Das zwischenzeitliche Regierungsterminal in Schönefeld (Quelle: Soeren Stache/dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.03.2019 | Nachrichten | Bild: dpa/Soeren Stache

Streit um Interims-Zweckbau - Bund fordert neues Regierungsterminal am BER

Es ist alles drin - Büros, Dolmetscherkabinen, Pressekonferenzraum. Aber prunkvoll ist das derzeitige Regierungsterminal in Schönefeld nicht. Der Bund fordert daher einen zweiten, "angemessenen" Neubau. Trotz Millionenkosten.

Ein 70-Millionen-Euro Bauwerk steht am BER schon für Staatsgäste bereit - trotzdem beharrt der Bund darauf, ein weiteres Regierungsterminal zu errichten. Das geht aus einer Stellungsnahme des Bundesfinanzministeriums hervor, wie die dpa am Sonntag berichtete.

Berlin und Brandenburg hatten vorgeschlagen, ein bereits bestehendes Abfertigungsgebäude für Staatsgäste weiterzunutzen. Dabei handelt es sich um einen Neubau, der zunächst als Zwischenlösung gedacht war, bis das endgültige Regierungsterminal fertig sein sollte. Dieses kann wegen der Verzögerungen und Platzprobleme am BER erst später gebaut werden - voraussichtlich erst in einigen Jahren.

"Das Thema wurde zwischen den Beteiligten beraten", heißt es jetzt in der Stellungsnahme des Bundesfinanzministeriums. "Im Ergebnis wurde eine Umplanung abgelehnt." Zur Begründung heißt es:  "Um den international üblichen protokollarischen Anforderungen gerecht zu werden, ist für das Empfangsgebäude als Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland eine angemessene repräsentative Gestaltung vorgesehen."

Interimsbau kostete rund 70 Millionen Euro

Das Interimsterminal ist seit Herbst fertig, äußerlich schlicht, aber komplett ausgestattet mit Büros, Dolmetscherkabinen und Pressekonferenzraum. Inklusive Vorfeldflächen und Wegen hat der Bau rund 70 Millionen Euro gekostet. Der Bund will dort im Herbst 2020 einziehen, wenn der neue Flughafen - wie geplant - in Betrieb geht. Solange checken Staatsgäste weiter am Flughafen Tegel ein.

Vom Jahreswechsel 2021/2022 an soll in Schönefeld dann das endgültige Regierungsterminal gebaut werden - dessen Kosten mit der Zeit aber immer weiter steigen. Waren zum geplanten Start des BER 2012 noch rund 299 Millionen Euro dafür veranschlagt, geht der Bund jetzt von 344 Millionen Euro aus. Weitere Mehrkosten hält er für möglich - denn Baupreise steigen.

Das Interimsterminal - so ist es zumindest bislang vorgesehen - wird nach dem Auszug des Bundes 2025 für Geschäftsflieger genutzt.

Berlin und Brandenburg forderten Verzicht

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hatten deshalb an Finanzminister Olaf Scholz (alle SPD) geschrieben. Den Brief machte vor Kurzem der "Tagesspiegel" öffentlich. Der Appell der Regierungschefs: Dauerhafte Nutzung des Interimsterminals und Verzicht auf den Neubau - aus Kostengründen und um den BER-Start nicht zu gefährden. Der Brief ist nach dpa-Informationen noch unbeantwortet.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) kritisierte am Sonntag, dass der Bund auf ein neues Terminal besteht. Görke sagte am Sonntagabend im rbb, das bereits fertige und als Interimslösung geplante Terminal sei völlig ausreichend: Es sei luxuriös und verfüge über gehobenen Standard mit VIP-Bereichen für Staatsgäste, für das Protokoll und für Pressekonferenzen. "Alles, was man für ein Regierungsterminal benötigt, ist dort vorhanden", so Görke.

 

Kommentar

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Antwort auf [Ralle] vom 18.03.2019 um 13:04
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25 Kommentare

  1. 25.

    Es würde mich interessieren, wie die Staatsgäste ihre Ziele pünktlich in Berlin erreichen.

  2. 23.

    Wenn ich durch die Medien höre,der Grund für die Forderung unserer Regierung nach einem neuen Terminal,das alte geplante ist nicht representativ genug,auf gut deutsch,es ist nicht protzig genug. Es würde ja reichen,drinnen alles mit Intarsien aus Gold auszulegen,oder Blattgold überall.Die Oberen Herrscher müssen zeigen,daß sie besseres sind.

  3. 22.

    ...sagt der Stahnsdorfer. NIMBY. Sperenberg war und bleibt die bessere Entscheidung. Tegel bekommt keine Genehmigung mehr und ist zu klein. Aus die Maus.

  4. 21.

    ...und eine Frauen-Terminal wird noch gebraucht!

  5. 20.

    Wie macht man ein verspätetes, überteuertes Projekt noch später und noch teurer? Einfach noch ein paar Änderungen anfordern!

  6. 19.

    In Sperenberg braucht ja nun eigentlich kaum jemand einen Großflughafen. Wieviele von den geplanten 5o Mio Paxen wollen denn nach BB? Für den Dreck und Lärm sollte das Verursacherprinzip greifen. Deshalb Schönefeld schließen und Tegel offen halten!

  7. 18.

    Bedanken Sie sich bei Diepgen und Wissmann, beide cDU. Die haben Stolpe damals über den Tisch gezogen, ansonsten würden wir schon längst von Sperenberg fliegen.

    "6.5.1996: Die BBF-Gesellschafter vertreten durch den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (Berlin), den Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (Brandenburg) und Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (Bund) setzen sich über die Erkenntnisse der Experten hinweg und entscheiden sich politisch für den BBI-Standort Schönefeld am Berliner Stadtrand – nicht für Sperenberg, wie es die Fachleute empfohlen hatten."

    https://www.tagesspiegel.de/eine-unendliche-geschichte-chronologie-von-1989-1996/9617874.html

  8. 17.

    Bitte gleich die Planung nach SPERENBERG verlagern, denn das ist die Zukunft des BER.
    Inmitten der Anrainergemeinden braucht niemand den BER, erst recht nicht mit den absurden Flugrouten!

  9. 16.

    Was soll man denn auch von den "Gelbwestenprotesten" lernen? Wie eine Bürgerbewegung von Rechtsextremen okkupiert wird?

  10. 15.

    Die Luftfahrt kostet nicht nur den Ticketpreis, sondern die Abgase verursachen oder verschlimmern Naturkatastrophen, führen zu mehr Hitze und weniger Niederschlag in unserer Region. Dieser Riesenflughafen, der BER, ist das dümmste was Berlin (in Zusammenarbeit mit dem Bund) und Brandenburg sich jemals selbst angetan haben.

    Wenn jemand die Flüsse Ostdeutschlands absichtlich trocken legen würde, was gäbe es für einen Aufstand. Da die Austrocknung aber langsam, still und heimlich geschieht, regt sich gar nichts.

    (Fast) alle fliegen wie gehabt in den Urlaub. Dümmer geht es nicht!

  11. 14.

    Dann soll auch der Bund bezahlen, da dieser Bau dem Volke nie offensichtlich wird.

  12. 13.

    Der Bund fordert daher einen zweiten, "angemessenen" Neubau.

    Einfach nur unverschämt.

    Haben die beim Bund nicht bedacht, dass das die Eröffnung des BER um mindestens 5 Jahre verzögert?

  13. 12.

    Die Bundesregierung benötigt ein repräsentatives Terminal. Diese alternativlose Notwendigkeit resultiert aus der Tatsache, dass es zur Aufrechterhaltung der diplomatischen Beziehungen unabdingbar ist, ausländische Diplomaten IN Deutschland zu empfangen. Und um nicht international isoliert zu sein. Unsere Politiker können ja schließlich nicht ins Ausland fliegen, wie die letzten Medienberichte zum Thema Flugbereitschaft der Bundesregierung zeigen.

  14. 11.

    Ich halte auch nichts von den Interimabauten ... Wieder ein schöner Typo der sich durchs Netz schlingelt

  15. 10.

    alle bisherigen 9 Kommentare zum neuen Regierungsterminal am BER sprechen mir aus vollsten Herzen !!!
    Scheinbar sind die "Bonzen" an den verantwortlichen Stellen total abgehoben !!!
    Ich stimme einem Kommentar voll zu : schlimmer als die Ostbozen , und da waren wir froh, daß das vorbei ist .

  16. 9.

    Das müssen sich die abgehobenen Unbelehrbaren erst einmal verdienen, Steuern senken und Lohniveau anheben usw. Die normalen Leute können hier ihre Mieten nicht mehr bezahlen und rutschen in die Altersarmut und man redet aber lieber von "Repräsentativität" für ein weiteres teures Regierungsterminal, das zu einer Bauruine gehören soll. Man lernt offensichtlich auch rein gar nichts aus den Gelbwestenprotesten in Frankreich.

  17. 8.

    Ich protestiere gegen den Protzneubau ebenso wie gegen andere Verschwendungsprojekte wie Kanzleramtserweiterung und Aufblähung der Zahl der Bundestagsabgeordneten!

  18. 7.

    Die Herrschaften von Regierung und Parlament samt Anhang und Security sollen sich gefälligst auch da anstellen und warten und entkleiden wie jeder andere auch. Und ALLES Verbotene abgeben. Damit sie mal merken, wie sich ein unterprivilegierter Normalbürger fühlt. Ausserdem zahlt die Luxuskosten für die Bonzen sowieso der Steuerzahler. Und das muß nicht sein.

  19. 6.

    FÜR REGIERUNGSGÄSTE IST DAS KANZLERAMT DER ANGEMESSENE REPRÄSENTATIVE EMPFANGSORT!

    Ein Regierungsterminal hat funktionell, ordentlich und sicher zu sein. Für 70 Millionen bereits absolut überteuert - als "Provisorium" ohnehin. Geht's noch?
    Wer alles im Bund ist bereits so abgehoben und überheblich, noch mehr Gelder auszugeben?

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