Piktogramme an einer Scheibe vor dem Terminal des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) am 09.03.2018. (Foto: dpa/Patrick Pleul)
Video: Abendschau | 13.07.2018 | Dorit Knieling & Boris Hermel | Bild: dpa-Zentralbild

Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats - Entscheidung über Finanzplan für BER-Ausbau vertagt

Wenn der BER im Jahr 2020 eröffnet ist, wird er bereits zu klein sein. Daher soll die  Kapazität des Flughafens bis 2040 auf 58 Millionen Fluggäste nahezu verdoppelt werden. Die Finanzierung ist allerdings weiter unklar. Und es gibt Gegenwind für die Pläne.

Auch nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) am Freitag ist weiter unklar, wie der Ausbau des BER nach seiner Eröffnung finanziert werden soll. Das Gremium vertagte einen Beschluss zum Finanzkonzept für die Jahre 2020 bis 2022. Dabei geht es um weitere Darlehen in Höhe von 508 Millionen Euro, die für diesen Zeitraum gebraucht werden.

Geplant ist, die Kapazität des BER im Rahmen eines "Masterplans" bis zum Jahr 2040 auf bis zu 58 Millionen Passagiere zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, soll eigens ein Bau-Geschäftsführer eingestellt werden. Weitere Informationen dazu gab es am Freitag allerdings nicht.

Klage gegen BER-Ausbau angekündigt

Schon jetzt gibt es Widerstand gegen den geplanten Ausbau: Die Schutzgemeinschaft der Umlandgemeinden will dagegen klagen, wie der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier (SPD), dem rbb am Freitag sagte. "Wenn man glaubt, einen solchen 'Masterplan' zu brauchen, dann muss man das Planungsrecht und die geltenden Rechtsnormen in Brandenburg einhalten", führte Baier im Inforadio aus. Genehmigt seien lediglich 35 Millionen Passagiere. Darüber hinaus dürfe es ohne neuen Planfeststellungsbeschluss keine weiteren Planungen für ein höheres Passagieraufkommen geben.

Flughafengesellschaft: Änderungsanträge reichen

Gibt ein Gericht den Klägern recht, könnte sich der Bau der Erweiterungsterminals noch einmal um mehrere Jahre verzögern. Und am Ende könnte womöglich stehen, dass der BER zwar eröffnet ist, aber keine Erweiterungen möglich sind - und die Kapazität nicht ausreicht.

Flughafenchef Lütke Daldrup reagierte am Freitag gelassen. Man brauche keine Planfeststellungsverfahren für die Erweiterungsbauten im "Masterplan 2040". Denn es handele sich lediglich um den Bau neuer Gebäude auf einer ohnehin versiegelten und festgestellten Flughafenfläche. Dafür genügten einfache Planänderungsanträge. Das habe auch die Obere Luftfahrtbehörde so bestätigt, hieß es von Seiten der Flughafengesellschaft.

Patrick Muller, Betriebsleiter für die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld (Foto: privat)
Patrick Muller, neuer Betriebsleiter für Tegel und Schönefeld | Bild: privat

Neuer Betriebsleiter für Tegel und Schönefeld

Der Aufsichtsrat traf am Freitag eine wichtige Personalentscheidung: Der selbstständige Berater und Planer Patrick Muller übernimmt ab sofort den Posten des Betriebsleiters für die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, wie die FBB mitteilte.

Sein Vorgänger Elmar Kleinert war Anfang Juli als Geschäftsführer zum Flughafen Bremen gegangen. Muller leitete 2005 und 2006 den Flugbetrieb in London-Heathrow. Von 2010 bis 2014 war er Geschäftsführer Operations an den Airports Doha und Hamad.

Wie der Berliner Flughafenchef Lütke Daldrup sagte, wird es die Hauptaufgabe Mullers sein, den Probebetrieb am BER sowie seine Eröffnung im Oktober 2020 zu begleiten und einen guten Flugbetrieb in Tegel und Schönefeld aufrechtzuerhalten.

Beteiligung an Ausbaukosten noch unklar

Über die Finanzierung nach 2020 soll laut Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider nochmals in der nächsten Sitzung des Gremiums am 31. August beraten werden.

Der Finanzrahmen für den BER liegt aktuell bei rund 6,5 Milliarden Euro - beim ersten Spatenstich 2006 war noch von zwei Milliarden Euro die Rede gewesen. Planungsfehler, Baumängel und geplatzte Eröffnungstermine, aber auch Erweiterungen des Projekts sowie der Schallschutz trieben die Kosten jedoch in die Höhe. Bund und Länder haben bislang rund 2,7 Milliarden Euro zugeschossen. Sie bürgen zudem für die Kredite in Höhe von insgesamt 3,5 Milliarden Euro.

Jetzt sollen nochmals 508 Millionen an Darlehen für die Jahre nach der Eröffnung hinzukommen, damit der Flughafen ausgebaut werden kann. Der Bundestag hat 132 Millionen Euro bereits freigegeben. Die beiden anderen Gesellschafter, die Länder Berlin und Brandenburg, haben noch nicht entschieden, ob und wie sie sich beteiligen werden.

Bretschneider sagte: "Wir haben ein schlüssiges Konzept, das aber der Bestätigung vieler Beteiligter bedarf." Er sei "guter Hoffnung", dieses Konzept der Öffentlichkeit am 31. August vorstellen zu können.

Kosten für das "Low-Cost-Terminal" steigen

Bei der Aufsichtsratssitzung ging es außerdem um das Terminal T2, den ersten Erweiterungsbau des BER. Lütke Daldrup kündigte an, im September solle der Rohbau beginnen. Wenn alles gut laufe, könnte es zusammen mit dem Hauptgebäude im Herbst 2020 eröffnet werden. Darauf festlegen wollte sich der Flughafenchef aber nicht, da es beim Bau immer Risiken gebe. Geplant ist ein "Low-Cost-Terminal T2", das betont einfach und schlicht gehalten werden soll.  

Trotzdem dürfte T2 deutlich teurer werden als die bisher von der Flughafengesellschaft veranschlagten 100 Millionen Euro. Für den Bauauftrag habe der Aufsichtsrat den Finanzrahmen auf 200 Millionen Euro verdoppelt, so Lütke Daldrup. Dies habe man gemacht, um auf jeden Fall einen Bauunternehmer für das Projekt zu bekommen, so der Flughafenchef. Es sei "kein Indiz darauf, was es am Ende kosten wird". Ein Grund für die Verteuerung sind die gestiegenen Baupreise.

Der Termin für die Inbetriebnahme von T2 solle im kommende Jahr genannt werden, erklärte Lütke Daldrup. Die Planung und die Genehmigung seien fast komplett fertig. T2 soll eine Kapazität von sechs Millionen Passagieren jährlich haben.

Beim Zeitplan bis zur geplanten BER-Eröffnung habe es in den vergangenen zwei bis drei Monaten "eine deutliche Stabilisierung" gegeben, sagte der Flughafenchef am Freitag. Dank des erkennbaren Baufortschritts stehe der Termin Oktober 2020 "weiterhin auf soliden Füßen".

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.07.2018, 13.00 Uhr  

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    Man will sich noch nicht festlegen...man ist guter Hoffnung...man hofft, einen Generalunternehmer zu bekommen. Hört sich nicht wirklich überzeugend an. Aber was solls....jetzt wird solange gewurschtelt, gemauschelt und Geld reingepumt, bis ....ja bis?? Bis ein echt kleiner Haupstadt-Flughafen fertig ist. Dann wird die Eröffnung pompös gefeiert....und alle Verantwortlichen bewundern sich gegenseitig.

  2. 18.

    Lieber Herr oder liebe Frau Franz! Und wo wohnen Sie? Ich hoffe doch direkt neben einer Müllkippe und neben einer Eisenbahnlinie sowie einem Autobahnzubringer fünf Kilometer von einem Großflughafen entfernt! Und dann bitte viel Spaß beim Aushalten! Denn irgendwer muss das ja alles aushalten. Warum nicht Sie? Und das blöde Gequatsche „Alle produzieren Müll, wollen Bahn fahren und auf die Autobahn zum Losfliegen, aber keiner will die Müllkippe, die Bahnstrecke, die Autobahn und den Großflughafen. So geht das aber nicht!“ bekommen Sie dann noch gratis auf die Ohren. Von allen unbetroffenen Schlau-Schwätzern! Die immer wen anderen für die Belastungen im Blick haben und nie sich selbst!!!

  3. 17.

    Bach wie vor ist und bleibt der ganze Bau eine Verschwendung von Geldern, die man man besser hätte anlegen können, zum Beispiel in Bildungsangebote für die Jugend.
    Wie aufgedeckt wurde, konnten die verantwortlichen Ingenieure und Bauleiter der unterschiedlichen Gewerke auf Grund der vielen Subunternehmer nicht in einer Sprache niteinander kommunizieren. Das sind also Fehler der Verantwortlichen, wobei man diese leider nicht zur Verantwortung zieht. Das ist bei kleineren Unternehmen durchaus anders und zeigt die Prioritäten unsetes Landes ganz deutlich.

  4. 16.

    Komisch, einige "Flughafenexperten", wie Herr Faulenbach da Costa, haben vor einigen Jahren sich noch beschwert, dass der Flughafen BER mit prognostizierter Passagierkapazität von 22 Mio Passagieren viel zu groß geplant wurde.
    Das sind auch die "Experten", die heute lautstark protestieren, dass der BER angeblich zu klein sei.
    Man sollte immer auch sehen, in wessen Auftrag, Experten ihre Meinung von sich geben.

  5. 15.

    Was Sie schreiben ist vollkommen richtig. Der Bau des Flughafens wurde durch Stümperei und Rechtswidrigkeit der Politiker von Anfang an begleitet. Im Ergebnis des offiziellen Suchverfahrens zum Standort, Ende 1992 abgeschlossen, tritt Schönefeld überhaupt nicht auf. Als Standorte wurden empfohlen Sperenberg und Jüterborg-Ost zu prüfen.

    Rückblickend betrachtet war dieses offizielle Suchverfahren nur demokratischer Firlefanz, tatsächlich gehandelt wurde nach der schon vorher gelaufenen Mannesmann-Studie, Wissmann und Diepgen hatten in ihrer provinziellen Sicht der gewünschten "Berlin-Nähe" nur Schönefeld im Blick. Da wurde die offizielle Studie gar nicht abgewartet, schon 1991 wurde rund 100 Hektar Ackerland in Schönefeld zu überhöhten Preisen für insgesamt 200 Millionen Euro gekauft. Das daraus entstandene Baufeld Ost wird bis heute nicht durch den Flughafen genutzt.

  6. 14.

    Die komplette Standortentscheidung pro Schönefeld war für meine Begriffe ein Riesenschwindel.
    Die Vermutung liegt doch nahe, dass da seinerzeit ganz bewusst "zu klein" geplant wurde, nur um nicht etwa den Standort Sperenberg nehmen zu müssen (das hat mindestens die Berliner Taxi-Lobbyisten gefreut); beim Standort Sperenberg hätte es derart viele Anwohnerklagen überhaupt nicht gegeben, weil da viel weniger Menschen wohnen.
    M.E. wird Schönefeld immer in der Diskussion bleiben, und zwar unabhängig davon, wann bzw. ob der BER dort überhaupt jemals in Betrieb geht. Sehr peinlich das Ganze, aber die Politiker, die das verbockt haben, zahlen es ja nicht.....

  7. 12.

    Der BER bringt den Brandenburgern und Südberlinern das, was die Nordberliner, Reinickendorfer und Charlottenburger so an Tegel schätzen: Die kurze Anfahrt zum Flughafen!

  8. 11.

    Für die Brandenburger und Südberliner bringt der BER nur Lärm. Sonst gar nix. Null. Niente. Nada. Außer Spesen nix gewesen...

  9. 10.

    Wem wudert das? China hat auch keine Bewohner wie die Brandenburger, die zu blöde sind zu kapieren was der BER für die Tegion bringt!

  10. 9.

    Ich finde ein Flughafen ist keine Infrastruktur die jeder braucht. Es muss auch nicht jeder, zu jeder Zeit, überall in die Welt reisen können.

  11. 8.

    Ohne dieses sogenannte „größte Infrastrukturproject“ Brandenburgs gäbe es mehr Resourcen für die tatsächliche Infrastruktur in der Region. Für Bücken, Straßen, Radwege, Nahverkehr, ... oder ist hier alles bestens?!

  12. 7.

    Der Flughafen wird wohl nie eröffnet werden!!!!!

  13. 6.

    Das Flughafenchaos ruiniert die gesamte Region. Ein Schritt im Sinne des Schutzes der Anwohner und der Umwelt ist die Wachstumsblase zu beenden. Es braucht eine ausgleichende Definition der Begrenzung der Flüge: eine definierte Kapazitätsgrenze für Schönefeld und eine definierte Kapazitätsgrenze für den Weiterbetrieb von Tegel. So bleibt der Standort mit zwei Flughäfen attraktiv erreichbar. Der volkswirtschaftliche Schaden für die Region ist schon enorm durch Fehlinvestitionen in Einseitigkeiten der Flugbranche und Vernachlässigung der regionalen Infrastruktur. Gehälter für Fehlleistungen der Manager sind in Umweltschutz zu investieren. Die Politik vernachlässigt die regionale Entwicklung!

  14. 5.

    Alle wollen Infrastruktur nutzen (egal ob Flughäfen, Stromtrassen, etc.), aber keiner will sie vor der eigenen Haustür haben. Ob es wohl irgendwann mal in die Köpfe der Menschen geht, dass das so nicht funktioniert?

  15. 4.

    Bald wird der Flughafen eröffnet!
    In Peking...

  16. 3.

    So kann es für bestimmte Leute ewig weitergehen. Es werden neue Posten und Pöstchen kreiert, nur der BER wird trotzdem nicht fertig. Ein reiner Selbstbedienungsladen. Die Übergabe dieses Bauvorhabens an eine ausländische Baufirma, die darin Erfahrung hat, wäre hier sicherlich sinnvoll. Der BER ist doch nicht der erste Flughafen der Welt, der gebaut wird.

  17. 2.

    Chaos ohne Ende!

  18. 1.

    Ach Gottogott, es wird ja immer schlimmer.

    Hätte man bloß das Projekt BER einem kommerziellen Planungsunternehmer überlassen und die Politikstümper insbesondere aus Berlin und Brandenburg da nicht rangelassen.
    Die ganze Riege um Wowereit, Woide und Müller hat sich sehr schnell BER mäßig in die zweite Reihe verabschiedet und ihre Bürovorsteher eingesetzt.

    Wie kann man so einen Mann wie Kleinert in einem Monat gehen lassen, wer ist hier von den Politikern verantwortlich für dieses Desaster?

    Im selben Zeitraum der BER-Stümpergeschichte werden in China Flughäfen mit der zehnfachen Kapazität fertig.

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