Mitglieder des Untersuchungsausschusses BER II und Medienvertreter besichtigen den Neubau des Terminals 2 des Flughafens BER (Bild: dpa/Stefan Kruse)
Audio: Inforadio | 13.12.2019 | Thomas Rautenberg | Bild: dpa/Stefan Kruse

BER-Besichtigung mit Abgeordneten - "Wir sind hier immer noch auf einer Baustelle"

Stippvisite am BER: Flughafenchef Lütke Daldrup führte am Freitag die Mitglieder des Untersuchungsausschusses durch die (noch) leeren Hallen. Bei manchen Politikern blieb auch nach dem Vor-Ort-Termin die Skepsis groß. Von Thomas Rautenberg

Einen Vorgeschmack darauf, was die Anreise zum Flughafen BER eines Tages für die Passagiere bedeuten könnte, haben die Abgeordneten des BER-Untersuchungsausschusses am Freitag bekommen. Sie kamen per Auto über die Stadtautobahn und brauchten 90 Minuten. "Das ist halt so", sagt der Grünen-Obmann im Untersuchungsausschuss, Harald Moritz. "Weil wir einen Fehler gemacht haben und nicht mit den Öffentlichen zum BER gekommen sind, sondern uns in den Stau gestellt haben."

Mitglieder des Untersuchungsausschusses BER II und Medienvertreter besichtigen den Neubau des Terminals 2 des Flughafens BER (Bild: dpa/Stefan Kruse)
Die Abgeordneten betreten das Terminal 2 | Bild: dpa/Stefan Kruse

Dafür erlebten die Abgeordneten eine Baustelle, auf der es richtig brummte: Am "Low Cost-Terminal" T2 wurde kräftig gebaut, selbst am späten Freitagnachmittag. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup präsentierte dort den Baufortschritt: "Wir sehen hier eine aus dem Industriebau bekannte Technologie unter dem Dach. Es gibt auch Lüftungsöffnungen im Dach, also eine Entrauchungsanlage, die in ihrer Komplexität deutlich einfacher strukturiert ist als die im Hauptterminal." Die Gepäckanlage ist bereits montiert und unter dicken Planen verhüllt. Vor wenigen Wochen noch waren alle Räume kahl und leer. Jetzt werden überall Kabel gezogen und Lüftungsrohre eingebaut.

13.12.2019, Brandenburg, Schönefeld: Rolltreppen imTerminal 1 des Flughafens BER während der Baustellenbesichtigung durch den Untersuchungsausschuss BER II und durch Medienvertreter (Quelle: dpa/Stefan Kruse)
Noch sind die (Roll-)Treppen im Terminal 1 menschenleer. | Bild: dpa

"Mit sehr heißer Nadel gestrickt"

Dennoch ist der AfD- Abgeordnete Frank Christian Hansel nicht überzeugt, dass die Anlagen auch zum Termin fertig werden. "Wenn ich mir das so anschaue, kann ich mir nicht vorstellen, dass hier schon 2020 geflogen wird. Sie sehen ja, dass hier teilweise noch keine Leitungen drin sind, da muss noch einiges am Innenausbau gemacht werden. Mir scheint das mit sehr heißer Nadel gestrickt."

Zweifel bleiben auch für den FDP-Abgeordneten Sebastian Czaja: der Rohbau im Terminal T2, die Mängelbeseitigung vor allem an den Kabelkanälen im Hauptterminal, die immer noch nicht abgeschlossen ist - ihn überzeuge das alles nicht, so Czaja. "Man muss feststellen, dass wir noch immer auf einer Baustelle unterwegs sind, und deshalb kann man nach wie vor auch bezüglich des Eröffnungstermins skeptisch bleiben."

Lütke Daldrup: Auch über die Feiertage wird gearbeitet

Flughafenchef Lütke Daldrup sieht sich dagegen im Plan. Bis Ende Februar kommenden Jahres sollen die Mängel abgearbeitet und die entsprechenden Tüv-Abnahmen erledigt sein. Zuletzt habe es an dem Bau, der neben dem Hauptterminal 1 liegt, gute Baufortschritte gegeben, so Lütke Daldrup. Mehrere Gewerke arbeiteten inzwischen am Wochenende durch, auch über die anstehenden Feiertage. Daher sei er optimistisch, dass T2 bis Ende Oktober 2020 fertig werde. "Eine Garantie dafür kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht geben."

Vor kurzem hatte Lütke Daldrup angekündigt, dass der BER am 31. Oktober 2020 in Betrieb gehen soll - mit neun Jahren Verzögerung. Der Terminal 2 wurde nachträglich konzipiert, weil der BER bei der Eröffnung bereits zu klein ist, um den erwarteten Zuwachs an Fluggästen zu bewältigen. Baubeginn war erst 2018, die Bauweise ist nach Angaben des Flughafenchefs deutlich einfacher als am Hauptterminal.

Die Kapazität des Hauptterminals T1 wird mit 27 Millionen Passagieren im Jahr angegeben. Im T2 sollen sechs Millionen Reisende pro Jahr abfliegen und ankommen.


Sendung: Inforadio, 13.12.2019, 18:25 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

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11 Kommentare

  1. 11.

    Wenn man den BER als 10-Jahresplan und nicht als Wirtschaftsprojekt betrachtet, ...

  2. 10.

    Da muss ich lachen , die Ossis konnten nichtmal 5 Tage arbeiten,weil am Freitag um 12 Uhr der Hammer gefallen ist . Wie heute noch.

  3. 8.

    Zitat: "... immer noch auf einer Baustelle". - Ach, ja? Wonach siehts denn aus?

  4. 7.

    Sorry, aber da haben Sie einen völlig falschen Ansatz. Nur weil die Anlagen einfacher konstruiert sind heißt das nicht daß sie nicht funktionieren. Man macht im T2 einfach das was am sinnvollsten ist, nämlich den Rauch nach oben absaugen. Im T1 sollte der Rauch nach unten abgesaugt werden, weil der Herr Stararchitekt keine Schornsteine auf seinem Tempel der Luftfahrt haben wollte. Zudem war die Anlage als ein Ganzes für den gesamten Gebäudekomplex konzipiert, was einfach nicht beherrschbar war.

  5. 6.

    Zu DDR-Zeiten wurde an Großprojekten im 3-Schicht-System gearbeitet. Auch an Feiertagen!

  6. 5.

    Und ich halte fest, dass die Rolltreppen Recht klein sind.

  7. 4.

    Ich lach mich kaputt. Es wird auch über die anstehenden Feiertage gearbeitet. Das sind drei. Da kann man bestimmt ordentlich Boden gut machen ;-)

  8. 3.

    "Auch über die Feiertage wird gearbeitet" - Schon wieder: Vorgangspassiv!

  9. 2.

    Halten wir des weiteren fest, dass vor 8 Jahren der gleiche BER bereits eröffnet werden sollte, es gab sogar eine Übung dazu. Nun aber sind Hallen neulich noch leer gewesen, jetzt wird dort gebaut. Was war 2011 dort los??? Nix? Und dann die Aussage " also eine Entrauchungsanlage, die in ihrer Komplexität deutlich einfacher strukturiert ist als die im Hauptterminal." im Low Cost Terminal, will heißen, die, die billiger fliegen, verrauchen eher oder ersticken oder sagen wir es so: bei Sauerstoffzufuhr von wo auch immer - und sei es übers Dach - brennt es schneller und besser, gerne mit Kamin-Effekt über die Dachluken, die sich öffnen lassen.. ich bin begeistert, rasend begeistert.

    Danke, rbb, dass jemand dort war und berichtet...

  10. 1.

    Also, wir halten fest: Die Zweck-Pessimisten halten an ihrer Haltung genauso fest, wie die Zweck-Optimisten.

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