Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, geht mit seinem Handy telefonierend neben einem Flugzeug am Flughafen Berlin-Schönefeld vorbei (Bild: dpa)
Video: Abendschau | 27.08.2020 | Boris Hermel | Gespräch mit Engelbert Lütke-Daldrup | Bild: dpa

BER-Aufsichtsrat - Flughafengesellschaft muss unangenehme Finanzfragen beantworten

Das dramatische Finanzdefizit der Flughafengesellschaft beschäftigt am Freitag den BER-Aufsichtsrat. Ein Thema: Ein dreistelliger Millionenbetrag, von dem die FBB bislang nicht aufgeschlüsselt hat, was sich dahinter eigentlich verbirgt. Von Susanne Opalka

Auf Berlins Flughafenchef Engelbert Lüdtke Daldrup könnten bei der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft FBB am Freitag unangenehme Nachfragen in Sachen Finanzen zukommen.

Seit der Veröffentlichung des Konzern- und Jahresabschlusses 2019 im Bundesanzeiger wirft das hohe Finanzdefizit am BER Fragen auf, auf die der Flughafenchef bislang im Detail nicht ausführlich antworten möchte. Die Aufsichtsratsmitglieder werden am Freitag Erklärungen verlangen – zum Beispiel für erstaunlich hohe Summen für externe Beratungsleistungen bzw. Beraterverträge.

Dreistelliger Millionenbetrag unter Ziffer 2

Hintergrund sind im Konzernabschluss 2019 unter "sonstige finanzielle Verpflichtungen" geführte 838,2 Millionen Euro. Die darin unter Ziffer 2 enthaltene so genannte "Bestellobligo" aus erteilten Investitionsaufträgen und Beraterverträgen hat sich im Vergleich zum Jahr 2018 von 173 Millionen auf 352 Millionen verdoppelt.

Doch was verbirgt sich hinter dieser Summe?

rbb24 Recherche hatte darüber berichtet und vergeblich beim Flughafen um eine Aufschlüsselung dieser Summe gebeten. Auch der haushaltpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Sven Kindler, wollte wissen, aus welchen Projekten sich diese Summe ergibt und richtete Ende Juni 2020 eine entsprechende Informationsbitte an die Bundesregierung.

Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium teilte ihm mit, dass die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft FBB unter "Berufung auf die Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen" keine Antworten geben könne.

Arbeitsaufwand von circa 150 bis 200 Stunden vonnöten

Für das Schweigen auf Seiten der Flughafengesellschaft könnte es noch eine andere Erklärung geben: Es lägen auch keine Zusammenstellungen mit den geforderten Informationen vor, sie seien nur mit einem erheblichen Personal - und Zeitaufwand herzustellen, erklärte die FBB.

Da die Informationen in unterschiedlichen Systemen sowie teilweise in nicht systemseitig auswertbaren Datenquellen (zum Beispiel Rechnungsanhängen) vorlägen und daher manuell herausgearbeitet werden müssten, wäre ein Arbeitsaufwand von circa 150 bis 200 Stunden vonnöten. Und nur durch "dezidierte manuelle Erhebung" sei es möglich, Details wie etwa den Beginn und den Abschluss bzw. die geplante Dauer von Beratungen zu erstellen.

Kindler: "Geschäftsführung der FBB ist scheinbar heillos überfordert"

Sven Kindler übt scharfe Kritik an der mangelnden Transparenz der Geschäftsführung des FBB und "ihrer Geheimniskrämerei" in Bezug auf hunderte Millionen Euro an zusätzlichen Verpflichtungen. Alle Karten zur Finanzlage müssten auf den Tisch.

Dass "die FBB die nötigen Daten nicht vorliegen hat, sondern erst erheben und zusammenstellen muss", erwecke erhebliche Zweifel an der Rechnungslegung und am internen Controlling des Unternehmens, so Kindler weiter. "Jedes gut aufgestellte Unternehmen weiß tagesaktuell, wie viel Geld es für welche Leistungen ausgeben muss. Die Geschäftsführung der FBB ist scheinbar heillos überfordert."

Eine parlamentarische Kontrolle der Finanzen sei aufgrund der Weigerungen nicht möglich, sagt Kindler weiter. Angesichts eines möglicherweise Hunderte Millionen Euro schweren Bedarfs an weiteren Geldern der Steuerzahler, "sind wir in einer solchen Situation nicht weiter bereit der Gesellschaft auch nur einen weiteren Cent zu überweisen."

Es könnte sein, dass die Sitzung des Aufsichtsrats am Freitag sehr spannend wird.

8 Kommentare

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  1. 8.

    "Seit der Veröffentlichung des Konzern- und Jahresabschlusses 2019 im Bundesanzeiger wirft das hohe Finanzdefizit am BER Fragen auf, auf die der Flughafenchef bislang im Detail nicht ausführlich antworten möchte."

    Wann fand denn diese Veröffentlichung statt? Gab es seither keine Möglichkeit, die ca. 150-200 Arbeitsstunden zu investieren, um Klarheit zu schaffen?

  2. 7.

    Noch mal für Laien, da m. E. einfach nur eine unfassbar beknackte Lüge: "Da die Informationen in unterschiedlichen Systemen sowie teilweise in nicht systemseitig auswertbaren Datenquellen (zum Beispiel Rechnungsanhängen) vorlägen und daher manuell herausgearbeitet werden müssten,"

    Mit solch einer Antwort würde Lütke-Daldrup nicht einmal eine Rechnungswesen-Einführungsklausur bestehen, aber das hat er wohl auch nie. Wenn Rechnungen Teilbeträge enthalten, die von Art/Zuordnung her unterschiedlich sind, werden sie bereits bei der Erfassung der Rechnung separat gebucht und kontiert, mitsamt Buchungstext, der hinreichend Aufschluss über Inhalt/Anlass der Buchung gibt, wie auch jedes Buchungskonto für eine ganz bestimmte Art Vorgänge steht. Was sich hinter der fraglichen Summe verbirgt, lässt sich m. E. sofort aus der Buchhaltung ablesen, da muss nicht in Papier-Anhängen nach Millionenbeträgen gesucht werden. Sonst könnte auch die Korrektheit der Kontierung gar nicht geprüft worden sein.

  3. 6.

    Die Begründung für die Nicht-Auskunft ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten und kann von jedem widerlegt werden, der auch nur ein kleines bisschen Betriebswirtschaft studiert hat. Die Zahlen in einem Abschluss fallen nicht aus einem Computer, sondern müssen nach Bilanzierungsregeln jahresübergreifend konsistent und centgenau konsolidiert werden. Die fraglichen Zahlen kommen wohl alle aus dem Buchhaltungsbereich, der sich BER nennt ... Der Geschäftsführer Finanzen, der den Abschluss erstellt hat, weiß sehr wohl, was da berechnet wurde, und seine Mitarbeiter auch. Keine hoch aggregierte Summe landet in einem Konzernabschluss, ohne dass der Rechenweg bzw. die Saldierung der Konten dokumentiert und nachprüfbar ist. Wenn es Chaos gegeben hätte, wäre die Interne Revision dran, die Lütke-Daldrup direkt unterstellt ist, zudem Ernst & Young, die den Abschluss intensiv geprüft und mitsamt Korrektheit der Bilanzierung testiert haben.

    Aber danke, dass der RBB das immerhin jetzt aufgreift.

  4. 5.

    Der fast schon ganovenartige Sumpf, verursacht durch externe Beratungsleistungen bzw. Beraterverträge und schlampige Buchführung ist kein Spezifikum des BER. Der ist genauso existent bei CSU Scheurer, da sind die Handy Daten verschwunden, trotz seiner zahlreichen kostenträchtigen Flops kann er weiterwursteln oder bei der Merkel-Vertrauten von der Leyen, wo dann schlagartig auch sämtliche Handy-Daten der werten Dame verschwanden, ehe sie von Merkel auf den EU Job bugsiert wurde und vdL m Verteidigungsministerium Chaos mit einem wehrtechnischen Schrotthaufen hinterlassen hat.
    Es wird an vielen Stellen sinnlos ohne Ende Geld herausgepulvert. Ich frage mich ja auch, woraus sich eigentlich diese plötzlich aufbrechende geballte Wut der Querdenker speist, es ist wohl die Fülle dieseer desaströsen Nachrichten, und das gleichzeitige Fehlen einer wirksamen Vierten Gewalt.

  5. 4.

    Auch wenn der BER zur Eröffnung ca. 7 Milliarden Euro kosten wird und damit 3 mal so viel wie die anfangs geplanten 2,5 Milliarden Euro so ist doch ein vernünftiger Flughafen mit einer vernünftigen ÖPNV Anbindung meiner Meinung nach Alternativlos und in einer Stadt wie Berlin längst überfällig . Das es hätte alles sehr viel besser laufen können wenn nicht Schlamperei , Inkompetenz , Korruption und unprofessionelle Flughafenchefs und Manager an der Tagesordnung gewesen währen wissen wir alle zur Genüge aber jetzt weiter auf dem BER und der Flughafengesellschaft rum zu prügeln weil wegen der mit Abstand größten Krise der Weltluftfahrt seit dem 2. Weltkrieg wahrscheinlich noch mindestens 2 bis 3 Jahre weitere finanzielle Unterstützung notwendig ist finde ich etwas unangemessen . Alle Airports in Deutschland und dem Rest der Welt und sehr viele auch sehr große Fluggesellschaften benötigen in den nächsten Jahren Milliarden von Euros und Dollars an Unterstützung um überleben zu können .

  6. 3.

    Apropos Architektur: Warum gibts hier eigentlich keine Kommentarfunktion?: https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2020/08/rbb-digitales-medienhaus-siegerentwurf.html


    ....naja ich muss ja da gottseidank auch nicht im Grossraumbüro unter der Glaskuppel schmoren....da kann sich doch kein Schwein konzentrieren.

  7. 2.

    Auch was das angeht ist Tegel besser.
    Die ganze BER Planung und Bauausführung ist ein komplettes Desaster.

  8. 1.

    Ne, endlich!

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