Eine Frau steht am Flughaben BER (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: Abendschau| 19.10.2020 | Ismahan Alboga | Bild: dpa/Christophe Gateau

Probebetrieb beendet - Lütke Daldrup rechnet mit 5.000 Passagieren an erstem BER-Tag

Der Probebetrieb am BER ist abgeschlossen, es kann losgehen am 31. Oktober. Für den Betriebsstart einen Tag später rechnet der Flughafenchef mit 5.000 Passagieren. Und auch wenn der Flughafen Tegel schließt, kann von einer Normalauslastung keine Rede sein.

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup rechnet für den ersten vollen Betriebstag des Airports am 1. November mit rund 5.000 Fluggästen.

Wenn eine Woche später der Flughafen Tegel schließe, würden am Terminal 1 des BER dann rund 16.000 Passagiere abgefertigt, sagte Lütke Daldrup am Montag bei einer Pressekonferenz am BER. Weitere 8.000 Fluggäste würden dann über den Flughafen Schönefeld reisen, der als Terminal 5 des BER dient.

Der neue Flughafen wird damit zur Eröffnung nur etwa ein Fünftel des sonst zu der Zeit üblichen Passagieraufkommens abfertigen müssen. Dadurch verfüge man über ausreichend Kapazität, um auf Störungen im Ablauf reagieren zu können, so Lütke Daldrup weiter. Vom Volllastbetrieb sei der BER durch die Corona-Krise meilenweit entfernt.

Probebetrieb erfolgreich abgeschlossen

Der Probebetrieb am BER mit rund 10.000 Komparsen sei indessen erfolgreich zu Ende gegangen. "Wir haben das Ziel erreicht, aus einem fertigen Gebäude, das die Bauaufsichtsbehörde im April freigegeben hat, einen funktionsfähigen Flughafen zu machen", sagte Lütke Daldrup. Außerdem habe man den "operativen Nutzern", also den Kunden und Prozess-Partnern, Vertrauen in die Betriebsbereitschaft des BER vermitteln können.

Gravierende Probleme habe es nach Angaben Lütke Daldrups bei den Testläufen nicht gegeben. Mehr als 2.000 Flüge wurden simuliert. Die Tester hätten dabei wertvolle Hinweise für weitere Verbesserungen der Abläufe gegeben. Die Beschilderung sei verbessert, die Monitore seien optimiert worden und man habe "etwas ganz Banales" getan, was aber sehr wichtig sei: "Wir haben die Abfallbehälter ausgetauscht". Die vorhandenen Mülleimer hätten sich als nicht funktional erwiesen, so Lütke Daldrup. Man habe jetzt Behälter aufgestellt, mit deren Hilfe man auch "einen Kaffeebecher", der vor zehn Jahren in der Planung nicht wirklich vorgekommen sei, gut entsorgen könne.

BER-Ausbau erst in zwei bis drei Jahren

In einen Ausbau des Flughafens werde die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg frühestens in zwei bis drei Jahren wieder investieren. Das sagte Lütke Daldrup vorab im ZDF-Morgenmagazin: "Wir werden weitere Investitionen ins Wachstum erst dann tätigen, wenn sich der Flugverkehr nach Corona normalisiert hat."

Durch die Pandemie war der Flugreiseverkehr im Frühjahr größtenteils zum Erliegen gekommen. So wurden etwa im ganzen Monat Mai in den Flughäfen Tegel und Schönefeld nur rund 52.000 Passagiere abgefertigt – so viele wie sonst an einem halben Tag. Für dieses Jahr rechnet die Flughafengesellschaft mit zehn Millionen Fluggästen, im vergangenen Jahr waren es 36 Millionen Passagiere.

Normalität erst wieder in zwei, drei Jahren

Kritiker haben immer wieder bemängelt, dass der BER bereits bei seiner Eröffnung am 31. Oktober zu klein für das erwartete Passagieraufkommen sein wird. Seit Baubeginn des BER habe der Flugverkehr immer weiter zugenommen, erwiderte Lütdke Daldrup dieser Kritik. Die Flughafengesellschaft habe den BER in den letzten zehn Jahren deutlich vergrößert.

Im Frühjahr werde das neue Terminal 2 eröffnet, zudem werde der alte Flughafen in Schönefeld als Terminal 5 weiter genutzt. "Der Flughafen ist auf weiteres Wachstum vorbereitet. Allerdings sind wir vorsichtig, wir fahren weiter auf Sicht", so Lütke Daldrup. Für das kommende Jahr erwartet die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg zunächst 18 Millionen Passagiere. Erst in zwei bis drei Jahren werde sich nach der Corona-Pandemie die Normalität im Flugbetrieb wieder einstellen, erwartet Lütke Daldrup.

Dabei verteidigte Lüdke Daldrup die Kosten für den Bau des BER. Mit sechs Milliarden Euro sind die mehr als dreimal so hoch, wie ursprünglich geplant. Der größte Teil müssten aber von der Flughafengesellschaft selbst aufgebracht werden, so der Flughafenchef. "Die Steuerzahler leisten einen Beitrag, das ist richtig. Aber wir müssen sehr, sehr viel aus eigener Kraft stemmen." Dazu gehören auch Darlehen.

Die Flughafengesellschaft benötigt im nächsten Jahr möglicherweise mehr als eine halbe Milliarde Euro Finanzhilfe vom Staat. Der Aufsichtsrat hatte Anfang Oktober zugestimmt, Darlehen in Höhe von bis zu 552 Millionen Euro bei den Gesellschaftern aufzunehmen, wie das Unternehmen mitteilte.

26 Kommentare

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  1. 26.

    Also die Geschichte mit den Mülleimern halte ich für sehr abenteuerlich. Selbstverständlich gab es vor 10 Jahren schon Einwegbecher, und diese waren auch genauso groß wie heute...
    Beim Probebetrieb bekamen wir übrigens einen schicken Mehrwegbecher geschenkt. :-)

  2. 25.

    Ein sehr gelungener Flughafen. Ich war selbst beim Probebetrieb dabei und bin positiv überrascht. Die Atmosphäre empfand ich als äußerst angenehm, auch konnte ich mich sehr gut orientieren und es hat auch alles funktioniert, was funktionieren soll. Vielleicht geht diese scheinbar unendliche Geschichte am Ende ja doch noch gut aus?

  3. 24.

    Ich hätte die ursprünglichen Mülleimer gelassen. Einmal-Kaffebecher hat bis vor 10 Jahren kein Mensch gebraucht, sind ökologischer Wahnsinn und gehören wieder abgeschafft.

  4. 23.

    So lange Wohlstand immer noch zu weiten Teilen auch mit Fernreisen definiert wird und Nachbarn mit Bildvorträgen vor heimischer Kulisse darin faktisch konkurrieren, so lange wird sich an stärkeren und noch stärkeren Passagierströmen m. E. überhaupt nichts ändern. M. a. W: Im Prinzip ist das weit mehr eine kulturelle Angelegenheit als eine politische Angelegenheit.

    Vor 40 Jahren war es völlig selbstverständlich, mit dem Auto unabhängig des Anlasses jedwedes Ziel aufzusuchen, selbst zum Holen von Brötchen. 200 g befördert mit einer Tonne Gewicht. Das ist heute zumindest "brüchig" geworden.

    Also läge es daran, diese "Brüchigkeit" auch in puncto Flugverkehr zu befördern, als es bei bloßen Absichtserklärungen zu belassen. Dann ergibt sich faktisch aus sich heraus eine Breitenwirkung.

    Ansonsten bin ich schon bei Ihnen.

  5. 22.

    Wir brauchen kein Flughafenwachstum, wir brauchen KLIMASCHUTZ! Das bedeutet: weniger fliegen, am besten gar nicht mehr fliegen! Wann begreifen die alte Generation (die Entscheidet ja über derartige Bauprojektr) das endlich mal?

  6. 21.

    Gratulation !
    Mit 9 Jahren Verspätung, zum 3-4-fachen Preis eröffnet BER ausgerechnet dann, wenn wirklich KEIN MENSCH einen Flughafen benötigt: Mitten in d. Corona-Pandemie, dem 2. Lockdown unangenehm nah ! Dieses Omen lässt mich natürlich auf eine angemessene Fortsetzung d. bislang so ruhmreichen BER-Geschichte hoffen ...
    P.S.: Wann steht eigentlich die erste (Teil-)Schliessung zwecks Modernisierung/Renovierung des inzw. doch etwas in d. Jahre gekommenen BER. an ?
    MfG. B.W.

  7. 19.

    Herr Rauthenberg bleibt sich treu. Das Wort Anlieger kommt bei ihm nicht vor. Auch ist er dem nachweis schuldig, wo der BEr modern sein soll. Meine Ankündigung habe ich noch nicht vergessen- die Beschwerde ist in Arbeit.

  8. 18.

    5000 Passagiere abfertigen, nach Schließung von Tegel bis zu 16000? Woidke will kein Beherbungsverbot aber das Reisen einschränken, Feiern in privaten Räumen auf 25 Personen, in öffentlichen Räumen bei etwa max. 50 Leuten? In Stadien werden keine oder wenig Zuschauer zugelassen, Bars und Restaurants bekommen Beschränkungen auferlegt, weil man die Verbreitung des Virus eindämmen will. Wie will man dann die Zusammenkünfte von tausenden Passagieren in einem Terminal dann erklären und rechtfertigen, ggf. auch den Im- und Export des Virus (im schlimmsten Fall)? Sollen tausende Leute, die feiern möchten, denen es in Bars und Restaurants verboten ist, dann zum BER fahren, weil es anscheinend kein privater und kein öffentlicher Raum ist? Ich kann da nur den Kopfschütteln über diese Doppelmoral der Politik. Ich verstehe es immer weniger und kann nur noch schmunzeln.

  9. 17.

    Gut, dass dieser Artikel den Wortlaut der Verantwortlichen dort wiedergibt..:
    ..."man habe 'etwas ganz Banales...Wir haben die Abfallbehälter ausgetauscht'. Man habe jetzt Behälter aufgestellt, mit deren Hilfe man auch 'einen Kaffeebecher', der vor zehn Jahren in der Planung nicht wirklich vorgekommen sei..."
    Wenn der Redakteur solche Worte gewählt hätte, wär es fast schon Satire. Da tauchen bestimmt noch andere Sachen auf, die es vor 10 Jahren noch nicht gab. Ich freue mich schon auf diesen vor 10 Jahren modernen und jetzt Retro-Airport.

  10. 16.

    Hat kein Mensch die Zahl gelesen ?
    5000 ist ein besserer 2. Probebetrieb

  11. 15.

    Wenn dafür noch Geld übrig ist, dann immer raus damit. Nicht funktionale Mülleimer, in der man dem Anschein nach nicht mal Kaffeebecher entsorgen kann.. waren dafür bestimmt sauteuer. Naja, ist ja schließlich Hauptstadtflughafen, ne..?!

  12. 14.

    Jawoll! Bei einer Eröffnung unter Volllast wäre Herrn ELD der ganze Laden um die Ohren geflogen! Nichtsdestotrotz zolle ich Herrn ELD meinen Respekt. Er hat nicht nur wahrsagerische Fähigkeiten die nun politisch gewollte Eröffnung auf den Punkt über 2 Jahre vorherzusagen zu können sondern muss Tag für Tag seine insolvente Totgeburt BER vermarkten. Hinzu muss er weiter den Klingelbeutel schwingen denn neben der jetzt schon fehlenden halben Millarde braucht er für seinen geplanten Ausbau noch ein paar Milliönchen. Good luck FBB and have a good flight:-). P.s Lea wird hier gerade zerrissen.....mal den heutigen Artikel in der Berliner Zeitung lesen....

  13. 13.

    Immer gegen alles. Reisen erweitert den Horizont, zur Zeit gibt es günstige Flüge innerhalb Europas, suchen Sie sich was Nettes aus für Juni 21 oder später, da ist auch die dritte Welle vorüber. Und wenn Ihnen Billigurlaub nicht gefällt, nehmen Sie sich ein teures Hotel! Oder haben Sie keine Zeit, weil Sie im Sommer vorm Tesla Zaun protestieren?

  14. 12.

    Genau, und wenn der Insider etwas bemerkt, was nicht in Ordnung ist, sollte er es melden, damit es repariert werden kann und er sich nicht strafbar macht. Aber jeder, der dem Flughafen auch nur einen Spaten oder Kabel geliefert hat, fühlt sich allwissend. Endlich kann ich mit dem Fahrrad zum Flughafen und ab nach Malle, wie geil ist das denn?

  15. 11.

    Noch eine Coronaschleuder mehr. Statt zu lernen noch ein paar Millionen mehr vom Steuerzahler.

  16. 10.

    Lea:
    "Eröffnung??? Ich bin da ja mal gespannt..laut Insider wäre das sehr riskant, ja sogar gefährlich! Es stimmen immernoch viele Dinge nicht bei der Sicherheit! Mein Insider warnte mich vor Reisen via BER.... dem glaube ich auch, weil er dort arbeitet und jeden Tag sieht was da "brennt"...."

    Ein unbekannter, dubioser Insider? Wohl eher ein Youtube-Troll oder ähnliches.

    Jedenfalls enrhält der Beitrag von Lea kein einziges sachliches Argument! Selbsternannte "Insider", die niemand - außer Lea - kennt, sind kein Argument, sondern offenbar erfundene "Tatsachen", denen Argumente fehlen!

    Es ist naiv, zu glauben, man könne mit solchen frei erfundenen, anonymen "Insidern" hier irgendjemanden beeindrucken.

    P.S.
    Ein total glaubwürdiger Insider hat mir berichtet, Lea sei eine trollige Kunstfigur mit überspriesender Fantasie und leide an der Wahrnehmung von Personen, die es real existierend gar nicht gibt.

  17. 9.

    Also der Schwippschwager von Tante Erna hat von einem Bekannten gehört, das ...
    Ein Post mit Tiefgang.

  18. 8.

    Stellt Euch mal folgendes Szenario vor: Sie eröffnen einen Flughafen und keiner kommt, verrückt oder?

    Hat das eigentlich irgendeiner auf dem Schirm? Interessiert das noch jemand?

  19. 7.

    Ich glaube, die Flughafengesellschaft gehört zu den ganz, ganz wenigen, die ernsthaft Gründe haben, sich über Corona zu freuen. Beim Start nur einen Teil der Normalleistung bringen zu müssen, quasi als "Einarbeitung", das hätte sich Lütke Daldrup wohl schon vor Jahren gewünscht - durfte er aber nicht sagen.
    Nun bekommt er es so :-)

    [Wirtschaftlich betrachtet freuen die sich natürlich nicht über Corona. Der Passagiereinbruch kostet Millionen, jeden Monat. Na ja, man kann halt nicht alles haben.]

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