Archiv - Kabel verlaufen am 18.03.2015 durch eine Technikebene unter dem Terminal des BER (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 23.11.2018 | Thomas Rautenberg | Bild: dpa-Zentralbild

Aussage im BER-Untersuchungsausschuss - Amann wusste schon 2012 von gefluteten Kabelschächten

Der frühere BER-Technikchef Amann wusste schon 2012, dass Kabelschächte unter Wasser standen. Das sagte er am Freitag im BER-Untersuchungsausschuss. Flughafenchef Lütke Daldrup dagegen hatte kürzlich erklärt, erst 2016 davon erfahren zu haben.

Schon vor sechs Jahren haben offenbar am Flughafen BER Kabelschächte mit Elektroleitungen unter Wasser gestanden. "Ja", sagte der damalige Technikchef Horst Amann am Freitag im BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses auf die Frage, ob er von diesem Problem gewusst habe. Schon 2012 sei klar gewesen, dass diese Schächte an der südlichen Start- und Landebahn des Flughafens saniert und abgedichtet werden müssten.

Es sei klar gewesen, dass die Schächte saniert und abgedichtet werden müssten. Flughafen-Chef Engelbert Lütke-Daldrup hatte vor kurzem erklärt, das Problem sei erst 2016 aufgefallen. Die Baumängel waren erst vor wenigen Tagen öffentlich bekannt geworden. Noch ist unklar, ob die nötigen Sanierungsmaßnahmen Einfluss auf den Eröffnungstermin haben werden.

Amann macht Mehdorn Vorwürfe

Amann war als Zeuge in den Ausschuss geladen. Das Gremium will die Fehler beim Bau des künftigen Flughafens Berlin-Brandenburg aufklären. Dieser soll nach jüngstem Stand im Oktober 2020 eröffnet werden.

Amman war von Sommer 2012 bis November 2013 Technikchef der Flughafengesellschaft und bis März 2013 auch erster Geschäftsführer. Dann kam der Manager Hartmut Mehdorn als neuer Chef. "Als Mehdorn kam, war da kein Platz mehr", sagte Amann zu seinem damaligen Weggang.

Amann erinnerte daran, dass es nach der geplatzten Flughafeneröffnung im Juni 2012 "keine Planung mehr gab und auch keine Planer", weil der Planungsgemeinschaft PG BBI gekündigt worden sei. "Ein funktionierendes Risikomanagementsystem gab es nicht, als ich kam", fügte er hinzu. Er habe von Februar bis Mai 2013 eine komplette Bestandsaufnahme der Mängel auf der Flughafen-Baustelle gemacht. Er habe "minutiös gucken" wollen, wie man diese Mängel beseitigt. Mehdorn dagegen habe gesagt: "Wir müssen in Betrieb gehen."

Mehdorn berichtet über unklare Zuständigkeiten

Nach Amann wurde am Freitag auch Mehdorn gehört. Dieser bestätigte die Aussagen Amanns indirekt. Nach der geplatzten Eröffnung im Juni 2012 habe es einen Stillstand
auf der Baustelle gegeben. "Keiner wusste, wer für was zuständig ist", sagte der frühere BER-Manager vor dem Ausschuss. Amann habe monatelang Mängel auflisten wollen. Er selbst habe dagegen gewollt, dass die ersten Probleme sofort beseitigt werden, um schneller fertig zu werden.

Zweifel am BER-Start 2020 zuletzt wieder größer

Der frühere Bahnchef Mehdorn war ab März 2013 Flughafenchef und wollte den Airport damals innerhalb kürzester Zeit an den Start bringen. Im März 2015 gab er nach Streitigkeiten vor allem mit dem damaligen Aufsichtsratschef Klaus Wowereit auf und kam mit seinem Rücktritt einem möglichen Rauswurf zuvor.

Die Berichte über Kabelschächte, die unter Wasser stehen und mögliche Versuche des jetzigen BER-Chefs Lütke Daldrup, Prüfvorschriften zu lockern, hatten Zweifel am planmäßigen Start des BER im Oktober 2020 zuletzt wieder größer werden lassen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 23.11.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 36.

    Das scheint auch schon eine Meldung von vor 11 Monaten zu sein.
    In der Morgenpost war heute beim Interview des Flughafenchef, dass auch die Arbeiten an den Kabeln im Zeitplan zur Eröffnung des BER im Jahr 2020 sind :-)

  2. 33.

    ja, und ich hoffe, vor Eröffung wird wirklich alles gecheckt. Die Verantwortung, den BER freizugeben ist "mächtig gewaltig" ;-)

  3. 32.

    Also glauben Sie ja doch etwas und zwar, dass sich in 6 Jahren auf der Baustelle nichts getan hat.
    Laut Aussage des Flughafenchefs in der Abendschau sind nur noch 2 von ehemals 4 Gewerken als kritisch einzustufen.
    Damals waren es die elektrisch verstellbaren Türen, die Sprinkleranlage, die durch Siemens neu zu programmierende Brandschutzanlage und die verlegten Kabel.
    Nach den letzten Meldungen bezüglich des Zeitplans der Abnahme waren die Kabel und die Brandschutzanlage die zuletzt fertigzustellenden Anlagen.
    In dem Interview in der Abendschau hätte ich gerne näheres zu den Anlagen gehört, mit denen man entscheident vorangekommen ist.
    Aber, das war leider nicht so wichtig- negative Meldungen verkaufen sich halt besser ;-)

  4. 31.

    Das ist kein Quatsch, sondern das wurde den Leuten damals weisgemacht. Da waren Amann und Mehdorn noch gar nicht da. Damals hingen die Deckenplatten runter, und das tun sie noch heute. Es wurden hunderte "Sicherheitsleute" geschult, die im Brandfall die Türen per Hand schließen sollten. Wochen bevor die Öffentlichkeit erfuhr, daß die Brandschutzanlage nicht funktioniert. Glauben Sie ruhig weiter was Sie wollen, ich für meinen Teil glaube an die Eröffnung erst nach erfolgreicher Abnahme und erfolgreich beendetem Probebetrieb.

  5. 30.

    Dieses"Ding" in Schönefeld wird nie fertig !!!
    Die Frage ist nur,wann es bekannt gegeben wird.
    Es wird vielleicht ein großer Parkplatz umgeben von Gaststätten und Hotels. Der Flughafen wird in der näheren Umgebung gebaut
    Und Tegel ???? Bleibt ( reduziert) offen.

  6. 29.

    Mir kommt jedesmal die Galle hoch, wenn ich daran denke, wieviel Spezialisten sich schon an der Fertigstellung probiert haben, nichts geschafft haben, wieder gegangen sind und sich mit dicken Gehältern und Abfindungen eine goldene Nase verdient haben. Vielleicht sollte ich mich auch mal bewerben? Viel Schaden anrichten kann man ja nicht.

  7. 28.

    So ein Quatsch!
    Vielleicht hätten Sie einmal lesen oder hören sollen, was die Herren Amann oder Mehdorn dazu im BER-Untersuchungsausschuss mitgeteilt haben!

  8. 26.

    Hätte, Hätte, Fahrradkette.
    Die Situation ist jetzt, wie sie ist.
    Der BER ist fast fertig.
    Dann kann der Flughafen Tegel bald dichtgemacht werden.

  9. 25.

    Da sieht man doch nur,
    dass es Mehdorn war, der
    auch da keine Ahnung hatte
    und nur so getan hat, als ob.
    Und die ebenso ahnungslosen
    Politiker haben in so einen
    ihre Hoffnung gesetzt.

    Hätten die den ehemaligen
    - und echten - Eisenbahner Amann
    im Amt gelassen und auf den - später
    auch bei BBI gescheiterten - Showman
    verzichtet, wäre der Flughafen schon in Betrieb.

  10. 24.

    Organisierte Planlosigkeit. In der Zwischenzeit hätte man locker woanders neu bauen können. Mit Generalunternehmer natürlich. Sperenberg mit Anschluss könnte schon fertig sein.

  11. 23.

    Es gab einen Generalunternehmer- Hochtief- der den Verantwortlichen damals zu teuer war.
    So fing das ganze Dilemma an, weil die damaligen Aufsichtstratsmitglieder dachten, dass sie das viel billiger hinbekämen.
    Die Umplanungen im Baubetrieb waren sicherlich auch nicht förderlich.
    Den Planer hat man 2012 einfach rausgeschmissen, als klar war, dass es mit der geplanten Eröffnung nichts wird.
    Da SPD und CDU-Parteimitglieder im Aufsichtsrat saßen und sitzen, hat natürlich niemand ein Interesse an einer Einleitung strafrechtlicher oder zivilrechtlicher Verfahren.
    Es ist in dem Sinne auch noch kein "Schaden" eingetreten, da der Bau des BER überwiegend kreditfinanziert wurde, wobei die Kredite durch öffentliche Bürgschaften abgesichert wurden.
    Falls der BER nicht als Flughafen genutzt werden kann, müssten diese abgeschrieben werden und dann würde eventuell ein bezifferbarer Schaden/Verlust vorliegen.
    Im Augenblick stehen die erstellten Anlagen noch als Aktiva in der Bilanz.

  12. 22.

    Da gab es einen Projektsteuerer. Da gab es diverste (hochgelobte!!)"Technikleiter". Da gab es einen zusätzlichen "Controller" der die Kontrollierenden kontrolliert hat. Da sitzt im Aufsichtsrat ein Prof. Dr. Ing. mit Projektmanagementerfahrungen (auch im Flughafenbau). Da gab es Geschäftsführer = Projektleiter (auch so ein Witz!) unterschiedlicher Fachbefähigung ( vom Bahnzerstörerbis zum Vorschriften - Luther...). Da gab es einen Generalplaner, bestehend aus zwei Generalplanern (einer ist nicht mehr unter uns) und Einuelplanungen. Es gabe Untersuchungen und Befragungen. Ein nichtregierenden Bürgermeister is abgefahren. Und jetzt? Was? Und? Wie? Warum? Rechnungshof? Wa? Staatsanwalt? Äh? Zurechnungsfähigkeitsüberprüfung für die Hauptdarsteller? Let us dance the Tango Korruptie

  13. 21.

    Komisch, beim Flughafen Tegel beschwert sich kaum jemand, dass er nur mit dem Bus oder Taxi anreisen kann.
    Beim BER wird man mit der S-/Regionalbahn oder dem ICE bis unter das Terminal fahren.
    Eine wirklich unheimlich schwierige Anreise.
    Warum jetzt schon alle wissen, dass nichts funktionieren wird?!
    Diese Glaskugel hätte ich gerne;-)

  14. 19.

    genau! Der BER wird ganz bestimmt im Oktober 2020 in Betrieb gehen und kurze Zeit später wird mehr oder weniger alles vergessen sein. Dann stürzen sich die Medien auf Projekte wie z.B. "Stuttgart 21". Und mal ehrlich: Erinnert sich heute noch einer an die fünf jährige Verspätung beim Berliner Hbf? Meine Prognose: Der BER wird noch erfolgsgeschichte schreiben. Die Architektur und Hochwertigkeit werden entschädigen. ;)

  15. 18.

    :-) Sollte der Flughafen tatsächlich 2020 aufmachen, werden sich die Leute vermutlich darüber beschweren, daß man nur unter widrigsten Umständen dorthin kommt, daß kaum etwas wirklich richtig funktioniert, daß die Abfertigungsbereiche viel zu eng sind, daß die Rolltreppen zu kurz sind, daß es nur einen Aufzug für Gehbehinderte gibt...

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