Interview | Cottbusser Chefärztin Peltroche - "Die Delta-Variante wird nur bei steigenden Inzidenzen problematisch"

Heidrun Peltroche, Chefärztin der Mikrobiologie am Carl-Thiem-Klinikum (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 24.06.2021 | Heidrun Peltroche im Interview | Bild: rbb

Auch wenn derzeit die Corona-Neuinfektionen weiter sinken, blicken viele mit Sorge auf die Delta-Variante. Sie nimmt auch in Deutschland zu. Die Chefärztin der Mikrobiologie am Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum, Heidrun Peltroche, ordnet die Zahlen dazu ein.

rbb: Frau Peltroche, die Corona-Inzidenzen sind niedrig. Ist die Delta-Variante aktuell eine Bedrohung?

Heidrun Peltroche: Wenn die Inzidenzen auf Null wären, wäre es sicher noch besser, dahin zukommen, sollten wir vielleicht doch versuchen. Die Delta-Variante ist natürlich nur dann ein Problem, wenn auch die Inzidenzen wieder nach oben gehen. Und im Moment sind diese berühmten 15 Prozent [Anteil der Delta-Variante an den Covid-19-Neuinfektionen, Anm. d. Red.], die die ganze Zeit genannt werden, jetzt für Cottbus und für Brandenburg in einer sehr geringen Zahl. Wir haben in der 24. Kalenderwoche eigentlich nur drei Nachweise dieser Delta-Variante aufgeführt in dem Bericht des Robert Koch-Instituts.

Aber häufig wird die Delta-Variante nicht sequenziert, also überprüft, ob es sich bei dem nachgewiesenen Coronavirus tatsächlich um eine Delta-Variante handelt. In Brandenburg werden nur zehn Prozent der Proben sequenziert.

Das stimmt so nicht. Bei jeder positiven Probe, mit der das möglich ist, schauen wir zumindest auf die Mutationen. Das können wir mit einer spezifischen PCR und können schon mal vorab sagen, ob es sich um die Delta-Variante handelt oder nicht. Und das machen wir eigentlich aus allen Proben. Und dann sequenzieren wir diese zehn Prozent. Das ist aber derzeit so niedrig, dass wir eigentlich alles sequenzieren.

Wie gut ist denn der Impfschutz gegen die Delta-Variante?

Das ist in einigen Studien an 40.000 Menschen - in einer anderen Studie waren es 220.000 - nachgewiesen worden, dass es nicht so gut ist, wenn man nur einmal geimpft ist. Das sind dann zehn Prozent oder ein bisschen weniger. Wobei: Schutz in Prozentzahlen ist ja relativ. Hier geht es ja auch darum, was und wie lange hält dieser Impfschutz? Ich denke, die Impfstoffe sind weiterhin sehr gut und schützen vor allen Dingen vor dem schweren Krankheitsverlauf. Das schaffen sie auch für die Delta-Variante.

Besonders junge Menschen sind von der Delta-Variante betroffen. Also sollten Jugendliche doch geimpft werden? Diese Frage treibt viele Eltern aktuell um.

Das würde Ich auch ein bisschen relativieren wollen. Von der Delta-Variante wären jetzt die betroffen, die nicht geimpft sind. Und wir haben in unserer Impfkampagne darauf gesetzt, dass wir erst mal die Älteren impfen, weil wir auch die Sterblichkeit senken wollten durch diese Covid-19-Infektion. Und selbstverständlich trifft es jetzt alle, die nicht geimpft sind, eher. Man kann jetzt versuchen, in der erwachsenen Bevölkerung alle zu gewinnen, dass sie sich impfen lassen. Dann könnte man vielleicht bei Kindern und Jugendlichen das Impfen einigermaßen zurückstellen. Oder aber, was andere Länder auch schon vormachen, man fängt an, weil man ja eine hohe Durchimpfungsrate haben möchte, jetzt auch die Jugendlichen mit einzubeziehen. Oder bei uns geht das jetzt ab 16, in anderen Ländern schon ab zwölf Jahren.

Frau Peltroche, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Sendung: Brandenburg aktuell, 24. Juni 2021, 19:30 Uhr

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19 Kommentare

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  1. 19.

    Probieren Sie es doch aus und berichten hier davon, wie es gelaufen war: Entweder Ihr Freikauf von der Maskenpflicht oder Hausverbot im ÖPNV oder von dem Betreiber, wo Sie erwischt wurden.

  2. 18.

    Nein, das muss niemand. Man hat die alternative Möglichkeit, ein Bußgeld zu entrichten.

  3. 17.

    Die wurden auch schon vorher nicht für voll genommen - Treffen, Partys und sonstige Anlässe mit vielen Personen in Innenräumen, natürlich ohne Abstand und Maske. Und dann wunderte man sich, warum die Zahlen stiegen. ;-) Ein Glück, dass zurzeit das Wetter mitspielt. Andernfalls sähen die Inzidenzen wieder so aus oder durch Delta sogar noch schlimmer.

  4. 16.

    Leider werden bei den jetzt gesunkenen Zahlen die bestehenden Regeln schon nachlässig behandelt. Delta sollte nicht unterschätzt werden.

  5. 15.

    "Und müssen tun "wir " gar nichts. Es steht Ihnen frei, weiterhin "maske "zu tragen."

    In Innenbereichen und dem ÖPNV ist sie weiterhin Pflicht. Also müssen Sie, ob Sie wollen oder nicht.

  6. 14.

    Bisher war ausnahmslos jeder Beitrag sachlich und unaufgeregt. Aber ich wette, wenn sie noch vor dem Szenario einer nicht durchgeimpften Bevölkerung in Verbindung mit Delta gewarnt hätte, wäre das für Sie und einige andere wieder unter Panikmache subsumiert worden, nicht wahr? Obwohl die Gefährdung objektiv realistisch ist.

  7. 13.

    "Masken werden wir wahrscheinlich noch zwei drei Jahre weiter tragen müssen."

    Wenn das so ist, warum stellt sich dann ein Lother Wiehler heute vor die Presse und behauptet, Kinder müssten nur bis zum kommenden Frühjahr "Maske" tragen? Tut er das wider besseren Wissens?

    Und müssen tun "wir " gar nichts. Es steht Ihnen frei, weiterhin "maske "zu tragen. Oder einen Schutzhelm. Oder Kniestrümpfe.

    Und dass die Zahlen der Intensivstationen falsch waren, haben Sie bestimmt auch mitbekommen, darüber haben viele seriöse und glaubwürdige Medien wie die Zeit, das ZDF oder die Tagesschau (Recherche von WDR und Südeutsche Zeitung) berichtet.
    https://www.tagesschau.de/investigativ/wdr/intensivbetten-daten-101.html

    Von daher glaube ich weder einem RKI, einer staatlichen Behörde, die dem BMG unterstellt ist, noch einem Gesundheitsminister Spahn noch irgendwelchen INtensivärzte-Verbänden noch I-r-g-e-n-d-e-t-w-a-s.
    Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

  8. 12.

    Sie sollte nie aus ihrem Glas trinken. Denn es könnte sich leeren. Und dann haben Sie kein volles Glas mehr. Lieber jetzt verdursten als später nix mehr zu trinken zu haben. Vorsicht in allen Ehren, aber bei den jetzigen Zahlen ist keine Gefahr. Und das sagt die Ärztin auch. Delta ist bei sinkenden Zahlen kein Thema.

  9. 11.

    Ist zwar ein bisschen langweilig - aber auch ich meine, dass so ein sachlicher Beitrag sehr förderlich ist.

  10. 10.

    Masken werden wir wahrscheinlich noch zwei drei Jahre weiter tragen müssen. Über ein dauerhaftes Ende der Maßnahmen kann man nachdenken wenn wir mal durch einen Winter gekommen sind ohne dass die Intensivstationen voll mit Coronapatienten sind. Je schneller wir alle, auch in Entwicklungsländern, durchimpfen, desto schneller können wir die Pandemie auch hinter uns lassen und anfangen Corona wie die saisonale Grippe zu behandeln. Einmal im Jahr eine Auffrischimpfung und gut.

  11. 9.

    Was soll diese Angstschürerei? Nach der indischen kommt dann eben eine französische, eine australische und eine grönländische Mutation. Und? Es sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Bevölkerung einmal geimpft, mehr als ein Drittel zweimal. Wie lange soll der ganze Quatsch denn noch weitergehen? Man kann nicht mit der Begründung "Es könnte ja sein, dass...wir erwarten....wir vermuten...möglicherweise" derart schwerwiegende Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte und die Freiheit der Menschen rechtfertigen! Heute schreit der Tierarzt, die Kinder sollen bis Frühjahr 2022 mit Maske rumlaufen. Und im Frühjahr kommt dann die nächste Teta, Gamma, Epsilon Remix-Version und dann heißt es bis Herbst 2022 usw.

    Gebt den Menschen endlich ihr Leben zurück! Und die 90 Prozent die angeblich (ich glaubt solchen "repräsentativen Umfragen" sowieso kein Wort) gerne weiterhin mit Maske rumrennen wollen, sollen das doch bitte freiwillig tun. Und den Rest der Bevölkerung in Ruhe lassen.

  12. 8.

    Ich stimme auch voll zu. Dies ist ein sehr guter und sachlicher Betrag von einer sehr kompetenten Chefärztin. Solche Beiträge wünscht man sich zukünftig mehr!

  13. 6.

    Die Gesundheitsgefahr durch Corona ist durch die Schutzimpfung massiv gesunken.
    Kinder müssen doch gar nicht geimpft werden.
    Aber wer dies möchte, kann das doch tun (Vorerkrankungen).
    Die Menschen sind doch erwachsen genug um zu entscheiden.
    Und wenn jeder die Möglichkeit zur Impfung hatte, dann endlich alle Einschränkungen aufheben.
    Vor allem dieses Unterrichts- und Maskenchaos an den Schulen endlich beenden. Wie lange sollen Kinder dies eigentlich noch ertragen???

  14. 5.

    Danach wird die Epsilon Variante kommen, denn Mutationen sind die Grundlage aller Evolution, natürlich auch bei Viren.
    Impfen und Impfstoffe weiterentwickeln, ein Virus lässt sich nicht "besiegen", man muss eben im Kreislauf des Lebens mit ihm Leben und sich vor ihm schützen.
    Viren aller Art sind längst vor uns da gewesen und werden es auch noch nach uns sein.

  15. 4.

    Hier ist wohl der falsche Film verlinkt!

  16. 3.

    Ich schließe mich diesem Statement an.
    Ein sachlicher Beitrag zu Delta war hier überfällig.

  17. 2.

    Also sollten Jugendliche doch geimpft werden? Diese Frage treibt viele Eltern aktuell um


    Diese Frage treibt mit Nichten in meinem Koof herum.
    Mein Kind erhält keine Impfung

  18. 1.

    Solche sachlichen, unaufgeregten Berichte und Interviews würde man sich viel öfters im RBB und in den Medien allgemein wünschen.
    Vielen Dank dafür !

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