Das Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) (Quelle: dpa/Pleul)
Video: Abendschau| 23.02.2018 | Boris Hermel | Bild: dpa/Pleul

Nach rbb-Bericht über neuen Businessplan - BER-Betreiber bestätigen Mehrkosten von 770 Millionen Euro

Damit der Flughafen BER im Jahr 2020 eröffnen werden kann, benötigt die Flughafengesellschaft 770 Millionen Euro mehr als bisher geplant. Das geht aus dem neuen Businessplan hervor, wie der rbb erfuhr. Das ist aber noch nicht das Ende der Kosten.

Für die Fertigstellung des neuen Flughafens BER braucht die Flughafengesellschaft rund 770 Millionen Euro zusätzlich. Das geht aus dem neuen Businessplan der Flughafengesellschaft hervor, der seit Donnerstag vorliegt, wie der rbb aus Regierungskreisen erfuhr. Das Geld ist demnach nötig, um den BER bis 2020 fertigstellen und in Betrieb nehmen zu können.

Ein Sprecher der Flughafengesellschaft bestätigte den rbb-Bericht gegenüber der
Deutschen Presse-Agentur. "Über die Detailfragen zur Finanzierung ist die Flughafengesellschaft in konstruktiven Gesprächen mit den Gesellschaftern."

Die eine Hälfte der Summe, 385 Millionen, will die Flughafengesellschaft selbst über Kredite aufnehmen, die zu höchstens 80 Prozent von den Gesellschaftern verbürgt werden dürfen. Die zweiten 385 Millionen sollen die Gesellschafter als zinsloses Darlehen selbst beisteuern. Das bedeutet nochmal jeweils gut 142 Millionen Euro Steuergeld von Berlin und Brandenburg und rund 100 Millionen vom Bund. Mit dieser Finanzierung soll verhindert werden, dass die EU-Kommission die zusätzlichen Gelder erneut prüfen und genehmigen muss.

Nächste Woche soll Klarheit geschaffen werden

Bis zum Sommer will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup die neue Finanzspritze absichern, fließen soll das Geld erst nach der BER-Eröffnung. Bis dahin soll ein schon laufender Milliardenkredit, der eigentlich für notwendige Erweiterungen des Flughafens vorgesehen war, den Airport über Wasser halten. Am kommenden Dienstag wollen die Regierungsfraktionen über die BER-Finanzierung beraten.

Lütke Daldrup hatte im Januar erklärt, für das Terminal würden 300 bis 400 Millionen Euro benötigt. Zudem sei Geld nötig, um Kredite zu tilgen und Zinsen zu zahlen. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen 140 Millionen Euro für den Schuldendienst aufbringen müssen. Lütke Daldrup betonte damals jedoch, insgesamt würden die Mehrkosten unter einer Milliarde Euro liegen.

Länder skeptisch gegenüber weiteren Finanzhilfen

Sowohl in Berlin wie in Brandenburg sträuben sich die Regierungen gegen weitere Zahlungen. Von Brandenburgs Landesregierung hieß es kürzlich, die Steuerzahler sollten nach Möglichkeit nicht weiter belastet werden. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) blieb bei seiner harten Haltung, kein weiteres Landesgeld zuzuschießen. "Meine klare Erwartung ist unverändert, dass die Gesellschaft durch unternehmerische Eigenmaßnahmen zur Finanzierung beiträgt", erklärte Görke am Freitag auf Anfrage. "Für Ausbaumaßnahmen - über die Inbetriebnahme des BER hinaus - steht die FBB im Wort, eigenständig tragfähige Finanzierungsmodelle zu entwickeln und abzusichern", betonte Görke.

Die Opposition in Brandenburg meldete kürzlich Bedenken an der Wirtschaftlichkeit des Flughafen-Terminals an.  "Nach der Terminverschiebung kommt die Kostensteigerung", spottete Brandenburgs CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben. "So einfach kann Flughafendesaster in Brandenburg sein."

Gesamtkosten von 7,3 Milliarden Euro

Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) bestätigte am Freitag, dass ihm Zahlen dazu vorliegen. Kollatz-Ahnen nannte das Ziel, die Finanzierungslücke durch Anstrengungen des Unternehmens sowie weitere Optimierung zu verkleinern.

Insgesamt würden die Kosten dann auf  knapp 7,3 Milliarden Euro steigen - geplant waren für den Flughafenbau einmal rund zwei Milliarden Euro.

Finanzlücken wohl auch noch nach der Eröffnung

Der BER muss jedoch, um den erwarteten Flugverkehr abwickeln zu können, auch noch erweitert werden. Bisher war davon ausgegangen worden, dass die Kosten dafür eine weitere Milliarde Euro betragen könnten.

Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof (SPD) sagte im Januar im Berliner Abgeordnetenhaus, der Ausbau könne bis 2030 sogar knapp drei Milliarden Euro kosten. "Unabhängig davon werden zusätzliche Kosten durch die Verschiebung der Eröffnung entstehen", sagte Sudhof. Das seien Betriebskosten für die Anlage, Kosten für die Baustelle und fehlende Einnahmen aus Laden-Vermietung sowie Landegebühren.

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    Aha, das Chinesen Märchen mal wieder. In einer Diktatur die weder auf die Betroffenen, noch auf die Umwelt Rücksicht nimmt kann man schneller und billiger bauen. Wollen sie das?

  2. 36.

    Ich oute mich genauso, wie ich es für richtig halte.
    Sie heißen wahrscheinlich auch nicht Herr Platoon;-)

  3. 35.

    5. September 2006 - Spatenstich für den Flughafen Berlin Brandenburg https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-flughafen-berlin-brandenburg-100.html Wenn auch die Jahre enteilen... (Paul Lincke)

  4. 34.

    Rechtsstaat, wieviel Recht hat der Bürger, wieviel Mitbestimmung? Nur eine Wahl?
    Wie ist denn die Rechtslage zum BER zu Stande gekommen?
    Wenn Gesetze in den einzelnen Gremien eingebracht wurden, können dazu auch neue Gesetze folgen. Allein, so scheint mir, fehlt vielen Parlamentariern der Wille und der Mut für Veränderungen einzutreten. Lieber versemmeln die Exekutiven weiterhin viel Geld, welches nicht ihres ist, sondern nur anvertrautes, als Fehler und Irrtümer einzugestehen und Konsequenzen zu ziehen. Wenn all die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder mit ihrem Privatvermögen haften würden, wäre mit dem BER schon längst Schluß.
    Herr Steppenwolf, Sie sollten sich öffentlich outen und Ihre Kommentare auch so publik machen.
    Schönen Gruß.

  5. 33.

    Für dieses Prestigeobjekt ist Geld ohne Ende da, ein Skandal! Wieviele Schulneubauten hätte Berlin damit finanzieren können?! Bildung an oberster Stelle? Mitnichten.

  6. 32.

    Das 8. Weltwunder..... Wenn es fertig ist ;)

  7. 30.

    Sehr toller Vorschlag, vor allem so durchdacht;-)
    Sie bezahlen dann die Kredite, die bei der Umwidmung zu einem Messegelände fällig werden.
    Wenn sie ca. 3-4 Mrd. Euro übrig haben, nur zu.
    Der Flughafen in Sperenberg wird dann in ca. 10-15 Jahren zu nutzen sein, nach Planfeststellungsverfahren, Verfahren zur Festlegung der Flugrouten, Umweltverträglichkeitsprüfung und den darauf folgenden Beschreitungen des Rechtsweges durch diverse Bürger.....
    Vielleicht werden es doch 15-20 Jahre:-)
    Falls jetzt wieder das populistische Gefasel ala "lasst das doch die Chinesen machen" kommen sollte, auch chinesische Investoren müssten sich an das deutsche Recht halten, was auch ein Glück ist, weil sie einmal in China versuchen sollten, Entschädigungen für Umsiedlungen, oder Lärmschutz durchzusetzen;-)
    Von Bürgerbeteiligung haben diese bestimmt auch viel gehört!

  8. 29.

    Der von der Größe vergleichbare Flughafen in Athen wurde von Deutschen Firmen gebaut und hat 2 Mrd. gekostet, also fast ein Viertel, Bauzeit 4 Jahre, warum klappt das in Berlin nicht?

  9. 28.

    Ursache für viele der dargestellten Probleme ist die aus politischen (und sachfremden)Erwägungen getroffene Wahl des Standortes Schönefeld, der laut Raumordnugsverfahren vollkommen ungeeignet war und ist.
    Ich schlage vor, in Schönefeld ein (verkehrstechnisch gut angeschlossenes ) Messegelände zu errichten. Für einen Flughafen gab es laut Raumordnungsverfahren zumindest vor einigen Jahren einen geeigneteren Standort in Sperenberg. Wenn jetzt noch unsere Verpflichtungen der Klimakonferenz von Paris und die Klimaschädigungen durch den Flugverkehr in die Planungen einbezogen werden, sollte/muss ein kleiner Flughafen vor den Toren Berlins ausreichen.

  10. 27.

    Das lese ich alle paar Monate !!

  11. 26.

    Erklären Sie doch einmal, welche Gesetze in welcher Form aufgehoben werden können!
    Vor allem erklären Sie, wie Berliner Politiker Bundesgesetze aufheben könnten, um die es z.B. im Lärmschutz geht.
    Auf eine Antwort würde ich mich freuen;-)
    Wenn ein renomierter Verwaltungsrechtler wie Stefan Paetow in seinem letzten Gutachten zu dem Schluss kommt, dass z.B. Tegel und der BER nicht gleichzeitig länger als 6 Monate betrieben werden können, weil die drei Gesellschafter dem zustimmen müssten, würde ich gerne erfahren, welche Gesetze "einfach aufgehoben" werden können.
    Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem man nicht einfach Gesetze aufheben kann!

  12. 25.

    Wäre es nicht billiger ihn abzureißen und es dann anderen planen und bauen zu lassen? Das Projekt ist ja wie ein Fass ohne Boden!

  13. 24.

    Haben diese Eliten noch eine ethische Moral??? oder überhaupt eine Verantwortung??? sie haben das Gelübde geleistet! darum natürlich...

  14. 23.

    Wo sind eigentlich all die tüchtigen Helferlein geblieben ?

    Ich erinnere mich z.B. an Namen wie Wowereit, Ramsauer, Merkel
    und ganz viele andere, die hinter diesem "Projekt" stehen.

    Alle sind sie untergetaucht und das Volk staunt und bezahlt diesen
    Dreck und diese Leute.

  15. 22.

    Einfach abreißen!

  16. 21.

    Ich glaube das neue Terminal in Frankfurt wird früher fertig als der BER. In Frankfurt planen und bauen Profis und in Berlin arrogante und überhebliche Politiker die in ihrem Leben noch nie so etwas getan haben.
    Aber die Profil die man dann holt werden auf das Abstellgleis geschoben weil sie der Politik ihr Fehlversagen aufgezeigt haben.
    Und bezahlen darf das alles der Bürger. Für die wichtigen Projekte in unserem Lande fehlt deswegen halt das Geld.
    In der Schule hat man früher dazu gesagt: 6 setzen.
    Danke liebe Politiker für eure großartige Leistung.

  17. 20.

    Bis der Pannenflughafen eröffnet wird, gibt es keine Flugzeuge mehr, sondern wir beamen uns von einem zum anderen Ort. Aber soweit denken die Quereinsteiger in der Verantwortung beim BER nicht!

  18. 19.

    Nun, Sie schreiben von 1,5 Mrd DM. Das schreiben eigendlich nur Ewiggestrige, zumal es sachlich falsch ist: Rechnet man die normale Inflation mit ein, sind es wieder "nur" 700.000 DM.

  19. 18.

    Schön: der BER wird billiger als geplant.
    Ach nee: er wird vielleicht nicht teurer als befürchtet.
    Na dann müssen aber sofort ordentlich Boni an die Manager ausgeschüttet werden.

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