Symbolbild: Außenansicht des Forschungsreaktors HZB in Berlin, Wansee. (Quelle: imago/Kai Horstmann)
Bild: imago/Kai Horstmann

Gericht verhandelt länger über Wannsee-Flugroute - Flüge über einen Reaktor sind so eine Sache

Vom BER aus sollen Flugzeuge auf dem Weg nach Westen den Wannsee überfliegen. Dort in der Nähe steht allerdings ein Forschungsreaktor. Am Mittwoch befasste sich das Oberverwaltungsgericht erneut mit den Risiken der Route - zunächst ohne Ergebnis.

Das Verfahren zur umstrittenen Wannsee-Flugroute des künftigen Hauptstadtflughafens zieht sich hin. Am Mittwoch wurden zunächst Gutachter gehört, wie ein Sprecher des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg (OVG) mitteilte. Es wurden zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Die Route ist umstritten, denn sie führt über einen Forschungsreaktor. Das OVG soll Klarheit über die Risiken schaffen.

Möglicherweise löst sich das Risiko auch auf: Der Reaktor soll Ende 2019 außer Betrieb genommen werden, wie das Helmholtz-Zentrum am Mittwoch bekräftigte. Ein Start des neuen Flughafens BER vor Herbst 2019 gilt nach mehreren Verschiebungen inzwischen als unwahrscheinlich. Wie sich die Verzögerungen auf das Gerichtsverfahren auswirken, war vorab unklar. Die Frage sei aber auch diskutiert worden, sagte der Sprecher.

Bundesverwaltungsgericht hatte Nachprüfungen gefordert

Das Oberverwaltungsgericht hatte die Route, über die Flugzeuge nach Start des BER fliegen sollen, im Jahr 2013 gekippt - das Bundesverwaltungsgericht hob diese Entscheidung jedoch wieder auf und forderte Nachprüfungen.

Die Route ist eine von vier möglichen Strecken, die Flugzeuge nutzen sollen, wenn sie von der nördlichen Startbahn des BER in Richtung Westen fliegen. Rund 80 Maschinen am Tag könnten den Weg in etwa 1,5 Kilometern Höhe nutzen, so der Plan des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung.

Die Route führt zunächst über den Ortskern der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow und nach einer Kurve in Richtung Nord-Westen bei Ludwigsfelde östlich an dem Gelände des Helmholtz-Zentrums Berlin in Berlin-Wannsee vorbei.

Mini-Reaktor und Lager für radioaktive Abfälle

Auf dem Areal des Helmholtz-Zentrums befindet sich der Forschungsreaktor und ein Brennelementelager. Der Forschungsreaktor BER II war 1972 gebaut worden. Er liefert Neutronen für wissenschaftliche Untersuchungen. Die Kernspaltung erfolgt nicht zur Energiegewinnung. Der Mini-Reaktor ist deshalb auch nicht mit einem Atomkraftwerk zu vergleichen. In einigen Jahren soll er wegen anderer Forschungsschwerpunkte stillgelegt werden.

Mehrere Anwohner und Umlandgemeinden haben gegen die sogenannte Wannsee-Route geklagt: Und sie begründen ihren Einspruch natürlich in erster Linie mit dem zu erwartenden Lärm. Doch zu ihrer Argumentation gehört auch, dass mit den Überflugrouten das Risiko von Flugzeugunfällen im Bereich des Forschungsreaktors wächst.

Gerichts-Ping-Pong

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte dann im Jahr 2013 geurteilt, das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung habe es bei der Festlegung der Route versäumt, das Absturz- und Anschlagrisiko angemessen zu ermitteln. Das Bundesamt für Flugsicherung (BAF) wollte die Route jedoch durchsetzen und legte gegen den Spruch Revision ein. Das Bundesverwaltungsgericht forderte daraufhin im Juni 2014 das OVG auf, Risiken und Alternativen genauer zu prüfen.

Flugroute Wannsee (Quelle: Bundesamt für Flugsicherung)

Sendung: Brandenburg aktuell, 27.09.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Sehen wir die Sache doch mal nüchtern. Dieser Reaktor steht seit gefühlten 100 Jahren, da wo er steht. Ist seitdem irgend etwas passiert? Natürlich kann immer etwas passieren. Wenn morgen früh der Himmel auf die Erde fällt, dann sind auch alle Spatzen tot.

  2. 16.

    "Der Reaktor soll Ende 2019 außer Betrieb genommen werden" Und wie lange dauert der "sichere" Rückbau?! Bei anderen Reaktoren wird mit 20-30 Jahren geplant. Schön, wenn es hier in Berlin schneller geht ;)
    Ein "sicheres Endlager" für den radioaktiven Müll gibt es leider noch nicht (mal in der Planung).
    Äh doch, es wird "gesucht" ;)

  3. 15.

    Informationen gibt es im Netz. Forschungsreaktor heißt nicht, Forschung für AKW's. Im Helmholtz Institut wird unteranderem für Medizin- und Materialforschung gearbeitet.

  4. 14.

    Dieser Forschungsreaktor ist im Abbauprozess und ehe dieser (neue) Flughafen in Betrieb geht, ist "schwache" Neutronenquelle schon lange Geschichte.

  5. 13.

    " In einigen Jahren soll er wegen anderer Forschungsschwerpunkte stillgelegt werden." Warum nicht sofort? Je früher desto besser. Was wird da noch geforscht? Grundlagenforschung für neue AKW ? ;)
    Bitte auch das Sondermülllager für radioaktive Abfälle nicht vergessen und in weniger dicht besiedeltes Gebiet verlegen.

  6. 12.

    Ich halte es für keine gute Idee, auf derart riskante Anlagen öffentlich hinzuweisen. Da werden potentielle Attentäter, die das lesen, doch geradezu mit der Nase drauf gestoßen.

  7. 11.

    Der eigentliche "Aufschrei" kommt doch erst, wenn die Maschinen im 30 sec-Takt über den Süden Berlins donnern (siehe Tegel jetzt). Dort kann sich doch jetzt noch keiner vorstellen was das heißt.

  8. 10.

    Bitte nicht vergessen, man sieht auf der Grafik nur die Start-Routen, aber ein Flieger macht auch im Anflug Lärm. Und zwar über "reinem Ost-Gebiet", den wunderbaren Müggelsee beispielsweise, nächstens (nie..) dann direkt beschallt...

  9. 9.

    Ach, der Pankower ist ein Ostler? Der dürfte inzwischen in der Minderheit sein :-) und ja, der ausdauernste und härteste Protest ist in Friedrichshagen und Müggelsee. Alles Wessis, klar :-)

    Die Flugrouten des BER sieht man im Bild, der Südwesten Berlins ist auch betroffen, aber ich denke, der Rest ist altes Ost-Gebiet, oder?

  10. 8.

    Die Wannseeroute ist die einzig sinnvolle Route. Auch gehen zwei Dinge objektiv gesehen nicht. Fliegen wollen, aber keinen Fluglärm haben wollen. Eines von beiden geht immer nur.

  11. 7.

    Nur nicht über den Köpfen der Eliten und Reichen, die sich ihr Refugium am/um den Wannsee geschaffen haben. Ich kann den Protest verstehen. Horden dieser Spezies ziehen mit Unterschriftenlisten durch Gatow und Kladow und nicht nur die FDP, sondern die Schwester im Geiste, die Partei, die ein "christlich" in ihrem Kürzel trägt, die CDU, macht Front, will sie nicht Klientel verlieren.

  12. 6.

    "Gerichts-Ping-Pong" - erwartet uns auch beim möglichen Weiterbetrieb von Tegel...

  13. 5.

    Das Bild ist. In diesem Fall doch unwichtig. Entscheidend ist, das sich wieder mal zeigt, wer den Start am BER verhindert und weiter verhindern will. Wir Pankower sind ja nur Ostler und sollen den Lärm und das Risiko weiter ertragen. Schamgefühle kennen solche Menschen nicht.

  14. 4.

    Lieber Leserinnen, Sie haben alle recht und wir offenbar zu früh Dienstbeginn gehabt. Wird gerade korrigiert. Danke für die Hinweise!

  15. 3.

    ist das auf dem bild nicht eine route von und nach tegel?

  16. 2.

    Die Grafik paßt nicht zum Text, weil sie departure routes von Tegel (TXL) nach Südwesten zeigt und nicht zwei der vorgesehenen SIDs von BER. Bitte um Prüfung und Korrektur.

  17. 1.

    Das Bild sieht.mit aber eher nach einer Tegel Route aus... Der Reaktor in Wannsee können liegt doch südlicher..oder?

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