Archivbild: Ein Bauhelm liegt auf einem Empfangsschalter auf der BER-Baustelle © imago/Christian Ditsch
Video: Abendschau | 06.08.2017 | Jacqueline Piwon | Bild: imago/Christian Ditsch

Zeitungsbericht - BER-Eröffnung könnte sich bis Herbst 2019 verzögern

Berlins Regierungschef Müller hatte es bereits angedeutet, nun sollen vertrauliche Projektunterlagen es schwarz auf weiß belegen: Der Flughafen BER wird einem Bericht zufolge erst in zwei Jahren eröffnen. Dabei gehe man noch von günstigen Umständen aus. Ein Flughafen-Sprecher weist die Darstellungen als "falsch" zurück.

Der Flughafen BER kann einem Zeitungsbericht zufolge frühestens in zwei Jahren in Betrieb gehen. Wie die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf vertrauliche Projektunterlagen berichtet, werden sich die Bauarbeiten im Fluggastterminal bis September 2018 hinziehen. Eine Eröffnung sei so erst im Herbst 2019 möglich - acht Jahre nach dem geplanten Start.

Schlechte Verträge mit Firmen?

Die externen Terminplaner gehen dabei laut den Dokumenten noch von äußerst günstigen Umständen aus, wie es in dem Bericht weiter heißt. So werde intern damit gerechnet, dass die zuständige Behörde einen neuen Bauantrag im Rekordtempo genehmigt. Auch dürften Sachverständige keine neuen Mängel auf der Baustelle entdecken.

Ein Flughafen-Sprecher teilte am Sonntag mit: "Die Behauptung der Bild am Sonntag in der Berichterstattung vom heutigen Tage, es gebe am Flughafen Berlin Brandenburg derzeit so gut wie keine Bauarbeiten, ist falsch. Ebenso falsch ist die Behauptung, mit einer baulichen Fertigstellung des BER sei erst im Herbst 2018 zu rechnen. Die FBB wird in diesem Jahr einen Termin für die Inbetriebnahmen des BER nennen." Und weiter: "Die großflächigen Bauarbeiten im klassischen Sinne sind weitestgehend abgeschlossen."

Risiken bergen laut Rahmenterminplan zudem die schlechten Verträge mit den Baufirmen, wie die Zeitung weiter berichtete. Seit Monaten werde am BER kaum gebaut. Der Flughafen versuche verzweifelt, die Unternehmen an feste Termine zu binden. Besonders zäh laufen demnach die Gespräche mit Caverion. Der technische Gebäudeausrüster verlange Millionen für Leistungen, die der Flughafen nicht nachvollziehen könne. Die FBB wies auch die Darstellung, es werde am BER kaum gebaut, als "falsch" zurück. Aktuell seien über 400 Bauarbeiter und Techniker vor Ort eingesetzt, die die notwendigen Rest- und Mängelarbeiten sowie Inbetriebsetzungen vornähmen, hieß es in der Erklärung vom Sonntag.

Bisher wird Eröffnung 2018 anvisiert

Derzeit wird eine Eröffnung für das kommende Jahr anvisiert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) schloss jedoch bereits im Juli eine Verzögerung bis 2019 nicht aus. "Wenn mir jetzt von den Verantwortlichen gesagt wird, es kann Ende 2018 oder Anfang 2019 sein, muss ich das akzeptieren und sehen, wo Dinge noch beschleunigt und optimiert werden können", sagte Müller im Juli dem "Tagesspiegel".

Zuletzt hatte BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup bei einer Aufsichtsratssitzung eingeräumt, dass sich die Bauarbeiten an der weltbekannten Dauer-Baustelle mal wieder verzögern. Diesmal, weil die Wasserrohre für die Sprinkleranlagen der Brandschutzanlage zu dünn seien und ausgetauscht werden müssten. "Es kann sein, dass es vor Jahresende, es kann aber auch sein, dass es nach Jahresende fertig gestellt wird", hatte Lütke Daldrup gesagt.

Chronologie: Der lange Weg zum neuen Flughafen

  • 2017: Die Eröffnung wird offiziell verschoben

  • 2016: Der Brandschutz macht noch immer Probleme

  • 2015: Neuer Flughafen-Chef Mühlenfeld kämpft mit Altlasten

  • 2014: Hick-Hack um neuen Termin - und um Mehdorn

  • 2014 - Dauerbrenner: Schall- und Brandschutz, Personaldebatte

  • 2013: Mehdorn soll es richten

  • 2013: Vierte Verschiebung im Januar - Es knirscht im Aufsichtsrat

  • 2012 - 2013: Dritte Verschiebung - U-Ausschuss soll Pannen klären

  • 2012: Eröffnung platzt erneut - die Planer müssen gehen

  • 2009 - 2011: Die Eröffung wird verschoben / Streit um Flugrouten

  • 2005 - 2008: Baustart mit Hindernissen

  • 2000 - 2004: Grünes Licht für den BBI

  • 1989 - 1999: Gedankenspiele und ersten Planungen

Sendung: Inforadio, 06.08.2017, 07:20 Uhr

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    So eine peinliche, auf Kosten der Steuerzahler basierende, Baumaßnahmen gab es wohl weltweit nicht!
    Macht doch einfach einen Abenteuerspielplatz für Kinder daraus, oder einen Sportflugplatz...
    Es gibt in Deutschland Bauablaufpläne! Bauleiter und Abnahmen von Bauabschnitten!
    Ich schäme mich für solche Peinlichkeiten als deutscher Bundesbürger!

  2. 18.

    Wenn der BER dann wirklich mal eröffnet werden soll, ist die Technik so veraltert, dass sie ihn gleich wieder über Jahrzehnte sanieren dürfen. BER, ein Armutzeugnis deutscher Politiker, die sich ein Denkmal setzen wollten und jetzt ein Schandmal hingestellt haben.

  3. 17.

    BER = Krankhafter optimistischer Wahn
    Bis ihr das Ding fertig bekommt verrottet doch alles

  4. 16.

    wann werden die Verantwortlichen bestraft?? Platzeck, Diepgen; Stolpe, Wowereit, Müller ...

  5. 15.

    Von "Blödheit" würde ich jetzt nicht sprechen, allerdings ist die "Gemengelage", von beiden Systemen jeweils ausgehalten worden zu sein, natürlich nicht urplötzlich verschwunden, bloß weil die so bezeichnete Einheit da ist. Solche Dinge und Verhältnisse wirken natürlich weiter, in verschiedenster Hinsicht und auf den verschiedensten Kanälen. In beiden Stadthälften.

    Bis dato hat es jeweils kein Veränderungs-Management (Change-Management) gegeben, was die stattgefundenen Umbrüche begleitet. So gleiten die verschiedensten Ebenen brachial aneinander vorbei.

  6. 14.

    Da würde ich die personelle Liste noch ergänzen wollen, sowohl, was die Standortwahl des Flughafens angeht, als auch die zeitüberdauernden Eingriffe. Nicht, um eine Gegenrechnung aufzumachen, damit nichts passiert, sondern um den gesamten Kontext auszuleuchten:

    Matthias Wissmann (eh. Bundesverkehrsminister), die Herren Kohl und Schröder als Bundeskanzler, Eberhard Diepgen, als vorheriger Regierender Bürgermeister von Berlin, Günther Krause, der maßgeblich gegen die Sperenberg-Entscheidung interveniert hat, weil er mit Parchim nicht durchkam.

    Aber völlig unabhängig der hier oder von Ihnen genannten Personen ist das Problem ein politisch übergreifendes: Die Versuchung, in ein laufendes Baugeschehen jederzeit einzugreifen und damit Dinge aus dem Lot zu bringen, hängt nicht an speziellen Parteibüchern. Eher ist es dem Umstand geschuldet, dass einige Menschen die bloße oberflächliche Wirkung mit Macht im längeren Zeithorizont verwechseln.

  7. 13.

    Baustopp für den BER. Der Kostet pro Tag 500.000 Euro! Lieber Tegel ausbauen! Bitte!

  8. 12.

    Die verantwortlichen Herren Stolpe, Platzek und Wowereit erfreuen sich am Leben. Wann wird der Tag kommen wo sie für den von ihnen verursachten Schaden beim Bau des BER zur Verantwortung gezogen werden? Diese Herren haben die Voraussetzungen für das derzeitige und künftige Chaos geschaffen

  9. 11.

    Wenn die Verzögerungsgründe zur Eröffnung des BER ausgehen sollten, könnten Brandschutzmauern aus Rigipswänden, Dampfbremsen aus Malerkrepp, keine DIN-gerechte Außenwandabdichtung, u.a. weiterhelfen. Zur Vorbereitung auf mögliche Wärmedämmungskosten und -probleme sei jetzt schon auf die Webseite von Konrad Fischer hingewiesen http://www.konrad-fischer-info.de/213baust.htm

  10. 10.

    Ich glaube nicht das Berlin zu blöd ist einen Flughafen oder sonst etwas zu bauen.
    Aber wenn der Bund, Brandenburg und Berlin versuchen nach der "Geiz ist geil" Methode ein Großprojekt zu stemmen, darf man sich nicht wundern.
    Unser "Wowi" hat sich schnell aus der Verantwortung gestohlen, als er das Dilemma erkannt hat.
    Tja, in einem Nachtclub behält man leichter den Überblick als auf einer Großbaustelle.

  11. 9.

    Wann kommt das politische Statement, dass der BER leider niemals eröffnet werden kann, weil politische wie handwerkliche Fachkräfte fehlten?

  12. 8.

    Diese Bekanntgabe nehme ich schmunzelnd zur Kenntnis. Und die Betonung liegt in diesem Artikel ja auf günstigstensfalls. Heißt doch, könnte auch 2020 oder später werden. Aber vielleicht hat die Stadt Berlin dann auch ein anderes Abgeordnetenhaus und am BER gibts dann mal wieder andere Verantwortliche. Und so lange werden die Steuerzahler abkassiert.

  13. 7.

    Sehe ich auch so. Das Ding wird wohl nie fertig. Die Technik ist veraltert, sagte mir ein Ing. der dort tätig ist. Wer nimmt wen endlich in die Verantwortung?

  14. 6.

    Eines ist ganz klar: Berlin kann und sollte keine Flughäfen bauen. Dafür sind sie schlichtweg zu blöd. Ebenso zu blöd sind sie, um einen alten Flughafen wie versprochen zu schliessen und noch blöder sind sie, um Verträge einzuhalten, die es ermöglichten, überhaupt einen neuen Flughafen bauen zu können, was sie dann, wie geschrieben, nicht hinbekommen.

    Hier müsste man eigentlich die Stadt verklagen !

  15. 5.

    Vielleicht wäre ein absoluter Baustopp und ein totaler Abriss sinnvoller / kostenschonender. Zeitgleich sollte dann auch in China mal angefragt werden, ob die gleichen Firmen von dort, die den Airport Bejing gebaut haben, in Berlin tätig werden....

  16. 4.

    Eigentlich ist es nur noch peinlich zu lesen, dass die Eröffnung vom BER verschoben wird, oder überhaupt eröffnet wird, oder schon nächstes Jahr eröffnet wird oder was auch immer ... Ich muss mich jedesmal Fremdschämen, dass wir Deutsche solch ein Projekt nicht gebacken bekommen. Die Welt lacht doch schon über uns. Es wird in den oberen Etagen gewechselt was das Zeug hält, jeder hofft dass er dieses Projekt stemmen kann. Leute, gebt es doch endlich auf. Der geplante BER kostet uns seit Jahren Millionen Euros. Das ist eine Unverschämtheit, wie Ihr Großen mit unseren Geldern umgeht. Einen nach dem Anderen der noch dafür zustimmt, den müsste man absetzen. Die verschwendeten Millionen werden an anderen Stellen mehr als benötigt.
    ... und er wird auch im Herbst 2019 nicht eröffnet werden. Das ist nur noch ein Hinhalten und Verschieben.

  17. 3.

    habe doch schon voriges Jahr geschrieben :
    vorausgesetzt, der BER wird doch noch fertig, dann 2020

  18. 2.

    Man hat es nicht geschafft den BER zum hundersten Geburtstag von Willy Brandt (2013) zu eröffnen.
    Jetzt sollte ein Datum gewählt werden das 100%ig eingehalten werden kann.
    Der 30. Todestag des letzten wahren Sozialdemokraten: 2022. Ein markantes Datum wäre der 22.2.2022.

  19. 1.

    "Niemand hat die Absicht jemals einen Flughafen zu eröffnen".

    Das solche Parteien bzw. Personen immer wieder gewähl werden, ist für mich
    nicht mehr in Worte zu fassen.

    Es müssten alle gefeuert werden und zur Verantwortung gezogen werden.

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