Terminal 1, dem Hauptgebäude des Flughafen Tegels. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
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Video: Talk aus Berlin | 6.5.2020 | Engelbert Lütke Daldrup | Bild: dpa/Michael Kappeler Download (mp4, 406 MB)

Flughafenchef im rbb-Gespräch - Lütke Daldrup lässt Tegel-Wiedereröffnung offen

Mindestens 50.000 Passagiere müssten den Flughafen Tegel wieder nutzen, damit er aus seiner angedachten Corona-Zwangspause zurückkehren kann. Kaum zu schaffen, sagt Airportchef Lütke Daldrup. Aber auch wenn TXL dicht bleibt, wird er weiter Geld kosten.

Der Berliner Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat sich skeptisch gezeigt, ob der Flughafen Tegel nach der angestrebten Schließung in der Corona-Krise noch einmal öffnen wird. Der Airport soll wegen des Passagierzahleinbruchs im Juni vorübergehend schließen, bevor er im November planmäßig endgültig außer Betrieb geht.

"Ich würde ihn ehrlich gesagt lieber wieder aufmachen bis zum Herbst", sagte Lütke Daldrup am späten Mittwochabend in der rbb-Sendung "Talk aus Berlin". "Wenn ich 50.000 Gäste habe, geht Tegel direkt wieder ans Netz", versicherte er. "Ich bin aber ehrlich gesagt nicht sehr optimistisch, dass wir in wenigen Monaten wieder 50.000 Gäste haben."

Mitte Mai fällt Entscheidung über Tegel-Schließung

Im April waren die beiden Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel davon weit entfernt. "Es ist gespenstisch", sagte Lütke Daldrup. "Wir hatten Tage mit 800 Gästen an beiden Flughäfen zusammen." Üblich seien 100.000. "Es ist für uns wirtschaftlich eine Katastrophe. Wir verlieren jeden Tag eine Million Euro Einnahmen."

Die Flughafengesellschaft will Tegel ab Juni für mindestens zwei Monate schließen und den Berliner Luftverkehr in Schönefeld konzentrieren. Das hatte der Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers FBB in der vergangenen Woche beschlossen. Die Gesellschafterversammlung, darunter Brandenburg, Berlin und der Bund, will Mitte Mai darüber entscheiden. Bislang hat der Bund Vorbehalte gegen eine vorübergehende Schließung von Tegel. 

Nach jahrelangen Verzögerungen soll am 31. Oktober der neue Hauptstadtflughafen BER in Betrieb gehen. Tegel schließt nach dieser Planung am 8. November.

Tegel wird weiterhin Millionenbeträge kosten

Auch nach der für Herbst angedachten endgültigen Tegel-Schließung sollen dort noch bis 2029 Regierungshubschrauber starten und landen. Das steht schon länger fest, nun hat das Verteidigungsministerium die Kosten beziffert. "Die Ausgaben für den Weiterbetrieb der militärischen Liegenschaft Tegel Nord werden auf jährlich circa fünf Millionen Euro geschätzt", heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag, die der DPA vorliegt. Darüber berichtete zuvor das Internet-Portal "AviationNetOnline".

Die drei Cougar-Hubschrauber transportieren etwa die Bundeskanzlerin und weitere Regierungsmitglieder. Im vergangenen Jahr gab es 67 Einsätze. Für die Hubschrauber fehlt nach Darstellung des Ministeriums am neuen Hauptstadtflughafen BER noch die geeignete Infrastruktur. 

Grüne kritisieren Planungen der Bundesregierung

Der neue Flughafen in Schönefeld soll nach jahrelangen Verzögerungen Ende Oktober ans Netz gehen, dann ziehen auch die Regierungsflugzeuge von Tegel dorthin um. Staatsgäste werden in Schönefeld in einem eigenen neuen Terminal am Rande des BER-Areals empfangen. Dieses Gebäude ist eigentlich als Übergangslösung gedacht.

Den Bau des eigentlichen, mindestens 344 Millionen Euro teuren Regierungsterminals hatte der Bund im Dezember nach langer Diskussion vorerst gestoppt. Damit soll vorübergehend Platz für mehr zivile Passagiere am BER geschaffen werden. Erst wenn das endgültige Terminal steht, sollen auch die Hubschrauber umziehen.

Der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar warf der Bundesregierung vor, "vollkommen gedanken- und planlos" zu handeln. "Mich macht es sprachlos, dass die Bundesregierung scheinbar nicht weiß, wieviel Platz sie für ihre Fluggeräte braucht und den Steuerzahlern so Mehrkosten von 45 Millionen Euro bis 2029 aufbrummt."

Sendung: rbb-Talk aus Berlin, 6.5.2020, 23:45 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Liebe Berliner, nutzt doch jetzt einfach die 'Gunst der Stunde' (bezogen auf die Flughäfen) und vollzieht den Umzug nach BER. Die Genehmigungen sind da und durch die Corona-Krise wäre ein Umzug einfacher zu gestalten als unter Volllast. Tegel hat großartiges geleistet, aber er sollte doch ohnehin geschlossen werden. Pumpt nicht noch mehr Geld in ein „totes Pferd“. Das ist jetzt Eure Chance das jahrelange BER-Drama endlich souverän zu beenden! Der Flugverkehr wird nicht auf ewig am Boden bleiben. Seid pfiffig!

  2. 4.

    Die angesprochene Sache mit dem Digital Hub hat aber einen riesigen Haken. Der Kunde bucht separate Tickets und ist fürs Umsteigen selbst verantwortlich, auch wenn der Airport das Gepäck transferiert. Hat der Zubringerflug Verspätung und der Andchlußflug ist weg schaut der Gast in die Röhre. Solange das nicht geändert wird kann ich davon nur abraten.

  3. 3.

    Sollte Tegel tatsächlich von der Betriebspflicht entbunden und im Juni still gelegt werden, was ich sehr hoffe, glaube ich nicht, dass er je wieder eröffnen wird. Bis November wird sich der Flugverkehr meiner Meinung nach nicht so weit erholen, dass eine Wiederinbetriebnahme wirtschaftlich sinnvoll ist. Ich bin (wenn ich fliegen musste) gern von Tegel geflogen, fand den Airport aber am Ende einfach nur noch maßlos überlastet und dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen. Auch der Anflug über dicht besiedeltes Gebiet war furchteinflößend und für die Anwohner der Einflugschneise zuletzt untragbar. Ich freue mich auf den BER, auch wenn mein Weg dort hin deutlich länger ist. Aber so selten, wie ich fliege(n muss), nehme ich das gern in Kauf.

  4. 2.


    Warum können die Hubschrauber nicht an den Standort der hubschrauberstaffel der Bundespolizei umziehen? Für 5 Maschinen müsste das doch wohl möglich sein.

  5. 1.

    Unsere Regierung macht unmengen Summen Finanzkraft frei für nicht erklärbare Entscheidungen, zum scheinbar reinen eigenen Vorteil.
    ( Ok für für die derzeitige Finanzierung der
    Coronarzeit lobe ich unsere Regierung.)
    Einen Flughafen weiterhin offen zu halten wegen ca 70 Hubschrauber Flüge im Jahr, das ja auch nur Zubringerflüge sind vom und zum Flughafen das ist Wahnsinn. Hinzu kommt daß Hubschrauber bekanntlich nur eine geringe Betriebsfläche benötigen. Langsam wird mir klar in wessen Interesse es liegt die Eröffnung des BER weiter zu verzögern. Diese Entscheidung sollte nochmal parlamentarisch überdacht werden denke ich. Gruß RG. Bleibt gesund.

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