Das Hauptterminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (Quelle: ZB/Patrick Pleul)
Bild: ZB

Geplante Eröffnung im Herbst 2020 - Was am BER noch alles schiefgehen kann

Am 31. Oktober 2020 will BER-Geschäftsführer Lütke-Daldrup den Flughafen endlich eröffnen. Doch das kann nur gelingen, wenn bis dahin noch eine Reihe von Problemen zügig gelöst werden kann. Eine ganze Reihe. Von Thomas Rautenberg

Das Kabelproblem

Der Kabelsalat im BER-Hauptterminal war vor siebeneinhalb Jahren ein wesentlicher Grund für die gescheiterte Inbetriebnahme. Abschließend geordnet ist das Wirrwarr in den Kabelkanälen noch immer nicht. Der Tüv warnt schon lange, sollte dieser Bereich nicht frei von Mängeln sein, könne keine positive Prüfbescheinigung ausgestellt werden. Bis Februar kommenden Jahres soll sich die Beseitigung der Mängel bei der Verkabelung noch hinziehen.

Unzählige Kabel verlaufen durch eine Technikebene unter dem Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt, Archivbild (Quelle: ZB/Patrick Pleul)
Bild: ZB

Der Übergang von unterirdischem Bahnhof zum Hauptterminal

Die Schnittstelle zwischen Bahnhof und BER-Hauptterminal gilt als besonders sensibler Bereich. Hier müssen die Brandschutzanlage des Terminals und die Sicherheitseinrichtungen der Bahnanlagen fehlerfrei zusammenarbeiten. Doch die Deutsche Bahn hat die technische Vorbereitung auf die sogenannte Wirkprinzipprüfung (WPP), bei der das Zusammenspiel aller sicherheitsrelevanten Anlagen am Flughafen getestet wird, verpennt. Nun muss nachgebessert werden, bevor Ende Januar die technische Prüfung wiederholt werden kann.  Das Risiko für einen weiteren Zeitverlust deswegen ist groß.

Der Bahnhof unter dem Hauptterminal des BER, Archivbild (Quelle: Imago Images)
Bild: Imago Images

Die Dübel

Kleiner Dübel, große Wirkung: Noch immer sind nicht alle Metalldübel, die im Hauptterminal verwendet wurden, für ihren konkreten Einsatz zertifiziert. Das betrifft beispielsweise entsprechende Dübel, die in Kalksandsteinwänden verbaut wurden. Schlamperei der Baufirmen ist das jedoch nicht. Als die Dübel vor Jahren im Süd- oder Nordpier verbaut wurden, waren sie noch für ihre Zwecke zugelassen. In der Zwischenzeit haben sich jedoch die Bestimmungen geändert und neue Verwendungsnachweise sind notwendig. Die Flughafengesellschaft (FBB) ist allerdings sicher, dass sich das Problem lösen lasse.

Ein Metalldübel für Tragsysteme für Kabel am neuen Hauptstadtflughafen BER (Quelle: DPA/Burkhard Fraune)
Bild: DPA

Die Dokumentation

Eine Mega-Baustelle wie der BER zieht eine Flut von Prüfunterlagen nach sich. Verwendungsnachweise, Prüftestate, Übereinstimmungserklärungen der Firmen, die zeigen, dass so gebaut wurde, wie gebaut werden sollte, und, und, und. All diese Unterlagen müssen von der Flughafengesellschaft für die abschließende Genehmigung vorgelegt werden. Allein die schiere Masse der Papiere ist dabei schon ein Problem. Damit der Genehmigungsprozess nicht auf den letzten Metern ins Stocken gerät, dürfen keine Unterlagen fehlen.

Der Flughafen BER von oben (Quelle: ZB/Ralf Hirschberger)
Bild: ZB

Das Kardinalproblem

FBB-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup legt sich mit einem Eröffnungstermin fest, bevor er die sogenannte Baufertigstellungsanzeige für das Hauptterminal wirklich in der Tasche hat. Mit anderen Worten: Noch ist die Flughafenbaustelle nicht mängelfrei, viele Tests und Abnahmen müssen noch absolviert werden. Klappen die, ist alles in Ordnung. Gibt es ein Problem, wird das die bauliche Fertigstellung jedoch sehr wahrscheinlich verzögern. Die Fertigstellungsanzeige sollte eigentlich bereits vorliegen, momentan wird damit gerechnet, dass sie im kommenden Frühjahr vorliegt. Solange die Fertigstellungsanzeige nicht vorliegt, kann die zuständige Baubehörde keine  Nutzungsfreigabe erteilen. Der Termin im Herbst 2020 würde wackeln.

Beitrag von Thomas Rautenberg

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23 Kommentare

  1. 23.

    und/oder "Warum der BER wieder schließen/abgerissen werden muss" ... Wetten das im Betrieb die Landebahnen sich absenken werden, so wie die A20 in MV? Wir werden sehen ...

  2. 22.

    Seit wann istr denn der TÜV, die DEKRA oder andere Prüforganisationen staatlich? Dies üben nur eine sttaatliche Aufgabe in der Fahrzeugkontrolle aus, sind aber reine Privatunternehmen. Das V im TÜV steht für VEREIN.

  3. 21.

    Sie haben das richtig erkannt, die Anbindung, an den öffentlichen Nahverkehr ist unzureichend. Zum Thema TXL: Das Ding ist fertig" Physisch und Moralisch verschlissen! Von der Verkehrsanbindung dort, kann man nur von einer "Zumutung" reden. Auch das Gebäude entspricht nicht mehr den Ansprüchen! Alles dreckig und keimig, schlecht organisiert. Eine Renovierung und Modernisierung, kostet wahrscheinlich genau so viel wie der BER und dauert auch mindestens, beim Einsatz deutscher Experten und Firmen, genau so lange! Ausländische Gäste, selbst aus Sibirien/Nowosibirsk, sind entsetzt wenn sie in Berlin ankommen! Das Bild das sie von Deutschland haben, wird bei der Ankunft zerstört, sie nehmen ein ärmliches, herunter gekommenes, Land war, dass sich selbst überlebt hat! Vor 20 Jahren habe ich noch über den "morbiden Charme" von London gelacht, das hat sich nun umgekehrt. Aber dank RotRotGrünen Gedankengutes, wird es noch viel schlimmer werden!

  4. 20.

    Was haben denn so viele gegen TXL. Wie Trudeau schon sagte: Eine Hauptstadt sollte zwei Flughäfen haben. Ich fliege gerne nach TXL und sehe die Öffi-Anbindung von BER mehr als kritisch. Aber das Berliner Abgeordnetenhaus weiß es ja besser als das Volk. Zu was das führt hat Berlin ja nun schon oft genug demonstriert.

  5. 19.

    wurden schon die Automaten entfernt z.B Zigarettenautomat, wo noch ,,bitte ,,DM hier einwerfen draufsteht ?

  6. 17.

    Es wird also nur das Schlechte gesucht und herbeigeredet?
    Was sollte denn ein Journalist positives über den BER berichten? Dass die Spülung auf der Toiette einwandfrei funktioniert? Es ist leider nun mal so, dass das gesamte Bauvorhaben objektiv betrachtet nicht viel positives zu bieten hat. Daran ändert weder ein Vergleich mit anderen Zeiten noch Bibelzitate etwas.
    Man kann nur hoffe, dass der Flughafen bald und problemlos in Betrieb geht damit diese Geschichte ad acta gelegt werden kann.

  7. 16.

    Ach wissen Sie, Sie müssen schon alles lesen. Das Privatleben war nur ein Beispiel. Woher wissen Sie denn ob alles was hier so reißerisch immer wieder schlecht gemacht wird stimmt ? Es ist doch in den letzten Jahren immer wieder zu beobachten, dass nicht neutral reflektiert wird sondern immer nur das Schlechte gesucht und herbeigeredet wird.
    Und bitte kommen Sie mir nicht mit der Nazizeit. Das kommt immer dann, wenn man keine Argumente mehr hat. Das ist genauso widerlich und vor allem unpassend !
    Und, ich denke das gilt auch für Journalisten, : "Wer ohne Sünde ist der werfe den ersten Stein", gell ???!!! :o))

  8. 15.

    Hier über das Privatleben von Leuten zu spekulieren, die Sie selbst nicht kennen, sagt mehr über Ihre charakterlichen Defizite aus, als über die journalistische Arbeit, die hier zur Debatte steht. Aus welchem Grund sollte man bei einer fast zehnjährigen Verspätung und angesichts gewaltiger Kostenexplosionen denn nicht skeptisch sein, was den Eröffnungstermin dieses Flughafens angeht, der offiziell eine renovierte Bauruine ist? Denke Sie doch mal über die Vergangenheit dieses Landes nach und was es zu anderen Zeiten gebracht hat, wenn grundlos gegen Journalisten gehetzt wurde. Und dann auch noch anonym gegen Leute, die für Informationen mit ihrem Namen einstehen. Widerlich!

  9. 14.

    "Was am BER noch alles schiefgehen kann" - wird geschehen. Top, die Wette gilt...

  10. 13.

    Nein das ist kein Journalismus !
    Das ist die übliche Panikmache der Journalisten, die glauben alles besser zu wissen und zu können.
    Nichts ist für diese Leute schöner als sich die Hände zu reiben wenn wieder etwas schief geht. Vielleicht sollten sie selber mal über ihre Vergangenheit nachdenken und reflektieren, was wegen ihnen und in welchen Zusammenhang auch immer ( Arbeit, Privatleben, Familie usw) schon alles schief gegangen ist !

  11. 11.

    Noch einmal mit TXL wird nie Schluss sein und mit den BER wird es 2020 keine Eröffnung geben. Dazu ist das Ding längst veraltet und zu klein die Bauzeit war einfach zu lange und die richtigen Mängel zeigen sich ja erst bei Inbetriebnahme.

  12. 9.

    Es ist mit Sicherheit keine Freude, ständig über Mängel zu berichten. Diese Informationen benötigen ich jedoch, um mir ein Bild über den Fortschritt der Bauarbeiten machen zu können. Dafür benötige ich guten Journalismus ohne Stimmungsmache, sondern... ja, manchmal auch mit einer Aufzählung.

  13. 8.

    Das ist Journalismus, der darüber berichtet, was ist - und eben keine Stimmungsmache betreibt. Der BER muss reibungslos funktionieren, damit er in Betrieb gehen kann. Dann ist auch mit TXL Schluss.

  14. 6.

    Ich denke mal das der TÜV sein Beitrag geleistet hat, dass der BER noch nicht auf ist. Der TÜV Rheinland und die anderen Einrichtungen vom TÜV sind Stattliche Institutionen. Also sagt mir nur, dass einige oder viele Politiker nicht daran interessiert sind, diesen Flughafen je zu öffnen. Diese Mängel die jetzt noch sind, ist kein Grund mehr diesen Flughafen zu zulassen. Wenn ein Terrorist einen Anschlag verübt, dann helfen auch keine Dübel aus Metall. Und das kann man so weiter führen.!!!!!!

  15. 5.

    Ich bin noch immer guten Mutes, dass es mit der Eröffnung im Oktober 2020 klappt. Drücken wir gemeinsam die Daumen.

  16. 4.

    Frage ??
    sind eigentlich schon alle geparkten VW wieder in Wolfsburg !

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