Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
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Audio: Inforadio | 27.10.2020 | Andreas Scheuer im Interview | Bild: dpa/Michael Kappeler

Corona-Krise - Verkehrsminister Scheuer rechnet mit weiteren BER-Nothilfen

Für 2020 hat der BER-Flughafen schon 300 Millionen Euro zusätzlich erhalten, für 2021 gewährten die Gesellschafter ein Darlehen von 550 Millionen Euro. Doch das wird nicht reichen, meint Bundesverkehrsminister Scheuer mit Blick auf die Corona-Krise.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geht davon aus, dass der BER-Flughafen in der Corona-Pandemie weitere staatliche Hilfen braucht. Scheuer sagte am Dienstag im Inforadio vom rbb, der Flughafen eröffne in einer Zeit, in der die Luftverkehrswirtschaft global die größte Krise erlebt.

"Ich habe die Zahlen auf dem Tisch, ich bin höchst besorgt - weil von den Flugzeugbauern bis über die Flugsicherung, die Flughäfen, die Airlines und alles, was dazwischen ist, bis zum Shopbetreiber - alle in der tiefsten Krise der letzten Jahrzehnte sind und die ganzen Worst-Case-Szenarien noch schlimmer kommen", sagte der CSU-Politiker.

Luftverkehrsgipfel berät am 6. November

Die drei Eigentümer der Flughafengesellschaft (FBB) - Berlin, Brandenburg und der Bund - unterstützen die FBB in diesem Jahr bereits mit 300 Millionen Euro. Für kommendes Jahr haben sie ein Darlehen von rund 550 Millionen Euro zugesagt. Der Verkehrsminister geht davon aus, dass weitere Finanzhilfen nötig werden.

Die Politik müsse jetzt Lösungen anbieten, so Scheuer. Diese seien mit Nothilfen verbunden - auch für den BER. Das werde bei einem nationalen Luftverkehrsgipfel am 6. November besprochen: "Dazu stellen wir gerade ein Konzept auf. Für den BER heißt das, dass wir uns die Wirtschaftspläne für die nächsten Jahre noch einmal intensiv anschauen müssen."

"Berlin muss ein Drehkreuz sein"

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte bereits im Mai im BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags betont, dass der neue Flughafen nach dem Start zunächst ein Zuschussgeschäft werden. "Wir werden auch in 2021, 22, 23 möglicherweise noch Unterstützung benötigen", sagte Lütke Daldrup. Es werde längere Zeit dauern, bis die Passagierzahlen wieder so seien wie vor der Krise.

Mit Blick auf die Eröffnung des Flughafens am Samstag erklärte Bundesverkehrsminister Scheuer am Dienstag im Inforadio, dass er - trotz der Krise - erleichtert sei, dass der Termin am 31. Oktober gehalten werden kann. Das sei eine positive Botschaft, so Scheuer. Er wolle sich dafür einsetzen, dass der Flughafen erfolgreich werde und es künftig mehr internationale Flüge gebe: "Wir müssen nach vorne blicken. Das heißt, dass wir auch Fluglinien haben, die das neue Drehkreuz Berlin anfliegen. Ich bin mit Airlines in Kontakt. Aber dazu gibt es noch kein Licht am Ende des Tunnels, weil die Airlines momentan eher reduzieren. Aber Berlin ist unsere Hauptstadt, Berlin muss ein Drehkreuz sein."

Sendung: Inforadio, 27.10.2020, 7:05 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    wie war hier vor einigen Tagen zu lesen
    .......rechnet mit 5000 Passagieren......"
    Das könnte jetzt durchaus mit dem durch die Corona-Seuche zurückgehenden Flugverkehr zu tun haben.

  2. 20.

    Das BER Hirngespinst: Riesenschaden+Lehrstück der Marktwirtschaft: der eine verschuldete Flughafen ist nicht systemrelevant um Mrd Steuergelder zu versenken; zwei konkurrierende kleine Flüghäfen brächten Marktbereinigung!
    Steigerung der Schulden ist Fakt. Die Betreibergesellschaft muß das Insolvenzverfahren beantragen. Regierung gibt kein Darlehen und Banken geben keine Kredite mehr, sie treiben die Schulden ein! BER Schließung: Das wäre eine Tat der Klimarettung im Sinne der Fridays For Future Leute! Meistens bringt die Wetterlage der Region Westwind. Das heißt die meisten Starts bringen schlimmen Fluglärm über Blankenfelde-Mahlow. Von Nöten wäre eine seriöse Information über den Ausbauzustand der Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner in den Umlandgemeinden... die startenden und landenden Flugzeuge werden für die Region sehr laut sein. Wenn für Lärmschutz nicht umfassend gesorgt ist, darf der Flughafen BER/FBB/BBI nicht eröffnen. Die Luftfahrtbehörde muß die Umlandgemeinden schützen.

  3. 19.

    Wenn man darüber nachdenkt wer das alles bezahlen soll.....wir bekommen den Sozialismus durch die Hintertür. Hat nur noch keiner gemerkt.

  4. 18.

    wie war hier vor einigen Tagen zu lesen
    .......rechnet mit 5000 Passagieren......
    mit diesen Zahlen machen schon die meisten Regional Flughäfen minus !

  5. 17.

    Dieser Flughafen ist einfach nur grässlich, man sollte ihn einstampfen. Alles ist veraltet und wenn man die jährlichen Kosten bedenkt, furchtbar. Wer weiß, ob da nicht noch das böse Erwachen kommt.

  6. 16.

    Wann übernimmt eigentlich mal ein Politiker die Verantwortung für dieses Steuergeldgrab und tritt zurück? Nach Corona ist Berlin eh ohne Kultur und Attraktivität, da brauchen wir keinen Flughafen mehr.

  7. 15.

    "Berlin muss Drehkreuz sein." Wenn ich mich recht erinnere, gab es 2013? ein Volksbegehren zum Nachtflugverbot. Der Brandenburger Landtag hat dieses auch freudig angenommen. Von Scheuers Drehkreuz wird also von 22:00 bis 6:00 voraussichtlich kein Flieger abheben oder landen. Ein Drehkreuz wird man so sicher nicht. Das mag noch nicht so sein, aber da das Umweltbewusstsein der Bevölkerung und der Politik zunimmt, wir sich früher oder später irgendein Politiker, der gewählt werden will daran erinnern. Ob bis dahin die Millionen wieder verdient sind, sollte doch bezweifelt werden.

  8. 14.

    Konzept?? jetzt schon? Wer Konzept sagt, meint meistens eine kleine Idee, was andere zu tun haben.
    Und es kommt noch schlimmer: die sogenannten "Worst-Case-Szenarien" wollen wir mal sehen; vermutlich gibt es kein Einziges. Corona eignet sich gut um die wahren Gründe zu verschleiern. Löblich ist, das Herr Scheuer mit anderen Airlines in "Kontakt" ist - nur es fehlt der Glaube und die Einstellung "Türklinken zu putzen".

  9. 12.

    "Eine geregelte Abwicklung inklusive Neustart wäre das beste."

    Das heißt auf Deutsch was? Also ich kenne mich nicht aus, aber 'ne Insolvenz dürfte doch nur erfolgreich sein, wenn die Gläubiger (also allen voran Bund/Länder aka Steuerzahler) zum Großenteil Verzicht üben und/oder neue Investoren (vermutlich die üblichen vertächtigen aus dem Ausland) einsteigen, oder?

  10. 11.

    Bitte nicht die 9 Mrd. für die Lufthansa vergessen! Wetten, es werden noch mehr . . .

  11. 10.

    " Er wolle sich dafür einsetzen, dass der Flughafen erfolgreich werde und es künftig mehr internationale Flüge gebe: "

    Ob Herr Scheuer und seine bayerischen Kollegen das wirklich ernst meinen bleibt abzuwarten denn ob die Betreiber des Münchener Flughafens neben Frankfurt / Main mit dem BER jetzt noch einen weiteren Konkurrenten im Lande haben möchten würde ich eher bezweifeln !!

  12. 9.

    Lass mich raten! Bei der Eröffnung am Samstag werden alle eingeladenen Gäste auf Friede, Freude, Eierkuchen machen! Und tun so als ob nichts gewesen war!

  13. 8.

    Scheuer, ist das nicht der Maut-Versager aus Bayern?! Der Typ ist einfach nur peinlich und zwar reichlich!

  14. 7.

    Mittlerweile liefen ja einige aktuelle Berichte über den Flughafen und man kann eigentlich nur zum Schluß kommen, das dort so ziemlich alles falsch gemacht wurde was man nur falsch machen konnte. Rolltreppen rauf, aber nicht runter, sehr lange Wege, versteckte Aufzüge, unübersichtliche Beschilderung, keine ausreichende Infrastruktur, wenige Parkplätze, Passagiere werden mit Bussen vom Flugzeug abgeholt?, ärztl. Versorgung mangelhaft...

    Hoffentlich lernt man aus den Fehlern!

  15. 6.

    Das ist doch ein Witz für den FBB in den nächsten zwei Jahren zusammen 850 Millionen Euro rauszuschmeissen. Bei sozialen Projekten wird gespart und für dieses Objekt werden Millionen in den Sand gesetzt. Man sollte sich doch mal in der Politik Gedanken machen ob dieses noch Zeitgemäß ist für die Luftfahrt so viel Geld raus zu schmeißen in Sachen Umweltschutz. Ich frage mich wieviel Millionen noch für die Jahre 22 und 23 benötigt werden dieses sind Steuergelder und da sollte auch der Steuerzahler darüber bestimmen dürfen oder zu mindestens der Bundestag und die Länderparlarmente.

  16. 5.

    Bei einigen Scripts könnte man glauben, welch schlichter Geist führte die Hand.....
    Der Airport ist gebaut (wie fast alles in Deutschland überteuert bei imenser Bauzeit für die Mehrzweckhalle) und nun muss er mangels Alternative in Betrieb gehen. Per Vertrag wurde ja die zeitnahe Abwicklung von THF und TXL besiegelt. Also was solls..... " rin inTeich und mitgeschwommen..."

  17. 4.

    Ich verstehe nicht wieso ein Mensch der nachweislich 1 Milliarde Steuergelder verschludert hat noch im Amt ist bzw. mit einem solchen Aufmacher präsentiert wird.

  18. 3.

    Es ist nicht so, dass ich die Zahlen oder generell die Einschätzung der erweiterten Finanzhilfen anzweifeln würde, insbesondere in der derzeitigen Situation, aber könnten wir uns in Zukunft vielleicht etwas seriösere Quellen bei der Berichterstattung suchen?
    Warum ausgerechnet der Scheuer zu irgendetwas befragt wird, und das dann auch noch veröffentlicht, entzieht sich völlig meinem Verständnis.

  19. 2.

    Man muss das nichts mehr rechnen. Es gibt umfangreiche Berichte führender Wirtschaftsprüfer zu dem Thema. Der BER ist komplett überschuldet und müsste seine Entgelte um 50 Prozent steigern, um überhaupt eine schwarze 0 zu schreiben. Dies ist völlig unrealistisch. Man wird jedes Jahr einen Finanzbedarf von mehreren hundert Millionen haben und den nicht frei am Kapitalmarkt decken können. Es bleibt nur der Staat als Gläubiger. Ich habe auch schon persönlich darüber nachgedacht, an die betreffende Staatsanwaltschaft heranzutreten wegen Insolvenzverschleppung. Nichts anderes liegt hier vor. Eine geregelte Abwicklung inklusive Neustart wäre das beste. Bevor weitere Milliarden versickern. Zur Erinnerung: man vergab den Auftrag damals nicht, weil eine Kostensteigerung von 2 auf 2,5 Milliarden erwartet wurde. Der Staat könnte es billiger. Wie lachhaft! Die Kosten sind astronomisch explodiert. So viel zum Thema Staat und wirtschaften!

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