Flughafen Tegelin Berlin (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Debatte über Schließung - Kommt es beim Flughafen Tegel zum Kompromiss?

Der Flughafen Tegel soll offenbar erst Anfang Juli vom Netz gehen. Auf die Verschiebung hat der Bund gedrängt. Ob Tegel dann überhaupt noch vorübergehend geschlossen wird, steht inzwischen wieder in Frage. Am Mittwoch entscheidet die Gesellschafterversammlung. Von Thomas Rautenberg

Selten zuvor hat Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup so sehr auf das Tempo gedrückt: Bereits am 28. April stellte er den Antrag aus eine "temporäre Befreiung von der Betriebspflicht" für Tegel. Für zunächst zwei Monate sollte Tegel dicht gemacht werden.

Bis Ende Mai wird die Senatsverkehrsverwaltung als oberste Luftfahrtbehörde des Landes über die temporäre Schließung entscheiden. Der Flughafen hat keine Passagiere mehr, sein Betrieb kostet viel Geld, monatlich werden rund 7,5 Millionen Euro für den Stillstand verpulvert, begründete der Flughafenchef Lütke Daldrup die Eile.

Der Bund bremst

Doch so dringend, wie es der Flughafenchef gern hätte, wollte der Bund als Flughafen-Miteigentümer die Schlüssel für Tegel nicht abgeben. In Tegel starten und landen bei Bedarf die Maschinen der Bundesregierung. Und bevor die endgültig nach Schönefeld umziehen, muss dort das neu erbaute Regierungsterminal voll funktionstüchtig sein. In der zweiten Jahreshälfte übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft und falls dann auch wieder Staatsgäste kommen, muss am Flughafen alles klappen.

Insofern will der Bund auf Nummer sicher gehen: Auf Tegel verzichten ja, aber nicht zum 1. Juni, wie geplant, sondern vielleicht einen Monat später. Auf diesen Kompromiss könnte sich die Gesellschafterversammlung, in der neben dem Bund auch die Länder Berlin und Brandenburg vertreten sind, sicher einigen. Sie kommt am Mittwochmorgen zusammen.

Bleibt Tegel vielleicht sogar offen?

Das Problem: Inzwischen haben große Airlines wie beispielsweise Ryanair angekündigt, dass sie ihren Flugverkehr wieder hochfahren wollen. Ab Juli will der irische Billigflieger wieder 40 Prozent seiner Strecken bedienen. Sollten die Carrier ihren Worten auch Taten folgen lassen, würde der touristische Flugverkehr in der Region sehr schnell wieder zunehmen. Theoretisch verfügt Schönefeld mit einer Kapazität zwischen zehn und 13 Millionen Passagieren zwar über ausreichende Reserven, praktisch aber fordern die Corona-Abstandsregeln viel Platz und einen hohen logistischen Aufwand.

Tegel könnte also schneller als gedacht wieder gebraucht werden. Im Zweifel also wird die Flughafengesellschaft auf die beantragte temporäre Schließung Tegels kurzerhand verzichten.

Monument der vergangenen Zukunft

Sendung: Inforadio, 20.05.2020, 7 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Horst] vom 19.05.2020 um 20:56
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

18 Kommentare

  1. 18.

    "Von der City-West in 15 min. am Gate." Das sind die dreistesten Fake News ever!

    "Wozu also solche Fluglärm-Debatten?" Schreibt die, die im nicht von Fluglärm bedrohten Chlbg. wohnt. NIMBY.

    "Und: andere Metropolen gönnen sich auch einen innerstädtischen und einen außerstädtischen Flughafen. " Weil Berlin ein nationales aber kein internationales Flugkreuz ist. Dafür gibt es FFM.

    " ! TEGEL MUSS UNS ERHALTEN BLEIBEN ! !" Wer schreit hat meistens unrecht.

  2. 17.

    Bei Ihnen klingt das so, als ob Sie wöchentlich Fliegen würden. Sie sollten dabei bedenken, dass Otto-Normal-Berliner nur einmal im Jahr (wenn überhaupt) fliegt.

    "Wenn Tegel schließt stirbt ein Teil Berlins"

    Es sind schon so viele Teile Berlins gestorben. Ist halt eine Großstadt, alles im Wandel.

  3. 16.

    Kann sich in diesem Land nicht einmal an irgend ein Versprechen gehalten werden?
    Dieser Flughafen ist Schrott und muss auch aus Rücksicht auf die Anwohner geschlossen werden.

  4. 15.

    Man kann Herrn Müller vieles nachsagen. Der Konsenbeschluß entstammte jedoch der Feder Diepgens und ist schon seit Jahren nicht mehr rückgängig zu machen.

    Wenn dadurch Menschen wie Burkhard weniger fliegen - umso besser.

  5. 14.

    Der Flughafen Tegel ist eine einmalige, unvergleichliche Institution. Von der City-West in 15 min. am Gate. Wer sich über den Fluglärm beschwert, wusste vermutlich schon bei Bezug der Wohnung, dass es dort Fluglärm gibt. Wozu also solche Fluglärm-Debatten?
    Ob Lärmbeeinträchtigung durch Gastronomie oder Flugzeuge - Kritiker gab‘s doch schon immer.
    Und: andere Metropolen gönnen sich auch einen innerstädtischen und einen außerstädtischen Flughafen. Warum also nicht zwei?
    ! ! TEGEL MUSS UNS ERHALTEN BLEIBEN ! !

  6. 13.

    Sie können auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum BER fahren und demnächst aus der S-Bahn direkt unter dem Terminal aussteigen.
    Parkhäuser gibt es aber auch direkt am BER.

  7. 12.

    Und ich möchte endlich in Ruhe bis 7 Uhr schlafen und nicht täglich bis 23.77 Uhr den Fluglärm, Kerosin und Dreck haben. Von der Unfallgefahr ganz zu schweigen.
    Wenn erst ein Flieger in ein Haus kracht und viele Menschen verbrennen ob durch defekt oder Anschlag möchte ich nicht am Boden harren.
    Wem es so wichtig ist am Flughafen zu wohnen, kann nach Langenhagen, Kelkheim etc pp ziehen.

  8. 10.

    Wohl eher bei Diepgen und Wissmann die Stolpe über den Tisch gezogen haben und Schönefeld GEGEN den Rat ALLER Experten durchgesetzt haben.

  9. 9.

    Was für ein unglaublicher Blödsinn! Reuter, der übrigens Volkskommissar und KPD-Funktionär war, hätte die cDU und die FDP aufgrund ihrer Rückständigkeit zum Teufel gejagt. In seiner Zeit als Stadtrat für das Verkehrswesen hat Reuter das Berliner Verkehrssystem an die Erfordernisse einer modernen Metropole angepasst.

  10. 8.

    Nein, da stirbt kein Teil Berlins, sondern es wird einfach nur ein baufälliger, heruntergekommener "Flughafen" geschlossen. Das steht seit fast 15 Jahren fest, so langsam können Sie sich daran gewöhnen. Flughäfen werden auch nicht mehr mitten in die Stadt gebaut. Sehen Sie sich halt mal in der Welt um, wo die Airports stehen. Und wenn es Ihnen zu weit ist, dann fliegen Sie eben nicht. Wer in den Urlaub fliegen kann, kann auch ein paar km zu Airport fahren. Alles andere ist reine Bequemlichkeit. Hier in Reinickendorf ist jedenfalls bald endgülitig Schluss- gut so.

  11. 7.

    Falls der Flugverkehr zunimmt (Linien- und Ferienflieger) braucht man beide Flughäfen, um Sicherheitsabstände einhalten zu können. Der TXL kann auch Recht gut belüftet werden. Ob die Klimaanlage im BER mit Großfiltern ausgestattet ist, wage ich zu bezweifeln...kann man natürlich nachrüsten... Und nicht vergessen: Auch wenn kaum Geld in den letzten Jahren in TXL investiert wurde, so wurde dort das Geld erwirtschaftet!

  12. 6.

    Sie werden auch mit den öffentlichen Verkehrsmittel zum BER fahren können.
    Die S-Bahn wird direkt unter das Terminal T1 fahren.
    Parkhäuser gibt es am BER auch.

  13. 5.

    Wenn Tegel schließt stirbt ein Teil Berlins. Ich will nicht nach Brandenburg fahren, mein Auto 8 km vom Gate Parken, oder zwei Stunden in der Bahn durch die letzten ecken Berlins fahren, um Fliegen zu können. Und immer diese gezwungenen Wege durch die Duty Free´s wo einem sämtliche Geruchsnerven absterben. Tegel war anders, da steigst du aus dem Wagen und bist direkt am Gate, kein Kompromiss. Das ist Berlin.

  14. 4.

    Bedanken Sie sich lieber bei den tollen Herren Platzeck und Wowereit mit ihren projekterfahrenen Einzelgängen...
    Normalerweise wäre TXL seit 2011 zu, mit Windrädern bestückt und die Länder um einige Mrd reicher.

  15. 3.

    Der Bund, der Bund ... Minister Scheuer verhindert in kollusiven Zusammenwirken mit seinen Parteifreunden vom Münchener Flughafen alles, was die Berliner Flughafengesellschaft auch nur ansatzweise auf die Beine bringen könnte, und das seit Jahren. Wir brauchen einen politischen Untreuetatbestand. Hoffe, die Pankower, Reinickendorfer wehren sich gegen dieses unwürdige Hin und Her!!!

  16. 2.

    Was für eine Posse um diesen Provinzflughafen. Und das alles auf Kosten der Steuerzahler. Vielen Dank an Herrn Scheuer.

  17. 1.

    "Ihr Völker der Welt.... Schaut auf diese Stadt"
    Der einzige Bürgermeister Nachkriegsberlins hat diese unendliche Geschichte nicht gewollt. Die späteren Regierenden haben es geschafft dieser Stadt zu einem extrem kapitalvernichtenden Provinzflughafen zu verhelfen. Der aktuelle nichtregierende Bürgermeister wird als Totengräber moderner Konzepte für eine Großstadt eingehen. Scheinbar ist es unvorstellbar in eine Hauptstadt zwei Flughäfen zu nutzen.
    Hauptsache alle Macht den Radfahrern.

Das könnte Sie auch interessieren

ARCHIV - Der Tower des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg) ist am 12.10.2016 durch ein rundes Fenster in einer Tür zu sehen. (Quelle:dpa/Pleul)
dpa/Pleul

Drohendes Finanzdesaster am BER - Hunderte Millionen Euro werfen Fragen auf

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH hat laut Konzernabschluss noch nicht bilanzierte finanzielle Verpflichtungen in Höhe von 838 Millionen Euro. Das geht aus dem Konzernabschluss für 2019 hervor. Es stellt sich die Frage, wovon soll das bezahlt werden. Von René Althammer und Susanne Opalka