Demonstranten des Bündnisses "Am Boden bleiben" blockieren die Haupthalle des Flughafen Tegels am 10.11.2019. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Bild: dpa/Fabian Sommer

Interview | Protest gegen BER - "Es ist Wahnsinn, in der Klimakrise neue Flughäfen zu eröffnen"

Als Pinguine verkleidete Aktivisten wollen die Eröffnung des BER stören. Aus ihrer Sicht muss der Flugverkehr drastisch reduziert werden, um das Klima zu schützen. Im Interview mit rbb|24 erklärt Melek Berger, Sprecherin von "Am Boden bleiben", was sich ändern soll.

rbb|24: Ihre Initiative plant Aktionen gegen die Eröffnung des Flughafen BER am Wochenende. Was genau haben Sie vor?

Melek Berger ("Am Boden bleiben"): Zu detailreich wollen wir nicht werden. So viel: Wir werden mit einigen hundert Pinguinen die Eröffnung am Wochenende blockieren. Eine Aktion zivilen Ungehorsams.

Warum wehren Sie sich dagegen, dass der BER endlich öffnet?

Der BER gehört nicht nur zu den absolut peinlichsten Bauprojekten in Deutschland, sondern auch zu den klimaschädlichsten. Wir sagen, dass es reiner Wahnsinn ist, in Zeiten der Klimakrise neue Flughäfen zu eröffnen. Wir wollen mit der Blockade die Verantwortung des Flugverkehrs in der Klimakrise skandalisieren. Die Eröffnung des BER hat jahrelang nicht geklappt, unser Ziel ist, dass es auch diesmal nicht klappt.

Sehen Sie den Rückhalt der Berliner und Brandenburger für die geplante Blockade?

Fliegen ist definitiv ein sehr emotionales Thema, viele Menschen verknüpfen damit bestimmte Erlebnisse und Urlaube. Aber es findet definitiv ein Bewusstseinswechsel statt, gerade bei den jüngeren Leuten. Um einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen, braucht es auch Proteste wie unseren. Es gibt auf jeden Fall Rückhalt, ja. Würde ich schon sagen.

Richtet sich der Protest gegen Vielflieger oder auch die Familie, die alle fünf Jahre mal in den Urlaub fliegen möchte?

Das ist die Diskussion, die wir anstoßen wollen. Was sind gesellschaftliche oder persönlich relevante Gründe fürs Fliegen? Natürlich verbieten wir niemandem das Fliegen. Wenn man Angehörige im Ausland hat, soll man die besuchen können, zur Not mit dem Flugzeug. Aber was wir brauchen, ist eine drastische Reduktion des Flugverkehrs. Man hat in Zeiten von Corona gesehen, dass viele Flüge ersetzt werden können. Auf der einen Seite durch Videomeetings im geschäftlichen Bereich und auf der anderen Seite müssen vor allem Kurzstrecken, innerdeutsche Flüge oder auch innereuropäische Flüge auf die Schiene verlagert werden, einhergehend mit dem massiven Ausbau des europäischen Schienennetzes.

Sprich, bei Ihrem Protest geht es Ihnen vor allem um Businessleute, die dann vom BER nach Frankfurt fliegen wollen?

Es geht uns eher um das System und ein strukturelles Problem, das auch von der Politik ausgeht: Reden wir lieber von Subventionen und Steuererleichterungen für die Flugindustrie - das wollen wir vor allem kritisieren. Allein schon, was an Steuergeldern in den BER geflossen ist. Oder dass es keine Kerosinsteuer gibt. Während Corona wurde die Fluggesellschaft Lufthansa unterstützt. Flughäfen müssen schließen, nicht nur große, sondern auch viele kleine Regionalflughäfen, die nur rote Zahlen schreiben und ohne Steuersubventionen nicht lebensfähig wären. Ich frage mich, warum wir immer noch weiter Konjunktur- und Steuergelder in einen fossilen Dinosaurier pumpen.

Durch die Corona-Pandemie fliegen bereits weniger Frachtflugzeuge. Manche Wirtschaftszweige sind jetzt abgeschottet, weil die Produktion global vernetzt ist.

Allerdings gibt es da ja auch Alternativen. Frachtverkehr per Schiene, oder dann auch per Schiff. Das ist auch nicht klimaneutral, aber sehr viel besser für die Klimabilanz, als das per Flugzeug zu transportieren. Jetzt wäre die Chance da, die Krise zu nutzen, diese Pause in der Luftfahrt zu nutzen, einen grundsätzlichen Umbau unserer Mobilität und der Wirtschaft zu überdenken und auch neue Jobs im klimafreundlichen Sektor zu schaffen. Wenn wir das ignorieren und weitere Milliarden von Steuergeldern in die Flugindustrie schieben, fliegen wir direkt in die nächste Krise.

Wenn Flughäfen wie der BER schließen, würde Reisen, und damit die Welt und andere Kulturen kennenzulernen, erheblich erschwert.

Zum einen kann man die Welt nicht nur mit dem Flugzeug kennenlernen. Es gibt genügend Alternativen, sei es die Schiene. Es muss im Bewusstsein ankommen, dass es andere Formen des Reisens gibt. Dass es langsamere Formen des Reisens gibt. Dass die Welt auch so erkundet werden kann. Es gibt sicher relevante Gründe, eine Reise zu machen, zum kulturellen Austausch, ja. Was da aber sicher nicht mit reinspielt, sind Reisen zu europäischen Hotspots. Massentourismus ist ja auch ein großes Problem für gewisse Regionen.

Wie reisen Sie?

Ich bin seit Jahren nicht geflogen, wenn Sie das meinen. Aber ich habe auch keinen Grund dazu. Ich habe keine Familie im Ausland, und ich finde, es kann sehr genussvoll sein, die Welt mit dem Zug zu erkunden. Wenn das europäische Schienennetz ausgebaut wird, wird das auch Anreize setzen. Viele Menschen fliegen ja, weil es sehr günstig ist, und weil man sehr günstige Flüge überall auf der Welt bekommen kann. Und das kann so günstig sein, weil es stark subventioniert wird.

Warum konzentrieren Sie sich so aufs Fliegen, und nicht zum Beispiel auf Streaming, Internetnutzung über Smartphones - wodurch ja auch viel CO2 ausgestoßen wird?

Zum einen ist das eine Art von Whataboutism, wenn ich sage, andere Sachen verursachen auch viele Treibhausgas-Emissionen. Zum anderen verursacht der Flugverkehr nicht nur einen großen Anteil von Treibhausgas-Emissionen in der Welt, sondern ist auch noch ungerecht. Der Großteil der Weltbevölkerung hat noch nie in einem Flugzeug gesessen. Wenige Vielflieger zerstören also das Klima auf Kosten anderer.

Sie haben angesprochen, dass es in der jüngeren Generation einen Bewusstseinswandel beim Reisen gibt – sehen Sie den auch bei den Älteren?

Ich glaube, dass die jüngeren Menschen den älteren Teil der Bevölkerung auch beeinflussen können. Wenn ich erzähle, ich fliege nicht aus den und den Gründen, dann habe ich auch Einfluss auf mein Umfeld. So könne auch die jüngeren Menschen die älteren beeinflussen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Vanessa Klüber

58 Kommentare

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  1. 58.

    Die Aktion dieser sogenannten "Aktivisten" ist meines Erachtens kriminell, da sie mindestens den Straftatbestand der Nötigung erfüllt. Noch dazu ist sie antidemokratisch, da die "Aktivisten" ihre Ziele nicht auf politisch-parlamentarischem Wege durchzusetzen versuchen.

  2. 57.

    Seit Corona hat sich die Anzahl der Flugzeuge um die Hälfte , teilweise bis zu 60 % reduziert. Quelle : Flightradar 24.
    Vor einen Jahr waren bis zu 22 000 Flugzeuge zeitgleich in der Luft. Also wo ist das Problem dieser Pinguine

  3. 56.

    Eine Beleidigung für die sozialen Pinguine!
    Ohne Maske und ohne Verstand wird hier Schwachsinn rumgebrüllt, Hauptsache gegen etwas sein.
    Nicht das WAS ist entscheidend, sondern das WIE!

  4. 55.

    Ich frage mich ernsthaft wie engstirnig man diesen Artikel auffassen muss, um noch nicht mal zu erkennen, dass das ein Archivbild einer vergangenen Aktivität ist (nicht zu Corona Zeiten). Schauen Sie doch als "mündiger" Bürger mal auf deren Seite, dann sehen Sie, dass die Aktivist*innen ein vorbildliches Hygienekonzept haben - aber das scheint Ihnen zu schwierig, lieber pöbeln und Behauptungen in die Welt stellen - super!

    Eine wirklich wichtige Aktion, der Flugverkehr ist zutiefst ungerecht und sollte schleunigst zugunsten einer klimagerechten Agenda eingeschränkt werden!

  5. 54.

    Da haben Sie zweifelsohne Recht. Aber faktisch ist es doch jetzt schon so. Innerdeutsch können Sie praktisch nur zwischen sechs bis sieben Destinationen fliegen, wobei es den meisten jetzt schon relativ egal ist, ob sie in Düsseldorf oder Köln/Bonn landen. Köln/Bonn überlebt faktisch nur durch den 24-Stunden-Betrieb. Genau so wie Leipzig/Halle als faktischer Frachtflughafen mit vereinzelten Passagiermaschinen. Die ganzen restlichen kleinen Flughäfen sind meist defizitär und wickeln fast ausschließlich Urlaubsflüge ins Ausland ab. Die würden aber nicht entfallen sondern bei den anderen Flughäfen wieder dazu kommen. Für Frankfurt wäre das durchaus problematisch, weil dort kaum freie Slots bestehen. Die anderen Flughäfen könnten wahrscheinlich profitieren. Es war aber die Regionalpolitik, die die diversen kleinen Flughäfen unbedingt haben wollte.

  6. 52.

    Im Text ist von einem Bewusstseinswandel jüngerer Leute zu lesen, das kann man nur bedingt unterschreiben, Stichwort Low-Cost-Städtetrips, Air B'n'B- Unterkünfte und folglich overtourism und natürlich Emissionen. Es sind doch genau die Jüngeren, die so zu reisen pflegen. Die Klimabewegten halte ich eher für eine Randerscheinung, auf die gesamte junge deutsche Bevölkerung hochgerechnet.
    Finde die Meinung von Uti Nr. 49 gut. Die Tickets dürfen nicht so billig sein, der Markt darf nicht so überschwemmt und es dürfen auch nicht so viele Flugslots verteilt werden. Wir wohnen nun mehr im Norden, der TXL wurde zu Spitzenzeiten minütlich geflutet von Germanwings, HLX, airberlin sowie deren späteren Nachfolgern.
    Das wünscht man den Anwohnern im Süden Blns. (eh schon SXF-geplagt) jetzt auch nicht gerade, zumal ja das Intercont-Geschäft noch forciert werden und ein riesiges Drehkreuz entstehen soll... Lasst mal Corona vorbei sein, dann sehen wir wohl erst, was sich da gerade so zusammenbraut.

  7. 51.

    Ich freue mich jetzt schon darauf, wieder in den Flieger zu steigen um die Welt weiter zu erkunden. Ich habe nur ein Leben und wenn die Pandemie vorbei ist, dann möchte ich mein Leben auch genießen. Dazu gehört neben dem Auto fahren auch das Fliegen in ferne Länder.

  8. 50.

    Was für eine Klimakrise ? Das Klima ist doch in Ordnung . Wahnsinn ist es in Corona - Zeiten zu demonstrieren !

  9. 49.

    Klimaschutz ist äußerst wichtig und sollte von jedem jeden Tag gelebt werden. Selbstkasteiung ist aber fehl am Platz. Auch die Fliegerei ist eine Errungenschaft der Menschheit. Allerdings sollte diese ihren Preis haben. Insofern wären Proteste gegen Billigtickets zielführender als ein Protest gegen die Eröffnung eines Flughafens als Ersatz von 2 geschlossenen Flughäfen. Also  Schluß mit der Billigfliegerei durch Erhöhung der Ticketpreise und mindestens Verdoppelung der Flughafengebühren. Die Erhöhung der Gebühren für die Flughafennutzung hätte den Vorteil, dass nur diejenigen für den Flughafen bezahlen, die ihn nutzen. Somit wären die (gestiegenen) Kosten z. B. des BER nicht von allen Steuerzahlern, sondern nur von dessen Nutznießerern zu tragen. Und einer prophezeiten Insolvenz der Flughafengesellschaft könnte gegengesteuert werden.

  10. 48.

    Immerhin: Es braucht eines Einstiegs in ein Denken, dass Deutschland mit fünf Flughafen bestens bedient wäre:
    Frankfurt am Main im Zentralen, Hamburg oder Hannover im Norden, Leipzig/Halle oder Berlin im Osten, Düsseldorf im Westen und München im Süden.

    Der Abnutzungseffekt bei Flughäfen ist ja eh so, dass in 20 Jahren bereits veraltet ist, was gerade erst gebaut wird. Insofern lohnt es, schon jetzt die Debatte zu beginnen.

  11. 47.

    Busunternehmen bauen Bushaltestellen und unrentable Bahnhöfe werden geschlossen oder wie??
    Öffentliche Infrastruktur ist Aufgabe des Staates!

  12. 46.

    ""Durch die Corona-Pandemie fliegen bereits weniger Frachtflugzeuge.""
    So ein Quatsch, dass Luftfahrtaufkommen der Frachtflieger ist dank Corona immens gestiegen.
    Darum hat die Lufthansa auch ihre MadDogs MD-11 wieder reaktiviert.

    Ansonsten sind diese Demos doch albern, die wachsende Weltbevölkerung will und wird auch immer mehr fliegen. Realismus war aber noch nie die Stärke von Kawasaki und Co...Montag wird sich wieder beschwert, dass die Polizei die Wege freigeräumt hat.

  13. 45.

    Gute Sache ,Bäume pflanzen.
    Aber da müssten sich ja die Herrschaften ja die Hände schmutzig machen. Das ist nicht ihr ding . Das wäre zu viel verlangt

  14. 44.

    Sie sind ja ein richtiger Schnellmerker! Nur haben Sie vergessen, dass erstens zwei Flughäfen ersetzt werden und zweitens die völlige Überlastung von Tegel an BER abgefangen wird. Wenn Sie mich schon wiederholt schief anmachen wollen, dann bitte mit Niveau.

  15. 43.

    Die Guten, hier die "Klimaaktivisten" brauchen keine Masken und auf Abstand wird gepfiffen, ääääh, geschrieen.
    Das ist gut so.

  16. 42.

    Ja das ist Wahnsinn. Vollkommen richtig. Insbesondere wenn ich mir das Foto ansehe, das den Wahnsinn bestens dokumentiert.

    Klima, ja ein sehr ernstes Thema - muss man das mit so einer vollblöden Maskerade ins Lächerliche ziehen.

  17. 41.

    Super Aktion!
    Mich wundert nur, dass Greta und ihre FfF - Jünger sich da nicht positionieren.

  18. 40.

    Einen Regionalflughafen benötigt man nicht. Die Anfahrt zu den Drehkreuzen München, Frankfurt Düsseldorf, erfolgt u. a. per Bahn,.. Was anderes sollte auch nicht gebaut werden

  19. 39.

    Was m. E. fehlt, ist das Aufspüren eines Punktes, wo eine Angelegenheit quasi kippt. Einen Punkt, an der ein tatsächlicher Gewinn, der die Fliegerei ja erstmal ist, in eine all zu billige Gewohnheit kippt und niemand mehr einen gefühlten Gewinn darin sieht, nur eine grassierende Abhängigkeit.

    Diese Abhängigkeit - verstanden in der ganzen Bandbreite des Wortes - ist m. E. in vielen getanen Formulierungen zu spüren.

    Auch das Auto ist ein unermesslicher Freiheitsgewinn gerade für diejenigen, die janz weit draußen wohnen und wo es auch garnicht lohnt, im Halbstundentakt einen Bus fahren zu lassen und überdies einen dreimaligen Umstieg zum Fahrtziel anzubieten. Dort aber, wo sowieso Stoßstange an Stoßstange hintereinander gefahren wird, kann von individueller Freiheit nun wirklich nicht die Rede sein.

    Wer spürt eine Großartigkeit beim Fliegen, schaut voller Interesse aus dem Fenster? Und wer sitzt am Laptop, ärgert sich über eine Verspätung von 10 Minuten?

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