücklicherweise hat mein Kind in familiärer Eigenregie schwimmen gelernt, nur können das nicht alle Kinder von sich sagen.

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