Symbolbild: Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, fotografiert bei einem Presserundgang am Flughafen Berlin-Schönefeld. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Inforadio | 29.08.2020 | 07:05 Uhr | Thomas Rautenberg | Bild: dpa/P. Pleul

Corona-Krise - Berliner Flughäfen streichen 400 Arbeitsplätze

Der Schritt kommt nicht überraschend: Die Corona-Krise zwingt die ehedem unter akuter Finanznot leidenden Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft zu drastischen Schritten. In den kommenden Jahren werden Hunderte Jobs abgebaut, wie am Freitag bekannt wurde.

In der schweren Krise der internationalen Luftfahrt verschärft die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft ihren Sparkurs. "Wir werden in den nächsten Jahren etwa 400 Arbeitsplätze abbauen", kündigte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung an. Das solle sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen. Bei dem staatlichen Unternehmen werden danach noch 1.700 bis 1.800 Menschen arbeiten.

Schon vor der Corona-Krise war klar gewesen, dass die Flughafengesellschaft nach der Inbetriebnahme des neuen BER-Flughafens Personal abbauen würde. Denn mit Tegel wird im November einer der beiden Flughafen-Standorte aufgegeben. Nun wird der Sparkurs verschärft. Entsprechend hatte sich Lütke Daldrup bereits am Donnerstag in der Abendschau des rbb geäußert. Schon hier stellte er Stellenstreichungen in Aussicht: "Wir werden weiter intensiv sparen: Wir kürzen Stellen, wir haben Kurzarbeit, wir streichen Investitionen. Wir tun was wir können, aber wir können den Flughafen nicht ohne Geld betreiben."

Am Freitag wurde Lütke Daldrup dann konkret: Schon in diesem Jahr sinke die Mitarbeiterzahl um 124, sagte Lütke Daldrup bei der Aufsichtsratssitzung. Zwischen 50 und 60 Millionen Euro würden im Unternehmen eingespart.

Lütke Daldrup rechnet mit deutlich höheren Erlösen am BER

Im nächsten Jahr sollen es 200 Millionen Euro sein. Gleichzeitig benötige das Unternehmen für 2021 Hilfe in Höhe von 375 Millionen Euro von seinen Eigentümern, sagte Lütke Daldrup. Das sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund. Grundsätzlich werde sich die Lage im nächsten Jahr verbessern. Er rechne damit, dass das Fluggastaufkommen am BER bei etwa 50 Prozent im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit an den beiden Berliner Flughäfen liegen werde.

Derzeit fliegen an den Flughäfen Tegel und Schönefeld etwa 30.000 Passagiere am Tag, das sind etwa 25 bis 30 Prozent der Vorjahreszahl. "Wir erwarten zum Herbst eher wieder leicht rückläufige Zahlen", sagte Lütke Daldrup. Grund seien zunehmende Reisewarnungen und die Entscheidung von Bund und Ländern zu verschärften Quarantäne-Regeln und zum Ende von kostenlosen Corona-Tests an den Flughäfen.

Lütke Daldrup hatte am Donnerstag in der rbb-Abendschau seine Erwartung erneuert, wonach der BER-Flughafen um bis zu 50 Prozent höhere Erlöse als die beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld erzielen werde. Nach Berechnungen von rbb24-Recherche ist diese Annahme aber zu optimistisch. Vielmehr sei ein Erlöse-Plus von 25 Prozent realistisch, hatten eigene Berechnungen ergeben. Dem widersprach Lütke Dalrdup erneut: Am BER-Flughafen gelte eine andere Entgeltordnung, die jenen in Frankfurt am Main und Düsseldorf ähnele. "Wir haben das insgesamt berechnet und kommen zu Mehr-Erlösen von 40 bis 50 Prozent. Hinzu kommt, dass wir viel mehr Geschäfte und Gastronomie am BER haben, auch damit werden wir Geld verdienen", sagte Lütke Daldrup in der Abendschau.

Lufthansa und Easyjet werden die ersten sein

Derweil werden Lufthansa und Easyjet die ersten sein, die Passagiere zum neuen BER-Flughafen bringen. Maschinen der beiden Fluggesellschaften sollen am 31. Oktober gleichzeitig auf den beiden Landebahnen aufsetzen und am neuen Terminal in Schönefeld andocken, kündigte die Flughafengesellschaft am Freitag an. Die ersten Starts solle es am Tag darauf durch Easyjet geben.

Anders als zum ursprünglichen Eröffnungstermin 2012 angedacht, soll es kein großes Fest mit Tausenden Gästen geben. Das war nach der Geschichte von Baumängeln und abgesagten Eröffnungsterminen ohnehin nicht vorgesehen, nun beschränkt die Corona-Krise die Möglichkeiten. "Es wird eine kleine Veranstaltung sein", sagte Flughafenchef Lütke Daldrup. Erwartet würden "die Spitzen der Gesellschafter, der Aufsichtsrat und einige weitere Prozesspartner". Auch der Abschied vom Flughafen Tegel am 8. November werde kleiner ausfallen als gedacht, sagte Lütke Daldrup.

Sendung: Abendschau, 28.08.2020, 19:30 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Mit meinen Steuergeldern soll die Vernichtung unserer Heimat bezahlt werden. Statt Flüge auf das Notwendigste zu begrenzen und Homeoffice und Bahn zu benutzen, werden Billigflieger subventioniert und fliegen auch Bonner Beamte auf Kostenlos auf Kurzflügen nach Berlin.

  2. 12.

    "Mehr Gastronomie" für den Schuldenabbau: Schon klar, die Easyjet-Kunden werden dann einfach doppelt so viel zum überteuerten Preis essen, gibt ja auch mehr Läden als in TXL und SXF. Und deren Gewinne werden von der FBB dann einfach abgesaugt. Wegen der vielen Gastronomie hat Berlin auch so wenig Schulden. Falls wider Erwarten die Billigflieger ihr heimliches Vermögen doch nicht auf der „Fressmeile“ lassen, sind wahrscheinlich noch einmal ein paar Hundert Millionen Nachzahlung fällig. Wetten, dass?!

  3. 11.

    Also ich würde nur in absoluten Notzeiten am Flughafen arbeiten. Es ist schon Jahrzehnte bekannt, dass Flugzeuge absolut steuerbegünstigte Dreckschleudern sind. Ein bisschen Haltung und Verzicht ist schon möglich.

  4. 10.

    Hallo Leute, schon vergessen, wer die glorreichen Politbrüder waren, die aus reiner Selbstüberschätzung den BER bauen wollten, der eine Partybürgermeister der andere, noch heute Moskaufreundlicher Ministerpräsident a.D. Genau richtig geraten, diese Fachleute wollten den billigsten Flughafen, in kürzester Zeit bauen, wie wir heute wissen, hatten die Beiden keine Ahnung, aber von gar nichts, nur wie man wie Landowski & Co. den Steuerzahler betrügt und belügt, um sich ein Denkmal zu setzen. Die grösste Frechheit war aber und das setzte dem Ganzen noch die Krone auf, der Multimanager, Mehrkorn genannt, durfte dann die Karre so richtig gegen den Baum fahren, der hatte von denen die wenigste Ahnung, Verzeihung, vom abzocken des Steuerzahlers schon, der prostet dem doofen Michel, aus dem schönen Südfrankreich, mit teurem Rotwein zu. So schaut aus !

  5. 9.

    Corona wollte ich mit meinem Beitrag nicht in Frage stellen. Allerdings wird Corona für viele Missstände unbegründet herangezogen. Nun kann man die Streichung hunderter Arbeitsplätze coronabedingt begründen und kann den auch ohne Corona notwendigen und geplanten Stellenabbau geschickt kaschieren.

  6. 8.

    Hat bei Ihnen ja geklappt... Pandemie, weniger Luftverkehr, weniger Flüge, ergo weniger Jobs. Und ja, Corona existiert wirklich.

  7. 7.

    Wäre Tegel zum 1.4. geschlossen worden, hätte die FBB viel Geld gespart. Der Umzug wäre längst erledigt.
    Die Regierungsflieger haben ja bereits ein Terminal.
    Also nicht jammern und die Bremser bezahlen lassen.

  8. 6.

    Die hoch gelobte Jobmaschine der Politiker stottert schon bevor sie gestartet ist. Und der Steuerzahler wird noch Jahre für die Missstände bluten müssen. Aber am 31. Oktober werden sich die Verantwortlichen gegenseitig auf die Schulter klopfen, wie schön doch alles geworden ist.

  9. 5.

    Googeln Sie einfach "40000 neue Arbeitsplätze in Schönefelld".
    Es ist einfach nur lächerlich, wie die Leute hier verschaukelt wurden. Und das für 7 Milliarden Euro Steuergeld. Das Fass ohne Boden werden noch unsere Enkel teuer bezahlen.

  10. 4.

    Es war zu erwarten und der BER wird noch mehr Geld verschlingen.
    Warum hat man ihn nach Willy Brandt benannt, dann eher Klaus Landowsky Start up. Seilschaften alter Schule, denen wir jetzt als Steuerzahler wieder Rechnung tragen dürfen.

  11. 3.

    Ich erinnere mich noch gut, dass der BER groß als Jobmotor angepriesen wurde. Mich hat das immer skeptisch gemacht, da ja ein Flughafen wegfällt und die Arbeitnehmer dort auch untergebracht werden müssen.
    Bitter, dass nun hunderte Menschen arbeitslos werden.
    Ein Bekannter von uns arbeitete dereinst in THF und als dort geschlossen wurde, kam er mit viel Glück in TXL unter.
    Selbstverständlich ist das nicht. Wahrscheinlich werden die Altgedienten in großem Stil entlassen und dann neue MA über Zeitverträge rekrutiert, die man dann schneller loswerden kann. Für Leute, die mal ein bisschen jobben wollen, nett. Für welche, die davon leben können wollen, fatal.
    DIe Zahl 375 Mio. EUR, die der Flughafen nächstes Jahr an Hilfsgeldern braucht und die Bund, Berlin und Brandenburg aufwenden werden müssen, kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... Trotz Einsparungen von in Summe 260 Mio EUR verbleiben 115 Mio EUR, die draufgezahlt werden.

  12. 2.

    Ja, ja: Jobmaschine!

    Ja,ja: Corona!

    Glauben die eigentlich, dass sie uns für dumm verkaufen können???

  13. 1.

    So wie der BER eröffnet wird, wird er zeitnah schließen. Begründung: 1. Wenig Flüge 2. Wenig Umsatz 3. Überschuldung.

    "BRAVO"

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