05.11.2020, Brandenburg, Schönefeld: Auf der Seite zum Flugfeld prägen große Glasflächen das neue Regierungsterminal auf dem Gelände des Flughafens Berlin Brandenburg (BER). (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Video: Abendschau | 27.11.2020 | Boris Hermel | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

rbb-exklusiv | Terminal 5 geht vom Netz - Bund zeigt sich offen für private Investoren beim BER

Die Finanzlage des BER war schon vor der Coronakrise nicht gut, nun ist sie katastrophal. Der Flughafen braucht weitere Millionen der Gesellschafter. Der Bund denkt nun laut über private Investoren nach - was Berlin vehement ablehnt. Das Ternminal 5 geht in Zwangspause.

Der Bund ist offen für das Engagement privater Investoren, um den Flughafen BER aus der aktuellen Krise zu führen. Das sagte der zuständige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Werner Gatzer, der rbb-Abendschau. Zwar seien auch weitere Zuschüsse der drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund möglich, so Gatzer. Andere Instrumente sollten aber nicht außen vor sein. "Meines Wissens gibt es private Investoren, die bereit sind, einzusteigen." Nach rbb-Informationen handelt es sich dabei unter anderem um private Rentenfonds. "Auch wenn der Flughafen verspätet in Betrieb genommen wurde, ist er für die nächsten Jahrzehnte ein erfolgreiches Anlageobjekt."

Der Bund habe sich die Möglichkeit offengehalten, seine Anteile an der Flughafengesellschaft abzugeben, sagte Gatzer. Für die nächsten zwei Jahre sei das laut Gesellschaftervertrag zwar noch ausgeschlossen, allerdings müsse relativ schnell geklärt werden, wo die nun fehlenden Mittel des Flughafens herkommen sollen. "Da wird man auch die Frage stellen müssen, ob alle Gesellschafter Anteile abgeben, damit sich ein privater Investor einbringen kann." Gatzer verwies dabei unter anderem auf den Flughafen Frankfurt am Main, der bereits teilprivatisiert wurde.

Berlin lehnt private Investoren ab

Beim Land Berlin stößt Gatzer, der den Bund im Flughafenaufsichtsrat vertritt, mit seinem Vorstoß allerdings auf vehemente Ablehnung. "Ich persönlich und auch das Land Berlin wollen für Berlin diesen Weg definitiv nicht gehen", sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) der rbb-Abendschau. Wichtige Infrastruktur müsse in öffentlicher Hand bleiben, so Kollatz, auch um zu verhindern, dass "eine Sozialisierung der Verluste und Privatisierung der Gewinne" stattfinde.

Zudem habe das Land Berlin selbst vor, von den Gewinnen des BER zu profitieren, wenn die Krise überstanden und der Luftverkehr auf normales Niveau zurückgekehrt ist. "Berlin hat Erfahrung damit, wenn man in Finanznot Infrastruktur privatisiert und später versucht, sie zurückzubekommen." Erfahrungsgemäß sei das "keine kluge Strategie", so Kollatz. Er spielt damit unter anderem auf den teuren Rückkauf von Wohnungen an, die das Land Berlin nach dem Bankenskandal an die Immobilienwirtschaft veräußert hatte und nun im großen Stil zurückkauft.

"Wenn Bund sich zurückziehen will, können wir das nicht verhindern", räumt Kollatz ein. "Klug finde ich das aber nicht." Es müsse in jedem Fall sichergestellt sein, dass die öffentliche Hand die Mehrheit der Anteile behält.

Zumindest in dieser Frage sind sich Berlin und Bund einig. "Die öffentliche Hand muss mitgestalten und Entscheidungen treffen können", sagt Gatzer. "Aber mir leuchtet es nicht ein, warum an so einem attraktiven Flughafen wie in Berlin nicht möglich sein soll, was in Frankfurt oder Düsseldorf möglich ist."

Auch Aufsichtsratschef Bretschneider offen für Investoren

Bereits Ende Oktober hatte schon Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider signalisiert, dass er offen für private Investoren am BER wäre. "Da hätte ich nichts dagegen", sagte Bretschneider dem rbb-Inforadio. Zwar dürften aktuell die Rendite-Erwartungen schwer zu erfüllen sein, so Bretschneider. "Wir müssen aus der Krise raus, dann können wir auch über einen Verkauf von Anteilen reden."

Der Flughafen BER arbeitet wegen der pandemiebedingten Krise in der Luftfahrt bei lediglich zehn Prozent Auslastung. Allein in diesem Jahr werden zusätzliche 300 Millionen Euro Zuschuss der Gesellschafter benötigt, um die wirtschaftlichen Corona-Schäden auszugleichen. Für das kommende Jahr haben Berlin, Brandenburg und der Bund weitere 660 Millionen Euro zugesagt, bestätigte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag. Die gesamte Finanzlücke des BER beläuft sich nach rbb-Informationen auf rund 1,5 Milliarden Euro - eine Summe, die Kollatz allerdings bestreitet.

Im Frühjahr wird das Terminal 5, der ehemalige Flughafen Schönefeld, temporär für ein Jahr geschlossen, um Kosten zu sparen. Das bestätigte Lütke Daldrup am Freitag nach der Aufsichtsratssitzung. Die Südbahn geht bereits im Dezember dieses Jahres vom Netz. Beides zusammen spare laut Lüptke Daldrup "einen maßgeblichen zweistelligen Millionenbetrag". Zudem sind viele Mitarbeiter in Kurzarbeit und werden es auch bleiben. Darüber hinaus soll weiter Personal abgebaut werden, hauptsächlich aber über Frühruhstandsregelungen oder Sabattjahre.

Flughafenchef träumt von schwarzen Zahlen

Die Zahl der Passagiere dürfte 2020 auf neun Millionen fallen und auch im nächsten Jahr mit erwarteten zehn Millionen nur 30 Prozent des Vorkrisenniveau erreichen, so Lütke Daldrup. Wenn man die Betriebskosten schrittweise anpassen könne, sei es aber weiter möglich, wie ursprünglich geplant ab 2025 schwarze Zahlen zu schreiben - vorausgesetzt, die Gesellschafter helfen weiter bei der Bewältigung der Coronakrise.

20 Kommentare

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  1. 20.

    Sorry, beim ersten Versuch ist der Text falsch verlinkt, daher hier noch einmal.
    Ja, ja, die privaten Investoren wollen Geld versenken. Selten so gelacht!
    Spaß beiseite. Wenn Sie sich informiert hätten, wüssten Sie, dass die FBB 2019 im operativen Betrieb von TXL und SXF ca. 100 Mill Euro Gewinn erwirtschaftet hat, der natürlich im vollen Umfang in den BER geflossen ist.
    Nicht ohne Grund philosophieren seit Monaten irgendwelche Finanzspezialisten im RBB von einer Entschuldung der FBB, da können dann die privaten Investoren nach kurzer Zeit und ohne Risiko die Gewinne einstreichen.

  2. 19.

    Ja, ja, die privaten Investoren wollen Geld versenken. Selten so gelacht!
    Spaß beiseite. Wenn Sie sich informiert hätten, wüssten Sie, dass die FBB 2019 im operativen Betrieb von TXL und SXF ca. 100 Mill Euro Gewinn erwirtschaftet hat, der natürlich im vollen Umfang in den BER geflossen ist.
    Nicht ohne Grund philosophieren seit Monaten irgendwelche Finanzspezialisten im RBB von einer Entschuldung der FBB, da können dann die privaten Investoren nach kurzer Zeit und ohne Risiko die Gewinne einstreichen.

  3. 16.

    der BER kostet dem Steuerzahler die nächsten Jahre Geld, egal ob offen oder zu oder nur Teil / Teil.
    Das nennt sich in der Politik auch Alternativlos.
    und private Gelder kommen nur bei Rendite rein oder ( für die Älteren) Aktion Berliner Bankgesellschaft.

  4. 14.

    Naja hat ja uns bis zu Eröffnung NUR 7,8 Milliarden Euro gekostet aber alles gut wir haben es ja!

  5. 13.

    Wie bei der Wohnungswirtschaft. Jetz billigst verkaufen, Jahre später teuer dann mit Steuergeldern wie bei den Wohnungen, überteuert zurückkaufen. Ist ja nur Geld was eigentlich uns allen gehört und nicht den Politikern.

  6. 12.

    ....die Betriebserlaubnis läuft erst Anfang Mai 2021 aus und ich würde mich nicht zu früh freuen. Schlau wäre gewesen nicht überhastet den insolvente BER zu eröffnen sondern Tegel mit zu erwartenden 10 Mio Passagiere in 2021 weiter zu betreiben.

  7. 11.

    Das Herr Kollatz sich wehemend gegen eine Teilprivatisierung sträubt ist vollkommen klar. Einem privater Investor sind dann Bilanzen etc vorzulegen und dann fliegt die über Jahre desaströse Finanzpolitik auf. Bis dato konnte die FBB es ja immer als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis deklarieren. Wir könnten Mr. Musk fragen, Grünheide ist ja nur einen Steinwurf entfernt! Musk City hört sich besser an als Totgeburt BER......

  8. 10.

    Das ist nicht möglich, da die Betriebserlaubnis des Flughafen Tegels bereits rechtswirksam entzogen wurde!
    Die aufschiebende Bedingung des 6Monatigen Betriebs des Flughafen BER läuft.

  9. 9.

    BER schließen, auf TXL umsteigen, BER veräußern, Tegel weiter betreiben.

  10. 8.

    Mit der "angeblich" passageren Schliessung der südlichen Start-und Landebahn sind wieder alle Anwohner der nördlichen Start/Landebahn die Leittragenden. Hätte man die Bahnen nicht im täglichen Wechsel betreiben können? Das wäre nur fair für alle Anwohner gewesen.
    A.

  11. 7.

    BER schließen, auf TXL umsteigen, BER veräußern, Tegel weiter betreiben.

  12. 5.

    Klar, erst baut der Staat das Ding für einige Milliarden, dann sind die Zahlen (auch wegen Corona) schlecht und wenn der BER dann in die Nähe von Gewinnen kommt, privatisiert man den Schuppen unter "Wert". Läuft!

  13. 4.

    "Das Land Berlin will von den zukünftigen Gewinnen des BER profitieren" Köstlich. Besser als jede Comedy show.
    So kann man wenigstens auch mal in Coronazeiten herzlich lachen.

  14. 3.

    Also bitte schön den kleineren Teil des Flughafens Terminal 5 als SXF weiternutzen und den unhandlichen kostentreibenden Schuldenpalast Terminal 1 schließen, den man bei dem chaotischen Verkehr um das Schönefelder Kreuz sowieso kaum erreichen kann: es braucht den umweltpolitischen Entscheidungswillen zum bescheidenen Regionalflughafen! Nicht das kapitalwirtschaftliche "Noch mehr Geld" löst die Probleme: nachdem das Kind offensichtlich in den Brunnen gefallen ist, fängt die Politik an den Brunnen weiter zu graben, anstatt das Kind (regionale Wirtschaft) zu retten und eindeutig den BER zu schließen.

  15. 2.

    Genau, nachdem es runtergewirtschaftet wurde, kommen die Privaten und können günstig einsteigen. Auf Zehnjahressicht ein geiles Geschäft. Bitte melden Sie sich bei mir, kann ja nicht so teuer sein!

  16. 1.

    Wenn ein paar Anleihen mit akzeptablen Verzinsungen (> 1,5%) auf den Markt kommen, steigt die Privatwirtschaft sicher ein.

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