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rbb|24-Experten-Vidcast | Folge 6 - "In Zukunft muss das Impfen nebenbei beim Hausarzt passieren können"

Wie komme ich an einen Termin im Impfzentrum? Oder kann ich für eine Impfung einfach bald zum Hausarzt gehen? Auf was muss ich achten, wenn ich Allergien habe? Diese und andere Fragen beantwortet der Berliner Impfarzt Peter Velling im rbb|24-Experten-Vidcast.

Der untenstehende Text ist das Gespräch mit Peter Velling im Wortlaut, das Sie hier auch in voller Länge hören können. Mit Klick auf den Playbutton im Bild oben, sehen Sie das Gespräch als Video, allerdings in gekürzter Fassung. Aufgenommen wurde es am Dienstag, den 16. Februar 2021.

*** Zu wenig Impfstoff - was heißt das im Impfzentrum? ***

Laura Will (rbb|24): Bundesgesundheitsminister Spahn sagt: Die Impfungen sind das Licht am Ende des Tunnels. Sie sagen: Ich habe genug Ärzte, ich habe genug Personal, aber zu wenig Impfstoff. Wie passt das zusammen?

Peter Velling: Die Impfzentren sind ja ziemlich schnell geplant worden letztes Jahr, um zu sagen: Die Arena zum Beispiel, wo ich am meisten impfe, soll 5.000 Leute pro Tag versorgen. Wir versorgen jetzt schon 2.000, was auch eine steigende Zahl ist. Aber deswegen haben wir immer noch zu wenig Impfstoff für die, die wir versorgen könnten. Es stehen immer noch zwei von unseren vier Impfstraßen tagsüber leer, so dass wir da zu Impfende versorgen könnten.

Aber was macht das mit Ihnen, wenn Sie den Satz von Herrn Spahn hören? Sie würden ja wahrscheinlich auch gerne mehr impfen, oder?

Ich würde gerne mehr impfen. Bei Licht am Ende des Tunnels ist ja die Frage: Wo steht man in der Röhre? Ist es nur gerade so zu sehen oder steht man kurz vor dem Ausgang? Ich glaube, wir sind noch nicht kurz vom Ausgang.

*** Wie läuft ein Termin im Impfzentrum konkret ab? ***

Wenn Sie das mal beschreiben können: Wie läuft denn so ein Impftermin bei ihnen im Impfzentrum ganz praktisch ab?

Ganz praktisch kriegen die zu Impfenden ihren Impf-Code von der Senatsverwaltung zugeschickt - das ist ein ähnliches Register, wie für unsere Wahlunterlagen. Mit dabei sind auch schon die Bögen zum Ausfüllen: Die Anamnese, also was gibt es für eine Vorgeschichte, und die Einverständniserklärung, so dass die zu Impfenden in Ruhe Zeit haben, sich das durchzulesen. Dann ist die größte Hürde - in der Arena zumindest, bei den anderen Zentren ist es besser - die Taxi-Anfahrt zum Impfzentreum, weil gerade vor der Arena ist sehr, sehr wenig Platz. Insofern knubbelt sich das ziemlich - und heil ins Impfzentrum zu kommen ist, glaube ich, die höchste Herausforderung.

Danach geht alles sehr geordnet ab: Wir haben eine elektronische Anmeldung der zu Impfenden, wo der Code, der mit dem Brief schon verschickt worden ist, eingelesen wird und dann die Unterlagen eingelesen werden. Keiner ist allein im Impfzentrum unterwegs - es werden alle begleitet. Dann wird ein Video gezeigt, um Fragen zu beantworten, die häufig gestellt worden sind und zur Aufklärung.

Und dann geht’s in die Impfkabine. Man wird begleitet von jemandem, der die Dokumentation weiter übernimmt, und man kann noch mal Fragen stellen und wird gefragt: Gibt es besondere medizinische Probleme, die noch zu bedenken sind? Und dann findet die Impfung statt, indem der Impfstoff schon vorbereitet ist auf einem Tablett und dann jeweils für die eine Impfung fertiggestellt wird.

Das große Problem logistisch ist, dass dieser Impfstoff von dem Herstellen bis zum Verspritzen, mit allem nur eine Stunde Zeit hat. Das ist eine logistische Herausforderung für alle, die an der Impfung organisatorisch arbeiten.

Geht es denn auch ab und zu schief? Dass Impfstoff weggeworfen werden muss?

Ganz selten. Wenn die Spritze zum Beispiel nicht funktioniert oder sonst irgendetwas - das passiert ab und zu mal. Aber das, was immer als Gerücht kommt: 'Am Ende des Tages ist ganz viel Impfstoff übrig', das stimmt nicht. Es wird ja immer eine Ampulle genutzt für fünf oder jetzt inzwischen sechs Spritzen, und dann können höchstens noch fünf übrig bleiben und nicht ganz viele, die am Ende des Tages verimpft werden könnten oder müssten.

Das hört sich alles sehr geordnet und organisiert an. In den Medien hört man ja oft: "Es gibt ein Impfdesaster" oder ähnliche Begriffe. Erleben Sie das im Impfzentrum vor Ort so?

Also ich finde den Spruch eines Patienten mit 94 Jahren sehr gut: 'Wenn man erst mal drin ist, ist alles toll.' Wir haben nicht das Problem, dass die Leute dann noch irgendwelche großen Probleme haben. Sie fühlen sich bestens versorgt, haben noch nie so viele Leute um sich herum gehabt, die sich um sie kümmern. Das ist wirklich sehr geordnet. Ja, das ist auch die Rückmeldung, die wir bekommen.

Aber das Hineinkommen ist halt das große Problem - kriege ich meinen Termin? Wie kriege ich meinen Termin und so weiter? Also in der Impfhalle gibt es kein Desaster.

*** Zweite Impfung nach Infektion - ist das gefährlich? ***

Ich stelle hier ja auch immer wieder die Fragen unserer Userinnen und User. Ich zitiere mal eine: "Wie weiß ich, ob ich nach der ersten Impfung Corona-positiv geworden bin? Wenn ich beispielsweise keine Symptome hatte und somit die zweite Impfung vorerst besser nicht bekommen sollte - wird das im Impfzentrum geprüft?"

Es würde geprüft. Nur wenn man nichts merkt, hat man auch eigentlich kein Corona - vor allen Dingen nicht in dem Lebensalter, in dem wir im Moment impfen. Also dass man Corona 'verschläft', sag ich jetzt mal euphemistisch, das ist nicht so. Das ist schon eine schwere Erkrankung. Und es gibt durchaus Leute, die innerhalb dieser 14 Tage bis die Impfungen wirkt - anfängt zu wirken, so muss ich besser sagen - dann auch tatsächlich eine Infektion bekommen haben. Das gibt es schon durchaus.

Und dann ist die Frage immer: Wie geht es den Menschen? Man sollte ja Gesunde impfen und im Zweifelsfall verschiebt man auch den zweiten Impftermin. Das geht ja zwischen dem 21. und dem 42. Tag nach der ersten Impfung. Wenn es in den Zeitraum fällt, ist es kein Problem. Ansonsten wird man wahrscheinlich erst einmal neu anfangen und nach einer Infektion wartet man ja mindestens ein halbes Jahr, bis man dann nochmal impft - und bis dahin sind wir aus jedem Impfstoffmangel raus.

Aber es könnte kein Schaden entstehen? Ich glaube, darauf zielt die Frage ab, wenn man eine asymptomatische Infektion hat und man bekommt die zweite Impfung.

Nein, wir wissen ja, dass die asymptomatischen Infektionen ja nur sehr niedrige Antikörper-Titer hinterlassen. Und dann wäre die Impfung gar nicht schädlich, sondern in dem Sinne nützlich, um es nicht noch einmal zu kriegen.

*** Impfung und Allergien - worauf muss ich achten? ***

Das Thema Allergien, das beschäftigt ganz viele unserer Userinnen und User. 30 Millionen Menschen in Deutschland haben ja in irgendeiner Form eine Allergie. Was müssen die beachten, wenn eine Impfung ansteht?

Also die Allergie ist mit dieser Zahl mit Sicherheit richtig wiedergegeben. Aber es geht um die Anaphylaxie, das heißt die Herz-Kreislauf-Reaktion als Folge von einem gegebenen Medikament, auf das man allergisch ist. Hier zählen überwiegend die flüssig verabreichten Medikamente. Das heißt, es geht nicht um Kosmetika, Externa und so weiter, sondern es geht um die anderen Reaktionen auf Impfungen und so weiter, die aber sehr selten sind.

Wir haben allerdings auch keine Patienten, die das in der Vorgeschichte haben, jetzt schon geimpft, weil: Die neuen Impfstoffe, die noch kommen werden oder der jetzt schon zugelassene Astrazeneca-Impfstoff hat PEG - Polyethylenglycol - als Inhaltsstoff nicht, sodass man das dann auch zurückstellen kann. Wir haben ja im Flughafen Tegel mit Astrazeneca jetzt begonnen zu impfen, sodass es auch keine lange Verzögerung gibt.

Aber die Patienten, die schon mal auf flüssige Medikamente - sei es Röntgenkontrastmittel oder irgendetwas - reagiert haben und die Anaphylaxie, also die Herz-Kreislauf-Reaktion, nachgewiesen haben, die haben wir vom Impfen zurückgestellt - nicht ausgenommen, das ist der wesentliche Punkt.

Aber wir sind in den Hallen auch mit Notarzt und so weiter in der Lage, so etwas zu versorgen. Es ist ja in der Studie nicht aufgefallen, weil Anaphylaxie von vorn herein ausgeschlossen war, also kein Patient mit der Vorgeschichte untersucht wurde. Und es ist erst nachher, nach den ersten Impfungen aufgefallen, dass man darauf doch mal besser achtet. Und das tun wir jetzt.

Wie oft kommt denn so etwas vor?

Also ich habe noch keine gesehen. Ich impfe seit dem 27. Dezember letztes Jahr und habe, glaube ich, sechs Patienten aufgrund dieser Anamnese zurückgestellt und empfohlen, mit dem Impfstoff nicht geimpft zu werden, sondern mit dem Astrazeneca, wenn es vom Alter her passt. Später kommen auch noch mehr Impfstoffe, die das Polyethylenglycol nicht drin haben.

*** Impfreaktion: Unterschiede zwischen Jung & Alt ***

Sie haben gerade schon den Impfstoff Astrazeneca angesprochen, der bei uns jetzt ja für Unter-65-Jährige zugelassen ist. Es ist immer wieder zu lesen, dass Menschen, die damit geimpft wurden, Beschwerden haben, wie Kopfschmerzen und so weiter. Wie schätzen Sie das ein?

Also ich erwarte das auch bei den anderen Impfstoffen: Je jünger wir im Alter sind - und das werden wir ja mit Astrazeneca - wir impfen ja im Moment die um die 80-Jährigen mit dem Biontech-Impfstoff und Moderna. Je jünger die Patienten werden, desto mehr reagieren sie.

Ich habe es einmal erlebt in der Impfkabine, da hat ein 16-jähriger Krankenpflegeschüler eine 108-jährige zu Betreuende mitgebracht. Beide sind geimpft worden - ganz am Anfang ging das noch. Derjenige, der richtig drei Tage krank war, war der 16-Jährige. Die 108-Jährige hat praktisch nichts gemerkt. Also das Immunsystem ist, je jünger es ist, desto reaktionsfreudiger. Das merkt man auch bei Allergien oder ähnlichen Sachen. Deswegen: Ja, es wird mit dem jüngeren Alter wahrscheinlich auch mehr Impfreaktionen geben. Ich betone das ausdrücklich, weil ich damit nicht Nebenwirkungen meine, sondern die Reaktion auf die Impfung als Anreiz für das Immunsystem zu arbeiten.

*** Impfen, wenn das Immunsystem unterdrückt ist? ***

Ich hab noch eine ganz spezifische Userfrage, und zwar sagt jemand: "Ich bin organtransplantiert und wegen des unterdrückten Immunsystems ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Impfung bei mir anschlägt, eher gering. Gibt es bei der Covid-Impfung eine Titerbestimmung wie bei anderen Impfungen, an der man ablesen kann, wie wirksam die Impfung bei mir ist?"

Ja, die gibt es. Sie ist aber die Ausnahme und bisher noch keine Kassenleistung. Das würde ich mit dem betreuenden Arzt auf jeden Fall absprechen, dass man das kontrolliert. Wir wissen ja, dass Patienten, die ein eingeschränktes Immunsystem haben, oft auf Impfungen nicht reagieren. Ich kenne das von der Hepatitis-Impfung und so weiter, dass man das nachgeprüft hat - das war aber nur bei Personal so - und dann eben nochmal zusätzliche Dosen gegeben hat. Wir werden ja auch aus dem Impfstoffmangel herauskommen. Also das ist eine Sache, die ich heute mit Ja beantworten kann, aber noch nicht eine Regel daraus abgeleitet worden ist, wie man es zu machen hat.

*** Impfreihenfolge: Wo stehen wir? ***

Sie haben es gerade gesagt: Noch ist ein Impfstoffmangel da. Das heißt, wir müssen noch nach bestimmten Gruppen priorisieren, in welcher Reihenfolge geimpft wird. Eine Frage, die uns immer wieder erreicht: Bei welcher Impfgruppe sind wir denn eigentlich gerade? Und wann kommen wir voraussichtlich in die nächste?

Das ist wie der Wetterbericht (lacht) - man kann sich unheimlich drauf verlassen. Also ich kann Ihnen sagen, dass wir immer noch in Priorisierungsgruppe 1 sind. Die nächste wird dann die 2 sein. Ich schätze, dass die um neun Uhr beginnt - weil dann machen die Impfhallen auf - aber nicht an welchem Tag.

Der Impfstoff, der jetzt neu kommt, zunächst Astrazeneca, ist ja üblicherweise über den normalen Apothekenhandel zu verteilen. Also wir haben da nicht mehr den Tiefkühllaster notwendig oder sonst irgendetwas. Das sind sicherlich Möglichkeiten, die neu jetzt durch diese Zulassung erst entstanden sind. Ich hoffe, dass man sehr bald daran denkt, dass man den Impfstoff nur verteilen muss, um Impfpraxen zu impfen. Denn die können sich ja selbst impfen - und dann auch ihre Patienten entsprechend richtig priorisieren.

Ich lese immer, dass es Bedenken gibt, dass sie das alle falsch machen könnten. Dass es ausgeschlossen ist, glaube ich auch nicht. Aber warum sollen alle alles falsch machen zuerst? Und ich glaube, dass gerade die Patienten eine gute Kontrolle in der Praxis sind, um zu sagen: Das ist der Grund für eine Impfung, das ist ein hartes Kriterium, das ist ein weiches Kriterium.

Aber auch diese Kriterien, die sollten meiner Meinung nach bundesweit festgelegt werden, damit es da keine Unterschiede in den einzelnen Bundesländern geben kann.

Wenn wir bei der Reihenfolge mal bleiben. Viele User fragen uns: Woher weiß denn die Verwaltung eigentlich, wenn es um das Thema Vorerkrankungen geht, dass ich in einer bestimmten Gruppe aufgrund einer Vorerkrankung bin?

Die Verwaltung weiß das nicht. Sie nutzt das Melderegister und strikt das Alter. Insofern werden wir darüber keine Priorisierung kriegen, sondern wir brauchen die über die behandelnden Ärzte. Und damit meine ich nicht nur die Hausärzte. Sondern es gibt ja auch Onkologen, weitere Fachärtze, es gibt Uni-Zentren - alles das sind ja Zentren, wo besonders schwer kranke Patienten regelmäßig behandelt werden. Und die sollten in der Lage sein, an Impfstoff zu kommen, um ihre Gruppe zu impfen.

Jetzt ist es mit dem 65. Lebensjahr und diesen Altersgruppen auch nicht so einfach. Wir müssen uns irgendwelche Regeln noch überlegen, die zumindest in Berlin noch nicht greifen im Moment, weil sie nicht da sind. Das muss noch kommen. Aber es ist sicherlich sinnvoll, auch medizinisch sinnvoll, das so zu machen.

Das Cover des Vidcasts Impfen gegen Corona (Quelle: rbb)
rbb

Vidcast | alle Folgen - Impfen gegen Covid-19 - der Experten-Vidcast

Die Impfungen gegen Corona sind gestartet - und es gibt viele Fragen: Sind die Impfstoffe sicher? Bin ich trotz Impfung noch ansteckend? Wie lange bin ich immun? Im wöchentlichen Vidcast Impfen gegen #Covid19 lässt sich Laura Will diese und andere Fragen von Experten beantworten. Impfstoff-Forscher Leif Erik Sander von der Berliner Charité ist alle zwei Wochen zu Gast, dazwischen wechselnde Expertinnen und Experten rund um das Thema.

*** Wie bekomme ich in der 2. Impfgruppe einen Impftermin? ***

Dazu haben wir noch eine ganz konkrete Anmerkung: "Ich habe bei meiner Krankenkasse angefragt. Aufgrund des Datenschutzes können entsprechende Informationen nicht einfach weitergeleitet werden, was die Vorerkrankungen betrifft. Und dann ist die Frage: An wen? Wer verwaltet das?"

Die Krankenkassen halte ich nicht für die beste Stelle dafür. Die haben zwar alle Informationen über ihre Patienten sehr gut, aber können über andere nicht urteilen. Und es bringt ja nichts, wenn nur die Krankenkasse ihre eigenen Patienten priorisiert.

Die behandelnden Ärzte und Ärztinnen müssten halt wissen: Wer kommt jetzt zuerst ran? Wieviel Impfstoff darf ich bekommen usw., das wäre die wesentliche Sache. Und dann muss es in irgendeiner Weise über den alten Weg der Verordnung und den Apothekenaußenhandel gehen. Es kann nicht sein, dass jeder den Impfstoff einzelnen gebracht bekommt. Wir brauchen die üblichen Transportwege, die es ja für Impfungen immer schon gibt.

Also, wenn Sie es noch mal kurz zusammenfassen könnten: Wenn jetzt jemand eine Vorerkrankung hat, an wen soll er sich wenden?


An den Arzt, der diese Vorerkrankungen behandelt. Im Moment ist es so, dass die auch hilflos sind, weil es keine Regeln gibt für solche besonders Erkrankten. Es geht ja auch bis zu den Jugendlichen mit Einschränkung der Beweglichkeit oder ähnlichem. Also es gibt da ja schwere Erkrankungen, die nicht so sehr altersbezogen sind. Aber ich glaube, dass nur die behandelnden Ärztinnen und Ärzte diejenigen sind, die auch entsprechend dann einzeln die Impfung verordnen können müssen oder auch an Impfstoff kommen.

Das muss noch geregelt werden. Es ist nicht geregelt bisher, weil eben auch mit Zulassung des Astrazeneca Impfstoffs erst die Frage aufkam - ansonsten hätten wir weiter von oben nach unten im Alter geimpft. Und jetzt haben wir halt diesen Sprung durch den neuen Impfstoff. Das muss dann jetzt bedacht werden. Ich wünsche mir, dass es bundeseinheitlich bedacht wird.

Wer müsste dann jetzt aktiv werden, aus Ihrer Sicht?

Die Impfstoffe werden von der Bundesregierung beschafft. Sie gehören also im Prinzip der Bundesregierung, die sie an die Länder weitergibt und so weiter. Das ist eine hoheitliche Aufgabe, die so geregelt ist. Und die Kassenärztlichen Vereinigungen sind ja die Versorgungsvertreter für die Bundesregierung und die Landesregierungen hauptsächlich. Insofern: Es muss auf dem üblichen Dienstweg geregelt werden.

Und ich fände es auch schön, wenn es auch mal langfristig gedacht wird: Wenn wir so und so viel Impfstoff haben, dann machen wir das und das, und dann ist die Prioritätsgruppe dran. Und warum müssen Impfhallen nur von 9 bis 19 Uhr offen sein? Die können ja auch 24-Stunden durchimpfen. Alles das geht ja, wir wollen ja die 70 Prozent so schnell wie möglich erreichen. Und das ist ein ganz wichtiges Ziel. Solange wir Mangel haben, brauchen wir aber die Priorisierung. Sobald der Mangel nicht mehr existiert, brauchen wir auch keine Priorisierung. Dann dürfte man, wie in anderen Ländern auch, gern jeden impfen.

*** Wann wird bei Hausärzten geimpft? ***

Wenn wir mal in die Zukunft schauen: Wir sollen ja angeblich im März genug Impfstoff haben. Und jetzt sagen schon viele: Dann sind die Impfzentren überlastet und die Hausarztpraxen sollen impfen. Sind die denn darauf vorbereitet, die Hausarztpraxen?

Also, wenn nicht die, wer dann? Wir impfen ja auch üblicherweise Grippewellen und so weiter und haben dann 30, 40, 50 Impfungen pro Tag in einer Praxis. Das ist ja organisiert, das ist ja nicht so ungewöhnlich. Die Lieferketten existieren, das wäre also alles möglich, wenn nun genügend Impfstoff da ist. Auch die Impfhallen haben ja alle noch Reserven - sowohl das Personal ist nicht voll ausgeschöpft jetzt im Moment, als auch die Impfkabinen und so weiter sind hier noch, zumindest in der Arena, in doppelter Anzahl da, als im Moment genutzt.

Ja, also ich glaube schon, wir sind gut vorbereitet. Und wenn wir diese Erfahrung auch nutzen können, dann - warum soll das nicht klappen? Also, ich sehe da keine Notwendigkeit, jetzt nur zu impfen. Wir können nicht das Gesundheitssystem in Deutschland auf "nur impfen" umstellen. Das geht nicht. In Zukunft muss das Impfen auch nebenbei beim Hausarzt passieren können.

Ich weiß, vorausschauen ist in diesen Zeiten immer schwierig. Aber wenn wir jetzt uns überlegen, dass die Hausarztpraxen bald loslegen können - was sind jetzt die nächsten Schritte, die konkret unternommen werden müssen aus Ihrer Sicht?

Also die Hausärzte müssen kalkulierbar wissen, wie viel Impfstoff sie haben, um den an ihre Patienten dann verimpfen zu können und da eine Priorisierung herstellen können. Es geht ja immer um Tage - es geht ja nicht um Wochen, Monate oder sonst irgendetwas. Dass man das so aufbauen kann, das auch die Leistungen in der Praxis da sind.

Wir haben das ja auch mit den Coronatests erlebt. Es war ja auch am Anfang viel Mühe, wir haben das auch gelernt zu machen. Impfen ist für uns eine übliche Sache in den Arztpraxen. Wir brauchen das eigentlich nicht zu üben. Und der Impfstoff hat, wenn er nicht von Moderna oder Biontech ist, keine besonderen Anforderungen an die Zubereitung, Lagerung oder sonst irgendetwas. Insofern wäre dann, wie üblich, in den Hausarztpraxen zu impfen.

Die Frage ist einfach nur: Wer kriegt zuerst welche Mengen Impfstoff? Das ist das, was verteilt werden muss. Das kann der Hausarzt nicht selbst entscheiden, wie viel er jetzt braucht, sondern man muss sagen: Wieviel kriegt er denn jetzt im Moment, über die nächsten Wochen. Und das sollte schon ganz gut geplant werden. Wir haben Corona-Schwerpunktpraxen, wir haben Dialysepraxen, wir haben Tumorpraxen. Das wären ja so die, an die man zuerst denken würde, und nicht irgendwie an die Notfallchirurgie oder sonst irgendetwas.

Und was denken Sie, wer das am besten koordinieren sollte?

Na, wer hat den Impfstoff? Die Senatsverwaltung. Es gibt keinen anderen, der es könnte. Jeder könnte seine Wünsche äußern, aber die Inhaber des Impfstoffes sind die Senatsverwalter und die können ja nur verteilen, was sie haben.

Vielen Dank, Herr Doktor Velling für das Gespräch und danke, dass Sie sich Zeit genommen haben. Ja, das war die 6. Folge von "Impfen gegen #COVID19 - der Experten-Vidcast des rbb".

In den vergangenen Wochen haben wir immer wieder Ihre Fragen beantwortet. Das werden wir auch weiterhin tun, aber nicht mehr jede Woche, sondern immer nach Bedarf, wenn es die Lage hergibt.

Wenn Sie Fragen zur Corona-Impfung haben, dann schicken Sie uns einfach eine Mail an: meineimpfrage@rbb-online.de. Und natürlich schauen wir auch immer, welche Kommentare uns auf Social Media erreichen.

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Mit der 6. Folge endet die Staffel. Wir werden weiterhin mit Experten Fragen rund ums Thema Impfen beantworten, aber nicht mehr wöchentlich, sondern je nach aktueller Lage. Alle Episoden sind zu finden im Netz auf rbb24.de, in den Social-Media-Kanälen von rbb|24, im YouTube-Kanal des rbb, der ARD-Audiothek und auf den gängigen Podcast-Plattformen wie Spotify und iTunes.

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Die Impfungen gegen Corona sind gestartet - und es gibt viele Fragen: Sind die Impfstoffe sicher? Bin ich trotz Impfung noch ansteckend? Wie lange bin ich immun?

Im wöchentlichen Vidcast Impfen gegen #Covid19 lässt sich rbb-Praxis-Reporterin Laura Will diese und andere Fragen von Experten beantworten. Impfstoff-Forscher Leif Erik Sander von der Berliner Charité ist alle zwei Wochen zu Gast, dazwischen wechselnde Expertinnen und Experten rund um das Thema.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Da fängt man dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Anstecken und Impfen gleich im Duett.

  2. 1.

    "Wie läuft ein Termin im Impfzentrum konkret ab? " Mir fehlt in dem Ablauf der Moment in der man seinen Impfausweis erhält. Bekommt man immer einen neuen Impfausweis, oder nur wenn man seinen alten Impfausweis vergessen oder verloren hat? Kann man aus dem Impfausweis im Klartext ersehen, von welchem Hersteller der Impfstoff war?

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