Helm mit der Aufschrift "BER" auf der Flughafen-Baustelle (Quelle: imago/Christian Ditsch)
Video: Abendschau | 28.02.2018 | Thomas Bittner | Bild: imago stock&people

Flughafengesellschaft in Finanznöten - Jetzt sollen private Unternehmen den BER mit ausbauen

Berlin will keine weiteren Steuergelder für den BER ausgeben. Deshalb setzt der Flughafen jetzt auf private Investoren. Mietkauf ist das Stichwort der Stunde. Damit würde der Flughafen zwar auch belastet - aber eben erst später, sagt Flughafenchef Lütke Daldrup.

Die Betreiber des Flughafen BER wollen sich beim künftigen Ausbau privat unterstützen lassen. Das geplante Terminal 2 soll nach der geplanten Eröffnung des Flughafens 2020 als Mietkauf- oder Leasingobjekt gebaut werden, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Mittwoch im noch unfertigen Terminal 1. "Das ist keine Privatisierung. Aber es würde die Finanzlast ein Stück weit in die Zukunft transferieren." Das Unternehmen reagiert damit darauf, dass die öffentliche Hand möglichst kein Geld in den Ausbau des Flughafens stecken will.

Terminal 2 soll im nächsten Jahrzehnt gegenüber dem ersten Abfertigungsgebäude entstehen. Dafür soll eine eigene Projektgesellschaft gegründet werden.

Der Finanzrahmen für den BER sieht bis 2020 rund 6,5 Milliarden Euro vor. Nach dem neuen Businessplan braucht das Unternehmen danach aber 770 Millionen Euro zusätzlich. Dieser Betrag sinke durch Mietkauf oder Leasing des neuen Terminals um 220 bis 270 Millionen Euro, hieß es nun von der Flughafengesellschaft.

Länder und Bund bürgen für Kredite

Bei Mietkauf-Modellen können gemietete Objekte innerhalb einer bestimmten Frist und zu einem vorher vereinbarten Preis gekauft werden. Lütke Daldrup sagte, auf lange Sicht werde das neue Terminal damit zwar etwa 100 Millionen Euro teurer - aber das Geld müsse nicht jetzt von der öffentlichen Hand aufgebracht werden, sondern erst nach 2025 durch die Flughafengesellschaft. Und die sei dann wieder flüssig.

Auch zur Finanzierung der verbleibenden 500 Millionen Mehrbedarfs machte der Flughafenchef einen Vorschlag: 400 Millionen könne sich die Flughafengesellschaft von Banken leihen, so der Plan. 100 Millionen müsse die öffentliche Hand beisteuern.

Um den 400-Millionen-Kredit abzusichern, benötige die Gesellschaft allerdings auch eine Bürgschaft der Gesellschafter - also des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg. Die drei sollen nach den Vorstellungen des Flughafenchefs für 80 Prozent der 400 Millionen bürgen.

Czaja: Finale Bankrotterklärung

 Der Fraktionsvorsitzende der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, kritisierte den neuen Finanzierungsplan scharf. Der Vorstoß sei die "finale Bankrotterklärung" an den BER und einen funktionierenden Luftverkehrsstandort, erklärte Czaja: "Jahrelang wurden auf Steuerzahler-Kosten gedankenlos Milliarden verbrannt, um schließlich das eigene Scheitern durch die zuvor immer verteufelte Privatisierung irgendwie zu verhindern."

2020 soll der BER ganz, ganz sicher eröffnen

Der neue Flughafen soll nach dem neuesten Zeitplan im Oktober 2020 an den Start gehen - mit dann neun Jahren Verspätung. Baumängel, Planungsfehler und Technikprobleme ließen zahlreiche Eröffnungstermine Makulatur werden.

"Wir haben uns dieses Mal vorgenommen, den Termin auch wirklich einzuhalten", sagte Lütke Daldrup. "Wir haben uns mit den Risiken fast bis zum Erbrechen beschäftigt." Zudem enthalte der Zeitplan noch Puffer.

Brandschutzvorrichtungen sorgen weiter für Kummer

Die Bauarbeiten sollten in diesem Jahr abgeschlossen werden, bekräftigte er und widersprach damit Berichten über neue Verzögerungen. Einzelne Prüfungen zögen sich aber bis ins erste Quartal 2019.

Im vergangenen Jahr war das Projekt wieder in Verzug geraten, weil sich Brandschutztüren nicht vollständig elektronisch steuern ließen und in einem Teil der Sprinklerleitungen der Wasserdruck zu gering war. Die Türen seien nun nahezu fertig, auch die hydraulischen Berechnungen für die Sprinkler seien abgeschlossen, sagte Lütke Daldrup. Bis Mai würden betroffene Leitungen noch umgebaut, dann müssten noch einige Monate lang Mängel beseitigt werden.

Allerdings musste nach rbb-Informationen die ÜSSPS - die "Übergeordnete Sicherheitsgerichtete Speicherprogrammierbare Steuerung" - neu aufgesetzt werden, weil durch die vielen Nachbesserungen das System zu kompliziert geworden war.

Sendung: Abendschau, 28.02.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Unglaublich was man noch alles unternehmen will, um die Finanzsituation um den BER noch aufrecht zu erhalten. Da kommt man mit der "Wikki Idee" und möchte einen Privatinvestor anlocken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dafür jemand finden lässt, der in das Pleite/Pech/Pannenprojekt investieren will. Der Termin zum Oktober 2020 wird natürlich auch wieder platzen, welches dann zur Folge hat, dass zunächst das Schallschutzprogramm gestoppt wird, Tegel natürlich weiter laufen muss und zum Schluss erst jetzt die Erkenntnis hat, dass man doch lieber einen Großflughafen in Teltow-Fläming hätte bauen sollen. Das gute am Oktober 2020 ist, dass bei der Bekanntgabe der Verschiebung/Stilllegung des BBI, die Grundstückspreise im Nahbereich ganz schnell steigen werden. Das schlechte bis Oktober 2020 ist, dass bis dahin weiter Millionen verschwendet werden und keine Person dafür zur Rechenschaft gezogen wird.

  2. 3.

    find ich gut---Zitat:
    "Wir haben uns dieses Mal vorgenommen, den Termin auch wirklich einzuhalten", sagte Lütke Daldrup.
    "Wir haben uns mit den Risiken fast bis zum Erbrechen beschäftigt."
    Zudem enthalte der Zeitplan noch Puffer.

    1. langsam wirklich zum Ko------
    2. was für Puffer ? Kartoffelpuffer o.ä. ?

  3. 2.

    Die größenwahnsinnige Berliner Verwaltung hat geglaubt, sie könne die Arbeiten selbst koordinieren. Wowereit und der MP von Brandenburg sind für diesen Flop verantwortlich!

  4. 1.

    Ich lach mich tot - das wird nie was, wie immer.

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