Archivbild: Innenansicht des BER-Hauptterminals (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Grüne sprechen von "völlig überholten" Zahlen - Brandenburger Opposition zweifelt am Geschäftsmodell des BER

2010 war die BER-Welt noch weitgehend in Ordnung: Die geplante Eröffnung sollte sich zwar um sechs Monate verzögern, doch die Betreiber rechneten mit Gewinnen aus dem späteren Betrieb. Inzwischen jedoch gibt es Zweifel am jahrealten Geschäftsmodell.

Die Opposition im Brandenburger Landtag hegt Zweifel am Geschäftsmodell des BER. Dabei geht es um die Frage, ob die Gebühren für den Flugbetrieb und die Erlöse aus dem Non-Aviation-Geschäft ausreichen, um alle Kosten zu decken. Sollte das nicht der Fall sein, würde der BER nicht nur viel teurer werden als erwartet - auch der laufende Betrieb würde sich dann für die drei Gesellschafter - die beiden Bundesländer Berlin und Brandenburg sowie den Bund - zu einem Zuschussgeschäft entwickeln.

Vogel hält Businesszahlen für "völlig überholt"

Der Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), Engelbert Lütke Daldrup, hatte bisher immer davon gesprochen, dass der BER im Kern sein Geld mit Handel, Gastronomie, Parkerlösen und ähnlichen Dingen verdienen werde.

Doch die Zahlen des Geschäftskonzeptes von 2010 seien inzwischen "völlig überholt", sagte Axel Vogel (Bündnis90/Die Grünen), Oppositionschef im Brandenburger Landtag, dem rbb am Freitag. 2015 habe die FBB zwar einen weiteren Businessplan vorgestellt, der aber nicht mehr gewesen sei "als eine sehr lückenhafte Power-Point-Präsentation, wo ich schon meine Zweifel hatte, ob das wirklich ernst gemeint sein kann", sagte Vogel dem rbb-Inforadio.

Auch CDU übt scharfe Kritik an BER-Finanzierung

Steven Bretz, Wirtschaftsexperte der Brandenburger CDU-Opposition kritisierte "Verantwortungslosigkeit" beim Umgang mit der BER-Finanzierung. Die in ihrer Höhe noch unbekannte Finanzierungslücke des Flughafens BER entwickle sich zum größten Finanzrisiko des Landes. Die Politik und die Flughafen-Geschäftsführung schöben sich die Verantwortung für fehlende Milliardenbeträge gegenseitig zu, "jeder verweist auf den anderen".
 
Lütke Daldrup will bei der nächsten Flughafenaufsichtsratssitzung im März einen neuen Businessplan zur Finanzierung des Flughafenbetriebs nach einer möglichen Eröffnung vorlegen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 26.01.2018, 19.30 Uhr

BER-Chronologie seit 2012: Über 2.000 Tage in der Wartschleife

  • 2012 - Vollbremsung am BER

  • 2013 - Mehdorn soll es richten

  • 2014 - Hick-Hack um neuen Termin

  • 2015 - Wieder ein neuer Flughafenchef

  • 2016 - Immer noch Probleme mit dem Brandschutz

  • 2017 - BER-Eröffnung wird (zum fünften Mal) verschoben

  • 2018 - Das Warten geht weiter

Sendung: Abendschau, 26.01.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

15 Kommentare

  1. 15.

    Der neue Eröffnungstermin ist doch ein politisches Datum.
    Die Wahlen in Brandenburg sind 2019 , dort wird uns erzählt das der BER nächstes Jahr eröffnet.
    Die Wahlen in Berlin sind zwar im Jahr 2020 , aber Berlin wählt eh rot...

  2. 14.

    Leider falsch. Die Flughafengebühren werden in solchen Fällen von den Fluggesellschaften auf die Ticketpreise umgelegt, und das wird hier nicht unerheblich sein. Höhere Preise bedeuten in der Regel auch weniger Fluggäste, also auch Touristen, vor allem bei den Billigfliegern.
    Im Ergebnis wird eine Verlagerung der Destination "Berlin" in das Umland, z.B. nach Leipzig, oder ein Ausdünnen der Flugrouten von und nach Berlin stattfinden. Reisen mit der Bahn oder Flixbus werden auch interessanter.

  3. 13.

    Das Geschäftsmodell ist doch toll und alt bewährt. So lange man auf Kosten des Steuerzahlers bauen kann, so lange wird gebaut, auf Teufel komm raus. Fertig werden ist nicht gut, denn dann gibts kein Geld mehr. Schönefeld, Stuttgart 21, Elbphilharmonie... die Liste ließe sich unendlich verlängern. Da wird gelogen und betrogen, gepfuscht und vertuscht, die Taschen stopfen sich ständig wechselnde Gesellschafter voll - schließlich sollen ja alle was davon haben - und wer zahlt? Der, der immer für alles zahlt, der Michel, der zu feige oder zu gleichgültig oder zu doof ist die Gusche aufzureißen. Das Land der Dichter und Denker, hieß es früher mal, doch wir sind inzwischen die Witzfiguren der Welt, über die man sich nur noch kaputt lachen kann. Man kann sich als Deutscher eigentlich nur noch schämen...

  4. 12.

    Das Finanzdesaster BER FBB unbedingt sofort stoppen.
    Schluß mit den größenwahnsinnigen Ausbauplänen.
    Kurzfristig provisorisch BER als kleinen Regionalflughafen eröffnen, quasi Schönefeld light...
    das kostet ! keine ! Milliarden
    und, weil "die ganze Welt das Berlin Desaster besichtigen will", den Flughafen Tegel TXL weiterbetreiben.

  5. 11.

    Wenn das Geschäftsmodell mit Quersubventinierung des Flugbetriebes nicht funktioniert, braucht man doch bloss dessen Gebühren anpassen. Die Fluggesellschaften, allen voran Ryanair, werden zwar jammern, aber trotzdem weiter die Touristen nach Berlin bringen.

    Auch andere Finanzierungslücken liessen sich so zumindest teilweise schliessen.

  6. 10.

    Wenn ich fliegen will gehe ich nicht shoppen. Ist viel teurer. Und parken kann ich mir ebenfalls verkneifen, die S- Bahn tuts auch. Der Flughafen könnte auf lange Sicht gesehen ein Fass ohne Boden sein. Und wir Steuerzahler sind die Angeschmierten. All das könnte wieder große Löcher in die Haushalte der beiden Länder reißen.

  7. 9.

    Meinen Sie die erste oder die künftige "Eröffnung"? Die ersten Mieter hatten bereits für nichts bezahlt. Abzocke durch den verantwortungslosen Senat.

  8. 7.

    Ist doch mal ein landesweites Projekt für Dtittklässler, einen Buisinessplan für den BER zu erstellen. Wird höchstwahrscheinlich intelligenter, als der von den "Fachleuten-Nullnummern" der FBB.

  9. 5.

    Der BER ist kein Geschäftsmodell .. wenn er irgendwann mal öffnet, ist er ja schon wieder zu klein für das Aufkommen an Passagieren und wird immer auf Zuschüsse von Steuerzahler angewiesen sein ...
    aber das interessiert ja die Verantwortlichen nicht...

  10. 4.

    Das Schmierentheater geht weiter
    froh und heiter.
    Wer entschädigt eigentlich die "Mieter" der Geschäfte im BER???
    Darüber wird geschwiegen, wahtscheinlich müssen die trotz Nichteröffnung die Miete bezahlen.

  11. 3.

    Sollte die Analyse stimmen, ist das noch ein Grund mehr nach #BER Eröffnung #TXL auch zu schliessen. Zwei Flughäfen hier würden beide wegen der dann fatalen Konkurrenz-Situation in ein sicherlich noch größeres finanzielles Desaster für Berlin stürzen.
    Aber schon peinlich was in D so schiefgeht: Hamburg Elbphilharmonie fast 10-mal so teuer, S21 auch x-fach teurer, BER....

  12. 2.

    Guten Morgen!
    Früh erkannt!

  13. 1.

    "Finanzierung" ist gut. Man hat die Erstmieter von Läden nie über die Nichteröffnung informiert und die einfach mal stillschweigend in eine finanzielle Misere rutschen lassen. Die sollten sogar noch ihre "Mietverträge" erfüllen.
    Jede halbwegs informierte Firma wird die Finger von solchen "fairen" Geschäftspartnern lassen.

Das könnte Sie auch interessieren