Anzeigetafeln BER mit fiktiven Flügen im Jahr 2013 (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Inforadio | 15.03.2018 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Bernd Settnik

Lebensdauer ungenutzt überschritten - Am BER werden Monitore für 500.000 Euro ausgetauscht

Es hat schon fast Symbolcharakter: Im noch nicht eröffneten Terminal des BER sind schon Monitore ausgebrannt, obwohl dort noch kein Flug abgefertigt wurde. Im Abgeordnetenhaus bietet der Flughafen am Donnerstag derweil Stoff für scharfe Worte.

Noch bevor der neue Flughafen BER eröffnet wird, müssen 750 Industriemonitore weggeworfen und ausgetauscht werden. Im Jahr 2012 waren sie vor der damals geplanten Eröffnung im Hauptterminal eingebaut worden. Mittlerweile hätten sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, sagte Flughafensprecher Hannes Stefan Hönemann am Donnerstag. Demnach seien sie sechs Jahre lang mit der allgemeinen Stromversorgung in dem Gebäude mitgelaufen. Etwa einhundert Bildschirme seien noch funktionstüchtig und sollten künftig in den alten Flughäfen Tegel und Schönefeld eingesetzt werden. Die übrigen würden entsorgt. Der Austausch werde etwa 500.000 Euro kosten.

Zweifel am Eröffnungstermin

Nach sechs geplatzten Eröffnungsterminen soll der Flughafen nun im Oktober 2020 in Betrieb gehen. Externe Fachleute äußerten im Abgeordnetenhaus allerdings deutliche Zweifel. Der Ingenieur Dieter Faulenbach da Costa erklärte, wegen des geplanten Ausbaus nach dem BER-Start müsse der Brandschutz in Teilen umkonzipiert werden - auch weil dann mehr Fluggäste mit der Bahn anreisen sollen als bislang geplant.

"Der Masterplan führt dazu, dass die Inbetriebnahme 2020 unwahrscheinlich wird und Tegel offen gehalten muss", folgerte da Costa im Beteiligungsausschuss. Zudem müsse sofort eine dritte Start- und Landebahn gebaut werden, um die steigenden Passagierzahlen zu bewältigen. Auch der Risikomanagement-Berater Peter Hess weckte im Ausschuss Zweifel am Eröffnungstermin. Die Gesamtkosten würden seiner Rechnung nach über zwölf Milliarden Euro betragen.

Lütke Daldrup bezeichnet Kritik als "Unsinn"

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bezeichnete die Äußerungen merklich verärgert als "Unsinn" und "Wolkenkuckucksheime" von Außenstehenden. Weder Hess noch Faulenbach da Costa hätten Einblicke in die realen Abläufe. So werde etwa die problematische Sprinkleranlage noch in diesem Jahr fertig, mit der zuständigen Firma habe man sich bereits geeinigt. Das Gleiche gelte für andere Baustellen am BER - bis auf das Kabelwerk, da werde man erst im kommenden Jahr fertig. Aber die Eröffnung Ende 2020 sei machbar, inklusive dem Terminal 1. Einen zweistelligen Milliardenbetrag werde das auch nicht kosten, sondern etwa "fünf Milliarden Euro".

"Da haben manche den Schuss noch nicht gehört"

Die letzte Genehmigung für Umbauten am Übergang vom Bahnhof zum Terminal werde für das Frühjahr erwartet. Dann könnten dort jährlich 90 Millionen Menschen an- und abreisen. Der Masterplan sieht vor, den Flughafen je nach Bedarf bis 2040 so auszubauen, dass er eine Kapazität von rund 55 Millionen Fluggäste erreiche.

In der Anhörung fehlte die Baufirma Caverion, die die Sprinkleranlage umbaut, damit genug Löschwasser fließt, wenn es brennt. "Die Firma Caverion ist trotz Einladung nicht gekommen", kritisierte Ausschusschef Jörg Stroedter (SPD). "Da haben manche offensichtlich den Schuss noch nicht gehört."

Caverion und die Flughafengesellschaft hatten sich im Dezember geeinigt, die Sprinkleranlage bis August 2018 fertigzustellen. Lütke Daldrup sagte, dies verzögere sich bis Jahresende. Er betonte gleichwohl, er sei zufrieden mit den Leistungen der Firma. Lütke Daldrup kündigte an, über ähnliche Vereinbarungen wie mit Caverion im nächsten Monat mit den Baufirmen Siemens und ROM zu verhandeln.

Ein Besuch im BER

Kommentar

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24 Kommentare

  1. 24.

    10 Jahre lang (bis 2008) sammelte ich am Recyclinghof in Schorndorf für eine staatliche Schule im
    Welzheimer Wald Computer... , bis dies vom Recyclinghof-Betreiber untersagt wurde und die Schule
    seltsamerweise gleichzeitig absolutes Desinteresse für weiteres Sammmeln, Austesten... zeigte.
    Welche Interessen bei solchem Verhalten (ua bezüglich Wiederverwertung) hineinspielen, kann man nur
    erahnen. --
    Im BERliner Fall soll es sich um Industriemonitore handeln, die nicht über Standardanschlüsse verfügen.
    Für Otto-Normal-User wäre dies vermutlich nicht so leicht (bzw kostengünstig) in den Griff zu bekommen
    wie für die damalige Computer-AG der Werkrealschule.

  2. 23.

    Es gibt Leute in Deutschland, die so wenig verdienen, dass sie monatelang für einen Monitor oder Fernseher sparen müssen. Und hier wirft der Staat mal kurz 750 Bildschirme weg. Geräte, die nie genutzt worden sind, im Wert von 500.000 Euro. Andere Leute können sich solche Geräte gar nicht leisten.

    Aber uns geht es in Deutschland ja gar nicht so schlecht. Hartz IV ist ja angeblich halb so schlimm, meinte der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gerade erst. Da kann man schon mal 500.000 Euro sinnlos wegwerfen. Wir haben es ja reichlich.

  3. 22.

    Um den Tower machen Sie sich mal keine Sorgen. Der ist im aktiven Betrieb und wird mit Sicherheit bei Bedarf auf dem aktuellen Stand gehalten.

  4. 21.

    nee, oder ? das ist ja schon echt ein Treppenwitz ... wann hört die Steuerverschwendung endlich auf ?

  5. 20.

    Das ist sicherlich erst der Anfang im Tauschen von elektronischen Bauteilen. Da wird sich noch mehr finden.
    Ich möchte nicht wissen, wie es mit der Technik im Tower aussieht.
    Bis der BER fertig ist, wird es keine Flieger mehr geben.

  6. 18.

    Wann hört diese Verschwendung von Steuergeldern endlich auf und wann haftet der erste Verantwortliche
    mal mit seinem Privatvermögen????

  7. 17.

    Kann man da einen Monitore irgendwo kaufen.
    So'n Teil hätte ich gern !!!!!!!

  8. 15.

    Das ist echt zuviel. Kann die Justiz sich jetzt einmal der sogenannten Baustelle BER annehmen? Es ist unverantwortlich sorglos, 6 Jahre irgendwelche Monitore laufen zu lassen, auf denen absolut NICHTS zu sehen ist ausser dem Testbild. Lassen diese Ressourcenverschwender etwa auch 6 Jahre lang das Wasser auf dem Klo laufen? Würde mich auch nicht wundern. Es ist so bitter, in Deutschland solch ein Denkmal des Versagens errichtet zu haben.

  9. 14.

    So wie der BER vergeigt wurde,scheint es weiterzugehen.der Austausch der Monitore ist kommpletter Unsinn,ich kann mir nicht vorstellen,das dort noch Röhrenmonitore verbaut sind,wo Bilder sich einbrennen,LCD-Monitore halten fast unbegrenzt.sollte es dazu kommen,sehe ich das wieder mal die Inkompetenz gewonnen hat,Gute Nacht Deutschland,so sägen wir an dem Ast auf dem wir sitzen!

  10. 13.

    Das ist, als würde man am Wochenende ein Tiramisu machen wollen und schlägt am Montag schonmal sechs Eier auf und stellt sie in die Sonne. Am Mittwoch stellt man fest, dass die Eier irgendwie doof riechen und haut die nächsten sechs in den Becher. Da weiß man natürlich schon, dass es das Tiramisu erst am Wochenende darauf geben soll.

    Mich würde interessieren, wer solche Ausgaben abzeichnet. Ein Abteilungsleiter, der Flughafenchef? Wer kontrolliert die Sinnhaftigkeit solcher Investitionen?

  11. 12.

    500.000 Euro sind z.B. ca. 20 Wohnungen (im damaligen Verkaufswert der GSW Wohnungen), welche einfach so sozusagen verdampft sind. Also, die GSW Wohnungen gibt es noch und irgendwer hat Umsatz mit Verkauf von Monitoren. Aber nur mal zu Verdeutlichung, dass wenn man z.B. 20 Wohnungen z.B. über Einkommensschwache-Rentner-Lotto verschenkt hätte und beim BER-Bau(vorhaben) besser gewirtschaftet hätte, dann wäre man in dem Zusammenhang der 500.000 Euro bzg. öff. Kasse bei Null bzw. hätte sogar mehr in Kasse weil man den 20 Rentnern nicht (Teil der) Miete über z.B. Wohngeld gezahlt hätte. Und diese 20 Rentner hätten mehr von Rente gehabt (und sich mit solchem z.B. neue Fernseher gekauft), und/oder (mit Verwalter) vermietet während auf Reisen (mit Rente und auch Mieteinkommen), oder verkauft und sich Häusle mit Garten z.B. in Brandenburg gekauft (und im Fall von Vermietung mit langzeitiger Reise oder Verkauf mit Wegzug, auch weniger Bedarf an örtlichen Wohnmöglichkeiten).

  12. 11.

    Nach das nenne ich mal nachhaltig und ressourcenschonend!
    750 große Industriemonitore (ich bezweifel stark, dass der Austausch "nur" 500.000€ kosten soll), werden entsorgt! Und ich überlege, ob ich mein acht Jahre altes Smartphone behalten soll. Was ist eigentlich mit den ganzen Computern auf dem BER. Da läuft doch bestimmt noch überall Windows xp drauf, welches ja schon lange nicht mehr unterstützt wird. Diese Nachricht kommt dann sicherlich in vier Wochen. Kostet dann vermutlich wieder "nur" 500.000€. Häppchenweise hört's sich einfach besser an...

  13. 10.

    Nach sechs geplatzten Eröffnungsterminen soll der Flughafen nun im Oktober 2020 in Betrieb gehen( steht hier im Text)!
    Alles klar! Wer das glaubt wird selig! Eher glaube ich an den Weihnachtsmann!
    Ich würde jetzt keine neue Monitore austauchen! Nicht, das in ein paar Jahren, dann mit diesen neuen 750 Industriemonitore das Selbe geschieht, wie jetzt die jetzigen!
    Ist ja nicht ausgeschlossen, daß der Flughafen überhaupt mal öffnet! Man weiß ja bei diesem BER-Flughafen nie!
    Wird wirklich immer mehr zur Lachnummer!

  14. 9.

    Kenne zwar diese Satire nicht, da ich mit Facebook nichts am Hut habe. Glaube allerdings auch, das es schon damals einige sehr Schlaue erfasst haben, wie leicht es ist, sich mit Bundesgeldern die eigenen Taschen vollstopfen zu lassen. Ergebnis sieht man ja.

  15. 8.

    Hauptsache die Managergehälter kommen schön lange rein, ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

  16. 7.

    nächster Schritt :
    Austausch des gesanten Fluhafengebäudes--------------

  17. 6.

    Naja eine Sammelaktion täte es auch um Geld zu sparen:-) Mein über 10 Jahre alter Plasma Ferseher läuft und läuft und läuft immer noch einwandfrei. Können die ja haben, wenn Sie ihn selber abholen kommen:-)

  18. 5.

    Gerade, wenn man denkt, in Bezug auf BER kann einen nichts mehr schrecken, setzen diese Geldverbrenner noch einen drauf. Ich kann mir keine Erklärung vorstellen, warum die Dinger haben an bleiben müssen - wenn jemand eine hat, ich lass mich gerne eines Besseren belehren.

    Aber allein die Stromverschwendung lässt mir alle Nackenhaare sträuben. Absolut peinlich, unwürdig, erbärmlich, was mit diesem Flughafen abgeht, bzw. eben nicht.

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