Archivbild: Flughafen Tegel Otto Lilienthal. (Quelle: imago images/J. Huebner)
Audio: Inforadio | 20.05.2020 | Thomas Rautenberg | Bild: imago images/J. Huebner

Gesellschafter geben grünes Licht - Flughafen Tegel kann vorübergehend geschlossen werden

Der Berliner Flughafen Tegel darf am 15. Juni vorübergehend schließen. Das haben die Gesellschafter beschlossen. Flughafenchef Lütke Daldrup stellte im rbb jedoch klar, dass der Airport nur vom Netz geht, wenn die Passagierzahlen weiter niedrig bleiben.

Der Berliner Flughafen Tegel kann am 15. Juni vorübergehend außer Betrieb gehen. Das haben der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg am Mittwoch in einer per Videokonferenz abgehaltenen Gesellschafterversammlung beschlossen. Voraussetzung sei, dass die Flughafengesellschaft den zivilen Flugverkehr jederzeit sicherstelle und die Nutzerinteressen des Bundes gewahrt seien.

Den entsprechenden Antrag hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bereits Ende April gestellt, nachdem sich der Aufsichtsrat für die vorübergehende Schließung ausgesprochen hatte. Bis Ende Mai wird die Senatsverkehrsverwaltung als oberste Luftfahrtbehörde des Landes über die temporäre Schließung entscheiden. Der Berliner Flugverkehr wird dann über Schönefeld abgewickelt.

"Wir können, wenn es wirtschaftlich erforderlich ist, Schönefeld als einzigen Flughafen in den nächsten Wochen betreiben", sagte Lütke Daldrup am Abend im rbb. "Aber wir werden uns sehr genau anschauen, wie der Flugverkehr sich Ende Mai/Anfang Juni weiterentwickelt." Tegel werde nur vom Netz genommen, "wenn wir ihn nicht brauchen", so Lütke Daldrup in der Abendschau. Auch die Hygieneregeln und die Dauer der Sicherheitskontrollen gelte es zu berücksichtigen. Notfalls könnte Tegel im Sommer wieder innerhalb von ein bis zwei Wochen hochgefahren werden. Sicher sei jedoch, dass Tegel nach der Eröffnung des BER am 8. November endgültig schließen werde.  

Hohe Kosten durch den Stillstand

Hintergrund der möglichen Schließung von Tegel sind die geringen Passagierzahlen wegen der Corona-Krise. Zuletzt flogen an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld nur etwa 2.000 Passagiere pro Tag. Das Hauptabfertigungsgebäude in Tegel ist schon seit Mitte März geschlossen, Passagiere checken nur noch im Nebenterminal C ein.

Die Flughafengesellschaft hat dadurch hohe Kosten: 7,5 Millionen Euro sind nach Angaben des Flughafenchefs pro Monat notwendig, um den Stillstand zu finanzieren.

Kompromiss mit dem Bund

Berlin und Brandenburg drängen bereits seit längerer Zeit auf die Stilllegung. Der Bund hatte zuletzt noch Bedenken, weil Flüge der Bundesregierung zum Teil über Tegel abgewickelt werden. Er will erst das Regierungsterminal in Schönefeld in Betrieb nehmen, bevor Tegel geschlossen wird. Der jetzt genannte Schließungstermin Mitte Juni ist vermutlich der Kompromiss: Flughafenchef Lütke Daldrup hatte sich die vorübergehende Stilllegung bereits für Anfang Juni gewünscht. Er äußerte sich am Mittwoch erfreut über den Beschluss: "Wir begrüßen die Bereitschaft des Bundes den Regierungsflugbetrieb zeitnah in Schönefeld aufzunehmen." 

Die Schließung ist zunächst für zwei Monate geplant. Sollten sich die Passagierzahlen bis dahin nicht erholt haben, wird eine endgültige Schließung wahrscheinlicher, denn Ende des Jahres soll Tegel ohnehin final vom Netz gehen. Nach mehreren geplatzten Terminen ist geplant, dass am 31. Oktober der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet wird und am 8. November die letzte Maschine in Tegel abhebt. Lütke Daldrup hatte sich zuletzt skeptisch gezeigt, dass Tegel nach der vorübergehenden Schließung noch einmal ans Netz gehen könnte.

Skepsis und Freude in der Politik

Die Entscheidung der Gesellschafter wird in der Politik unterschiedlich aufgenommen.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja erklärte, Berlin brauche Tegel in der Corona-Krise mehr denn je: "Die Abfertigungskapazitäten am BER werden nicht zuletzt auf Grund der geltenden Hygieneregeln niemals ausreichen." Der AfD-Politiker Frank-Christian Hansel sagte: "Funktionierende Infrastruktur gibt man nicht auf." Klar sei, dass der Flugverkehr wieder auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehren werde.

Der CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici schlug vor, den BER früher zu eröffnen, um mögliche Kapazitätsengpässe zu vermeiden, wenn Tegel dann geschlossen sei.

Vertreter von Grünen und Linken äußerten sich dagegen erfreut über den Beschluss. "Endlich kommt die, hoffentlich endgültige, Entlastung der Anwohner*innen vom Fluglärm", twitterte der Grünen-Abgeordnete Harald Moritz. Der Linke-Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich aus dem von Fluglärm geplagten Bezirk Pankow twitterte: "Hurra! Endlich!"

Monument der vergangenen Zukunft

Kommentar

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Antwort auf [Berliner] vom 20.05.2020 um 11:58
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101 Kommentare

  1. 101.

    Auch sie beantworten beide Fragen nicht und weichen aus.

    "WOHIN denn? Tegel ist am Ende und wurde weit über seine Kapazitäten betrieben.

    "Was hat der BER alles an Milliarden verschlungen..." Meinen sie wirklich das wäre mit TXL anders gewesen?"

    Wenn sie zwei Pommesbuden haben, eine die bald abgerissen wird und eine neu. In welche würden sie eher investieren?

  2. 100.

    Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung (vom Juli 2017)
    „Allein für die Gebäude wären 550 Millionen Euro fällig, 350 Millionen Euro für die Erneuerung der Verkehrswege und 250 Millionen Euro für die Infrastruktur.“

    Wenn man bedenkt, welche Unsummen der BER bis dato zusätzlich verschlungen hat (je Monat 35,681 Mio €), hätte man für dieses Geld ganz locker den Tegeler Flughafen auf aktuellen Stand bringen können. Und da schon längere Zeit öffentlich gemunkelt wird, dass heute schon der BER viel zu klein sei, kann man sich vorstellen, dass die weiteren avisierten Ausbaukosten den Himmel endgültig sprengen werden. Alles zu unseren (Steuerzahler-)Lasten.

  3. 99.

    Aufgeben sollte selten eine Option sein,aber wenn negative Kräfte walten.Hoffen,es gibt noch eine positivere
    Lösung zum Erhalt des Flughafens,denn es sollte das Grosse und Ganze gesehen werden und nicht nur die eige-
    ne Problematik,denn die kann oft durch eigene Initiative gelöst werden ; vielleicht mal was zum Nachdenken und nicht nur Mosern oder unangebrachter Ratschläge-Abgabe.

  4. 98.

    "AAAABER : wäre es nicht bei Weitem günstiger gekommen, diesen Flughafen super ausbauen zu lassen?"

    WOHIN denn? Tegel ist am Ende und wurde weit über seine Kapazitäten betrieben.

    "Was hat der BER alles an Milliarden verschlungen..." Meinen sie wirklich das wäre mit TXL anders gewesen?

    "Toller Comfort, schnelle Eincheckzeit," Und dafür müssen 150.000 Menschen leiden, na danke.

    "Die Anwohner wissen worauf sie sich einlassen, wenn sie dorthin in diese Gegend ziehen; dafür zahlen sie wenig Miete... " Ich wohne hier, da war TXL noch nicht gebaut.

    "Es wäre fatal für viele Menschen in und aus Berlin". Nein, nur für Egoisten wie sie! Fahren sie mit der Bahn. Bei soviel asozialen Egoismus werde ich echt wütend!

  5. 95.

    Die ursprüngliche Aussage war "Stundenlange Staus auf dem Saatwinkler Damm und der A111". Die Kreuzung Saatwinkler/Gartenfelder ist tagtäglich(vor der Krise) in der Rush Hour zu, inkl. langen Rückstaus in alle Richtungen.

    "Der Bus TXL / Saatwinler Damm ist da leider die negative Ausnahme.
    Ihre Aussage täglicher Dauerstau entspricht leider bzw. zum Glück nicht der Realität!" Sie widersprechen sich selbt.

    Fragen sie mal Leute, die in der HoKa III wohnen oder in den dortigen KGA ihren Garten haben. Mäckeritzbrücke, Saatwinkler, Jungfernheideweg, alles dicht.

    Was verstehen sie denn unter "normaler Verkehrslage"? Nachts um 3 Uhr? Morgens um 5 Uhr?

  6. 93.

    Nunja, wenn man älter ist und sich von der Politik beeinflussen lässt...oder von persönlichen Leitfäden dann hat für denjenigen der Berliner TXL seine Schuldigkeit getan.... AAAABER : wäre es nicht bei Weitem günstiger gekommen, diesen Flughafen super ausbauen zu lassen? Was hat der BER alles an Milliarden verschlungen.... Da hätte man Luftgesellschaften, die pleite gegangen sind, retten können!! Ich fliege seit Jahrzehnten von Berlin nach Zürich... Toller Comfort, schnelle Eincheckzeit, kurze Wegstrecken, egal von wo man kommt...
    Die Anwohner wissen worauf sie sich einlassen, wenn sie dorthin in diese Gegend ziehen; dafür zahlen sie wenig Miete...
    Muss man vom Süden BER aus in die Stadt Richtung Norden, dauert es ca 2 Std mit Auto wie auch mit der Bahn... Mein Flug nach Zürich dauert 50 min. Es wäre fatal für viele Menschen in und aus Berlin ; aber daran denkt keiner, und schon gar nicht die Politiker.
    Und NEIN, er hat seine Schuldigkeit nicht getan.... Er ist super cool :-)

  7. 92.

    Sie haben mich mißverstanden, nicht sie, die Mottenpost macht gerne Wahlkampfhilfe für die cDU und FDP, wie man an dem Beispiel aus dem Jahre 2012 sehen kann.

  8. 91.

    Die ursprüngliche Aussage war "Stundenlange Staus auf dem Saatwinkler Damm und der A111". Die Kreuzung Saatwinkler/Gartenfelder ist tagtäglich(vor der Krise) in der Rush Hour zu, inkl. langen Rückstaus in alle Richtungen.

    "Der Bus TXL / Saatwinler Damm ist da leider die negative Ausnahme.
    Ihre Aussage täglicher Dauerstau entspricht leider bzw. zum Glück nicht der Realität!" Sie widersprechen sich selbt.

    Fragen sie mal Leute, die in der HoKa III wohnen oder in den dortigen KGA ihren Garten haben. Mäckeritzbrücke, Saatwinkler, Jungfernheideweg, alles dicht.

    Was verstehen sie denn unter "normaler Verkehrslage"? Nachts um 3 Uhr? Morgens um 5 Uhr?

  9. 90.

    In Sperenberg, wie von allen Experten empfohlen. Die Business -und Regierungsflieger in Schönefeld. Mallorca- und Bumsurlaubflieger in Sperenberg.

    "Obwohl die in Auftrag gegebenen Gutachten – hier vor allem die sehr umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Rahmen des Raumordnungsverfahrens – eindeutig, das heißt für alle untersuchten Schutzgüter, zu dem Ergebnis kamen, dass der Flugplatz Sperenberg der mit Abstand am besten geeignete Standort für den neuen Großflughafen sei (so wäre z. B. am Standort Sperenberg im Vergleich zu Schönefeld nur mit einem Bruchteil der Fluglärmbelastung der lokalen Bevölkerung zu rechnen gewesen), entschied sich die Politik letztendlich für den Flughafen Berlin-Schönefeld als zukünftigen Standort"

    https://de.wikipedia.org/wiki/Flugplatz_Sperenberg#Diskussion_um_den_Ausbau_als_Flughafen_Berlin-Brandenburg

    "Das war ohne Sinn und Verstand und zeugt davon, daß aus Tegel aber auch rein gar keine Lehren gezogen wurden."

  10. 89.

    Nun wird TXL geschlossen und bleibt wahrscheinlich auch geschlossen. Die Fluggastzahlen werden bestimmt nicht das VOR Corona Niveau erreichen und der BER steht ja nun hoffentlich in den Startlöchern. Alles bestens! Nun gibt es einen Streitpunkt weniger bei rbb 24 aber wir haben ja noch genug......smile. Und die paar Trolle, die hier herumgeistern, kann man getrost ignorieren. Nice day

  11. 88.

    Die Empfehlungen gingen seinerzeit ganz klar nach Sperenberg. Und soweit ich mich erinnere, ging es auch dort um den Betrieb eines einzigen Flughafens, nicht zusätzlich zu Schönefeld.

  12. 87.

    Also ich betreibe keine Wahlkampfhilfe- für keine Partei.
    Ich meinte auch nicht, dass mit mehr Mitteln mehr Platz für weitere Flieger gebaut werden sollte. Mir ging es nach dem Eröffnungsdesaster des BER um Instandsetzungsmittel für die wichtigsten Funktionen,für die Fluggäste,wie Sanitäranlagen,Kofferbänderetc.
    Das da auch 2012 schon kein Platz für weitere Flieger war, wurde ja mehrmals dokumentiert und von der Politik ignoriert.

  13. 86.

    Öhm...ich fahre jeden Tag mit der BVG zu meinem Arbeitsplatz am Flughafen Tegel.
    Wo ist denn da täglich ein Dauerstau? (die aktuelle Verkehrlage zur Corona-Krise lassen wir mal außen vor).
    Bei normaler Verkehrslage kommen sie vom J-K-Platz bzw. Kutschi zügig zum/vom Flughafen.
    Der Bus TXL / Saatwinler Damm ist da leider die negative Ausnahme.
    Ihre Aussage täglicher Dauerstau entspricht leider bzw. zum Glück nicht der Realität!

  14. 85.

    Ja, die Berliner Morgenpost als Springers cDU Hauspostille...

    WER den BER unbedingt haben wollte, gegen alle Vernunft, verschweigt man. Auch mit einer Komplettsanierung von TXL hätte TXL nicht besser "durchgehalten". Man schaue sich das Gelände von TXL von oben an, jedem Kleinkind fällt sofort auf dass da einfach kein Platz mehr ist, vom zusätzlichen Flugterror für die Bewohner mal abgesehen, woher wollte man weitere Lande/Startbahnen denn herbekommen?

    Das ganze liest sich wie verfrühte Wahlkampfhilfe für die cDU/FDP.

  15. 84.

    Wo hätte denn ein neuer Hauptstadtflughafen sinnvollerweise gebaut werden sollen, wenn nicht in Schönefeld? Die Nähe zu Berlin muss ja sein, eine gewisse Verkehrsanbindung auch, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob es soviel besser gewesen wäre, an einem ganz anderen Ort im Berliner Umland einen ganz neuen zweiten Standort zusätzlich zu Schönefeld aufzumachen?

  16. 82.

    Lassen Sie uns die "Corona-Flugruhe" genießen, denn ich glaube nicht, dass Tegel Mitte Juni vorübergehend schließt:
    "Aber wir werden uns sehr genau anschauen, wie der Flugverkehr sich Ende Mai/Anfang Juni weiterentwickelt." Tegel werde nur vom Netz genommen, "wenn wir ihn nicht brauchen", so Lütke Daldrup in der Abendschau. Auch die Hygieneregeln und die Dauer der Sicherheitskontrollen gelte es zu berücksichtigen. Notfalls könnte Tegel im Sommer wieder innerhalb von ein bis zwei Wochen hochgefahren werden. Sicher sei jedoch, dass Tegel nach der Eröffnung des BER am 8. November endgültig schließen werde. "
    Trau schau wem.........

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