Udo Haase in seinem Bürgermeister-Büro in der Gemeinde Schönefeld (Bild: imago images/Sven Lambert)
Audio: Inforadio | 03.12.2019 | Thomas Rautenberg | Bild: imago images/Scen Lambert

Interview | Schönefelds Bürgermeister Udo Haase - "Der BER-Spaten hat bei mir einen Ehrenplatz"

Nach fast 30 Jahren im Amt hat der Bürgermeister von Schönefeld (Dahme-Spreewald) am Dienstag seinen letzten Arbeitstag. Im Interview erzählt er, was er am 31. Oktober 2020 vorhat, von seiner Spatensammlung und seine Beziehung zur Fliegerei.

rbb: Herr Haase, wissen Sie schon, was Sie am 31. Oktober 2020 machen werden?

Udo Haase: Na ja, das weiß ich schon. Ich werde natürlich bei der Eröffnung des BER dabei sein. Das ist ja unbestritten - aber nicht mehr als amtierender Bürgermeister. Das ist ein kleiner Unterschied. Aber Herr Lütke Daldrup (Anm.d.Red.: der Chef der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg) hat mir versprochen, ich bin dabei.

Allerdings waren Sie beim Spatenstich für den Flughafen im Jahr 2006 auch nur irgendwie mittelbar dabei. War das ein Tritt vors Knie?

Da haben sich die Verantwortlichen gedacht, da müssen nur sechs den Spatenstich machen. Der Bürgermeister, der sonst immer dabei ist, war bei diesem Vorhaben nicht dabei. Ich habe daraufhin ein bisschen geunkt: Der siebte Spaten wird Euch fehlen! Und so ist dann auch gekommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass im nächsten Jahr eine Eröffnung stattfinden wird mit einer kleinen Feier. Man wird sich freuen, dass nun endlich dieser BER an den Start gehen wird.

Haben Sie den siebten Spaten noch?

Ja, der hat bei mir einen Ehrenplatz. Eine Zeit lang hatte ich sogar eine Spatensammlung. Die habe ich auf unserem Bauhof nun ausgelagert, wo sie eine Garagenwand ziert. Dort sind sie für die Nachwelt im Prinzip aufbewahrt. Aber den BER-Spaten habe ich behalten und sogar noch einen Spatenstich gemacht – neben den sechs anderen, die bereits im Sand steckten. Ich hatte mir gedacht, den Gag machst du jetzt einfach mal so mit.

Wenn man das Rathaus der Gemeinde Schönefeld betritt, könnte man glauben, man ist in  einer Art Luftfahrt-Museum. Haben Sie eine spezielle Beziehung zur Fliegerei und zu Flughäfen?

Ja, die ist nicht zu leugnen. Ich bin durch meinen Vater geprägt worden, der früher bei der Luftwaffe war. Ich hatte schon als 14-Jähriger eine Genehmigung, mit einem Segelflug zu beginnen. Meinen ersten Alleinflug hatte ich auch recht früh – im Prinzip als Minderjähriger. Und wenn man als Kind anfängt mit diesem Interesse für Flughäfen, für Raum- und Luftfahrt und ähnliche Dinge, dann bleibt das auch so. Deswegen war ich auch sehr glücklich, dass ich hier in Flughafennähe viele Dinge tun konnte, die die Entwicklung dieses zukünftigen Großflughafens vorangebracht haben.

2006 war der Spatenstich für den BER. Wenn man sich umschaut, wie sich Schönefeld entwickelt hat, hat man manchmal den Eindruck, Sie können froh sein, dass es nicht gleich was geworden ist mit der Eröffnung im Jahr 2011. Ansonsten wären Sie doch als Kommune untergegangen?

Da haben Sie völlig Recht. Das ist uns hinterher auch bewusst geworden. Deshalb haben wir auch nie groß lamentiert oder geklagt. Wir haben die Zeit genutzt, um hier Kreisverkehre zu bauen, um verkehrliche Anlagen zu errichten, um die ganze Infrastruktur zu verbessern. Wir haben auch als Gemeinde zum Beispiel einen S-Bahnhof errichtet. Wir kämpfen jetzt für die Weiterführung der U-Bahnlinie U7 von Rudow bis nach Schönefeld und bis zum BER.

Wir kämpfen jetzt für die Weiterführung der U7 von Rudow bis nach Schönefeld und bis zum BER.

Udo Haase, scheidender Bürgermeister von Schönefeld

Nimmt das Land Berlin die U7-Verlängerung nicht ernst genug?

Wir haben gute Beziehungen zur BVG, die das natürlich sehr ernst nehmen und die das auch gerne tun würden. Aber Rot-Rot-Grün in Berlin ist sich nicht einig: Die SPD ist dafür, Linke und Grüne favorisieren nicht die U-Bahn. Dafür ist eine Straßenbahn im Gespräch, aber das ist keine Lösung. Zum einen können Straßenbahnen so viele Leute gar nicht aufnehmen, die in einer U-Bahn sitzen. Und zum anderen wäre es doch viel schlauer, wenn man diese Linie, die zum Berliner Flughafen führt, von Spandau über Rudow weiterführt bis nach Schönefeld und dann bis zum Terminal BER. Es würde sicherlich in jedem anderen Land sofort passieren. Aber hier ist vieles nicht so einfach, weil immer dreierlei Interessen im Raum sind. Wobei U-Bahnen so günstig sind, auch was den Energieverbrauch oder CO2-Einsparungen anbelangt, das man eigentlich nur dafür sein kann.

Wie wird sich die Kommune Schönefeld entwickeln?

Wir gehen heute davon aus, dass Schönefeld in den nächsten Jahren von heute rund 17.000 Einwohnern auf bis zu 45.000 Einwohner wachsen wird. Dabei sei daran erinnert, dass wir 1990 mit 5.000 Einwohnern begonnen haben. Die Zahlen haben wir jetzt mehr als verdreifacht. Aber da ist natürlich noch lange kein Ende der Entwicklung in Sicht. Denn Wohnraum in Flughafennähe ist eines der gefragtesten Güter überhaupt. Auch die Ansiedlung von Logistik und Firmen gehört dazu, wie beispielsweise in München und Frankfurt am Main zu beobachten. Selbst dort werden noch Hotels, Boarding-Häuser und ähnliches gebaut. Und das ist eine Entwicklung, die bei uns genauso vonstattengehen wird.

Sie bauen eine Schwimmhalle, Schulen und andere Einrichtungen, von denen andere Kommunen sicherlich nur träumen können. Natürlich immer mit dem Flughafen und der Flughafenentwicklung im Rücken. Verstehen Sie auch ein bisschen den Frust Ihrer Nachbarn, die sagen: Sie haben den Benefit und wir haben den Lärm und den Dreck des Flughafens?

Das ist völlig falsch. Wir haben hier Belastungen, die haben andere überhaupt nicht. Wir haben ein riesiges Klärwerk, mehrere Autobahnen, die durch Schönefeld führen. Wir haben die Eisenbahn, die Schönefeld zerschneidet. Das sind alles Dinge, die andere nicht haben: Die haben wunderschöne Wälder, Seen und touristische Erholungsgebiete. Deshalb denke ich, das von den anderen Gemeinden mehr Verständnis zu erwarten wäre, weil wir die größten Lasten tragen. Und es gibt noch eine andere Sache. Wir haben neben diesen ganzen Belastungen große Einnahmen, die aber zum größten Teil in den Kreishaushalt gehen. Die Gemeinde Schönefeld zahlt 48 Prozent der Kreisumlage. Davon profitieren natürlich besonders die Gemeinden im Süden unseres Landkreises. Unser Land erhält fast 40 Millionen Euro jedes Jahr als Finanzausgleichsumlage, was auch anderen Kommunen zugutekommt, die nicht so ausgestattet sind. Es gibt also sehr, sehr viele, die von uns profitieren. Mein ehemaliger Vorsitzender des Finanzausschusses hat mal gesagt, wenn Schönefeld mal einen Schnupfen hat, bekommt der Landkreis eine Lungenentzündung, bezogen auf die Finanzen. Das war die treffendste Aussage, die ich je gehört habe.

Ich sehe, dass es Ihnen schwerfällt, sich von dem Amt des Bürgermeisters zu trennen. Haben wirklich Sie gesagt, ich mache Schluss, oder hat Ihre Frau Ihnen auf die Sprünge geholfen?

Die Entscheidung habe ich gemeinsam mit meiner Frau getroffen. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat - in drei Monaten werde ich 68 Jahre alt - muss man sich auch überlegen, ob man diese Arbeit acht weitere Jahre durchstehen will. Außerdem habe ich auch noch Interesse für andere Dinge. Natürlich fällt es mir schwer, weil so viele Sachen angefangen wurden, weil so viele Ideen da sind, die man gerne zu Ende gebracht hätte. Aber man sollte auch den Jüngeren mal den Platz überlassen. Ich tat, was ich konnte und wenn andere es besser können, dann ist es doch schön für Schönefeld.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch mit Udo Haase führte Thomas Rautenberg für Inforadio.

Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben mit Klick ins Bild nachhören.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Jetzt ist klar, warum der BER nicht fertig wird.

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