Dunkle Regenwolken hängen über dem Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb Aktuell | 31.08.2018 | Bild: dpa/Patrick Pleul

Neuer Technikchef für Flughafen - BER ist laut Lütke Daldrup im Zeitplan

Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft hat sich am Freitag mit Bau- und Personalfragen beschäftigt. Ein neuer Technikchef für den BER wurde berufen - der fünfte seit 2012. Außerdem wurde verkündet: Die Arbeiten für die Eröffnung 2020 seien im Zeitplan.

Die Arbeiten für die geplante Eröffnung des BER in Berlin-Schönefeld im Oktober 2020 sind nach Darstellung der Betreiber im Zeitplan. "Die Fertigstellungsprozesse von Terminal 1 haben sich stabilisiert, und wir kommen auch bei den kritischen Gewerken gut voran", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag in Berlin nach einer Aufsichtsratssitzung.

Experten des TÜV seien in ihrer jüngsten Analyse zu einer ähnlichen Einschätzung über den Baufortschritt gekommen wie die Geschäftsführung. Er rechne damit, dass die Funktionsprüfungen sämtlicher Anlagen im simulierten Praxisbetrieb im Mai oder Juni nächsten Jahres beginnen können, sagte Lütke Daldrup. Wegen schwerwiegender Technikprobleme im Hauptgebäude musste die BER-Inbetriebnahme mehrmals verschoben werden.

Der Aufsichtsrat verlängerte bei seiner Sitzung den Vertrag mit Lütke Daldrup bis März 2021 - also ein halbes Jahr über die geplante Eröffnung hinaus.

Portraitaufnahme von Carsten Wilmsen (Bild: Flughafen München)
Carsten Wilmsen | Bild: Flughafen München

Carsten Wilmsen wird neuer Technikchef

Eine weitere Personalentscheidung wurde am Freitag verkündet: Auf der Baustelle des Flughafens BER gibt es demnächst einen neuen Technikchef. Der Bauingenieur Carsten Wilmsen aus München wurde zum Betriebsleiter Bau und Technik der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg berufen, wie das Unternehmen mitteilte. Der Aufsichtsrat habe einem entsprechenden Vorschlag von Flughafenchef Lütke Daldrup zugestimmt.

Ab November wird der 50 Jahre alte Wilmsen den bisherigen Technikchef Jörg Marks ablösen, der um eine Vertragsauflösung gebeten hatte. Wilmsen solle den Masterplan für den Ausbau des BER bis zum Jahr 2040 umsetzen, hieß es. Er ist bereits der fünfte Technikchef seit dem geplatzten Start des BER im Juni 2012.

Wilmsen ist der Wunschkandidat von Lütke Daldrup, der konnte den neuen Technikchef allerdings erst im zweiten Anlauf im Aufsichtsrat durchsetzen. Eigentlich sollte Wilmsen auch vierter Geschäftsführer werden, doch da haben die Arbeitnehmervertreter ihr Veto eingelegt.

Noch managt Wilmsen die Immobilien am Flughafen München, was er bis 2011 auch am Hamburger Flughafen gemacht hat. Zum Aufgabengebiet gehörte jeweils auch der Bau. In  München arbeitete er etwa an zusätzlichen Büros, Geschäften und Konferenzflächen, um dem Flughafen weitere Einnahmequellen zu erschließen.

Immer noch Probleme mit der Kabelage

Das größte Problem bei der Fertigstellung des Flughafens ist die Kabelage. Die Kabel sind immer noch teilweise nicht richtig verlegt, es fehlen QR-Codes, um die Kabel zu identifizieren. Meldungen, wonach 35 Kilometer Kabel noch nicht verlegt seien, wies der Flughafenchef allerdings zurück. Die zuständige Firma ROM sei viel weiter. Bis März 2019 soll sie die Probleme in den Griff bekommen, sagte Lütke Daldrup.

Schon nach der geplatzten Eröffnung im Jahr 2012 mussten Dutzende Kilometer Strom- und Datenkabel herausgerissen und neu verlegt werden, weil in der Hektik zuvor häufig planlos gebaut worden war. Bei diesem Thema sei wirklich höchste Aufmerksamkeit geboten, bestätigte ein Mitglied des Aufsichtsrates. Das Gremium hatte deswegen Spezialisten des TÜV zur Sitzung am Freitag eingeladen. 

Berlin und Brandenburg wollen Nägel mit Köpfen sehen

Bei dem Treffen ging es ferner um ein Finanzierungskonzept für den Ausbau des Flughafens. Seit Monaten tut sich der Aufsichtsrat schwer, eine Gesamtfinanzierung für den inzwischen 6,5 Milliarden Euro teuren BER hinzubekommen. Seit Januar wurde das Thema immer wieder vertagt. Besonders Flughafen-Miteigentümer Brandenburg sträubt sich, einen bereits bestehenden Kredit in Höhe von 1,1 Milliarden Euro umzuwidmen, damit die Flughafengesellschaft auf der Baustelle flüssig bleibt. Eigentlich ist das Geld für den späteren Ausbau des BER vorgesehen.

Fest steht auch, dass das Gesamtprojekt noch einmal um rund 500 Millionen Euro teurer wird. Auch für diese Summe werden die drei Gesellschafter bürgen müssen. Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) will nach dem monatelangen Hin und Her offenbar eine Aufsichtsratsentscheidung erzwingen. Intern soll er laut Zeitungsberichten mit einer Insolvenz des Flughafenprojektes gedroht haben, wenn man sich nicht einigt. Leere Worte, denn weder Berlin noch Brandenburg oder der Bund würden das milliardenschwere Prestigeprojekt in Schönefeld wirklich pleite gehen lassen.

Neues Billigflieger-Terminal T2 wird teurer

Ein weiteres Thema auf der Tagesordnung: das geplante Billigflieger-Terminal T2, mit dessen Bau in den nächsten Wochen begonnen werden soll. Bis zu 6 Millionen Passagiere sollen hier künftig abgefertigt werden können. Das T2 soll möglichst zusammen mit dem Hauptterminal im Herbst 2020 in Betrieb gehen. Ursprünglich waren 100 Millionen Euro veranschlagt, inzwischen hat der Aufsichtsrat aber bis zu 200 Millionen Euro für den Neubau freigegeben. Zur Begründung hatte die Flughafengesellschaft auf die gestiegenen Baukosten verwiesen.

Als nächstes Großprojekt ist dann der Bau des dritten Terminals T3 geplant. Dieses Gebäude ist als Ersatz für den alten Schönefelder Flughafen gedacht, der einstweilen in Betrieb bleibt. T3 soll Schönefeld-Alt bis Ende 2025 ablösen.

Sendung: Inforadio, 31.08.2018, 6.00 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

Kommentar

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28 Kommentare

  1. 28.

    Wikipedia: Bielefeldverschwörung
    Die Bielefeldverschwörung ist Gegenstand einer satirischen Verschwörungstheorie, die behauptet, die Stadt Bielefeld gäbe es nicht, ihre Existenz werde lediglich überzeugend vorgetäuscht.
    Wirklich nur Ironie, ich schwör.

  2. 26.

    Welche weite Anreise meinen Sie?
    Ich werde wesentlich schneller am BER sein, als ich am Flughafen Tegel bin.
    Zudem noch bequemer mit der S- oder Regionalbahn.
    Viele verweisen immer noch auf den Alternativstandort Sperenberg- nur mal so als Vergleich, falls ihnen der BER schon zu weit weg ist;-)

  3. 25.

    Die große Gefahr der flächendeckenden Forcierung des Fahrradverkehrs in Berlin sehe ich darin, dass die Umsetzer dieser politischen Idee geistig veröden, weil sie Deutschland in der Fläche nicht mehr wahrnehmen können. Sie kauen dann einfach die ihnen dargebotenen Bilder der Medien über die Provinz nach, die Berlin mit seinem Schuldenberg über Jahrzehnte gut durchgefüttert hat. (Ergänzung)

  4. 24.

    Den BER negativ als Bielefeld zu bezeichnen ist ja wohl eine ziemlich peinliche, arrogante und wenig kluge Herabwürdigung einer Großstadt in Ostwestfalen, die in einer recht wirtschaftsstarken Region angesiedelt ist, eingerahmt von Weltkonzernen wie Dr. Oetke, Bartelsmann Miiele sowie sehr großen Möbel- und Bekleidungsunternehmen. Solche Unternehmen = Arbeitgeber sucht man in Berlin und Brandenburg vergeblich, weil die jeweilige Landespolitik eine Politik betrieben hat, die so völlig an den Bedürfnissen der Bevölkerung und Unternehmen vorbeiging. Es sind in BI Unternehmen, die gute Gehälter zahlen, was man in Berlin- Brandenburg ausserhalb des staaatlichen Bereichs kaum findet. Hier herrschen traditionell die prekären Beschäftigungsverhältnisse.
    Und nich etwas: Rot-Rot-Grün tut immer so furchbar ökologisch, aber meint den superdreckigen Luftverkehr pampern zu müssen.
    Dies zeigt, dass dieser "Regierungsverein" absolut planlos agiert. Heute hü und morgen hott.

  5. 21.

    Den Flughafen gibt es.
    Ich war vor 2 Monaten mit dem Fahrrad dort.
    Der wird sehr schön, wenn er in 2 Jahren den Betrieb aufnimmt.

  6. 20.

    Hier von "im Zeitplan" zu sprechen, ist ja wohl ein Witz.
    Der Flughafen ist das "Bielefeld" des Ostens. Hat jeder schon mal gehört, gibt es aber nicht.
    Es wurden doch schon so 2...3...Flughafen auf der Welt gebaut. Für das Geld, was da versenkt wurde, hätte man sich ein Team aus den besten Architekten der Welt mit Erfahrung zusammenstellen können.

  7. 19.

    Natürlich werden hier alle abfliegen, auch die, die sich gerade noch das Maul über den BER zerreißen.
    Weil es schlicht und einfach später keinen anderen Flughafen im näheren Umkreis geben wird, von dem man fliegen kann.
    Tegel wird dann geschlossen sein und das ist auch gut so:-)

  8. 18.

    BER ist laut, Lütke Daldrup im Zeitplan.

  9. 17.

    Nein, bitte nicht! Nicht fertigmachen den BER. Wir haben uns doch so daran gewöhnt, dass er niemals fertig wird. Niemals werden wir uns daran gewöhnen, dass es an dieser Stelle einen Flughafen gibt. Kein Mensch wird kommen, um von hier abzufliegen. Jeder wird es für einen Witz halten, dass hier Flugzeuge starten und landen. Und sollte das wirklich geschehen, kann man sich doch nur vorstellen, dass sie schon in der Startphase abstürzen. Also nein, bitte nicht.

  10. 16.

    Was heißt denn Chef? Sind die Vorgänger haftbar gewesen und eingelocht worden? Nein.

  11. 15.

    Zitat: "Auf Jörg Marks folgt Carsten Wilmsen..." - Wer folgt Carsten Wilmsen?

  12. 14.

    Carsten Wilmsen wird Technikchef des BER
    Und wie lange?

  13. 13.

    Ich schlage den 1. Apri 20XXX vor, dieser Termin müsste doch mit diesen hochqualifizierten Managern zu schaffen sein. Bis dahin tauchen auch neue Namen als Gesellschafter auf, die dann den Schwarzen Peter auf ihre Vorgänger abwälzen können. Ich fordere eine Informationssperre durch alle Medien über den Fertigstellungsstand dieses Wunderbauwerkes.

  14. 12.

    Der BER ist das Spiegelbild der Rot/Roten Regierung in Brandenburg und Berlin. Die ganze Welt lacht über die Ereignisse mit dem BER. Warum werden die hauptverantwortlichen Aufsichtsräte Wowereit und Platzeck nicht zur Verantwortung gezogen? Für eine solche Leistung BER gehören diese beiden Herren lebenslänglich eingesperrt.

  15. 11.

    MORGENPOST schreibt :

    Als Termin für die BER-Inbetriebnahme soll der 31. Dezember 2021 vereinbart werden

  16. 10.

    Neuer "Billigterminal" wird teuerer wegen der Kostensteigerung am Markt? Wann hatten wir den letzten Kostenverfall im Bauwesen? Nun fragt sich nur ob die Beteilligten dumm oder betrügerisch agieren. Gehört es nicht zum guten Handwerk die Kosten auf den "Anfallszeitpunkt) zu prognostizieren? Und sitzt da nicht ein Projektstuerer (Prof. Dr. Preuss) im Aufsichtsrat? Der hätte doch beim ersten Lesen merken müssen welchen Schrott die Geschäftsführung auf den Tisch gelegt hat, oder?! Aber den neuen Terminal braucht man nicht: der Flughafen wird ohnhin in den nächsten Jahren nicht in Betrieb gehen - oder soll es dann eine Ansammlung von "Billigterminals" werden?

  17. 9.

    Die Baukosten sind also um 100% innerhalb eines Zeitraumes von nicht mal einem Jahr gestiegen, aha.....wer bitte soll das denn glauben?
    Warum ist es möglich hier niemanden zur Verantwortung zu ziehen? Warum lassen wir uns das alles gefallen??

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