Ansicht des Flughafen BER bei Nacht (Quelle: dpa/Thomas Reiner)
Inforadio | 29.11.2019 | Thorsten Sydow | Bild: dpa/Thomas Reiner

Reaktionen auf BER-Eröffnung - Ein "rabenschwarzer Tag" für zehntausend Betroffene des BER

Der BER-Eröffnungstermins für den 31. Oktober 2020 löst in Brandenburg und Berlin geteilte Reaktionen aus. Während sich Ministerpräsident Woidke zuversichtlich gibt, ist die Linke skeptisch. Die Freien Wähler sehen gar einen "rabenschwarzen Tag" für Betroffene.

Den offiziellen Eröffnungstermin des Flughafens BER in Schönefeld hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zuversichtlich kommentiert. Er sei optimistisch, "dass es diesmal klappt", teilte Woidke am Freitag mit.

"Ich habe großes Vertrauen in die Geschäftsführung, dass der BER in elf Monaten tatsächlich an den Start gehen wird." Am neuen Flughafen könnten zusätzliche internationale Verbindungen der Wirtschaft der Region weiteres Wachstum und neue Arbeitsplätze bringen.

Auch seine SPD-Parteikollegin und neue Flughafenkoordinatorin des BER, Katrin Schneider, ist zuversichtlich: "Wir gehen nach den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate davon aus, dass der 31. Oktober 2020 zu schaffen ist. Ein konkretes Datum biete Planungssicherheit für alle Beteiligten. "Das ist das, auf was alle auch wirklich gewartet haben", so Schneider.

Berlin glaubt noch nicht an den Eröffnungstermin

Politiker des Abgeordnetenhauses sehen den Termin noch eher kritisch. Der aktuelle Zeitplan sei sehr ambitioniert, deshalb sei weiterhin Skepsis angesagt, meint Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek.

FDP-Politiker und Befürworter für den Erhalt vom Flughafen Tegel, Sebastian Czaja, nannte den neuen Eröffnungstermin willkürlich: "Es sind noch viel zu viele Faktoren ungewiss, als dass man diesem benannten Tag überhaupt Glauben schenken kann". Erst am Morgen des 31. Oktober, werde sich wirklich zeigen, ob das Trauerspiel ein Ende habe. Es werde sich zeigen, ob sich der vierte Flughafen-Chef "verzockt" habe, teilte Czaja mit.

Drastischer formuliert es AfD-Abgeordneter Frank-Christian Hansel. Unabhängig davon, wann das erste Flugzeug abgefertigt werden würde, sei es ein Skandal, dass der neue Flughafen bei seiner Eröffnung bereits zu klein wäre. Zudem seien die Verkehrsprobleme um den BER noch ungeklärt. "Der Senat muss endlich von seiner ideologischen und sachfremden Anti-Tegel-Politik abrücken", so Hansel. Daher müsse der innerstädtische Flughafen im Nordwesten Berlins erhalten bleiben.

IHK ist erleichtert, die Linke noch skeptisch

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus begrüßt besonders die Planungssicherheit. Die Verkündung des Stichtags sei ein wichtiges Signal, um weiteren Schwung in die Firmenansiedlung in der Nähe des Flughafens zu bringen, teilte Hauptgeschäftsführer Marcus Tolle mit.

Ähnlich sieht es die Fluggesellschaft Lufthansa. Jedoch komme es nun darauf an, den angestrebten Zeitplan einzuhalten. Die Lufthansa-Gruppe ist hinter der britischen Airline Easyjet der zweitgrößte Anbieter in Berlin.

Skeptisch zeigt sich "nach jahrelangen Erfahrungen mit Terminstellungen" die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken und Mitglied im Sonderausschuss BER, Marlen Block. Um voreilig die mögliche Eröffnung zu feiern, sei es noch zu früh, da die Liste der zu erledigenden Aufgaben zu lang sei. Dazu gehöre die fehlende Infrastruktur. "Erst wenn das erste Flugzeug abhebt, ist das Jahrhundertwerk vollbracht", so Block.

Die Freien Wähler im Brandenburger Landtag sprachen dagegen von einem "rabenschwarzen Tag" für zehntausende Betroffene im Umfeld des Flughafens. Bis zur Eröffnung müssten alle Schallschutzmaßnahmen umgesetzt sein, forderte der Abgeordnete Matthias Stefke.

Sendung: Inforradio, 29.11.2019, 16.00 Uhr

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41 Kommentare

  1. 41.

    Analyse ÖPNV am BER: Die Mitarbeiter am Morgen haben es schwer.
    Huch, da sind ja sehr frühe Dienstbeginne - die haben wir völlig vergessen.
    Jeder Lokalpolitiker und Sachbearbeiter griff in das laufende Bauvorhaben ein. Jahrelanges Geklüngel und peinliches Gewurstel.
    Der ÖPNV-Ausbau ? U-Bahn ? Ja, müsste man mal überlegen ....
    Das Desaster-Team Wowereit und Platzeck ist fein raus. Dabei wäre dies ihr Job gewesen - die Planung der Anbindung.
    Doch leider bleibt dies ungestraft: Mit Erfolg schmücken, bei Versagen drücken

  2. 40.

    In dieses großartige Projekt wurde meiner Meinung nach jeder Kreuzer hervorragend investiert.
    Und einen ordentlichen Flughafen gibt es auch noch obendrauf.

  3. 39.

    Gibt nur ein Problem: Wettet man drauf, dass der Termin nicht gehalten werden kann, zahlt man drauf - zuviel Gewinner. Wettet man auf diesen Termin, könnte man theoretisch Milliardär werden, aber ......

  4. 38.

    Ich habe letztens einen Alptraum gehabt, dass der BER durch ein Flugzeug was einen Motorschaden hatte zerstört wurde.
    Wollen wir nur hoffen dass es nur ein Traum bleibt+nie Wirklichkeit wird.

  5. 37.

    So traurig das klingt:

    Ich kann über den BER und deren Beteiligten zur Erbauung dieses Flughafens nur noch lachen!

    Das ist ein Armutszeugnis eines vermeintlich wirtschaftlich großen Landes.

    UND DAS VOLK ZAHLT DIE "ZECHE"

  6. 36.

    Die größten GEFAHREN entstehen immernoch durch den Tiefflug über Innenstadtgebiet von/nach TXL. Vergleichbaren Gefahren wird kein Süd-Berliner durch BER ausgesetzt sein, weil die Maschinen dort in viel größerer Höhe fliegen werden und damit im Gegensatz zum Tiefflug eine Notlandung möglich wäre. Das spricht doch für mehr Sicherheit durch den BER.

  7. 35.

    Also wenn ich die Aussage von Herrn Czaya lese, der auch jetzt immer noch und wiederum von "verzocken" spricht, beschleicht mich der Gedanke, am BER wurden Verzögerungen nicht nur durch "Schlampereien" verursacht. Und darüber weiter nachzudenken macht nicht nur unglaublich ärgerlich , es ist einfach gruslig...

  8. 34.

    Ich habe auf einen Kommentar geantwortet, wo es um die GEFAHR einer Überflugroute geht, nicht um den Lärm. Da ist es egal, ob das Teil auf Nord- oder südberlin fällt, beides dicht besiedelt. Letztlich ist der BER jetzt schon zu klein, wenn man Klima-Greta ignoriert. Und im Ignorieren sind Berliner und Brandenburger ganz gut. Die fliegen einfach weiter, auch übers eigene Haus. Denn auch Pankower und Reinickendorfer fliegen. Wenn sie übers Haus fliegen, sind sie ja gerad nicht zu Hause :-) also egal, weiterfliegen.

    Dieser zu kleine Flugplatz wird bald an seine natürlichen Grenzen stoßen. Es gibt auch von dort nicht mehr Fernziele im Direktverkehr. Es gibt bald nur noch ganz wenige Airlines, und es gibt Klimaziele. Dann noch dem demografische Faktor: auch Bonner werden älter, gehen in Pension und pendeln nicht mehr jeden Donnerstag und Sonntag.

    Die Welt hat sich komplett verändert, seit der Gedanke an den BER entstand. Auch die Technik. Wird interessant am BER, ganz bestimmt.

  9. 33.

    Was wird der arme Sebastian Czaja nur machen, wenn der BER in Betrieb geht? Kein Feindbild mehr, keine Themen mehr … Er kann einem leidtun.

  10. 32.

    Säumige Anwohner sollten Lärmschutz in Auftrag geben
    Unterdessen hat die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) die Anwohner des künftigen Flughafens aufgefordert, zugesagte Fördermaßnahmen für den Lärmschutz schnell umzusetzen. Es wäre wünschenswert, wenn nun die Aufträge an die Handwerker rausgingen, sagte der FBB-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Bredtschneider am Samstag dem rbb. Seinen Angaben zufolge haben manche Anwohner bisher immer noch darauf gesetzt, dass der BER nicht eröffnet wird. Jetzt gebe es aber keinen Grund mehr zu warten, sagte Bretschneider dem rbb-Inforadio.

  11. 31.

    Stimmt und als es noch die Brücke über den Kutschi gab, dachte man als Autofahrer oben auf der Brücke, man könnte die Räder des Fliegers anfassen. So richtig schlimm ist es aber erst, seit Tegel die für den BER gedachten Fluggäste mitbedienen muss. Und die Leute, wohl auch aus Brandenburg,fliegen seit 9 Jahren nicht weniger sondern bei sinkenden Ticketpreisen eher mehr. Fliegen wollen viele, den Fluglärm will aber keiner. Paradox.

  12. 29.

    Ich hätte für Sperenberg votiert. Aber das wollte Diepgen und der Bund nicht. Stolpe hat sich breit schlagen lassen.
    Gleichwohl, was Sie sagen, entspricht nicht den Fakten. Bei Eröffnung ist nur ein Sechstel zur jetzigen Situation betroffen.

    Durch die Konzentration des Flugbetriebes auf den Flughafen Berlin Brandenburg verringert sich die Zahl der von Fluglärm Betroffenen in der Hauptstadtregion deutlich. So waren laut Landesentwicklungsplan 2006 im Jahr 2004 bei einem Fluggastaufkommen von rund 15 Millionen Passagieren tagsüber 225.800 Menschen von einem Dauerschallpegel von 55 dB(A) betroffen. Im Jahr 2023 werden es bei geschätzt doppelt so vielen Passagieren lediglich ca. 40.000 Betroffene sein.
    Was natürlich richtig ist, mit Eröffnung des BER in dessen Umfeld auch Menschen stärker als bisher oder erstmals von Fluglärm betroffen sein. Positiv wird sich für den Südosten auswirken, dass dort eine Boom- und Jobmaschine entstehen wird.

  13. 28.

    Wir sollten sachlich bleiben: Kein Anwohner Südberlins wird von so massivem Fluglärm betroffen sein, wie heute die vielen direkten Anwohner des Flughafens Tegel, der mitten in dicht bewohntem Stadtgebiet liegt. Stellen Sie sich mal hier an den Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf! Hier donnern die Maschinen in 50 Meter Höhe drüber. Damit muss endlich Schluss sein und Tegel endlich schliessen!

  14. 27.

    Werden noch Wetten angenommen?

  15. 26.

    Pankower, die Flieger gehen dann über Südberlin, aber über Berlin immer. In Südberlin wohnen übrigens auch Menschen, ich schätze, nicht weniger als in Nordberlin. Wenn ein Flieger abstürtzt, ist der Schaden der gleiche. Der Unterschied beim BER ist, man KÖNNTE die Flugrouten so verlegen, dass sie über unbewohntes Brandenburg geht (schwerhörige Rentner, ausgestorbene Dörfer....), aber man hat die Flugrouten BEWUSST über Südberlin gelegt. Fragt euch mal, warum.

  16. 25.

    Ich wohne seit 2008 in der Einflugschneise und bin hergezogen im Vertrauen darauf, dass TXL schliesst. Der Flugverkehr über Berliner Stadtgebiet ist viel gefährlicher und die Lärmbelastung über versiegeltem und mehrstöckig bebautem Gebiet in Reinickendorf, Spandau, Wedding und Pankow viel größer als jenseits der Stadtgrenze. Finden Sie es nicht auch erbärmlich, wenn BER-Anwohner für eine Offenhaltung von Tegel plädieren und in Kauf nehmen, dass über 300.000 Menschen in Berlin viel größeren Gefahren für Gesundheit und Leben ausgesetzt sind als sie selbst ?

  17. 24.

    Das der BER endlich seinen Flugbetrieb startet und Tegel schließt glaube ich erst, wenn die 1. Maschine in Brandenburg abgehoben hat. Seit Jahrzehnten fliegen die Maschinen über mein Haus, seit der Wende sicher auch mit vielen Brandenburgern, die jetzt den BER-Start fürchten. Ich war und bin ein Tegelfan , auch wenn ich seit 2013 nicht mehr geflogen bin. Mit dem Originalbetrieb konnte ich leben aber seit der BER nicht fertig wird, habe ich statt 2 Flugrputen nun 4 davon über meinem Haus. Wenn es endlich mal ruhig wirf, freue ich mich.

  18. 22.

    Tegel Beführworter? FDP? Wie lächerlich. Das Ding ist total heruntergekommen und ich schäme mich jedes Mal in Grund und Boden vor internationalen Gästen. Afghanistan hat einen schöneren Flughafen in Kabul. Und das nach 40 Jahren Krieg und Taliban und dasärmste Land der Welt
    Die FDP hat nicht mehr alle Tassenim Schrank.

  19. 20.

    Achtet drauf, Berliner, die Flugrouten des BER gehen über Süd-Berlin - ich denke, man muss da schon ein bisschen genauer hinsehen :-)

  20. 19.

    Mal eine Frage an die Tegel-Geplagten. Wie lange wohnen Sie schon im betroffenen Gebiet? Vor der Eröffnung Tegels oder sind Sie womöglich schon im Wissen eines nahegelegenen Flughafens ohne Schallschutz hingezogen?
    Ich wohne seit 1995 am Rande Berlins (in der zukünftigen Flugschneise), als von den BER Plänen noch nicht öffentlich die Rede war. Die Immobilienpreise waren damals auch nicht "billiger". Eine 2 Zimmer Wohnung hat 220.000 DM gekostet.

  21. 18.

    Das kann man ja nachholen, dass mit dem Anprangern. Ich gehe davon aus, dass zum Bändchendurchschneiden alle schön aufgereiht sich vor Kameras präsentieren wie seinerzeit mit dem Spaten....

  22. 17.

    Bin kein großer Freund der freien Wähler, aber den absichtlichen FLUGROUTENBETRUG wird kein Betroffener vergessen. Über POLITIKVERDROSSENHEIT muss sich niemand im Süden Berlins wundern!

  23. 15.

    >> "Der Senat muss endlich von seiner ideologischen und sachfremden Anti-Tegel-Politik abrücken", so Hansel. Daher müsse der innerstädtische Flughafen im Nordosten Berlins erhalten bleiben. <<

    Neulich, als ich auf'm Flughafen Tegel war, lag der noch im Nordwesten von Berlin. ;-)

  24. 13.

    Ich glaube erst an das Datum, wenn ich am Morgen das Radio einschalte und KEINE Sondermeldung höre ........zum Thema BER.....

  25. 12.

    Endlich geht es los....

  26. 10.

    Die Anlieger können noch zufrieden sein, seit 2011 können Sie sich vorbereiten. Die Berliner warten schon seit 2011 das Ihre Gesundheit geschützt wird!

  27. 9.

    Jetzt kommen wieder die Klugscheisser von SPD,FDP und Freien Wählern um die Ecke. Als es darum ging die Verantwortlichen Wowereit und Stolpe an den Pranger zu stellen haben sie , wie alle anderen gekniffen. Also haltet jetzt auch die Klappe.

  28. 8.

    In Tegel fliegen die Flugzeuge über den Kopf
    der Menschen ohne großartigen Schallschutz und das schon seit Jahrzehnten.
    Ausserdem haben viele der Zugezogenen das genau gewusst, dass da ein Flugplatz entstehen soll.
    Aber das Bauland war ja billiger.

  29. 7.

    Ein guter Tag für die Lärmgeplagten von Tegel. Und an die Freien Wähler: es war genug Zeit, sich um den Lärmschutz zu kümmern. Die Leute rund um TXL interessieren Sie ja auch nicht...

  30. 6.

    Rabenschwarz für Zehntausende Brandenburger. Schmetterlingspink für Hunderttausende Berliner.

  31. 5.

    Es geht hier nicht um jammern, sondern darum, dass bei dem Großteil der von Fluglärm Betroffenen die Maßnahmen immer noch nicht umgesetzt sind!

  32. 3.

    "Die Freien Wähler im Brandenburger Landtag sprachen dagegen von einem "rabenschwarzen Tag" für zehntausende Betroffene im Umfeld des Flughafens. Bis zur Eröffnung müssten alle Schallschutzmaßnahmen umgesetzt sein, forderte der Abgeordnete Matthias Stefke" (Zitat)

    Man weiss seit vielen Jahren, dass der BER gebaut wird und es gab eine jahrelange Verzögerung. Und nun wird wegen des Lärms "rumgejammert"?
    Ich warte darauf, dass, nach 8 Jahren Verzögerung, TXL endlich geschlossen wird - und wir haben keinen Schallschutz!

  33. 1.

    Statt Flughäfen sollten wir schnellere Eisenbahnen bauen.

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