Viele Menschen stehen ordentlich vor einem Check-in-Schalter an.
Video: rbb|24 | 28.07.2020 | Material: Abendschau | Bild: Maike Gomm

Reportage | Probebetrieb am BER - "Jeder Fehler, der hier passiert, freut mich persönlich"

Ende Oktober soll der Flughafen BER eröffnen. Damit dann alles reibungslos funktioniert, proben in diesen Wochen rund 9.000 Komparsen die Prozesse und Abläufe am Flughafen. Maike Gomm war bei einem Test dabei - mit einem Ticket nach Southampton im Handgepäck.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr nicht ins Ausland reisen, doch jetzt bin ich kurz davor den Schengenraum zu verlassen. Mein Flug mit Easyjet nach Southampton geht um 13:25 Uhr los – zumindest auf dem Papier. Denn ich verlasse die EU nicht wirklich. Der Flug ist Teil des Probebetriebs am Flughafen BER.

Rund 400 Komparsen proben an diesem Dienstag die Gepäckabfertigung beim Check-in, die Sicherheitskontrollen und das Boarding. Dazu kommen 500 bis 600 Flugbegleiter, Sicherheitskräfte und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Paul Hoppe ist der Koordinator des Probebetriebs, der aus vier Phasen besteht. Aktuell läuft Phase zwei. "Wir bringen die Mitarbeiter in dieser Phase erstmals rein und sagen: alles neu, alles schwierig", sagt Hoppe. "Dementsprechend gibt es noch keine Komplexität. Wir versuchen wirklich, den Standardbetrieb durchzuspielen."

Als erstes bekommen die Komparsen ihr Gepäck, das mit echter Kleidung gefüllt ist. Wir von der Reisegruppe "Presse" reisen allerdings nur mit Handgepäck. Anschließend strömen die Passagiere in die große Eingangshalle im Terminal 1 und versuchen, den richtigen Schalter zu finden. "Ist hier auch das Speedy-Boarding", fragt ein Mann mit zwei großen Koffern auf seinem Gepäckwagen.

Auf der anderen Seite der Halle hat sich beim Check-in 2 für den Flug nach Köln/Bonn eine lange Schlange gebildet, die weit über den mit Pollern umzäunten Wartebereich hinausgeht. Ähnliches kennt man auch von den Flughäfen Schönefeld und Tegel.

Eine lange Schlange vor dem Check.in-Schalter 2.
Bild: Maike Gomm

Holzwände und Steinboden neben Presspannplatten und Holzscheiten

Trotzdem ist hier einiges anders: Anstatt auf Linoleum schlendere ich über hellen Steinboden. Das Flughafenpersonal steht hier nicht hinter grauen Kunststoff-Schaltern, sondern in holzvertäfelten Pavillons. Auch das Licht kommt nicht aus Halogenröhren, sondern strahlt von draußen durch die Glasfassade. Und die Toilettenräume sind sauberer als die am Flughafen Singapur – zumindest noch.

Weiter geht es durch die Sicherheitskontrollen. Manch ein Passagier wird hier gestoppt. So geht es auch Joelle Zeisig. In dem Koffer der jungen Frau wurde ein Stoff entdeckt, der sich als Kochsalz herausstellt. Im regulären Betrieb werden so Sprengstoff oder Drogen entdeckt. Doch in diesem Fall darf Joelle weiter in den Boarding-Bereich.

Ihr gefällt der Testlauf bisher gut, wie sie erzählt. "Es ist sehr interessant, das Ganze vorab schon zu sehen und dass es auch wirklich so abläuft wie der normale Flugbetrieb", sagt Zeisig. "Die Menschen verhalten sich nicht anders. An der Sicherheitskontrolle wurde man richtig durchgecheckt."

Nach dem Sicherheitscheck führt der Weg direkt durch den Duty-Free-Bereich. Doch statt Parfüm, Tabak und Alkohol erblicke ich Kabel und Pressspannplatten. Für den Shop sind die Betreiber verantwortlich - und die lassen sich offenbar noch etwas Zeit.

Eine große Flughafenhalle mit einer Baustelle auf der rechten Seite.
Bild: Maike Gomm

Probleme erwünscht

Jetzt muss ich zum Gate D3. Doch auf dem Weg dahin haben sich schon einige Komparsen verlaufen, wie Terminalmanagerin Katy Krüger erzählt. "Wir schauen uns zurzeit sehr genau an, wie Passagiere auf die Beschilderung reagieren. Da sehen wir, dass wir bis zur Inbetriebnahme bestimmte Optimierungen hier und da noch herbeiführen müssen", sagt sie, "weil wir eben sehen, dass die Komparsen an der ein oder anderen Stelle nicht ganz so klarkommen."

So ging es zum Beispiel Irmtrud Peczkowski. "Es wäre ganz gut gewesen, wenn man den Sicherheitsbereich angezeigt hätte", sagt sie. "Da waren zig Schalter geschlossen und man wusste einfach nicht, in welche Richtung man laufen sollte. Aber sonst war es in Ordnung."

Ich finde zwar meinen Weg, doch bei der automatischen Passkontrolle habe ich meine Probleme. Der Apparat scannt meinen Ausweis nicht und mir ist auch nicht ganz klar, wie herum ich ihn in den Scanner legen muss. Direkt eilen mir zwei Flughafenmitarbeiter zu Hilfe und ich kann die Schranke doch noch passieren.

Anschließend geht es nur noch geradeaus. Vorbei an ein paar weiteren Baustellen und unfertigen Shops bis zum Gate.

Nach zehn Minuten beginnt schon das Boarding für den Flug nach Southampton. Doch anstatt ins Flugzeug zu steigen, werde ich direkt in die Ankunftshalle geleitet. Jetzt bin ich nämlich Reiserückkehrerin aus dem finnischen Kittilä.

Knapp zwei Stunden hat der erste Durchlauf gedauert. Grobe Fehler habe ich nicht bemerkt. Das dürfte Patrick Müller, dem Leiter der Operations, nicht gefallen. "Sinn und Zweck des Probebetriebs ist eigentlich, dass so viel wie möglich schief geht", sagt er. "Jeder Fehler, der hier passiert, freut mich persönlich. Weil es uns die Möglichkeit gibt, diese Fehler zu korrigieren. Wenn Sie nichts gesehen haben, was nicht funktioniert hat, dann war es kein guter Probebetrieb."

Die große Check-in-Halle im Terminal 1.
Bild: Maike Gomm

Beitrag von Maike Gomm

22 Kommentare

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  1. 22.

    Also ich habe bei meinem Probetrieb sowohl echte als auch „simulierte“ Rollstuhlfahrer gesehen. Es wird sicher bei jedem Probetag mit getestet, inklusive Begleitservice von Anfang bis Ende.

  2. 21.

    Das freut mich für Sie, dass Sie nicht durch die ganze Stadt gurken müssen....für mich ist Tegel wesentlich schneller zu erreichen und mich kotzt die 1 1/2 Stunden Fahrt mit Bus und Bahn nach Schönefeld richtig an. Auch wenn ich den Fluglärm hier habe, bin ich gegen ein Schließung von Tegel.

  3. 20.

    Dann nimm zum Beispiel den FEX! Der fährt viermal pro Stunde und braucht vom Hauptbahnhof 33min, von Gesundbrunnen ca.25 min und vom Ostkreuz etwa 17min.
    Das ist viel besser als Tegel jemals erreichbar war!!!
    Wer heutzutage (ab Oktober) meint mit dem Auto zum BER fahren zu müssen, wählt sich diese Anreise selbst und sollte deshalb nicht jammern.

  4. 19.

    Wann waren Sie zuletzt am BER? Ich hatte keine Probleme mit der Beschilderung der Autobahnabfahrt und auch danach nicht. Ich bin direkt am zugewiesenen Parkhaus angekommen.

  5. 18.

    Ich habe vorletzte Woche als Komparse am Test teilgenommen. Ich habe dabei auch ein Laufband benutzt. Außerdem haben auch Rollstuhlfahrer am Test teilgenommen. Diese durften allerdings das Laufband nicht benutzen.

  6. 17.

    Es liegt wohl hauptsächlich an der bescheuerten Verkehrsführung mit geländeverschwenderischer Mehrfachbauweise.

  7. 16.

    Die Anfahrt per PKW wird wohl noch technisch möglich sein, der Fußweg zum Terminal dagegen erheblich beschwerlicher, da eine direkte Verfahrt zum Terminal für Privatleute nicht vorgesehen ist. Sehr schön bei Regen.
    Und sollte es zur Abholung auch noch, wie üblich, zu Verspätungen kommen... das eigene Konto muss schon eine sehr gute Deckung aufweisen bei den exorbitanten Parkgebühren auf der grünen Wiese. Eine Kurzparkzone gerade noch zum Ein- und Aussteigen, sonst unverschämte Gebühren. Kostenfreie Parkplätze sind natürlich nicht verfügbar und auch nicht gewollt. Abzockerei wie schon bisher in Tegel und Schönefeld.

  8. 15.

    Sehr merkwürdig, auch ich bin in der Luftfahrtindustrie tätig und nach Rücksprache mit meiner Freundin haben wir beide noch nie von einer BodenFlugbegleiterin gehört. Check-In Mitarbeiter und Bodenpersonal sowie Flughafenpersonal sind uns persönlich da mehr geläufig.

  9. 13.

    Mir graut jetzt schon davor wenn mich Freunde oder Bekannte bitten sie zum Flughafen zu bringen oder abzuholen. Die Sicherheit von Mega-Stau auf der Autobahn, schlechter Beschilderung auf dem Gelände und Abzocke bei den Parkplatz-Gebühren lassen bei mir jedenfalls keine Vorfreude aufkommen.

  10. 12.

    Ich will ja nicht kleinlich sein, aber Kochsalz ist kein organischer Stoff. ;-)

  11. 11.

    Es gibt sehr wohl Laufbänder, um von A nach B zu kommen. Diese sind entlang Haupt- und Südpier separat zum eigentlichen Gang, weswegen es auf vielen Fotos so aussieht als gäbe es keine. Es gibt sie aber sehr wohl. Nur halt 5m weiter.

  12. 10.

    Laufbänder sind unnütz. Ziehen Strom für etwas was man gut und gesund laufen kann. Heute haben alle Koffer rollen. Da ist das ziehen und bewegen ein Kinderspiel. Warum brauchen den Flughäfen waagerechte Laufbänder? Die sind zur renen Bequemlichkeit da. Funktionell machen die keinen Sinn. Alte Leute oder großes Gepäck wird mit einem Elktromobil gefahren. Zumindest hoffe ich, das die am BER zur Verfügung stehen. Aber grundsätzlich sind Laufbänder purer Luxus.

  13. 9.

    Ich wohne auch in der Nähe und ich fürchte, da alles voll und zugestaut sein wird (noch mehr als jetzt schon), werden wir wohl jeweils viel Zeit haben, uns zu orientieren

  14. 8.

    Ich kann es gar nicht mehr erwarten das Tegel endlich zu macht. Diese ewige Tortur um da hin zu kommen. Selbst mit dem Taxi, für 45 €, musste man Stunden vor dem Abflug losfahren um irgendwie über die Stadtautobahn durch zu kommen. Da stören mich ein paar Laufbänder nicht. Endlich kann ich in die S-Bahn einsteigen um am Terminal aussteigen.

  15. 7.

    Keine Sorge, bereits 2019 haben wir mit vielen Komparsen einen Kino-Film am BER gedreht. Auf und Abfahrt, Fußgänger auf dem Parkplatz. Wir haben alle die Wege gefunden und sind wieder zu Hause angekommen.

  16. 6.

    Dann sollten Sie sich mit Ihrer Freundin mal unterhalten. Es gibt Stewardessen/Flugbegleiterinnen für die Arbeit im Flugzeug und auch am Boden. Eben halt Bodenstewardesse.

  17. 5.

    Hört sich doch wirklich gut an und macht Hoffnung, dass es in 3 Monaten losgeht. Auch die Fotos zeigen eine moderne offen gestaltete Halle. Es wäre schön wenn das muffige marode Teil in Tegel im November endlich geschlossen wird.

  18. 4.

    Wurde bisher auch schon der Ablauf im BER für Rollstuhlfahrer geübt was die Hilfe für das Einchecken bzw. Auschecken anbetrifft? Oder steht dies noch an?

  19. 3.

    Guten Tag,
    keine Laufbänder um von A nach B zu kommen und zu wenig Gepäckbänder .
    Ich bin sehr gespannt auf meinen 1 Flug ab BER,was die jahrelange Bauzeit gebracht hat.
    Mein Flughafen Tegel, du fehlst mir jetzt schon sehr,

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