Airbus der Lufthansa hebt in München ab (Bild: imago images/Frank Hoermann)
Bild: imago images/Frank Hoermann

Mögliche Umweltschäden - Fluglinien lehnen neues BER-Modell zum Lärmschutz ab

Nicht mehr nach pauschaler Gebührenklasse, sondern nach dem Grad der Lärmbelastung sollen Fluggesellschaften am BER abkassiert werden. Doch die lehnen das kategorisch ab - und warnen vor Umweltschäden, sollte das Gebührenmodell tatsächlich kommen.

Mit einem neuartigen Gebührenmodell für weniger Fluglärm stoßen die Betreiber des künftigen BER-Flughafens auf Widerstand. Nach Inbetriebnahme des Airports soll der Lärm bei jeder einzelnen Flugbewegung gemessen und die Fluglinien entsprechend zur Kasse gebeten werden. Damit würden Flugzeuge am BER nicht wie sonst üblich pauschal bestimmten Gebührenklassen zugeordnet werden.

"Die deutschen Fluggesellschaften und ihre Piloten lehnen eine solche Umstellung ab", heißt es in einem Positionspapier des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, das der Deutschen-Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte das Portal "airliners.de" darüber berichtet.

Fluggesellschaften befürchten höheren CO2-Ausstoß

Aus Sicht der Unterzeichner könnte das BER-Modell letztlich zu einem höheren CO2-Ausstoß führen, weil steiler und damit mit deutlicher mehr Schub gestartet werden müsste. Zu erwarten seien auch Sicherheitsnachteile, weil Piloten animiert würden, erst sehr spät Landeklappen und Fahrwerk auszuklappen. Außerdem könnten sie versuchen, an den Messstellen Schub wegzunehmen. Niedrig ausgelastete Flugzeuge wären bevorzugt, heißt es in dem Papier, das auch rechtliche Bedenken äußert.

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hatte im Mai angekündigt, für die Gebühren am BER den tatsächlich verursachten Lärm jeder einzelnen Maschine zugrunde zu legen. Vorgesehen sind Entgelte von 40 bis 7.500 Euro je Start oder Landung. Dieses System sei europaweit einzigartig, heißt es bei Fluggesellschaften und Pilotengewerkschaft. Sie schlagen stattdessen vor, die bestehende Lärmklassenzuordnung flexibler zu handhaben und außerdem Anreize für Flugzeuge mit lärmmindernden Bauteilen zu setzen.

Den Fluggesellschaften müsse "genügend Luft zum Atmen" bleiben, heißt es in einem Statement des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften [bdf.aero] - und weiter: "Leisere Flugzeuge können nur angeschafft werden, wenn die Airlines die dafür notwendigen finanziellen Mittel verdienen können. Anderenfalls müssen Anschaffungen von lärmärmeren Flugzeugen verschoben werden und gutgemeinte Lärmschutzanreize laufen ins Leere."

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.10.2019, 18 Uhr

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21 Kommentare

  1. 21.

    Großartige Idee von den Fluggesellschaften. Sollte direkt auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden. Im Restaurant nur noch nach nach klassifizierter Magengröße bezahlen, statt nach Verzehr. Dann klappt das auch mit dem Übergewicht. Den Menschen muss schließlich genügend Luft zum Atmen gelassen werden...

  2. 20.

    Am meisten aufgeregt hat mich die Kritik: "Niedrig ausgelastete Flugzeuge wären bevorzugt."
    Das ist leider genau die Denke, die dazu führt, dass möglichst viel Menschen zusammengepfercht werden sollen.
    Umgekehrt wird ein Schuh daraus, liebe Airlines: Macht halb so viele Sitze in die Dreckschleudern und nehmt doppelt so hohe Preise. Schon haben Menschen und Umwelt etwas davon!

  3. 19.

    Auto in den fünfziger Jahren= Luxus
    Heute normales Verkehrsmittel
    Passagierflugzeug in den fünfziger Jahren=Luxus
    Heute normales Verkehrsmittel
    Jetzt verstanden?

  4. 18.

    Ich habe alles verstanden....nur Sie Ihren eigenen Kommentar wahrscheinlich nicht. Entwerder Oder.

  5. 17.

    Auf dem Weg in die Ukraine, auch wenn Sie mal wieder umweltfreundlich nach Berlin geflogen sein sollten, lässt die Übertragung von Buchstaben nach - Sie haben nüscht kapiert was ich meinte.
    Mein Kommentar bezog sich aufs die unsägliche Billigfliegerei und nur darauf.
    Wenn Sie schlau sein wollen, dann seien Sie es auch und tun nicht nur so.

  6. 16.

    Wären mit dem Lütten gern mit der Bahn ganz umweltfreundlich nach Paris gereist...( Er wollte mal zu Mickey Mouse) Dieser Spass hätte uns 3 Personen 940€ gekostet. Fliegen ist ja auf solchen kurzen Strecken verpönt und umweltschädlich. So sind wir dann mit unserem Diesel (6) gefahren... hahaha

  7. 15.

    Genau dies. Die Fluggesellschaften können sich ja überlegen ob es sich finanziell noch lohnt wenn die ganzen Externalitäten erstmal eingepreist sind.

  8. 14.

    Das ist ja ein toller Vorschlag....das Niveau der 50`er Jahre. Dann darf ich endlich im Flugzeug im Bus und eigentlich überall wieder rauchen und meinem Kind im erzieherischem Sinne ggf. den Hintern versohlen ohne gleich wegen Kindesmisshandlung angezeigt zu werden.
    Über Klimawandel, Tierwohl und Konsum mache ich mir keine Gedanken. Zapfe günstigen Sprit und brauche mir über Kriminalität auf den Straßen keine Gedanken machen, da die Polizei stets present ist.Und zu aller letzt brauche ich mir im Grunde genommen über das Richtig und Falsch im Leben keine Gedanken machen.

  9. 13.

    Gut das es hier Kommentare gibt, die "ganz neue Wege" aufzeigen: Telko, Südbrb.flugrouten, Flugzeugalter, Flugverteuerungen. Veraltete radikale links/grüne und bewiesene untaugliche Ideen werden aus der "Mottenkiste" gezaubert. Neue Lösungsansätze sind: Bonus für weniger Lärm und CO2, Flugzeugturbinen die CO2 filtern und verbrauchen, Synthetische Kraftstoffe, Gesetze die die Standortwahl und Flugrouten von/an Flughäfen sachlich und nicht politisch entscheiden, aber das ist ein anderes Thema. Ein neuartiges Gebührenmodel wie oben kann lenkend sein, wenn man in "Korridoren" nach Lärmklassen abrechnet.

  10. 12.

    Wen interessiert hier die Meinung von Fluglinien? Es geht hier um die Meinung und Gesundheit von uns Berlinern und unseren politischen Vertretern, die zählen. Die Fluglinien haben sich gefälligst an die Vorgaben zu halten, die ihnen gemacht werden und ansonsten ihre Klappe zu halten.

  11. 11.

    Steuervorteile fürs fliegen streichen und die Bahn wieder zu einem brauchbaren Verkehrsmittel machen, Piloten zu Lokführern umschulen, das wäre Verkehrspolitik der Zukunft. Leider ist Zukunft mit SPD und CDU nicht zu machen.

  12. 10.

    Ist doch gut, wenn immer mehr auf die Bahn umsteigen, weil fliegen zu teuer wird. Baut die Bahn EU weit aus mit Direktverbindungen :) Flugbewegungen können auch gleichmäßig über das ganze Stadtgebiet verteilt werden damit alle was vom Lärm haben, wie z.B. in Seattle praktiziert; der Heimat von Boeing.

  13. 9.

    Hut ab an den Satirikerklub, das die dort in den hohen Stellen das Sagen haben und immer wieder einen nach dem anderen Witz raushauen, verboten genial.

  14. 8.

    Na ja kleine Regionalflughaefen sollten schon vor dem Start nach zusaetzlichen Einnahmequellen suchen, wenn es dann doch irgendwann einmal los geht.

  15. 7.

    Die Flugbewegungen in der ganzen Welt (zur Not auch ohne D) nehmen unaufhaltsam zu, und hier wird vom Abwürgen gefaselt...etwas mehr Realitätsnähe und kompromissbereite, lösungsorientierte Politik würde allen Betroffenen helfen..Und nicht Populismus, Verbote und Ablassszahlungen.

  16. 6.

    Sehe ich auch so. Am besten auf das Niveau der 50'er Jahre, als Fliegen Luxus, richtig teuer, ein Abenteuer war und wertgeschätzt wurde. Nicht wie die heutigen Billigheimer mit ihrem egoistischen Anspruchsgehabe.

  17. 5.

    Telko und Skype wollten die Wichtigtuer doch nicht, die sind zu wichtig und müssen deshalb jeden Pfurz fliegen lassen.
    Da hilft nur radikale Verteuerung des Fliegens. Die Kfz-Nutzenden werden zur Kasse gebeten, während die lächerlichen 8-13€ für Inlandsflüge die Billigheimer nicht animieren werde, die Bahn zu nutzen. Kerosin wird weiterhin billig bleiben, denn dessen Nichtbesteuerung ist internationales bzw. EU-Recht, da wird D doch nicht gegen angehen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kerosinsteuer

  18. 4.

    Der letzte Absatz des Berichts ist ein Armutszeugnis der Luftfahrtgesellschaften.
    Würden die Entgelte bereits jetzt in TXL so gehandhabt, wäre es hierfür nicht so übelst laut. Der wirtschaftliche Start ist tief, laut und extrem belastend für Anwohner. Die Bosse hocken in ihren Villen abseits von Lärm und Dreck, die scheren sich einen selben um dies und wollen nur eins: Kohle, Kohle und nochmals Kohle. Und den Billigdeppen ist das sowieso egal. Hauptsache schön billig die Umwelt zerstören.
    Der Staat muss die Tickets regulieren und zwar in Richtung teuer.
    Der BER muss so unattraktiv wie nur möglich für alle werden, dann hat sich der Kasten selbst überholt.

  19. 3.

    "Den Fluggesellschaften müsse genügend Luft zum Atmen bleiben" - Jeden Realitätssinn verloren, dieser Lobbyverband!
    Rauben den Menschen den Schlaf, rauben den Menschen die Zukunft (Klimakrise) und jammern über Gesetze, die diese Umweltzerstörung eindämmen will.

    Die Flugindustrie muss sofort und massiv gesundgeschrumpft werden!

  20. 2.

    Nach Lärm und CO2-Belastung zahlen lassen! Mal sehen, was die Fluglinien, die hier auf Grün machen, dann sagen. :-)
    Die Preise müssen exorbitant sein! Denn die Schäden sind ebenfalls exorbitant.

    So gut wie niemandem ist bekannt, dass die Flugindustrie viel mehr Schäden anrichtet, als offiziell angegeben. Wer nach "Nicht-CO2-Effekte" googelt, erfährt mehr.

    Fliegen ist eine unverantwortliche Umweltsauerei.

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