Loewenzahn waechst auf dem Pflaster vor dem Terminal des BER
Audio: Inforadio | 29.04.2020 | Daniel Mastow | Bild: dpa/Andreas Franke

Bau abgenommen, Nutzungsfreigabe erteilt - Landkreis Dahme-Spreewald gibt BER Freigabe

Es ist ein Meilenstein in der schier endlosen Pannen-Geschichte des Flughafens BER: Nach etlichen Fehlschlägen hat nun der Landkreis Dahme-Spreewald den Bau abgenommen und die Nutzungsfreigabe erteilt. Es ist ein großer Schritt Richtung Eröffnung im Oktober.

Der geplante Flughafen BER hat eines der wichtigsten Hindernisse auf dem Weg zur Eröffnung überwunden: Nach Informationen des rbb hat die untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald am Dienstagnachmittag die Nutzungsfreigabe erteilt.

Mit der endgültigen Bauabnahme kann der Flughafen Berlin-Brandenburg nach 14 Jahren Bauzeit am 31. Oktober 2020 an den Start gehen, darauf deutet nach jetzigem Stand jedenfalls alles hin. Der TÜV Rheinland hatte bereits vor gut einer Woche die letzte erforderliche Bescheinigung erteilt. Es waren vor allem die Sicherheitskabel im Terminal, die bis zuletzt große Probleme machten. Noch vor fast einem Jahr hatten die TÜV-Prüfer Zweifel, dass der Zeitplan eigehalten werden könne.

Der Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup zeigte sich bereits seit einigen Monaten zuversichtlich, dass der Eröffnungstermin diesmal tatsächlich Ende Oktober eingehalten werden könne. Im Sommer 2012 war die Eröffnung des BER vor allem an fehlenden baurechtlichen Genehmigungen gescheitert. Bis zuletzt mussten auf der Baustelle eine Vielzahl von Problemen abgearbeitet werden [sehen Sie hier eine Liste].

Flughafengesellschaft auf Staatshilfen angewiesen

Lütke Daldrup hatte kürzlich im Sonderausschuss BER des Brandenburger Landtags erklärt, dass alle erforderlichen Dokumente der Bauaufsichtsbehörde übergeben worden seien, darunter Bescheinigungen des Tüv und Dokumente des Generalplaners. Die Inbetriebnahme sei "noch nie so sicher" gewesen wie heute, betonte der Flughafenchef.

Zuletzt mussten die Flughafenplaner allerdings eine Serie von Testläufen mit Comparsen aussetzen. Grund sind die geltenden Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die macht den Berliner Flughäfen wirtschaftlich schwer zuschaffen. Die Berliner Flughafengesellschaft wird voraussichtlich noch für Jahre auf öffentliche Zuschüsse angewiesen sein. Das ist das Ergebnis einer Studie von internationalen Wirtschaftsexperten, die rbb24 Recherche vorliegt. Demnach fehlen der Gesellschaft bis zum Jahr 2023 1,5 Milliarden Euro. Hauptursache dafür sind die jahrelangen Verzögerungen am Bau des BER. Durch den Betriebsausfall während der Corona-Krise dürfte die Summe weiter steigen, heißt es.

Lütke Daldrup: "Uns droht keine Insolvenz"

Die Experten fordern daher ein milliardenschweres Sanierungskonzept für die Flughafengesellschaft. Die Gesellschaft selbst erklärte zu dem Bericht, sie beteilige sich nicht an Spekulationen zum künftigen Finanzbedarf. Der Flughafenchef Lütke Daldrup sagte am Dienstag dem rbb, es liege ein Businessplan bis 2037 vor. In diesem seien neben dem weiteren Ausbau auch die Finanzierung der Altlasten enthalten.  "Damit haben wir eine solide Basis, die von Wirtschaftsprüfern testiert ist. Uns droht keine Insolvenz." 

Wegen der Pandemie ist die Auslastung von Tegel und Schönefeld zuletzt um über 90 Prozent eingebrochen. Allerdings weigert sich der Bund als einer von drei Gesellschaftern, Tegel temporär zu schließen, um die millionenschweren Verluste zu reduzieren. Lütke Daldrup hatte darauf gedrängt, weil der Flugverkehr in Berlin derzeit mit einem einzigen Terminal zu bewältigen wäre.

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Antwort auf [Vorort] vom 29.04.2020 um 00:44
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39 Kommentare

  1. 39.

    Tegel sollte - aktuell - nicht nur temporär geschlossen werden: Die wenigen vorhandenen Flüge können in Schönefeld abgewickelt werden. Das spart Berlin eine Menge Geld und die Anwohner waren lange genug dem Fluglärm innerhalb der Stadt ausgesetzt. Die Diskussion um Beibehaltung oder (tempörärer)Schließung ist Zeitverschwendung: Vielleicht sollte der Bund daran erinnert werden, dass lt. Planfeststellungsbeschluss der BER als ein internationaler Single! - Flufhafen für die Region Berlin-Brandenburg geplant und gebaut wurde. Es wurde der Beschluss gefasst, den Flughafen Tegel 6 Monate nach der Inbetriebnahme des BER zu schließen. Dieser Beschluss wurde nochmals durch ein Gerichtsurteil in 2006 bestätigt. Nur durch diesen Beschluss, Tegel zu schließen, wenn der BER in Betrieb geht, konnte dieser überhaupt erst ausgebaut werden. Das ist unseren "Volksvertretern" beim Bund wohl entfallen...

  2. 38.

    Wie bei HartzIV: Steuermilliarden im Nullsummen-Prinzip verschwendet. Wenn man noch den ganzen damit verbundenen Stress einbezieht, taucht der Gedanke an Regierungskriminalität mit Verdunklung auf. Wer hat denn nun wirklich einen Nutzen vom BER-Projekt?

  3. 37.

    Der Flughafen heißt dann wahrscheinlich auch: Regional- Flughafen Dahme-Spreewald. Dann soll LDS, auch den Flughafen bezahlen. Wer von solchen Strukturhilfen profitiert und wo durch solche Projekte, Arbeitsplätze künstlich geschaffen werden, diese Landkreise, sollen auch dafür bezahlen. Flughafen LDS. Da kann man sowieso nichts mehr, zu sagen. 30 Jahre Arbeit und Berichterstattung, 6 bis 8 Milliarden Euro, Kosten und heraus kommt der Retro-Flughafen von Dahme-Spreewald. Und in anderen Landkreisen, fehlen ein paar Millionen, für die einfachste Infrastruktur. Gute Arbeit !!!

  4. 35.

    Bauabnahme des Milliardenprojekts durch einen Brandenburger Landkreis liest sich genauso witzig wie die Projektaufsicht durch einen Berliner Bürgermeister. Ohne weitere Worte.

  5. 33.

    Ich schlage vor, hier zu differenzieren. Viel wäre gewonnen, wenn zwischen im Grunde sinnvollen und im Grunde sinnwidrigen Auflagen unterschieden würde. Sinnvoll sind Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen, auch die ästhetische Wirkung eines Gebäudes, soweit es in einem historischen Ensemble steht und bspw. Gestaltungssatzungen existieren.

    Dann gibt es Regelungen, wo es um weniger Zentimeter geht, die schlichtweg vernachlässigbar sind, ohne Folge für die Statik oder für den Brandschutz. Das allerdings setzt Ermessen voraus. Ermessen gilt aber hierzulande als Willkür. Weshalb Ermessen so wenig geachtet wird, liegt am spekulativen Interesse gerade an Immobilien und am Bauwesen insgesamt.

    Das Problem ist größer gestallt, als nur auf den B E R zugeschnitten zu sein. Nachdem ein Bau begonnen wurde, sollten Planänderungen nur aus dem Baufortschritt selbst heraus resultieren, nicht aber aus den Änderungen äußerlicher Anforderungen. Dafür ist dann die Zeit vorbei.

  6. 32.

    Das ist keine Pannen Geschichte, sondern eine Geschichte über die Bürokratie in Deutschland, gerade im Bauwesen.
    So viele unsinnige Vorschriften bis zu einem TÜV der seinen Namen eigentlich überhaupt nicht verdient.
    Wie auch alles anders funktionieren kann und vor allem schneller sieht man ja jetzt in diesen Zeiten, von daher sollte man vielleicht als positives aus dem Jetzt mitnehmen, dass man viele der Vorschriften in die Tonne klopfen kann!
    Dann klappt es auch wieder mit günstigen Bau.

  7. 31.

    Die derzeitige Ruhe ist sehr angenehm. Warum macht man Tegel nicht gleich zu? Benötigt wird dieser Flughafen derzeit ja sowieso nicht. Dann kann der Umzug schon schrittweise bis Oktober erfolgen.

  8. 30.

    Stimmt, PotsMi, die Flugrouten, da war doch was...

    Letztlich völlig unerklärlich, warum die über Südberlin gehen müssen, wenn im während der langen Bauzeit völlig entvölkerten Brandenburg nicht mal mehr die Kraniche - äh - Störche auffliegen würden bei dem einen Flieger pro Tag,

  9. 29.

    Ein eröffnete Flughäfen, aber keine Flugzeuge und ohne Publikumsverkehr. Läuft.

  10. 28.

    Schade. Die jahrelangen Kämpfe der Betroffenen umsonst. Man hat aus den Belastungen für die Menschen in Tegel und Umgebung einfach rein gar nichts gelernt. Deshalb verlagert man das Problem und trägt den Dünkel dann auf dem Rücken anderer Anwohner aus. Sperenberg wäre immer noch die bessere Alternative gewesen.

  11. 27.

    Kann es kaum erwarten nicht mehr vom TXL in den Urlaub zu starten...auch wenn es nach Corona noch etwas dauern wird ;-)

  12. 26.

    Neeee, das gibts doch nicht - so ein übler Abgreifer! Jetzt, wo nix mehr fliegt, lässt der L-D den Airport eröffnen... klar, der braucht nur das Regierungsterminal und einen Schalter für Dienstreisen ohne Gepäckaufgabe (Hotels dicht). Ey, unter diesen Bedingungen kann auch Paderborn/Lippstadt Hauptstadtflughafen werden!

    Und die Eröffnungsfeier und den Probebetrieb sparen sie sich auch! Alter... ich glaubs nicht, wie gerissen ist das denn!

  13. 25.

    Die Planer des BER sind genial. Bei der Eröffnung werden weniger Fluggesellschaften noch existieren und weniger Menschen fliegen. Also eine zielgenauere Kapazitätsplanung hat es bei noch keinem Flughafenbau gegeben. Da dies genau geplant wurde hat es so lange gedauert.

  14. 24.

    Das sehen die Anwohner von TXL, die im Augenblick die Ruhe genießen können, sicher anders.

  15. 22.

    Es ist eigentlich ein Treppenwitz, dass der Ausbau des SXF zum Leidwesen der dadurch von Kurzarbeit bedrohten Journalisten ausgerechnet dann in Betrieb gehen kann, wo selbst THF das Passagieraufkommen abwickeln könnte - wenn auch die Bahnen etwas kurz sind. Angesichts der wirtschaftlichen Lage und der aktuellen Situation ist es umso unverständlicher, dass der Bund so lange wie möglich die FBB am TXL Geld verbrennen lassen möchte.

    Grundsätzlich sollte die FBB das Gebührenmodel überdenken. Wenn dadurch ein paar weniger AirBnB-Kunden eingeflogen werden, um die Spätis mit Biergarten zu verwechseln, wäre das sicherlich nicht das schlechteste - auch wenn Lederer und die Clubkommision bestimmt jammern werden. Corona wird nicht ewig das beherrschende Thema beleiben.

  16. 21.

    Vor einigen Jahren war in “Der Postillion“ eine nette Geschichte.
    “Archäologen entdecken historische Ruine ungeahnten Ausmaßes im Süden Berlins“

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