Eine Gruppe von Menschen protestiert am 31.10.2020 bei der Eröffnung des Flughafens BER (Bild: imago images/Stefan Zeitz)
Video: Brandenburg aktuell | 31.10.2020 | Tim Jaeger | Bild: imago images/Stefan Zeitz

Banner und Sitzblockaden - Klimaschützer und Taxifahrer protestieren zum BER-Start

Die von vielen herbeigesehnte Eröffnung des BER am Samstag rief auch Proteste auf den Plan: Taxifahrer demonstrierten für ein Laderecht am Flughafen, Umweltaktivisten kletterten auf das Dach des neuen Airports und blockierten ein Rollfeld.

Zur Eröffnung des BER-Flughafens am Samstag hat es mehrere Protestaktionen gegeben.

Klimaaktivisten kletterten am Vormittag auf das Dach eines Eingangsgebäudes und seilten sich von dort ab. Einer von ihnen entrollte schließlich ein Banner mit einem Protestspruch gegen die Eröffnung des Flughafens am Samstag: "Flieger stoppen statt Klima schrotten". Die Beamten hätten die Personalien aufgenommen und die Aktivisten anschließend ziehen lassen, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Sie erwarte nun eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Andere Aktivisten versuchten, den Start einer Maschine am Terminal 5 in Schönefeld zu verhindern. Einer von ihnen klebte sich beim Boarding für einen Flug nach Istanbul an die Tür des Flugzeugs, ein anderer an die Gangway, zwei weitere an den Boden des Rollfelds. Die Flughafenfeuerwehr und die Bundespolizei beendeten nach Polizeiangaben die Aktion.

Sitzblockade im Terminal 1

Zudem veranstalteten mehrere dutzend Mitglieder der Gruppe "Am Boden bleiben" im Terminal 1 eine Sitzblockade. Als Pinguine verkleidet legten oder setzten sie sich auf den Boden. Andere hielten Transparente hoch, etwa: "Coole Vögel bleiben am Boden". Schon am Freitag hatte die Gruppe angekündigt, sie wolle die Eröffnungsfeier mit einer Aktion zivilen Ungehorsams "massiv stören". Es könne nicht sein, dass in Zeiten der immer heftiger werdenden Klimakrise ein neuer Flughafen eröffnet werde. "Wir wollen und brauchen den BER nicht", sagte Sprecherin Lena Tucnak.

Zuvor zogen zwei Demonstrationszüge, vom Platz der Luftbrücke und vom alten Flughafen Schönefeld zum BER. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Potsdam sagte am Samstag, bis zum frühen Nachmittag sei bei den Demonstrationen und Versammlungen alles problemfrei gelaufen. Insgesamt sei die Zahl der Teilnehmer an den Aktionen niedriger gewesen als die der Anmeldungen, nach denen die Polizei von rund 3.000 Teilnehmern ausgegangen war.

Berliner Taxis wollen Laderecht am BER

Um gegen die bisherige Taxi-Regelung am BER zu demonstrieren, fuhren auch Hunderte Berliner Taxifahrer zum neuen Flughafen. Rund 700 starteten am Vormittag nach Angaben der Organisatoren zu einer Sternfahrt am Flughafen Tegel im Nordwesten Berlins, etwa 300 stießen in weiteren Teilen Berlins zu dem Korso. 50 Taxen durften direkt vor dem Terminal 1 vorfahren und nutzten die Gelegenheit für ein Hupkonzert. "Wir wollen, dass alle Berliner Taxen Laderecht am BER bekommen", sagte Initiator Erkan Özmen. "Wir machen Druck auf Verkehrssenatorin Regine Günther. Es ist nicht gut, wie sie mit uns umgeht."

Die Taxifahrer verlangen, dass Günther sich mit der bisherigen Regelung nicht zufriedengibt. Aktuell dürfen nur 300 Berliner Taxen in Schönefeld Gäste mitnehmen. "Wir werden sehen, ob weitere Demonstrationen nötig sind", sagte Özmen. Die übrigen Taxifahrer ließen ihre Fahrzeuge auf dem Parkplatz stehen und liefen in einer langen Schlange mit Polizeibegleitung zu Fuß zum Terminal 1. Ihre wichtigste Forderung war immer wieder zu hören: "Laderecht für alle Berliner Taxis". Und die stand auch im Mittelpunkt der gemeinsamen Kundgebung vor dem Terminal.

Mitte September hatte sich die Berliner Verkehrsverwaltung mit dem zuständigen Landkreis Dahme-Spreewald darauf geeinigt, dass aus beiden Regionen jeweils 300 Taxis das Recht erhalten, Fahrgäste am neuen Hauptstadtflughafen aufzunehmen. Falls wegen steigender Nachfrage weitere Taxen nötig werden, soll die Zahl im Verhältnis 1:1 erhöht werden. Die Obergrenze liegt der Verwaltung zufolge allerdings zunächst bei 1.100 Fahrzeugen.

Für Demonstrationen gelten Obergrenzen

Für Demonstrationen gelten in Brandenburg strenge Obergrenzen. Bei einer Inzidenz von mehr als 50, wie sie inzwischen auch in Schönefeld vorliegt, gelten pro angemeldeter Demonstration die Obergrenzen 150 unter freiem Himmel und 100 in geschlossenen Räumen. Die Veranstalter solcher Demonstrationen und Versammlungen müssen immer die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sicherstellen und die Teilnehmerzahl kontrollieren.

Erste Abflüge am Sonntag

Am frühen Nachmittag landeten die ersten beiden Maschinen. Ein Flugzeug von Easyjet aus Tegel setzte als erstes auf der Nordbahn auf, kurz danach folgte eine Lufthansa-Maschine aus München.

Mit einem symbolischen Knopfdruck wurde anschließend die Eröffnung offiziell vollzogen. Auf eine größere Feier wurde wegen der Corona-Pandemie verzichtet, aber auch weil die Inbetriebnahme des Flughafens wegen etlicher Baumängel immer wieder verschoben werden musste.

Der erste Abflug vom neuen Flughafen ist für Sonntag 6:45 Uhr nach London Gatwick geplant. Drei Tage später - am 4. November - wird auch die Südbahn eröffnet. Der letzte Flug aus Berlin-Tegel soll dann am 8. November in Richtung Paris abheben.

Sendung: Abendschau, 30.10.2020, 19:30 Uhr

40 Kommentare

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  1. 40.

    Anscheind hat Frau Günter für Uber Tür und Tor am BER geöffnet;(
    Ich würde mir wünschen, dass alle Taxifahrer Uber Fahrer werden. So kann man Frau Günter vielleicht klarmachen, wie wichtig Taxi eigentlich ist..

  2. 39.

    Dann sind sie aber noch nicht weit rumgekommen. Kleines Beispiel gefällig? Am Flughafen Saint John in Kanada existieren keine öffentlichen Verkehrsmittel. Laufen sie dann die 10 Kilometer mit Gepäck auf der Straße ohne Gehwege?

  3. 38.

    Kann es sein, dass Sie schlicht komfortverwöhnt sind? Für mich ist es jedenfalls bisher noch nie ein Problem gewesen, mit Koffern und in öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen zu gelangen. Das hat bislang bei meinen Reisen bestens funktioniert, egal ob Wien, Oslo, Dublin, Paris oder Stockholm. Alles im Voraus geplant und ich war jeweils nicht langsamer, als ich es mit Taxi gewesen wäre.

  4. 36.

    Vielleicht fehlt mir das Hintergrundwissen. Aber: Warum lässt man nicht jeden Berliner und jeden Brandenburger Taxifahrer Fahrgäste aufnehmen wo auch immer das ist.

  5. 35.

    "Umweltaktivisten kletterten auf das Dach des neuen Airports und blockierten ein Rollfeld."
    Tja da fragt man sich wie so etwas überhaupt möglich ist. Aber das war ja im Juli auf dem Dach des Reichstages auch nicht anders. Das sind alles Sicherheitsbereiche. Ist schon merkwürdig, gell!

  6. 34.

    Also mit CO2 kann man die Luft nicht verpesten, CO2 ist ein Spurengas in der Luft (0.014 %) das brauchen Sie zum Atmen.

  7. 32.

    Es geht also nur ums Geld? Aha. Ablasshandel? Denen geht es darum, dass nicht mehr geflogen wird Über Preise redet keiner. Radikal eben. Ihr Ablasshandel ist allenfalls ein Kompromiss.

  8. 31.

    Flugverkehr wird auf absehbare Zeit nicht klimaneutral werden können. Selbst wenn die Flieger mit CO2 neutralem Treibstoff flögen, das Verteilen von Abgasen in der oberen Atmosphäre hätte dennoch einen negativen Einfluss auf's Klima. Deswegen muss Flugverkehr drastisch reduziert werden.

  9. 30.

    Typisch rbb. Ein aufgeblasener Bericht über fast gar nichts. Die paar Figuren die man im Bild sieht waren auch schon alle. Jede Klassenfete hat mehr Teilnehmer. Gähn ......

  10. 29.

    Natürlich zahlen das die Steuerzahler. Und wer den Weg auf das Dach geöffnet hat und warum die Sicherheitsvorkehrungen das zugelassen haben, werden wir nie erfahren.

  11. 28.

    Da sind wir absolut einer Meinung. Die Berliner Taxi-Innung verlangt hier etwas, was sie in Tegel selbst nicht bereit war zu geben. Die meisten Fluggäste werden wohl ohnehin künftig die Öffis nutzen. Der Taxi-Bedarf ist daher ohnehin weit geringer als am und mit dem TXL.

  12. 27.

    Tja, und Du hast wohl keine Kinder. Oder wie machst Du das denen in 20, 30 Jahren klar? „Entschuldige bitte?!? Wie? Umweltfreundlich handeln? Ich wollte Spaß haben!“

  13. 26.

    Ich glaube mal nicht das mir irgendein komischer Pinguin ,sagt wie oft ich fliegen darf oder nicht. Ich benutze ja schließlich keine Billigflieger wenn ich über den großen Teich will. Wenn sie wirklich etwas bewirken wollen müssen sie schon dahin gehen wo die Entscheidungsträger für alles sitzen.
    In China werden Masken getragen wegen der Verschmutzung und ich sehe dort kein einzigen Pinguin.
    Demonstrieren ist in Ordnung aber heute das zu machen ist total lächerlich.
    Zu den Taxis : Ich fahr sowieso lieber Uber. Günstig und Service besser.
    Für die Umwelt kann man viel machen und der Flugverkehr ist eh schon um die Hälfte reduziert.(Flightrader24 live).

  14. 25.

    Wenn ich das recht in Erinnerung habe dürfen bis heute Brandenburger Taxis keine Passagiere in Tegel zuladen. Das hatte der Senat auf Intervention der Berliner taxiinnung so entschieden und ist davon keinen Meter abgewichen. Der BER darf jeweils von 300 Taxis angefahren werden und Passagiere aufnehmen. Ist schon ein kleiner aber feiner Unterschied. Und der BER ist, im Gegensatz zu Tegel, mit S-Bahn, regio und Bus zu erreichen. Man ist also nicht auf Taxi unbedingt angewiesen.

  15. 23.

    Keiner schreibt Ihnen etwas vor. Sollen heißt schließlich nicht Müssen. Als Fahrgast kann es einem zudem recht egal sein, ob man von einem Berliner oder einem Schönefelder Taxi gefahren wird. Leider gibt es aber bei der Aufteilung der Taxis am neuen Flughafen keine für alle Seiten gerechte Lösung. Der Landkreis will selbstverständlich verhindern, von der Berliner Übermacht an Taxis überrannt zu werden.

  16. 22.

    oder Sie bleiben in Ihrer Blase.....
    Es kann jeder soviel fliegen wie er will.....wenn er bereit ist den tatsächlichen Umwelt relevanten Preis zu zahlen.
    Das ist nichts anderes wie mit dem "billigen" Kohlestrom.

  17. 21.

    Mich würde interessieren, ob die Damen und Herren 'Aktivisten' Schadenersatz für die verursachten Kosten zahlen müssen, oder ob ich für deren Aktionen mit meinen Steuern gerade stehe?

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