14.05.2020, Berlin: Der Flughafen Berlin-Tegel mit dem Tower. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 03.06.2020 | Studiogespräch mit Boris Hermel | Bild: dpa/Britta Pedersen

Doch keine vorzeitige Schließung - Flughafen Tegel bleibt bis November offen

Da die Passagierzahlen in der Corona-Krise eingebrochen waren, sollte der Flughafen Tegel noch im Juni vorübergehend schließen. Es wurde spekuliert, dass der Airport danach nie wieder öffnen würde. Doch nun bleibt er sogar vorerst offen - bis November.

Der Berliner Flughafen Tegel wird nun doch nicht vorübergehend geschlossen. Man rechne mit der Lockerung der Corona-Eindämmungsmaßnahmen wieder mit steigenden Passagierzahlen, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Mittwoch zur Begründung.

"Für die Flughafengesellschaft ergibt sich deswegen eine neue Situation: Die Passagierzahlen steigen an, stärker als wir das annehmen konnten. Heute haben wir 17 Flugverbindungen, für Mitte Juni erwarten wir 40, bis Ende Juli werden es voraussichtlich mehr als 100 Flugverbindungen sein", so der Flughafen-Chef. Damit erreiche man die Marke von 20.000 Passagieren am Tag - dann würde wegen der Corona-Abstandsvorgaben Schönefeld allein nicht mehr genügen.

Somit würden beide Berliner Flughäfen - Tegel und Schönefeld - weiterhin gebraucht. "Damit schaffen wir unter Corona-Bedingungen den notwendigen Platz", sagte Lütke Daldrup. Man brauche den Platz, um Abstand zwischen den Menschen zu gewährleisten. Ob Check-In, Sicherheitskontrolle oder Bustransfer - es dürfe nirgends zu Gedränge kommen. Die Sicherheitskontrolle dauere etwa vier Mal so lange wie üblich, weil Berührungen tabu sind. Passagiere sollten mindestens zwei Stunden vor dem Abflug am Flughafen sein.

Zuvor hatte die Bundesregierung angekündigt, ihre Reisewarnung für 29 europäische Länder am 15. Juni aufzuheben.

Flugbedarf der Hauptstadtregion sollte sichergestellt sein

Ebenfalls am 15. Juni sollte Tegel eigentlich vorübergehend vom Netz gehen. Weil wegen der Corona-Beschränkungen kaum noch Menschen flogen, wollte Lütke Daldrup aus Kostengründen schon seit März den Berliner Luftverkehr am Flughafen Schönefeld konzentrieren. Der Bund gab seinen Widerstand aber erst vor zwei Wochen auf. "Die temporäre Außerbetriebsetzung hätte im April, Mai Sinn gemacht, auch noch im Juni", sagte Lütke Daldrup nun am Mittwoch. Dauerhaft sei es bei Corona-Bedingungen aber besser, genügend Platz anbieten zu können.

Bedingung war, dass jederzeit der Bedarf der Hauptstadtregion sichergestellt werden kann und dass keine Probleme beim Regierungsflugbetrieb entstehen. In aller Eile wurde daher damit begonnen, das neue Regierungsterminal am künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld fertig einzurichten.

Tegel geht am 8. November vom Netz

Der innenstadtnahe Berliner Flughafen Tegel war mit mehr als 24 Millionen Fluggästen im vergangenen Jahr unter den deutschen Standorten die Nummer vier nach Frankfurt, München und Düsseldorf. Schönefeld an der südöstlichen Stadtgrenze in Brandenburg ist kleiner, dort waren es gut elf Millionen Passagiere. In diesem Jahr gab es an beiden Flughäfen zusammen rund sechs Millionen Fluggäste. "Ich wäre froh, wenn wir dieses Jahr zweistellig würden", sagte Engelbert Lütke Daldrup am Mittwoch. Weniger als zehn Millionen Fluggäste hatte es in Tegel und Schönefeld zuletzt 1993 gegeben.

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) hat durch die Krise mit Einnahmeausfällen in dreistelliger Millionenhöhe zu kämpfen. Ende des Jahres soll Tegel ohnehin endgültig vom Netz gehen. Nach mehreren geplatzten Terminen ist geplant, dass am 31. Oktober der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet wird und am 8. November die letzte Maschine in Tegel abhebt. Am Mittwoch betonte Lütke Daldrup: "Wir werden uns gebührend von Tegel verabschieden."

Czaja spricht von "Zick-Zack-Kurs"

Thomas von Gizycki, Abgeordneter der Grünen-Fraktion und Sprecher für Flughafenpolitik, erklärte zu der Entscheidung Tegel offen zu lassen: "Die Entscheidung ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Hier wird Flugverkehr weniger auf Kosten vieler realisiert."

Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, teilte schriftlich mit: Die Verschiebung der Schließung Tegels sei nur ein aufgeschobenes Chaos, denn Berlin brauche Tegel. Mit Verweis auf den nicht bindenden Volksentscheid von 2017 schrieb Czaja: "Die FBB hat durch ihren Zick-Zack-Kurs bewiesen, dass auch bei ihr sich Zweifel an der Richtigkeit einer Schließung bilden. Hoffentlich findet sie noch rechtzeitig zur Vernunft."

Sendung: Abendschau, 03.06.2020, 19:30 Uhr

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80 Kommentare

  1. 80.

    Jede*r in Reinickendorf oder auch dem Wedding bittet inständig um eine Schließung dieses aus technisch wie hygienisch längst überholten Flughafens. Ist klar, dass der Herr Geschäftsmann mit dem ökologischen Fußabdruck in Größe der Schweiz sich diesen Flughafen romantisch schönredet; denn er kann getrost wegsehen, dass unter dem unerträglichen Lärm eben die leben müssen, die sich das Fliegen in ferne Länder nicht leisten können, wenn sie dafür überhaupt noch die Nerven hätten.

  2. 79.

    Soll das ein Witz sein ? TEGEL ist der schrecklichste Flughafen den ich je gesehen habe. Schon die Erreichbarkeit ist ein Unding, keine Bahnanbindung, sondern eingezwängt in einem Bus und alle Sitzplätze belegt. Dann im Terminal C, soviel Dreck habe ich noch nie in einem Flughafen gesehen. Einfach furchtbar.
    Dagegen war Schönefeld der reinste Luxus. Macht diesen Flughafen endlich dicht und die bequemen Berliner sollten dann vielleicht auch mal längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen, wir müssen es schliesslich auch....

  3. 78.

    Ernsthaft,unter welchen Forunkeln wird hier eigentlich ausgewählt;egal-denn es zeugt von hohem Potenzial...:(

  4. 77.

    In der Hauptzeit werden Sie schön im Stau stehen. Fahren Sie besser mit ÖPNV. Sperenberg würde wegen der Entfernung kritisiert. Blöd nur wenn man jetzt länger im Stau steht als nach Sperenberg gefahren wäre. Die Anschließung wäre zudem von Brandenburg ganz bezahlt worden. Nun wird Berlin Unsummen investierten müssen ohne Aussicht dass dies viel bringen wird.

  5. 76.

    In der Hauptzeit werden Sie schön im Stau stehen. Fahren Sie besser mit ÖPNV. Sperenberg würde wegen der Entfernung kritisiert. Blöd nur wenn man jetzt länger im Stau steht als nach Sperenberg gefahren wäre. Die Anschließung wäre zudem von Brandenburg ganz bezahlt worden. Nun wird Berlin Unsummen investierten müssen ohne Aussicht dass dies viel bringen wird.

  6. 75.

    Hässlichkeit eine Zumutung trifft Tegel. Nie an per Schiene erreichbar. Wenn eine Zufahrt belegt dann Chaos. Die stadtnahen Flughäfen sind eine Zumutung für die Anwohner und sind überholt. Gut wenn Sie nur geschäftlich in der Provinz bleiben ist ihnen offenbar entfallen, dass Berlin für internationale Unternehmen schon wegen der fehlenden weltweiten Anbindung keine gute Wahl ist. Als die Berliner-CDU aus gehorsam gegenüber der Bundes CDU/CSU Sperenberg verhindert hat, hat sie der ganzen Wirtschaftsregion geschadet.

  7. 74.

    ...Zum letzten Kommentar: sagt wer? Inzwischen herrscht Fluglärm über ganz Berlin,nur einigen wird dies durch
    Autolärm genommen; also ab auf die einsame Insel,nur traurig-das auch nicht wirklich,wie zur Steinzeit zu Fuss erreichbar.

  8. 73.

    Nun sollte die Verkehrssenatorin mal schleunigst für ausreichend Berliner Taxis am neuen BER sorgen, denn das Abkommen zwischen Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald ist noch immer nicht in trockenen Tüchern!
    Wenn das nicht bedarfsgerecht geregelt wird, steht das nächste Chaos bevor.

  9. 72.

    Das TXL für einige Leute aus Spandau , Reinickendorf und rund um die City West attraktiv sein mag heißt aber nicht das dies auch für viele Bürger aus Lichtenrade , Neukölln , der City Ost oder Lichtenberg und Treptow - Köpenick der Fall ist !! Und wer bitte schon redet davon das der Großraum Berlin in Zukunft über KEINEN attraktiven Flughafen mehr verfügt ?? Für viele Menschen aus Berlin oder auch Gäste der Stadt ist TXL nun mal nicht besonders attraktiv und auch SXF ist sicher verbesserungsfähig aber das der BER unattraktiver sein soll als TXL kann ich nicht erkennen !! Im übrigen würden auch in keinen anderen Land heute noch größere Flughäfen mitten in der Stadt gebaut werden und das war auch schon Anfang der 70siger so der Fall nur dem Umstand der geteilten Stadt mit Ihren Vier - Mächte - Status war es zu " verdanken " das ehemals Berlin West neben den überlasteten Flughafen Tempelhof mit TXL noch einen weiteren innerstädtischen Flughafen bekommen hat .

  10. 71.

    Und weil Sie 2x im Jahr 10 Minuten S-Bahn-Fahrt sparen wollen und SXF "hässlich" finden, müssen Hunderttausende Anwohner unter Fluglärm leiden. Mit 90dB morgens aufgeweckt werden, mit 90dB abends um 11 ins Bett.
    (Fluglärm gibt es beim BER auch, dort sind aber WEIT weniger Menschen betroffen.)

  11. 70.

    Juchu! Ich liebe Tegel und freue mich, weiter von dort fliegen zu können. Schönefeld wäre eine Weltreise und ist in seienr Hässlichkeit eine Zumutung, der BER wird im Zuge einer noch zu erwartenden Pleitewelle sowieso eine Totgeburt.
    Über eine Vielzahl von Kommentaren hier muss ich mich schon wundern . In keinem anderen Land würden die Bürgerinnen und Bürger infrage stellen, dass eine Metropole mindestens über einen attraktiven Flughafen verfügen sollte, er gehört einfach zu einer guten Infrastruktur. Für mich ist er existenziell, da ich als Geschäftsreisende auf an die 20 Flugreisen ins Ausland pro Jahr komme. In einer Metropole ohne Flughafen sind die Leute eingesperrt und können nicht mehr weiter weg. Das kann nicht ernsthaft jemand wollen, egal wie oft er oder sie ihn nutzt.

  12. 69.

    Juchu! Ich liebe Tegel und freue mich, weiter von dort fliegen zu können. Schönefeld wäre eine Weltreise und ist in seienr Hässlichkeit eine Zumutung, der BER wird im Zuge einer noch zu erwartenden Pleitewelle sowieso eine Totgeburt.
    Über eine Vielzahl von Kommentaren hier muss ich mich schon wundern . In keinem anderen Land würden die Bürgerinnen und Bürger infrage stellen, dass eine Metropole mindestens über einen attraktiven Flughafen verfügen sollte, er gehört einfach zu einer guten Infrastruktur. Für mich ist er existenziell, da ich als Geschäftsreisende auf an die 20 Flugreisen ins Ausland pro Jahr komme. In einer Metropole ohne Flughafen sind die Leute eingesperrt und können nicht mehr weiter weg. Das kann nicht ernsthaft jemand wollen, egal wie oft er oder sie ihn nutzt.

  13. 68.

    Sie glauben doch nicht wirklich, dass solche Entscheidungen ohne das okay der CSU aus Bayern erfolgen. Die Anwohner in Schönefeld hätten damals besser demonstriert, dann hätten Sie heute nicht den Dreck und Lärm. Zitat von Manfred Stolpe:So habe ihm damals jemand, der für die Bundesregierung in dieser Sache tätig war, hinter vorgehaltener Hand gesagt: „Wir können nicht zulassen, dass ihr in Sperenberg einen Flughafen mit 24-Stunden-Betrieb baut. Wir haben gerade viel Geld in den Münchner Flughafen gesteckt, der darf nicht gefährdet werden.“
    Quelle MAZ

  14. 67.

    Danke für den Link.
    Selbst wenn es im Flieger sicher wäre,was es nicht geht,gibts ja noch einen Zeitraum davor. Mit genau der Sorglosigkeit,wie sie jetzt wieder im Alltag zu beobachten ist. Es geht den Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern nur ums Geschäft und die Kunden wollen vielfach wieder in den Urlaub fliegen,wie bisher.
    Nichts aus Corona gelernt oder es ist ihnen egal. Auch wie im aktuellen Alltag obwohl wir von Normalität weit entfernt sind. Bleiben Sie gesund.

  15. 66.

    Ich finde es einfach skandalös, wie die Luftfahrtlobby versucht, strenge Hygienevorschriften zu verhindern und bin der ARD und report Mainz dankbar für die Aufdeckung.
    https://www.swr.de/report/flugreisen-wie-die-luftfahrt-lobby-versucht-strenge-hygienevorschriften-zu-verhindern/-/id=233454/did=25275566/nid=233454/uhzbo8/index.html

  16. 65.

    Sie übersehen, dass Paris und London *die* Zentren des jeweiligen Landes samt Kolonialgeschichte sind, nicht nur eines von vielen. Nennenswerte Flughäfen außerhalb der Hauptstadtregion muss man dort mit der Lupe suchen. Hierzulande gibt es aus historischen Gründen Frankfurt und und später zusätzlich München. Berlin hatte diese Vormachstellung in Bezug auf Deutschland schon vor Jahrzehnten verloren. Das ließ die Pläne mit vier Großflughäfen im Umland obsolet werden.

  17. 64.

    Welche Sicherheitsgründe sollen das sein? Dass die Kanzlerin hier zwei Alternativen hat? Wie kann ein Land wie Spanien bloß regiert werden mit nur einem Flughafen bei der Hauptstadt und einer Flughafenruine, die nie in Betrieb gegangen ist? Wie oft musste der Französische Präsident oder der britische Premierminister in den letzten Dekaden nebenan landen?

  18. 62.

    Leider haben die Medien bei diesem Theater keine gute Figur gemacht. Eigentlich war es ja sehr offensichtlich, dass der Bund Tegel weiter offen halten möchte. Da wurde das Datum 15.6. als frühester Zeitpunkt einer Schließung sehr schlau gewählt.
    Leider hat der rbb daraus trotzdem ein "Tegel ab 15.6. zu" gemacht, obwohl man selber erzählte, dass der Betreiber ab da nur die Möglichkeit hätte.
    So schafft man sich kein Vertrauen. So hart es klingt, manchmal ist eine Meldung nur eine Meldung und keine heiße Story, die man mit Spezialsendungen ausschlachten muss.

  19. 61.

    Tha, und wenn die dann wie Hofreiter nach München fliegen müssen oder wie Pop ans Mittelmeer ...

    Ok, ernsthaft: Der zeitliche Aufwand für die Anreise hängt stark vom Start/Ziel in Berlin. Mein letzter Flug ist zwar lange her, doch habe ich Tegel wegen der Enge gehasst, quasi aus dem Bus direkt an die lange Schlange anstehen und dauernd Platz machen für die Passagiere die an ein anderes Gate müssen. Nach der Siko war es auch kuschelig. Das Hauptterminal ist doch schon mit den heutigen A321 völlig überfordert.

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