Luftbildaufnahme des Terminal A am Flughafen Tegel (Quelle: DPA/Tino Schöning)
Audio: Inforadio |15.05.2020 | Thomas Rautenberg | Bild: DPA/Tino Schöning

Kosten einsparen - Aufsichtsrat spricht sich erneut für die Schließung von Tegel aus

Der Flughafen Tegel soll geschlossen werden, 200.000 Euro am Tag will die Betreiberfirma so sparen. Wegen der Corona-Krise bleiben die Fluggäste aus. Der Bund war eigentlich gegen die Schließung, könnte aber seinen Widerstand aufgegeben haben.

Der Flughafen Berlin-Tegel soll ab dem 1. Juni wegen der Corona-Krise zeitweilig geschlossen werden. Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) sprach sich erneut für die Stilllegungspläne aus, die auch Geschäftsführer Engelbert Lütke-Daldrup umsetzen möchte. Das wurde nach der Aufsichtsratssitzung am Freitag bekannt.

Die Betriebskosten sollen gespart werden, da wegen des derzeit geringen Passagieraufkommens der Flughafen nicht gebraucht werde. Es reiche, den verbliebenen Verkehr über den Flughafen Schönefeld abzuwickeln.

Tegel könnte geschlossen bleiben

Mitte kommender Woche werden die Flughafeneigentümer die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund abschließend über die zeitweilige Schließung Tegels beraten. Wie es heißt, hat der Bund seine Forderung nach einem Weiterbetrieb bereits aufgegeben.

Stimmt die Luftfahrtbehörde dem Antrag zur temporären Schließung von Tegel zu, wollen die Betreiber Ende Mai darüber einen Beschluss treffen. Nach letzten Informationen soll Tegel für zwei Monate geschlossen bleiben. Ob der innerstädtische Flughafen dann überhaupt noch einmal öffnet, ist unklar.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft trotz eines Passagierrekords mit 35,6 Millionen Fluggästen einen Verlust von knapp 96 Millionen Euro verbucht. Das Minus lag um rund 19 Millionen Euro höher als im Jahr davor. Der Verlust dürfte in diesem Jahr noch höher ausfallen - wegen der Corona-Krise ist der Passagierverkehr in Tegel und Schönefeld inzwischen aber praktisch zum Erliegen gekommen. Im April starteten und landeten dort nur noch 27.600 Fluggäste. Das entspricht einem Prozent der Passagierzahlen vom April des vorigen Jahres.

Experten sehen drohende Insolvenz

Wie in den Vorjahren dürfte zudem der neugebaute Flughafen Berlin Brandenburg (BER) die FBB GmbH in die roten Zahlen gedrückt haben. Der neue Hauptstadtflughafen soll nach jahrelangen Verzögerungen Ende Oktober den Betrieb aufnehmen.

Bislang haben die Eigentümer der FBB, die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund, für das laufende Jahr zwar eine Kapitalerhöhung von 300 Millionen Euro zugesagt. Zusätzlich will die FBB noch Kredite für 792 Millionen Euro aufnehmen, für die Hälfte sollen die Eigentümer bürgen.

Wirtschaftsexperten warnten aber kürzlich in einer Studie vor einem Finanzdesaster am BER auch nach der Eröffnung. Sie verwiesen auf einen darüber hinaus gehenden Kapitalbedarf und stützen sich dabei auf die bislang veröffentlichten Zahlen der FBB zu Kredit- und Zinslasten, sowie die Entwicklung der Personal-, Sach- und künftigen Investitionskosten.

Bis 2023 könnten der FBB bis zu 1,5 Milliarden Euro fehlen, die von den bisherigen knapp 1,1 Milliarden Euro nur zum Teil gedeckt werden, hieß es. Damit drohe der FBB die Insolvenz, so die Autoren. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup wies zurück, dass der BER ein Sanierungsfall sei.

Sendung: Inforadio, 15.05.2020, 6 Uhr

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38 Kommentare

  1. 38.

    Haben Sie eine Großpackung Taschentücher oder Kleenex parat? ;-)

    Phoenix bringt heute schon den ganzen Tag den Thementag "Berlin vereint!"

    Im Moment zeigt man die Luftbrücke '48, vorhin lief schon "Der Flughafen Berlin-Tempelhof".

    https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/der-flughafen-berlin-tempelhof-a-1336900.html

    https://www.phoenix.de/tv-programm.html

  2. 37.

    Klar :) Aber um ehrlich zu sein, isch ´abe gar kein ebookreader... voll altmodisch, ich brauch noch das gute alte Seitenumblättern. Die ganze Internetleserei ist ehschon Bildschirm genug.

    Aber, um wenigstens halbwegs beim Thema zu bleiben, Flughafen Tempelhof hab ich nicht halb soviel nachgeweint. Konnte ich nichts mit anfangen. Außer draußen am Zaun stehen und Flugzeuge gucken, beim starten und landen, so richtig schön hautnah. War ein netter Spaziergang dorthin, oft verbunden mit einem Besuch hier:
    https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/wie-geht-es-uns-/restaurantbesitzer-berlin-neukoelln-ioannis-papadopoulos-grieche.html
    Wollte ich eh mal wieder hin. Kann ich gleich mal schaun, wie das Tempelhofer Feld mittlerweile von da aus aussieht... aber vermutlich packt mich dann *wieder* die Sentimentalität ;)

    Na ja. Fliegerei... bin echt gespannt, wie sich das insgesamt weiterentwickelt. An die BER-Öffnung glaub ich erst, wenn Flugzeuge dort starten und landen ;)

  3. 35.

    Ja, das wird sicher helfen :)

    Ich dachte ansonsten schon an Konsalik lesen, den hab ich früher nämlich igoriert - aber damit werd ich jetzt wohl auch besser nicht mehr anfangen ;)

  4. 34.

    Ihnen kann geholfen werden. :-)

    Freuen Sie sich dür die Spandauer, Reinickendorfer und Pankower ohne Flugterror und wenn Sie wieder Wehmut überfällt gucken Sie sich die Bilder an, die der rbb extra dafür hochgeladen hat. Inkl. Klaus Schütz und überfüllten Abfertigungshallen. ;-)

    https://www.rbb24.de/politik/Flughafen-BER/BER-Aktuelles/akteure_aktuell/2020/05/flughafen-berlin-tegel-schliessung-gesellschafterversammlung.html

  5. 33.

    Tegel aufzugeben mag ja sinnvoll und richtig sein...
    ... aber mir tut der Gedanke jetzt schon weh.
    Ich kanns noch nicht mal richtig erklären.
    Ist wohl pure Sentimentalität :)

  6. 32.

    Tschüss, Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten. Wer TXL für den sichersten Airport hält, scheint generell nicht viel von Sicherheit zu halten.

  7. 29.

    Der BER ist im Chaos entstanden und wird im Chaos untergehen.

  8. 28.

    Der Tagesspiegel, die Berliner Morgenpost und die BZ haben geschrieben, dass es Überlegungen gibt, den BER vor dem 31.10.2020 zu eröffnen.
    Zuletzt äußerte der Finanzsenator Berlins, dass es vielleicht 4 Wochen schneller geht, den BER zu eröffnen.

  9. 27.

    Für die Menschen in Spandau, Reinickendorf und Pankow bringt die Corona-Zeit ein vollkommen neues Lebensgefühl mit sich. Wir haben derzeit den Zustand, den wir schon vor mehr als zehn Jahren haben sollten, nämlich ein Leben ohne Fluglärm. Tegel war ein schöner Flughafen, aber die Erde dreht sich weiter, und nun sind seine Tage gezählt. Ich würde es für vernünftig halten, die BER-Inbetriebnahme jetzt durchzuziehen, weil das unter wenig Betrieb einfach besser geht als unter mehr Betrieb, wie er im Herbst vermutlich wieder angelaufen ist. Diese historische Chance sollte man nutzen. Eine Rückkehr des zivilen Luftverkehrs nach Tegel könnte man dadurch auch vermeiden.

  10. 26.

    Ja, die Verluste sind absurd. Bei den Zahlen für 2019 würden zusätzliche Gebühren von 3 EUR je Fluggast und Flug den Fehlbetrag bereits decken !!! Gebühren erhöhen oder die Citytax ;)

  11. 25.

    Je schneller Tegel geschlossen wird, um so besser. Ein Jahrzente lang währender Notnagel, ein Relikt der Teilung dieser Stadt. Außerdem ist der Fluglärm somit beendet. Auf zum BER. (Sofern er öffnet...)

  12. 24.

    Wie erklärt die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft trotz 35,6 Millionen Fluggästen, einen Verlust von knapp 96 Millionen Euro? - Kreative Buchführung machts möglich.

  13. 23.

    Wenn der beste und sicherste Flughafen TXL schließt, ist mein Berlin nicht mehr da. Dann wandere ich aus.

  14. 22.

    Der Passagierdurchsatz dürfte in SXF kein Problem sein, aber die Gesellschaften müssen ja irgendwo hin. Terminal M wird gerade umgebaut. Am BER geht vor dem Cleaning nichts. Dass das kleckerweise geht wage ich zu bezweifeln. Herr Mehdorn, ja wenn der das so wollte könnte das natürlich klappen. Der hat ja auch die Bahn und Air Berlin zu weltweit führenden Unternehmen gemacht.

  15. 21.

    Die gesamte Westhälfte von Berlin liegt im Osten - Macht aber nichts. Und Vieles ist im ,,Alten Westberlin,, nunmal in die Jahre gekommen. Dazu gehört auch der Flughafen Tegel, mit seiner katastrophalen An-und Abfahrt. Und nach ,,Westen,,sieht es in Berlin, an vielen Ecken, schon lange nicht mehr aus-Macht aber auch nichts.

  16. 20.

    SXF schafft pro Monat 1 Mio Passagiere. Im April hatten beide zusammen 27000. Da ist aktuell ne Menge Luft nach oben.
    Und zur Not fängt man mit einer kleinen Ecke des BER Terminals an, hatte ja schließlich auch der hochbezahlte Herr Mehdorn so geplant ;)

  17. 19.

    Wo haben Sie denn die Räuberpistole gelesen, daß der BER vor Ende Oktober eröffnet wird?
    Die Thematik Lounge interessiert mich überhaupt nicht und war auch nie Bestandteil meiner Kommentare.

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