Ein Passagierflugzeug befindet sich im Landeanflug über den Dächern von Häusern im Ort Sielow unweit dem Flughafen Schönefeld. Quelle: dpa/Patrick Pleul
Bild: dpa/Patrick Pleul

Streit mit Flughafengesellschaft - BER-Anwohner kritisieren Sparkurs beim Lärmschutz

Im Herbst sollen die ersten Flieger vom BER abheben, aber noch immer hat die Mehrheit der Anwohner keinen Schallschutz bekommen. Aus Kostengründen weigert sich die Flughafengesellschaft offenbar, auf Wünsche und Bedürfnisse der Anwohner einzugehen.

Wenige Monate bevor der neue Flughafen BER an den Start gehen soll, haben erst rund 30 Prozent der Anwohner den zugesagten Schallschutz erhalten. Die Beauftragte des Landkreises Teltow-Fläming, Dietlind Biesterfeld, sagte am Dienstag im Inforadio vom rbb, sie gehe davon aus, dass es auch zur Eröffnung des Flughafens im Oktober nicht viel mehr sein werden.

Lärmschutz zulasten der Wohnfläche

Im Baugewerbe hätten die Betriebe bereits seit einigen Jahren volle Auftragsbücher, deshalb sei es für die Schallschutz-Berechtigten schwer, Firmen für den Ausbau zu finden. Zudem würden Firmen den Ausbau häufig nicht zu einem Preis anbieten, den die Flughafengesellschaft zu erstatten bereit sei.

Der Ausbau des Lärmschutzes hakt laut Biesterfeld aber auch, weil die Flughafengesellschaft auf viele Wünsche und Bedürfnisse der Anwohner nicht eingehe. Die bislang von der Flughafengesellschaft angebotenen kostengünstigeren Innendämmungen würden etwa in vielen Häusern zu einer Minderung der Wohnqualität führen, weil viele der ohnehin kleinen Wohnräume dadurch noch kleiner werden würden. Außerdem würde die FBB nur eine Dämmung für Küchen, Wintergärten, Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern anbieten und im Schallschutzprogramm nicht berücksichtigen, dass Anwohner ihre Räume auch einmal anders nutzen könnten.

Streit dauert bereits Jahre an

Die BER-Anwohner mussten in den letzten Jahren viele Dinge erst gerichtlich erststreiten. "Die Flughafengesellschaft war ja ursprünglich nicht mal bereit, das Schallschutzniveau aus dem Planfeststellungsbeschluss umzusetzen, sondern hatte versucht, den Anwohnern einen etwas günstigeren Schallschutz anzubieten", erklärt Biesterfeld.

Auch zu Wintergärten und kleinen Küchen habe es im vergangenen Jahr einen Gerichtsbeschluss gegeben, seitdem müsse die FBB den Anwohnern auch für diese Räume einen Lärmschutz anbieten. Die FBB versuche bei ihren Maßnahmen im vorgegebenen Budgetrahmen zu bleiben. Für Betroffene, auf deren Wünsche und Bedürfnisse die FBB nicht reagiere, sei dies im Einzelfall aber nicht immer nachzuvollziehen.

Sendung: Inforadio, 07.07.2020, 9:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

10 Kommentare

  1. 10.

    Als Betroffene fühle ich mich vom BER entmündigt. Unser Kinderzimmer (Dachgeschoss) wird nicht anerkannt, weil lt. Bauordnung die Belichtung nicht ausreicht (30 cm fehlen). Ist aber im Bauplan als Wohnraum festgelegt. Es sind 2 Veluxfenster verbaut, Aber der Flughafen beharrt darauf, daher fällt das Kinderzimmer aus dem Schallschutzprogramm. Der Freiwillige Schallschutz sieht einen Lüfter vor. Wobei der Flughafen die Mehrkosten für den Einbau nicht übernimmt, weil Sie vor Jahren einen Preis festgelegt haben, für den die Firmen allerdings nicht mehr arbeiten. Ich könnte noch mehr berichten. Jedenfalls handelt der Flughafen nach dem PipiLangstrumpf-Prinzig " Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt" und unsere Regierung macht mit, weil der Flughafen politisch gewollt ist. Da werden Millarden missgewirtschaftet.

  2. 9.

    Sie müssen nicht ausfallend werden. Dass theoretisch ein wirksamer Schallschutz am besten an der Aussenwand angebracht wird, möglichst zweischalige Konstruktion, habe ich nicht bestritten, weil es eine Binsenwahrheit ist. Nur, bezahlbar ist so etwas i.d.R. nicht. Zufällig kenne ich etwas die Verhältnisse, als es um den Schallschutz rund um den Tegeler Flughafen ging. Mir ist da ein Einfamilienhaus in Erinnerung, direkt am Flughafen in der Uranusstraße, da hat der Besitzer in Eigeninitiative nochmal das bestehende Haus mit einer zusätzlichen massiven Aussenwand versehen. Zutreffend schreibt daher User 1. "klar wollen die Anwohner Außendämmungen, aber dafür gibt es in den allermeisten Fällen keine technischen Lösungen". Wenn sie eine wirtschaftliche Lösung kennen, berichten Sie doch mal. Ggf. mit Link des Anbieters.

  3. 8.

    Als Betroffener und Bauingieur kann ich über Ihre Äußerung nur den Kopf schütteln. Sie trinken ja auch nicht einen Schnaps und erklären dann, ihnen ist schon warm und vergessen dann sich anzuziehen. Ein effizenten Schallschutz gibt es nur mit Außendämmung, wer etwas andere behauptet kann GEldscheine Zählen, kann aber keine Bauphysik.

  4. 7.

    Ihre Meinung ist unzutreffend. Sie schreiben eigentlich, dass Groß Berlin 1920 genauso aussieht , wie 2020.
    Ferner verkennen Sie, dass ein paar Flugzeuge gleich sind, wie genehmigte 250 000 Flugbewegungen am neuen BEr, der den besten weltbesten Schallschutz haben soll.

  5. 6.

    Sehr geehrte Redaktion von rbb-online !
    Bezugnehmend auf diese Berichterstattung zum BER-Schallschutz möchte ich darauf hinweisen, dass der fehlende und unzureichende Schallschutz ein wesentliches Projekt-Problem ist, jedoch die Gesamtproblematik noch weitaus unappetitlicher ist, welche Ihnen sicherlich weitere Hinweise für eine innovative Berichterstattung geben kann.
    Es ist gut, dass sich der RBB der Unterrichtung der Bürger verpflichtet fühlt. Dabei wünsche ich Ihnen mehr Erfolg, als wir dies bisher national hatten. Allerdings hatte die EU-Kommission den letzten BER-Beihilfeantrag erst ein.Jahr später als von der Bundesregierung erwartet und von 2,6 Mrd. € auf 2,2 Mrd.€ gedeckelt genehmigt - eine Erklärung für die derzeitigen Bemühungen der FBB GmbH um unverbürgte 400 Mio.€ als Kredit bei
    den Banken - bislang erfolglos, wobei offiziell meist nur von einem Finanzbefarf von 300 Mio.€ die Rede ist.
    G. Briese

  6. 4.

    genau genommen heben schon jetzt Flieger von dem Flughafengelände ab, die Einleitung des Beitrags suggeriert irgend wie es gäbe nicht schon jetzt Flüge. Das einzige was sich im Oktober (vielleicht) ändert ist doch die Anzahl der Flieger und das Terminal.

  7. 3.

    Die Beauftragte des Landkreises Teltow-Fläming für den Schallschutz scheint etwas die Bodenhaftung verloren zu haben. Schallschutz durch äußere Aufbauten am Hause ist unbezahlbar. Das müßten stark massebehaftete Schalldämm-Materialien sein die an der Außenwand anzubringen wären, hinzu käme dann noch Putz o.A. als Witterungsschutz. Mir sind in Tegel bei den Schalldämm-Maßnahmen solche Verfahren auch nicht erinnerlich. Was geht und was wirksam ist, ist der Einbau von Schallschutzfenstern, die allerdings auch fachgerecht an den Anschlussfugen gedämmt sein müssen.
    Auch in Tegel wurden im Rahmen des Schallschutzprogramms nicht jeder Nebenraum schallgedämmt.

  8. 2.

    Also ich MÖCHTE seit über einem Jahr den Schallschutz an meinem Haus umsetzen. Es passiert aber nichts. U.a. (wie oben zu lesen) weil die Preise, die die FBB bereit ist, den Firmen zu Zahlen, seit Jahren nicht angehoben wurden und mit der Realität nur noch wenig zu tun haben. Darum werden immer wieder Nachgenehmigungen beantragt.

    Nur einer von vielen Faktoren.

  9. 1.

    Immer dieselbe Leier,

    klar wollen die Anwohner Außendämmungen, aber dafür gibt es in den allermeisten Fällen keine technischen Lösungen. Zudem hat das Gericht bestätigt, dass die von der FBB angebotenen Innendämmungen völlig in Ordnung sind. Warum wird das so nicht gesagt?

    Dass im Schallschutzprogramm BER Wohnräume geschützt werden und keine Abstellräume, Flure und Keller ist ebenso klar und seit Ewigkeiten juristisch geklärt. Auch das ist jedem bekannt, der sich mit der Materie auseinandersetzt. Warum wird das nicht klar kommuniziert?

    Stattdessen werden mal wieder Zweifel am Lärmschutz gesät und sich dann gewundert, dass Eigentümer zögern, Lärmschutz umzusetzen.

Das könnte Sie auch interessieren