Nur als dunkler Umriss ist am 21.11.2017 der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup auf einem Pressetermin am BER zu erkennen. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 22.11.2017 | Thomas Rautenberg | Bild: dpa/Patrick Pleul

TÜV sieht "wesentliche Mängel" - BER-Betreiber will im August 2018 fertig sein - wie geplant

Der TÜV hat am Terminal des künftigen Hauptstadtflughafens immer noch erhebliche Mängel festgestellt. Doch das sei nichts Neues, beschwichtigt die Flughafengesellschaft. Sie hält an ihrem Zeitplan für den BER fest. Wie geht das zusammen?

Der neue Hauptstadtflughafen BER soll trotz weiter bestehender "wesentlicher Mängel" wie geplant im August 2018 fertig sein, das bekräftigte die Flughafengesellschaft (FBB) am Donnerstag. Wann der Airport in Schönefeld (Dahme-Spreewald) dann in Betrieb gehen kann, will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am 15. Dezember verkünden.

Ihren im September vorgelegten Rahmenterminplan zur baulichen Fertigstellung des Flughafens bis zum 31. August 2018 bezeichnete die FBB allerdings als "ambitioniert" und erklärte, er sei bewusst ohne Puffer geplant.

Weil dann im Anschluss auch noch Tests, Abnahmen und der Probebetrieb folgen, gilt eine Inbetriebnahme des Flughafens vor dem Spätsommer 2019 als unwahrscheinlich.

Immer noch "wesentliche Mängel"

Zugleich bestätigte das Unternehmen, dass es noch "wesentliche Mängel" in Anlagen gebe, die der TÜV geprüft habe – darunter die Brandmeldeanlage, die Entrauchungssteuerung und die Sprinkleranlage. Man kümmere sich intensiv darum, "die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und die noch verbleibenden Mängel an den technischen Anlagen konsequent zu beheben".

Zuvor hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet, dass die Arbeiten am BER länger dauern könnten als bisher angenommen. Demnach kommt der TÜV zu dem Schluss, dass unter anderem die Entrauchungsanlage im Terminal nicht wirksam sei. Sie könne so nicht in Betrieb genommen werden. Auch die Brandmeldeanlage und die Sprinkleranlage funktionieren nicht, heißt es. Das Urteil der Prüfer sei verheerend. Wirksamkeit und Betriebssicherheit seien nicht gegeben.

FBB: TÜV-Berichte bilden Arbeitsunterlage

Die Flughafengesellschaft betonte, bei der Berichterstattung des "Tagesspiegel" handele es sich um bekannte Sachverhalte. Die zitierten monatlichen Statusberichte über Mängel in den Anlagen bildeten die aktuelle Situation ab. "Die TÜV-Berichte sind weder streng geheim, noch sind die darin beschriebenen Sachverhalte unbekannt. Sie sind eine Arbeitsunterlage der Projektbeteiligten, sowohl in der FBB als auch bei den Firmen und Dienstleister", erklärte die Flughafengesellschaft.

Vor genau 2.000 Tagen war die Eröffnung des BER spektakulär geplatzt. Ab dem 3. Juni sollte vom neuen BER geflogen werden - und noch Anfang Mai liefen die Vorbereitungen dazu auf Hochtouren. Knapp vier Wochen vor dem geplanten Eröffnungstermin wurde der Start dann abgesagt. Weitere Eröffnungstermine wurden angekündigt, konnten dann aber nicht gehalten werden.

Grüne: Bund soll sich stärker einbringen

Der Grünen-Haushaltsexperte im Bundestag, Sven-Christian Kindler, forderte, dass sich der Minderheitseigentümer Bund am BER stärker engagiere. "Bisher hat sich die Bundesregierung einen schlanken Fuß gemacht und Berlin und Brandenburg alleine die Verantwortung rüber geschoben."

Die Berliner CDU-Fraktion sprach von Tricksereien und Täuschung am Flughafen und verlangte, den TÜV-Bericht dem Abgeordnetenhaus vorzulegen. Aus CDU, FDP und AfD kamen Forderungen, den Flughafen Tegel offen zu halten. Geplant ist, dass er alte Airport spätestens ein halbes Jahr nach Eröffnung des BER schließt.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    "Das wiederum führt dazu, dass die Tegel-Offenhaltung bei Leibe nicht so teuer wird, wie es uns der Senat gerne weismachen möchte."
    Berlin braucht Tegel nicht! Was Berlin braucht ist nur einen Flughafen, den BER, der auf eine Kapazität von fast 60 Millionen Passagiere pro Jahr ausgebaut wird! ;)
    Man sollte dem BER eine Chance geben!
    Ich jedenfalls glaube weiterhin an diesen Flughafen und freue mich auf Europas schönsten und modernsten Flughafen!

  2. 6.

    DER BER wird nach derzeitigem Stand im August !!!2018!!! fertiggestellt sein! Danach folgen dann noch der Probebetrieb, Abnahmen und Tests. Man sollte dem BER eine Chance geben! Ich jedenfalls glaube weiterhin an diesen Flughafen und freue mich auf Europas schönsten und modernsten Flughafen!

  3. 5.

    Wer glaubt denn nach den vielen Absagen zur Eröffnung diese Aussage noch, daß 2019 im August dieser Flughafen fertig sein soll? Ich glaube kaum Einer! Es sei den es, sind die BER-Betreiber! Haben aber schon viel gesagt, wenn der Tag lang ist!

  4. 4.

    Ist nicht SIEMENS für die Beseitigung des Chaos in der Brandschutzanlage beauftragt worden? Ist das nicht dasselbe SIEMENS, dass Milliarden-Gewinne macht, auch unterstützt durch die Verzögerungen am BER, aber gleichzeitig tausende Stellen abbauen und ganze Werke schließen will. Ist es also das SIEMENS, dass offensichtlich nicht nur durch Raffgier, sondern auch durch Inkompetenz gekennzeichnet ist (die Brandschutzanlage in Ordnung zu bringen)? Yeah SIEMENS - made in germany...

  5. 3.

    Schön wenn man das so praktisch sieht und vor allem sich keine Gedanken darum macht, das weit über 300.000 tausend Berliner weiter von Lärm belästigt sind, die die Gesundheit ruinieren. Aber warum so, man auch an andere Menschen denken.
    Mir tun die Anwohner in der Schneise leid.

    Ich finde das alles nur noch unfassbar und glaube an nichts mehr. Das solch riesige Konzerne am BER jeden Tag , jede Woche, jedes Jahr Geld verdienen und es nicht schaffen eine Brandschutzanlage zu bauen die funktioniert. Seit Jahren lese ich immer nur Brandschutzanlage geht nicht. Die Dinger werden doch in jedes große Gebäude gebaut.
    Und niemand, wirklich niemand muss dafür Konsequenzen tragen. Ganz im Gegenteil, da verdienen sich so einige eine goldene Nase.
    Es ist so frustrierend und unglaublich dass mir eigentlich die Worte fehlen.

  6. 2.

    Die Verschiebung ändert aber nichts daran, dass der BER UND TXL nicht gleichzeitig länger als 6 Monate betrieben werden können und die Flugrouten beider Flughäfen nicht kompatibel sind...

  7. 1.

    Man muss die absehbare Verschiebung positiv sehen: Wenn Tegel über 2019 hinaus offen bleiben MUSS (weil der BER nicht fertig wird), müssen die TXL-Anwohner vor dem Lärm in weitaus höherem Maße geschützt werden. Das wiederum führt dazu, dass die Tegel-Offenhaltung bei Leibe nicht so teuer wird, wie es uns der Senat gerne weismachen möchte.

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