Berlin und Brandenburg - Schulen starten mit Schnelltests und Impfungen

Schulkinder gehen in die Schule. (Quelle: dpa/Peter Kneffel)
Bild: dpa/Peter Kneffel

Präsenz für effektives Lernen, strikte Maßnahmen gegen die Infektionsgefahr: An Berliner und Brandenburger Schulen hat am Montag wieder der Unterricht begonnen. Erstmals wurden auch in einigen Schulen direkte Impfangebote gemacht.

Für rund 460.000 Schülerinnen und Schüler in Berlin und knapp 300.000 in Brandenburg hat am Montag das neue Schuljahr begonnen.

In beiden Bundesländern gibt es Präsenzunterricht - mit Hygienemaßnahmen wie Masken und regelmäßigen Schnelltests. Neben diesen Maßnahmen ist es für Kinder ab zwölf Jahren inzwischen möglich, sich impfen zu lassen: Nach ärztlicher Aufklärung und mit Zustimmung der Eltern können sie sich in den Impfzentren oder bei niedergelassenen Ärzten impfen lassen. Die speziellen Angebote für Schülerinnen und Schüler variieren allerdings in Berlin und Brandenburg.

Impfen direkt in der Berufsschule

In Berlin wurden am Montag erstmals Schülerinnen und Schülern an den Oberstufenzentren
von mobilen Teams geimpft. Das Angebot richtet sich zunächst an knapp 70.000 junge Erwachsene, die bereits volljährig sind. "Es gibt einige Schüler, die sich schon impfen lassen haben, bei ihren Hausärzten oder auch in den Impfzentren", sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag zum Auftakt im Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtechnik in Berlin-Charlottenburg. "Also da sehe ich schon eine Impfbereitschaft, aber wir wollen über den Weg hier vor Ort in der Schule noch mal ein niederschwelliges Angebot schaffen."

Alle Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren können sich so impfen lassen. Minderjährige brauchen laut Scheeres jedoch eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten. Klassenweise werden die Jugendlichen zum Impfbereich in der Schule gebracht und
von Ärztinnen und Ärzten sowie Soldaten der Bundeswehr aufgeklärt. Wer dann möchte, kann sich direkt impfen lassen. "Es gibt große Teile der Schüler, die immer noch sehr unsicher sind", sagte Schulleiter Ronald Rahmig. "Es bedarf doch einer intensiven Vorbereitung und Beratung." Er sei jedoch bislang zufrieden mit dem Impfstart an seiner Schule.

Shuttle zum Impfzentrum

Laut der Bildungsverwaltung sollen in den nächsten zwei Monaten alle Schülerinnen und Schüler der Berliner Berufsschulen ab 16 Jahren ein Impfangebot erhalten. Tageweise würden die mobilen Impfteams dazu an die Schulen kommen.

An den rund 300 weiterführenden Schulen ist der Einsatz von mobilen Impfteams laut Scheeres nicht geplant, weil dies zu aufwendig sei. Stattdessen sollen in Zukunft Impfshuttles eingerichtet werden. Dabei komme morgens ein Bus, die Schülerinnen und Schüler würden begleitet ins Impfzentrum gefahren, geimpft und wieder in die Schule zurückgebracht.

Mobile Impfangebote in Brandenburg geplant

Auch die Brandenburger Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) setzt auf Impfungen in der Schülerschaft und verspricht, diese ebenfalls an Berufsschulen anzubieten: "Wir müssen da näher an die Menschen ran und starten an den Oberstufenzentren mit mobilen Impfteams. Die Schüler an Berufsschulen werden ein Impfangebot bekommen."

Zuvor hatte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die Impfung von Kindern ab zwölf Jahre befürwortet. Er würde es, genauso wie Bildungsministerin Ernst begrüßen, wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Institutes (RKI) angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante eine Empfehlung für die Impfung von Jugendlichen geben würde.

Während die Vorsitzende des brandenburgischen Landesschülerrats Katharina Swinka im rbb-Inforadio generelles Lob aussprach: "In diesem Jahr laufe einiges besser als 2020", klammerte sie das Impfen dabei aus: "Man hätte frühzeitig mit den entsprechenden Akteuren in Kontakt treten sollen", sagte Swinka. Dann wäre es vielleicht möglich gewesen, Impf-Teams für die Schulen zu organisieren, wie es jetzt für Berliner Oberstufenzentren geplant sei.

Eltern- und Schülervertreter: Keine gute Vorbereitung auf neues Jahr

Aus Sicht der Brandenburger Eltern- und Schülervertreter sind die Einrichtungen vor allem bei den Themen Digitalisierung, Luftfilter und Lernstandserhebungen nicht genügend auf das neue Schuljahr vorbereitet. "Wir sehen den Beginn mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagte der Sprecher des Landeselternrats, René Mertens, der Deutschen Presse-Agentur.

Er kritisiert vor allem, dass es noch immer keinen Fahrplan für die Digitalisierung des Unterrichts gebe. "Es ist alles irgendwo angeschoben, aber letztlich verlieren wir uns im Klein-Klein von Zuständigkeiten und gegenseitigem Blockieren - das kann's doch nicht sein", kritisierte er. Als Beispiel nannte der Landeselternvertreter die immer noch fehlenden Laptops für Lehrkräfte und die Schul-Cloud, die noch keine datenschutzrechtliche Genehmigung habe. Einzig positiv sei, dass ein Großteil der Lehrkräfte geimpft sei. Auch das Thema Luftfilter für die Schulen wird nach Ansicht von Mertens weit "weggeschoben". Da sei viel Angst vor den Folgekosten für die Kommunen im Spiel, schätzte er ein.

Lehrer sollen auf Klassenarbeiten verzichten

Zu Beginn des Schuljahres in Brandenburg soll zunächst der Lernstand der Schüler erhoben werden, als Grundlage für ergänzende Lernangebote unter dem Motto "Aufholen nach Corona". Dafür stehen in Brandenburg 68,7 Millionen Euro bereit. Damit werden für zwei Schuljahre zusätzlich 200 Lehrer, 400 Studierende als Assistenzkräfte und zahlreiche zusätzliche Sozialarbeiter finanziert.

In den ersten sechs Wochen nach den Ferien sollen die Lehrkräfte auf Klassenarbeiten und Klausuren verzichten. Insgesamt soll die Zahl der Klausuren im kommenden Jahr reduziert werden, damit mehr Zeit für das Aufholen von Lernrückständen bleibt.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 09.08.2021, 19:35Uhr

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4 Kommentare

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  1. 4.

    einige Fakten: https://www.deutschlandfunk.de/impfdurchbrueche-in-deutschland-warum-sich-menschen-trotz.676.de.html?dram:article_id=501241
    https://www.tagesschau.de/ausland/corona-infektionszahlen-grossbritannien-101.html

  2. 3.

    Super, damit hat man ein schönes Instrument bei der Hand, um den "beliebten" Inzidenz-Wert in ungeahte Höhe zu treiben - erst recht jetzt, wo die neue, super ansteckende , 300% gefährlichere Teta-Variante kommt...

    Die Politik hat ja heute schon verkündet, dass wir auch in 5 Jahren noch "Maske tragen" dürfen.

  3. 2.

    Das klingt wie eine bekannte Kampagne…. „We want you“
    Also impfen plus testen plus Maske.
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/124113/Studie-Coronaimpfstoff-von-Moderna-schuetzt-Teenager-offenbar-vor-COVID-19
    Na hoffentlich lesen das keine Schüler sonst bekommt der Senat wieder eine Klatsche vor Gericht aber vermutlich reicht dem Senat 100% Schutz nicht aus …. es könnte ja sein das unter Umständen eine der nächsten oder übernächsten Mutationen noch gefährlicher ist.

  4. 1.

    Die Schulen starten mit Impfungen und Schnelltest, die Berliner Kitas starten einfach so :) Bzw. Viele sind schon lange gestartet, und waren schon wieder offen, bevor der Senat neues Schreiben rausgebracht hat. Wer möchte darf also sein Kind drei mal testen (für die nächsten Wochen? Monate? Bis ans Ende aller Tage? Jedenfalls gibt's nur 3 Tests pro Kind.) aber wer keine Lust hat, lässt es eh und kann sein Kind natürlich trotzdem schicken. Läuft! Saubere Arbeit Fr. Scheeres!

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