Fluggäste warten in einer mehrere hundert Meter langen Schlange auf die Sicherheitskontrolle im Terminal D des Flughafens Berlin-Schönefeld, 22.12.17 (Quelle: rbb24 / Schneider).
Bild: rbb24 / Schneider

Steigende Fluggastzahlen - Schönefeld fertigt jetzt mehr Passagiere ab als Köln/Bonn

Der Flughafen Schönefeld ist schäbig und zu klein. Doch die BER-Misere zwingt dem runtergekommenen Airport immer mehr Fluggäste auf. Ganz anders das Bild in Tegel: Dort gab es erstmals seit zwölf Jahren weniger Passagiere - zumindest vorübergehend.

Nach zwölf Jahren sind erstmals wieder weniger Menschen vom Berliner Flughafen Tegel geflogen. 2017 zählten die Betreiber dort 20,5 Millionen Passagiere - das waren 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein Minus hatte es zuletzt 2004 gegeben, als von Tegel nur gut halb so viele Menschen flogen wie heute.

Als möglichen Grund nannte Engelbert Lütke Daldrup, Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg, unter anderem die Air-Berlin-Pleite: "Wir hatten Monate mit zweistelligem Wachstum, aber bereits im März einen Einbruch, unter anderem aufgrund von Streiks. Nach der Einstellung des Flugbetriebs bei Air Berlin sind die Fluggastzahlen in Tegel massiv gesunken."

Easyjet macht sich in Tegel breit

Einen erneuten Auftrieb für Tegel könnte allerdings Easyjet liefern: Bislang hatte die britische Fluggesellschaft in Berlin-Schönefeld zwölf Maschinen stationiert - bis zum Sommer will die Fluggesellschaft nun in Tegel alle 25 Maschinen einsetzen, die von der insolventen Air Berlin übernommen wurden.

Am Freitag startet ein erster Flieger von Tegel nach München. Easyjet plant, von Tegel aus 19 Ziele in Europa anzufliegen, davon vier in Deutschland. So sind zwischen Berlin und Düsseldorf je Richtung 40 Flüge wöchentlich geplant, wie das Unternehmen ankündigte.

Tegel wird damit nach London-Gatwick der zweitgrößte Standort des Unternehmens. Easyjet verstärkt mit den zusätzlichen Maschinen auch den Wettbewerb mit der Lufthansa-Tochter Eurowings.

Mehr Passagiere in Schönefeld

Ganz anders das Bild auf dem zweiten Berliner Flughafen im brandenburgischen Schönefeld: Dort checkten im vergangenen Jahr 12,9 Millionen Menschen ein, 10,4 Prozent mehr als im Vorjahr - und damit mittlerweile mehr als auf dem Flughafen Köln/Bonn.

Insgesamt gab es an den Berliner Flughäfen somit mehr als 33,3 Millionen Passagiere. Mit einem Plus von 1,3 Prozent hat sich das Wachstum damit deutlich verlangsamt - im Vorjahr war die Rate zehnmal so hoch gewesen.

Nach mehreren geplatzten Terminen soll im Herbst 2020 der neue Flughafen BER in Schönefeld in Betrieb gehen. Spätestens ein halbes Jahr später soll Tegel schließen. Die alten Terminals in Schönefeld werden vorerst weiter genutzt, bis der Neubau erweitert ist. Er fasst zu Beginn 22 Millionen Passagiere pro Jahr.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.01.2018, 10.00 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wenn sich nach der Air Berlin-Pleite in Tegel erst einmal alles wieder endgültig auf das Schönste neu geordnet hat, erreichen die Passagierzahlen dort auch wieder ihr altes Niveau. Auch die Zuwächse werden leider zum Schaden von Mensch und Umwelt wieder nach deutlich nach oben gehen. Der PAX-Einbruch von TXL im zurückliegenden Jahr war nur eine kleine Delle aufgrund des Absturzes der Pleite-Airline.

  2. 3.

    Auf, auf zu immer neuen Rekordzahlen bei den Fluggästen und der Luftfracht!

    Umweltbewußtsein beweisen wir schließlich, indem wir uns die Plastiktüten, die es früher kostenlos gab, jetzt vom Handel verkaufen lassen, oder keine der billigen Glühbirnen (die immer noch haufenweise im Handel verfügbar sind) mehr kaufen.

  3. 2.

    Ich bin am 10.12.2017 von Tegel geflogen.
    Geräumig und schön ist der auch nicht gerade!

  4. 1.

    "Der Flughafen Schönefeld ist schäbig und zu klein." Dann fahrt Bahn oder Auto (is ja wohl nich so schwer, fass mir an den Kopp).

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