Schild mit der Aufschrift "Baustelle BER" am neuen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (Quelle: Imago)
Video: Abendschau | 12.04.2019 | Hermel/Schmutzler | Bild: Imago

Medienbericht zu Flughafeneröffnung - Tüv hält BER-Terminplan offenbar für unrealistisch

Alte Probleme und mögliche K.o.-Fehler: Ein Tüv-Bericht soll Tausende Mängel an der BER-Baustelle offenbaren. Flughafenchef Lütke Daldrup wiederholt aber sein Mantra vom sicheren Eröffnungstermin. Der Bericht müsse in seiner Gesamtheit gesehen werden.

Eineinhalb Jahre vor der geplanten Eröffnung des künftigen Hauptstadtflughafes BER sind abermals Zweifel am Terminplan bekannt geworden. Dieser sei "aufgrund des unfertigen Anlagenzustands stark gefährdet", zitierte der "Tagesspiegel" aus einem internen Bericht des Tüv Rheinland vom 8. März. Das deutet darauf hin, dass die Bedenken der Prüforganisation größer sind als von den BER-Verantwortlichen zugegeben. Der Tüv wollte sich am Freitag nicht äußern, intern meldet er aber schon seit Monaten Zweifel an.

Im Zentrum steht dabei noch immer der Brandschutz in dem BER-Terminal, das eigentlich schon 2011 in Betrieb gehen sollte. In den vergangenen Jahren waren tausende Mängel bekannt geworden. Aus Sprinklern tröpfelte es nur, die Entrauchungsklappen ließen sich nicht steuern, Kabel waren falsch verlegt - Überhitzungsgefahr. Bosch arbeitet an der Brandmeldeanlage, doch das dauert länger als geplant.

Mehr als viermal so viele Mängel wie offiziell bekannt?

Die Verwendung von Plastikdübeln bei der Befestigung von Kabeln sei ebenfalls hochproblematisch und könne im schlimmsten Fall "zu einem K.o.-Problem werden", so der "Tagesspiegel". Die geplante Eröffnung im Oktober 2020 halte der Tüv für gefährdet, heißt es.

Der Tüv-Bericht stellt laut dem Zeitungsbericht noch 11.519 Mängel allein bei den Kabeln für die Sicherheitsbeleuchtung und Sicherheitsstromversorgung fest, die nach der gescheiterten Eröffnung 2012 ausgetauscht und erneuert wurden. Das Abstellen der Mängel sei mit hohem personellen Aufwand und einer Vielzahl von Rückbauten verbunden, so die Einschätzung der Prüfer. Lütke Daldrup sprach im März von weniger als 3.000 Mängeln.

Lütke Daldrup bleibt bei Oktober 2020

Im rbb sagte Lütke Daldrup am Freitag, dass der geplante Eröffnungstermin nicht gefährdet sei. Er legte die Vermutung nahe, dass nicht der ganze Tüv-Bericht betrachtet worden sei. "Wenn man nur einen Satz herausgreift, kann man in der Tat zu einer Einschätzung kommen, wie sie vorgetragen worden ist. Aber nicht zu einer realistischen Einschätzung des Projekts," so der FBB-Chef in der rbb-Welle Radioeins am Freitag.

"Wir haben noch zwei Gewerke, die kritisch sind", sagte er. Zum einen sei Bosch noch mit Restarbeiten an der Brandmeldeanlage beschäftigt, zum anderen gäbe es noch kleinteilige Nacharbeiten an der Verkabelung, "die noch eine ganze Weile laufen werden".

CDU: Großflughafen könnte zur "Investitionsruine" werden

Die Berliner Oppositonsparteien CDU und FDP wollen den Auftrag für den BER-Untersuchungsausschuss auf die aktuellen Entwicklungen beim Flughafenprojekt erweitern. Hintergrund ist die Sorge über ein drohendes Scheitern des Projektes. Ein entsprechender Antrag wurde am Freitag eingebracht.

Christian Gräff, Obmann im BER-Untersuchungsausschuss der CDU-Fraktion Berlin, sagte am Freitag dazu: "Heute ist ein schwarzer Tag für den BER und Berlin-Brandenburg. Die neuen Mängel und Beanstandungen des Tüv werfen die Frage auf, ob der Großflughafen zur milliardenschweren Investitionsruine werden könnte."

Eine Aussage des Berliner FDP-Vorsitzenden Sebastian Czaja vom Freitag hat bereits ein juristisches Nachspiel. Czaja sagte: "Flughafen-Chef Lüdke Daldrup hat sich als
notorischer Lügner erwiesen, von dem die Steuerzahler keine Wahrheit
über den BER erwarten können." Gegen diese Aussage geht Lütke Daldrup mit einer Unterlassungserklärung vor, sagte er dem rbb.

Außerdem nahm Gräff den Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup und den Berliner Senat in die Pflicht, "den Berlinern und Brandenburgern endlich die ganze Wahrheit zu sagen, statt mit dem Festhalten an einer immer unwahrscheinlicheren Eröffnung im Oktober 2020 falsche Erwartungen zu wecken".

Kommentar

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97 Kommentare

  1. 96.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass der BER gar nicht existiert und diese Illusion einer Baustelle nur dazu dient, Politikern und deren Partnern in der Industrie zu großem Reichtum zu verhelfen. Hat denn irgendjemand diese sogenannte Baustelle jemals wirklich gesehen?

  2. 95.

    Ich würde gerne beim "Sie" bleiben. Sie vermengen hier, offensichtlich politisch motiviert, unzulässigerweise mehrere wahrheitswidrige Tatsachenbehauptungen zu einem undurchschaubaren Gemengelage, kurz und weiterhin von mir "Unsinn" genannt.

    Alleine schon die Benutzung des Begriffs "Sozis" beweist die politische Ausrichtung ihres Kommentars.

    Fakten:

    ÖPP sind nur für die beteiligten Firmen lukrativ, der Steuerzahler zahlt idR drauf: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlich-private_Partnerschaft#Dokumentation_%E2%80%9EDer_gepl%C3%BCnderte_Staat%E2%80%9C

    Der Steuerzahler trägt demnach ein unkalkulierbares Risiko, die beteiligten Firmen verdienen überdurchschnittlich gut, von der Korruption und undurchsichtigen Verträgen mal abgesehen. Lüge Nr. 1 widerlegt.

    Enteignung der Immobilien. Es geht in erster Linie um bezahlbaren Wohnraum. Lüge Nr. 2 widerlegt.

    "fast 60% der Berliner wollen Tegel behalten". Es waren 56,1 %. bei 71,3 Wahlbeteiligung. Lüge Nr. 3 widerlegt.

  3. 94.

    Hallo Tom, auch wenn Du mein Statement als "Unsinn" bezeichnest - nach dem Motto: "Starke Behauptung erstetzt einen schwachen Beweis." - Du hast trotzdem nicht recht. Ich war damals nahe genug an Wowereit und Schwarz (dem Flughafenchef) dran und habe oft genug mit beiden gesprochen - schlüsselfertig bauen beinhaltet kein Risiko für den Steuerzahler sondern nur für die liefernden Unternehmen - dass die dann Gewinne machen können, wenn sie ordnungsgemäß liefern, war den Sozis von Anfang an ein Greul.... - Hinzu kamen die vielen, vielen Planänderungen - die hätte ein privater Bauträger nie so einfach akzeptiert

  4. 93.

    Gleich zweimal Unsinn in einem Kommentar. Die hochgepriesenen privaten Baufirmen waren es die (nicht nur) den Senat über das Ohr gehauen haben. Ihre Idee vom ÖPP ist Unsinn, dann wird es nämlich erst richtig teurer für den Steuerzahler.

    Das Ding ist die Totgeburt von zwei cDU Politikern, die Stolpe über den Tisch gezogen haben und gegen den ausdrücklichen Rat aller Experten in Schönefeld bauen wollten.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/2000-tage-nichteroeffnung-so-verdienen-die-firmen-am-ber-desaster/20619340.html

  5. 90.

    Herr Paule, Sie haben wohl gerne vergessen, daß Diepgen und die CDU, die Stadt in prekäre Verhältnisse gebracht hat, so daß diese nur unbeweglich & unvollkommen arbeiten konnte, eben wegen der Pleite, die Ergebnisse inklusive BER die als Anschauungsmaterial uns Allen zur Verfügung stehen, jedoch das interessiert nur wenige. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. MfG V.

  6. 89.

    Deutschland fand den BER-Song: "Ein Männlein steht im Walde, ..."

  7. 88.

    Niemand hat die Absicht einen Flughafen zu errichten!

  8. 86.

    Ich staune nur über die Familie von Willy Brandt. An deren Stelle hätte ich mir längst verbeten, noch länger den Namen des Großen Deutschen zu verwenden. Ich finde, viel besser passt zum nie fertig werdenden Flughafen Klaus Wowereit.

  9. 85.

    Eine Bedingung müssen Sie aber erfüllen! Nämlich das passende Parteibuch! Dann haben Sie gute Chancen, daß Sie einen Posten bekommen!

  10. 84.

    Es ist richtig, die Politik hat sich zusehr in den Bau eingemischt ohne Ahnung zu haben. Nun aber ständig auf China oder die Türkei zu verweisen ist Falsch. Vergleicht man die Bauvorschriften dieser Länder und auch deren Einhaltung mit der von Deutschland erkennt man den Unterschied (ua.Türkei 4 Tote). Der große Fehler in D, man beauftragt eine Firma die wiederum einen Subunternehmer, meist aus dem Ostblock, anwirbt. Arbeiter die kaum oder kein Deutsch verstehen werkeln nach ihrem Verständnis. Ganz nach dem Motto, wenn es funktoniert ist es in Ordnung, Vorschriften hin oder her. Nur dagegen steht nun einmal der TÜV. Man kann streiten ob jegliche Normen sinnvoll sind oder nicht, aber sie bestehen und müssen in D strikt eingehalten werden. Billigst und Perfekt bei Zeitdruck schließen sich nun einmal aus. Aber das ist D.

  11. 83.

    es wäre an der Zeit eine chinese Baufirma zu beauftragen und diese den Flughafen in Windeseile fertig bauen zu lassen. Chinese Firmen bauen im Inland und weltweit Hunderte Flughäfen jedes Jahr. Vielleicht einfach mal die ranlassen, die sich auskennen.

  12. 82.

    Herrliches Kommentar und vor allem Goldrichtig. Aus der Seele gesprochen. Das schlimme ist das keiner wirklich zur Verantwortung gezogen wird. Es ist ein Trauerspiel, nicht nur für Berlin sondern für die ganze Republik. Selbst in meinen Aufenthaltsort - China, wird über dieses Thema gesprochen.

  13. 81.

    Eine der größten CO2-Schleudern Deutschlands bleibt weiter geschlossen. Sehr schön! Ich hoffe der Flughafen öffnet niemals. Wenn wir das 2°C-Klimaziel noch erreichen wollen, müssen wir noch 75% unserer Flughäfen schließen und nichts bauen oder eröffnen! Wenn es weniger Flughäfen gibt wird auch automatisch weniger geflogen.

  14. 80.

    Die Zahl 50 halte ich für übertrieben (Quellen, Beweise?). Aber es gab tatsächlich einige tödliche Unfälle. Die meisten waren aber Verkehrsunfälle (Auto) auf dem Weg zur Arbeit. Diese wurden, warum auch immer, als Arbeitsunfälle gerechnet. Ein anderer großer Teil entstand durch leichtsinniges Verhalten, etwa wenn man entgegen den Vorschriften den Helm oder die Sicherheitsgurte nicht angelegt hat. Und "unmenschliche Arbeitsbedingungen" würde sich sicherlich niemand in der Türkei gefallen lassen. Die Leute hätten sofort gekündigt. Die Jobs auf dem Flughafen (mehr als 30.000) waren im Gegenteil sehr beliebt. Es gab mehr Bewerber als Stellen. Gutes Bezahlung, viele Freizeitaktivitäten und 3 kostenlose Mahlzeiten pro Tag (spart vor allem Zeit) waren hier die wichtigsten Kriterien.

  15. 79.

    "Investitionsruine" BER könnte zum Welterbe erklärt werden.

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