Schilder an einer Baustellenzufahrt des Flughafen BER in Schönefeld (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Abendschau | 15.12.2017 | Michael Schon | Bild: dpa/Bernd Settnik

BER-Eröffnung im Oktober 2020 - Flughafenchef hält neuen Termin für "belastbar und verlässlich"

Die Flughafengesellschaft und der Aufsichtsrat haben sich festgelegt: Der BER soll endgültig im Oktober 2020 an den Start gehen. Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup spricht von einer "verantwortungsvollen Einschätzung". Viel Puffer bleibt aber nicht.

Seit Freitagvormittag hatte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) am Flughafen Tegel über einen Eröffnungstermin für den BER beraten. Um kurz nach 17 Uhr traten die Verantwortlichen dann vor die Presse und gaben das neue Datum bekannt. Demnach soll der BER im Oktober 2020 endgültig eröffnet werden. Das sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider.

BER soll mit allen Gebäuden an den Start gehen

Die Aufsichtsräte hätten den Vorschlag von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup einstimmig und zustimmend zur Kenntnis genommen, ergänzte der oberste Flughafenkontrolleur. Der neue Termin sei "belastbar und verlässlich", fügte Flughafen-Chef Lütke Daldrup hinzu. Er sei auf der Grundlage technischer und wirtschaftlicher Kriterien festgelegt worden; es sei "kein politischer Termin". Es bestehe Konsens, "dass nun eine verantwortungsvolle und valide Einschätzung vorliegt, die eine realistische Grundlage für die weitere Arbeit bis zur Inbetriebnahme bietet", heißt es in einer am Abend veröffentlichten Pressemitteilung der FBB.

Der BER werde "mit allen Gebäuden" in Betrieb genommen. "Die Start- und Landebahnen, 39 Betriebsgebäude und die Seitenpiers des Fluggastterminals sind fertig und bereits überwiegend in Nutzung", hieß es weiter.

Termin sei auch bei neuen Schwierigkeiten zu halten

Wie Lütke Daldrup weiter sagte, seien in die aktuelle Planung auch Zeitpuffer eingebaut worden. Wo genau diese liegen, werde jedoch nicht bekanntgegeben, da die beteiligten Firmen dies nach Ansicht von Geschäftsführung und Aufsichtsrat als Reservezeit sehen könnten.

Erst vor kurzem hatte die FBB bestätigt, dass unter anderem die  Brandmeldeanlage, das elektroakustische Notrufwarnsystem und die Sicherheitsbeleuchtung im nördlichen Teil des Hauptpiers noch mit "wesentlichen Mängeln" behaftet sind. Laut Lütke Daldrup soll der Bau bis August 2018 saniert sein und dann in einen umfangreichen Testbetrieb starten. Bis dahin sollen die Probleme etwa mit dem Brandschutz behoben werden.

Der neue Termin sei auch dann zu halten, falls neue Schwierigkeiten auftauchen sollten. "Wir haben einen Termin gemacht, der berücksichtigt, dass wir Risiken haben", so Lütke Daldrup gegenüber dem rbb.

Neue Finanzplanung kommt erst im Frühjahr

Aufgrund des weiter in die Zukunft gerückten Termins wird nun aber auch mehr Geld benötigt. "Aus der Eröffnung im Oktober 2020 ergibt sich ein zusätzlicher Finanzbedarf", sagte Lütke Daldrup. Dieser solle aus "Fremdfinanzierung und Unterstützung der Gesellschafter, wie zum Beispiel Bürgschaften" gedeckt werden, sagte Lütke Daldrup der rbb-Abendschau.

Die neue Finanzplanung solle es aber erst im Frühjahr 2018 geben. Im März 2018 werde man den Finanzplan dem Aufsichtsrat vorlegen. Die Kosten für das Flughafen-Projekt sind seit Baubeginn 2006 von zwei auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen - zum Teil auch wegen der deutlichen Vergrößerung des Airports.

Für Fehler aus der Vergangenheit wollte sich Lütke Daldrup nicht verantwortlich machen lassen. "Als neuer Geschäftsführer möchte ich sagen, dass wir sorgfältig gearbeitet haben", sagte er im rbb. "Natürlich muten wir den Berlinerinnen und Berlinern, den Brandenburgerinnen und Brandenburgern viel zu", sagte er weiter. Jetzt gelte es, das Vertrauen wiederherzustellen.

CDU und Grüne kritisieren neue Planung

Kritik an der Mitteilung der Flughafengesellschaft kam sogleich aus der Berliner CDU: Das "BER-Drama" gehe mit der x-ten Terminverschiebung weiter, erklärte Fraktionschef Florian Graf. Ob 2020 realistisch sei oder nur das nächste "Wolkenkuckucksheim", bleibe ein weiteres Mal unklar. Die CDU-Fraktion fordere noch vor Weihnachten eine Sondersitzung des Hauptausschusses, "um die finanziellen Konsequenzen des Bau- und Terminverschiebungsdesasters parlamentarisch zu besprechen", teilte Graf mit.

Auch Bündnis90/Die Grünen sehen keinen Anlass zu übermäßiger Freude. Der neue Eröffnungstermin habe "genauso viel Glaubwürdigkeit wie alle zuvor genannten Eröffnungstermine". Das Loch im Businessplan der FBB werde dadurch um weitere 360 Millionen Euro größer - "und es darf füglich bezweifelt werden, ob es dabei bleibt", erklärte Grünen-Fraktionschef Axel Vogel. "Statt schlecht investiertem Geld weiter gutes Geld hinterher zu werfen", sei es an der Zeit, einen Schnitt zu machen. Dazu müsse ein Plan B entworfen werden, der "eine Inbetriebnahme des BER auch ohne funktionierendes Hauptterminal" vorsehe.

Aufsichtsräte hörten auch Experten an

Die Sitzung hatte seit dem Vormittag gedauert. Das liege daran, dass der 20-köpfige Aufsichtsrat diesmal auch Experten eingeladen hatte, beispielsweise vom TÜV, sagte rbb-Experte Thomas Rautenberg. Offenbar wollten sich die Mitglieder des Aufsichtsrats ein eigenes Bild machen, wie wahrscheinlich es ist, dass der neue Termin auch gehalten werden kann. "Man will sich nicht allein auf die Aussagen des Flughafens verlassen", sagte der Flughafenexperte im rbb-Inforadio.

Eröffnung? Ursprünglich war sie 2011 geplant

Ursprünglich sollten im BER schon vor sechs Jahren die ersten Passagiere einchecken. Doch die bisherigen sechs Eröffnungstermine (November 2011, 3. Juni 2012, 17. März 2013, 27. Oktober 2013, zweites Halbjahr 2017, 2018) sind alle gescheitert, weil Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme abzuarbeiten sind.

Vor kurzem hatte der TÜV in einem Gutachten von systemischen Mängeln unter anderem bei der Brandschutzanlage gesprochen. Dagegen erklärten die beteiligten Firmen Bosch und Siemens, die Arbeiten könnten trotzdem rechtzeitig abgeschlossen werden. Dennoch, so schildert es rbb-Flughafenexperte Rautenberg, gibt es bis Herbst 2020 nicht mehr allzu viele Puffer. "Es darf also bei den anstehenden Tests auf dem Flughafen nicht viel schiefgehen", sagte Rautenberg am Freitagmittag. "Ansonsten kommt auch dieser Termin ins Rutschen."

2.000 Tage in der Wartschleife

  • 2012 - Vollbremsung am BER

  • 2013 - Mehdorn soll es richten

  • 2014 - Hick-Hack um neuen Termin

  • 2015 - Wieder ein neuer Flughafenchef

  • 2016 - Immer noch Probleme mit dem Brandschutz

  • 2017 - BER-Eröffnung wird (zum fünften Mal) verschoben

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Es fällt einen auch nichts mehr ironisches oder polemisches Neues zu dem Thema ein. Ein Alpraum der nicht zu enden scheint.
    Wer haftet für die durch die utopische Verzögerung enstandenen Mehrkosten in Milliardenhöhe?
    Wer nach 30 Jahren Arbeit und Einzahlung in die Sozialkassen langzeitarbeitslos wird und eine Schenkung von 100,- € eines Verwandten nicht angibt bekommt einen Prozess angehängt.
    Wer wird beim BER zur Verantwortung gezogen? Wann beginnen die Gerichtsprozesse?
    Was man mit den Milliarden Euro Mehrkosten für Krankenschwestern, Altenpfleger, Polizisten und Schulsanierung, Polizei- und Feuerwehrausrüstung bezahlen könnte!

  2. 19.

    Die technokratische Sprache "belastbar" halte ich nicht unbedingt für geeignet, Vertrauen zu erwecken. Jedem Menschen, der nach Anschauung sucht, kann da nur schwindelig werdem. Termin können eingehalten werden oder nicht eingehalten werden und das hängt zuallererst mit den Zeithorizonten zusammen, die für bestimmte Gewerke gelassen werden. Von diesen Zeithorizonten war allerdings meines Wissens nie die Rede. Immer wurden irreale Termine gesetzt, an denen Bestimmtes fertig zu sein hatte und das Ergebnis war nichts anderes als ein völliges Durcheinander von Abläufen.

    Ich sehe nicht, dass aus der Unkoordiniertheit Einsichten gewonnen wären. Weder hat sich jemand hingestellt und öffentlich gesagt, dass die getrennte Ausschreibung für das Brandmeldesystem und die Entrauchungsanlage an zwei konkurrierende Konsortion ein Kardinalfehler war, noch ist gesagt worden, wie denn die Stelle eines Bauleiters verantwortlich und nicht nur pro forma ausgeübt werden kann.

  3. 18.

    2020? Und die Sonne dreht sich um die Erde!

  4. 17.

    Da wird der Klaus Wowereit noch etwas Geduld aufbringen müssen, bis er zu der großen Eröffnungsfeier sausen kann! Galt ja als der "Partybürgermeister!" Keine Feier ohne Wowi! Hieß es doch?
    Mal im Ernst! Kann überhaupt er und sein Parteifreund Platzeck überhaupt noch ruhig schlafen?
    Wer übernimmt überhaupt die Verantwortung dieses Desasters? Warum steht keiner vor Gericht wegen Schadenersatz? Immerhin gibt es großen finanziellen Schaden! Fragen über Fragen!
    Aber eins steht jetzt schon fest, Klaus Wowereit wird der Erste sein, der die Eröffnungsfeier(falls er überhaupt mal eröffnet wird) anwesend sein! Das lässt er hundertprozentig sich nicht nehmen! Mir wäre es zu peinlich, wegen dieser Lächerlichkeit dort zu erscheinen!

  5. 16.

    Man nennt das auch die Wahrheit!
    Fragt sich nur wo Deutschlands Wirtschaft boomt.
    Jedenfalls wird das gesagt, real klappt nichts mehr. Vielleicht sollten mal wieder deutsche Fachkräfte an die Baustellen.
    Aber vorher sollte man Freiwillige und kluge Leute finden, die einen Bauberuf erlernen... in Deutschland Fehlanzeige, die Branche ist mit Dumpinglöhnen zerstört worden. Danke EU!

  6. 15.

    Das BER Desaster ist in zweifacher Hinsicht ein zu tiefst beschämendes Zeugnis: Erstens für die absolute Unfähigkeit Deutschen Managements (Politik wie Wirtschaft), ein Großprojekt zum Erfolg zu führen und zweitens für die Unfähigkeit Deutscher (eigentlich renommierter) Unternehmen, komplexe Technologien erfolgreich umzusetzen. Das ist keine Empfehlung für weitere Aufträge.

  7. 13.

    ...man sollte den Verantwortlichen des BER den Drogenhandel in Berlin in die Hände geben, der Handel würde dann innerhalb einer Woche komplett zusammenbrechen... :-)

  8. 12.

    ...ha ha ha ... pruhu haha!

  9. 11.

    Alle seit Baubeginn verantwortlichen Politiker in Land und Bund einsperren. Was snderes geht nicht.

  10. 10.

    Wer soll das glauben?? Das heisst nur das es jetzt noch wiedermal weitere 3 Jahre dauert das sich diese Leute die Taschen vollstopfen und ganz ganz sicher kein Flughafen eröffnet.

  11. 9.

    BER soll im Oktober 2020 an den Start gehen
    Eher glaube ich wieder an dem Weihnachtsmann!

  12. 8.

    Ist bei dem Termin vielleicht ein Zahlendreher passiert? Das ganze ist doch nur noch lächerlich. Lesen sie mal die Kommentare bei der ARD. Da sind 42 Kommentare und nicht einer bei der daran glaubt!
    http://meta.tagesschau.de/id/129787/flughafen-ber-soll-im-oktober-2020-in-betrieb-gehen

  13. 7.

    Ehrlich gesagt, wen interessiert das noch. ABER: Was würde die Politik wohl sagen wenn alle Berliner und Brandenburger ihre Steuern ebenfalls erst 2020 entrichten.

  14. 6.

    Wer ist eigentlich der Projektleiter beim BER? Dass Projekt und Betrieb getrennt gehören - das haben die Herrschaften immer noch nicht begriffen - auch wenn im Aufsichtsrat jetzt ein Projetsteuerer (Dr. Preuss) sitzt. Wo ist denn eine endeutige, umfassend Aussage zum "Stand des Unternehmens" - ohne politische Verrenkungen oder Berater - Wortblasen? Kennt man beim BER den wahren Stand überhaupt? Der Vorfall "TÜV - Abnahme" spricht dagegen. Meine Prognose: Die nächste Hiobsmeldung kommt nach den Sommerfrien 2018: wenn man merkt, dass man Dampfplauderei mit solidem Handwerk verwechselt hat - viellecht auch auf teuren Rat von "Fachleute". Dann mal viel Erfolg!

  15. 5.

    ...".Es darf nichts mehr schiefgehen"..... Eine interessante Aussage ! Und wenn doch ?? Dann wirds halt 2021 oder später. Mir ist das alles noch zu spekulativ. Man sollte erst darüber berichten wenn wirklich alles so läuft wie es geplant war. Denn es stehen ja noch ne Menge sehr intensive Tests vorher an. Der gute alte TXL bleibt allen noch für eine längere Zeit erhalten.

  16. 3.

    Langsam sollte man einmal in Erwägung ziehen, einen Termin festzusetzen, an welchem ein weiterer Termin in Erwägung gezogen wird, an welchem festgesetzt wird, ob man in Erwägung ziehen sollte, eventuell mit Erschießungen zu beginnen!

  17. 2.

    Das Pleiteprojekt sollte endlich konsequent verwirtschaftet werden: Insolvenz und Versteigerung der Restmasse; Es findet sich vielleicht ein chinesischer Investor der den Flughafen privat organisiert, wer dann laufend fliegen möchte kann auch angemessene Gebühren entrichten, sodass sich die Investitionen rechnen.
    Die Erlöse aus der Vesteigerung dann bitte in den sozialen Wohnungsbau investieren.

  18. 1.

    Der Aufsichtsrat sollte keine Termine mehr nennen. Wenn fertig, dann fertig. Ansonsten besteht die Gefahr, das er sich (wieder) von Medien und Oppositionspolitikern am Nasenring durch die Manege führen läßt.

    Der Nachwende Wahn (das neueste, beste, hippste) hat zur heutigen Situation geführt, jetzt kann man nichts mehr ändern ausser fertig stellen.

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